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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-15 · Heft 2890 (15.3.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2890 (15.3.1927)
Date
1927-03-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Zelte 6 Men, Dienstag Wiener Morgenzettnng kö. März 1927 Nr. 2890 Shoshana Avivilh, d-i« ausgezeichnete Künstlerin der Habima, die in Paris außerordentlich gefeiert wird und dort i'dmtfd) geworden ist, unternimmt »gegenwärtig eine Konzerttournee durch Polen und Litauen.' Wj<> wir erfahren, wird versucht, Shcchana Avivith auf ihrer Rückreise nach Paris »nach für ein Konzert in Wien -u gewinnen. FESTSAAL DES VEREINSHEIMS VIII., BENNOPLATZ la Sonntag, den 20. M9rz 1927, um halb 8 Uhr abends Jüdischer Kunstabead (Künstlerische Leitung: Bernhard Scharrer'' AHtwirkende: Maria Guttraann (Deutsches Volkstheater), Dr. Siegfried Schmitz, Hanna Schwarz (Volksoper'», Joachim Stutschewski Einladungen t Vereinsheim, VIII., Bennoplatz la, von 4-6 Uhr KLUB RADIKALER ZIONISTEN Mittwoch, den 16. März 1927, um halb 9 Uhr abends, im Cafe Atlashof, I., Aspernplatz (Klublokal: Eingang Wiesingerstraße um die Ecke) iOuhversam mlung Gegenstand Das Programm der Zionisten-Revislonlsten Referent: Dr. Norbert Hofmann , Freie Aussprache. Serichtsfaal. Hast zur krzwingung der Uebernahme des Scheidungsbriejer. Zwischen dem Reisenden Karl Rauch urch seiner Gattin Fanny schwobte beim Zivillandesgericht ein Ehescheidungs- Prozeß, der damit endete, daß der Scheidungsklage des Gatten stattgegeben und die Ehe aus alleinigem Verschulden der Frau geschieden wurde. Irr der Berusungsverhandlung kam ein Vergleich zustande, auf Grund 'dessen sich die Frau zur Uebernahme des Scheidungsbrieses verpflichtete, wogegen der Gatte den Betrag von 1000 Schilling sofort und weitere 1000 Schilling in fünf Monatsraten für seine Gattin zu Händen ihres Vertreters erlegen sollte. Karl Rauch erlegte die 1000 Schilling und weitere zwei Raten zu se 200 Schilling. Die Gattin verweigerte jedoch die Uebernahme des Scheidungsbrieses, zu der sie sich bei Exekution verpflichtet Hatte, und bliob bei dieser Weigerung auch als sie der Gatte vor den Rabbiner der Kultusgemeinde zitierte. Karl Ranch zog damals in seiner Erbitterung den Revolver und verletzte die Frau, weshalb er »bedingt zu zwei Monaten strengen Arrests verurteilt wurde. Die Gattin erhielt 750 Schilling an Schmerzensgeld und Heilungskosten zugesprochen. Um diesen Betrag zu erlangen und noch andere ihr zustehende Forderungen gegen den Gatten einzutreiben, veranlaßte Fanny Rauch beim Exekutionsgericht die Pfändung der für sie beim Anwalt erliegenden 1400 Schilling. Auch der Gatte setzte beim Gericht 'die Exekution zur Erzwingung der Uebernahme des Scheidungsbrieses durch, ebenso auch die Verhängung der Haft über seine Frau, weil sie sich weigerte, den Scheidungsbrief zu übernehmen. Den Einwendungen der Frau gegen den Haftbeschluß gegenüber, brachte der Vertreter Karl Rauchs vor, Frau Rauch habe sich selbst gepfändet, da die 1400 Schilling ohnehin für sie bestimmt »vaven. Die Oppositionsklage der Frau wurde vom Gericht abgewiefen. Das Qberlandesgericht bestätigte diese Entscheidung und 'da die Frau die rechtzeitige Einbringung der Revision an den Derbsten Gerichtshof versäumt hat, ist die Entscheidung rechtskräftig. Der Klageanwalt beantragte daraufhin die Fortsetzung der inzwischen unterbrochenen Hast, tvelchem Antrag auch stattgegeben »vurde. Falls sich Fanny Rauch nach erfolgter Vorladung auch weiterhin weigern sollte, den Scheidungsbrief zu übernchmen, dürfte sie tat-sächlich auf diese ungewöhnliche Art zur Erfüllung ihrer Verpflichtung verhalten werden. Kirr antisemitischer Roheüsatt. Frau Regln- E. ging vor kurzem am Nachmittag mit ihrem Gatten über den Naschmarkt in der Nähe der Kettenbrücke. Da das Ehepaar nicht Zeit gefunden hatte. Mittag zu essen, setzten sie sich beide auf einen Handwagen hinter der Verkaufshütte der ObsthäMerin Laura Russo und verzehrten dort Wurst. Plötzlich kam aus der Hütte, deren rücttvättige Rolläden geöffnet waren, eine Birne geflogen und verletzte Frau E. am Auge. Wäre der Wurf etwas heftiger gewesen, so hätte große Gefahr für die Sehkraft des Auges bestanden. Auf die Beschuldigung der Frau E. hin trturde der Gehilfe der Frau Russo, Maximilian Haas, als Täter angczeigt. Bei der VerhaMung vor dem Bezirksgericht Margareten (Bezirksrichter Dr. Vernarb) gab die Anzeigerin an, Haas habe gerufen: „Ich will der polnischen Jüdin eine Birne in die Pappen werfen." Darauf habe er tatsächlich die Birne geworfen Der andere Gehilfe Anton Sokol bemühte sich, seinen Kameraden zu entlasten. Frau Russo hatte angegeben, die beiden Gehilfen hätten um die. fragliche Zeit Ware auf einen Wagen verladen und mit Birnen gar nichts zu tun gehabt. Der Gatte der Anzciigerin gab als Zeuge an, der Vorfall habe großes Ausschen erregt und die Leute hätten gegen Haas, der sich vorerst versteckte, Stellung genommen. Er sei sehr blaß gewesen und habes chon dadurch Schuldbewußtsein verraten. Angekl.: Warum soll ich es denn gewesen sein? Sie denken sich, weil ich ein jnüger Mensch bin. Wie können Sie mich beschuldigen, daß ich solche Streiche mache. — Frau E.: Das denke ich mir nicht, aber Sie denken sich, soll die Jüdin blind werden. Ich war mehrere Tage krank, wäre beinahe um das Auge gekommen, und mlßerdem ist meine Jacke zu ein-m weißen Amerika bkharrt aus Hochschutzzoll. Richtlinien für die Delegation zur Wirtschaftskonferenz. Wie das „Berliner Tageblatt" aus Washington berichtet, ist nunmehr die Delegation zur internationalen Wirtschaftskonferenz des Völkerbundes, die im Mai dieses Jahres tagen wird, endgültig gebildet worden. Ihr Vorsitzender wird Henry Robinson, der bekannte Mitarbeiter im Dawes-Ausschuß, sein. Die Delegierten sind alle Privatpersonen, die vom Staatsdepartement gemeinsam mit dem Handelsamt' und dem Schatzamt ausgstoählt wurden. Die Delegierten gedenken Ende April abzureisen und sich direkt nach Genf zu begeben. Mehrere von ihnen sind zugleich Vorstandsmitglieder der amerikanischen Abteilung der internationalen Handelskammer und werden in dieser Eigenschaft kurz nach der Genfer Wirtschaftskonferenz an der Handelskammertagung teilnehmen, die für den Juni nach Stockholm einberufen ist. Die amerikanische Delegation trägt keinen offiziellen Charakter. Sie wird, wie schon jetzt mitgeteilt werden kann, im Grundsatz jede Milderung der amerikanischen Hochschutzzollpolitik ablehnen und erklären, daß Zwar eine zwischenstaatliche Verständigung auf dem europäischen Festland über die Beseitigung der allgemein als lästig empfundenen Handelsschranken als sehr empfehlenswert erscheint, daß aber die Bereinigten Staaten ihren Zolltarifwall nicht nivderzureitzen gedächten, solange in der europäischen Konkurrenz eine e r n st e Gefahr fürdie amerikanische In du st rie erblickt tverden muß. Die Delegierten dürften in engster Anlehnung an das Gutachten der amerikanischen Abteilung der internationalen Handelskammer auch hervorheben, daß Europa erst einmal sein eigenes Haus in Ordnu n g bringen müsse, bevor es evwarten kann, daß Amerika die seines Erachtens notwendige Garantie seiner wirtschaftlichen Souveränität aufgibt. Re Ruttzenberg-Konzssion. Jerusalem, 11. März. (I. T. A.) wie schon mitgeteilt, veröffentlichte das Amtsblatt den vollen Text der an die Palestine Electric Corporation für die Dauer von 70 Jahren verliehenen Konzession für Ausbeutung aller Wasserfälle des Landes und der angrenzenden Gebiete und für Versorgung Palästinas und der angrenzenden Länder mit Elektrizität. Laut dem Text der Konzession verpflichtet sich die Corporation, innerhalb der nächsten 5 Jahre Staudämme am Aarmuk und am Jordan, sowie eine Kraft st ation in der Nähe von Jisrel Majani, endlich Transmissionslinien, die die Unterdistrikte Jaffa, Haifa, Liberias und Ramleh mit hydro-elektrischer Energie Vorsorgen, und Reservekraftstationen in Haifa und Liberias zu errichten. Für jede monatliche Verzögerung in der. Durchführung dieser Arbeiten hat die Corporation eine Butze von 2000 Pfund Sterling zu zahlen. Auf Verlangen der Gesellschaft ist die Regierung verpflichtet, allen für die Anlagen benötigten Boden gegen Entschädigung zu enteignen, Sobald der Bedarf Palästinas an elektrischer Kraft gedeckt ist, kann die Gesellschaft auch auherhalb der Grenzen Palästinas elektrischen Strom liefern. Kostüm verdorben wordep. Bezirksrichter Dr. Vernarb verurteilte den Beschuldigten wegen Ueb-ttreiung gegHi die körperliche Sicherheit zu drei Tagen Arrest) mit der Begründung, daß die erwähnte Aeußerung des Angeklagten vor dem Wurf der Birne erwiesen sei und daß die Vorgänge in der Verkaufshütte durch die geöffneten Rolläden von dem Ehepaar beobachtet werden konnten. Die Pfändung von Mietrechlen zulästg. Im Zuge eines beim Wiener Handelsgerichte anhängigen P.ozefles wurde dem betreibenden Gläubiger die Pfändung des Wohnung § m i t r e ch t e s des Verpflichteten bewiliat. Dieser erhob dagegen Rekurs, weil die Wohnung für ihn unentbehrlich sei und daher nicht Gegenstand einer Pfändung sein könne. Das Oberlanwsgericht als Berufungsgericht wies den Rekurs des Verpflichteten ab und bestätigte den Exekutionsbenülligungsbeschlntz. In der Begründung wird h-erborgehoben: Dem Mietengesetz ist nicht zu entnehmen, daß die Pfändung von Wohnung'mietrechtm unzulässig wäre, der Mieter ist nach dem Mictengcsetz nur gegenüber dem Vermieter geschützt. Ein absoluter Schuh gegen die Entziehung unentbehrlicher Wohnränme besteht also nicht. Hätte das Mictergesetz einen solchen geirächren wollen, so hätte es diese Exekutionsöeschränkung in Gesetz ausgenommen. Mnouiiy einer uetonaeren brsoU-Rompuiiiiie in Palüftina. Infolge gesteigerter Nachfrage des Auslandes nach Palestinawaren. , Jerusalem, 8. März. (I. T. A.) Im Hinblick auf die vennehrte Nachfrage nach Palästmaw-aren im Ausland hat die Jewish Manufacturers' Association beschlossen, eine spezielle Export Company zu bilden, die die Exporttätigkeit konzentrisch führen soll. In kurzem wird in Australien eine Pa'ost-ine Cornmercial Agency begründet werden. Seife, Schokolade und andere Artikel gingen nach England, dem Irak, China Syrien, Amrrika, Südaf.ika in vermehrtem Ausmaß Sie minschastliche Be-ientnng der Reklame. Anlätzlich der Eröffnung der Reklametagung sprach gestern unter überaus starker Beteiligung aller Kreise der Reklameinteressenten im Feftsaale des Hauses der Kaufmannschaft Grem'ialsekretär Dr. Erwin Paneth über die wirtschaftliche Bedeutung der Reklame. Durch ihre umsatzvermehrende Wirkung, führte der Redner aus, sichert die. Reklame eine ökonomische Betrlebsführung, v e r m i n d e r t die gesamten Spesen und reduziert die Verkaufspreise. Dies ist für den Komsumenten umso wichtiger, als die Reklame ihm auch einen leichten und mühelosen Vergleich zwischen den verschiedenen Angeboten ermöglicht und ihn so in 'die Lage versetzt, die bestehende Konkurrenz zu seinen Gunsten auszunützen. Die Reklame beschäftigt aber auch als Hllfsgewerde große Industrien, denn ein beträchtlicher Teil der Papierfabriken, Vuchdruckereren, Farbenfabriken und Erzeugungsftätten von Geschäftsschildern aller Art stehen im Dienste der Reklame. Den Reklameaufwand in Oesterreich schätzt der Redner unter Zugrundelegung der Warenumsatzsteuereingänge und ihres technischen Aufbaues sowie der Wiener Inseraten- und Plakatsteuergebnisse auf zirka 00 Millionen Schilling pro Jahr, d'ie allgemeine durchschnittliche Reklamebelastung auf zirka 1 % Prozent des gesamten Umsatzes. Redner verweist schließlich aus den kürzlich, erschienenen Bericht der Washingtoner Handelskammer, welcher die Ansicht vertritt, daß in guten Zeiten die Reklame nicht so wichtig sei, da der Konsument dann aus eigenem kaufe, dagegen zu Zeiten von Krisen der besondere Kaufan reiz der Reklame in erhöhtem mvfr vermehrtem Ausmaße notwendig sei. Die Kärntnerbank aufgelöst. Auf Grund des Ban-kanüber« wachuttgsgesetzes hat das Bundeskanzleramt die Kärnlnerbauk, die sich seit November v. I. im A usglei chsve r sah reu befindet, a u f g e l ö st. Anhaltende Festigkeit der Lira und der Peseta. Die Devise Mailand setzte gestern die steigende Bewegung fort und erreichte vorübergehend den schon seit langer Zeit nicht Verzeichneton Kurs von 23.30 gegen Züürich. Die Devise Madrid tendierte gleichfalls sehr fest, Pfunde Madrid sind zeitweilig bis auf 26.05 gefallen. Beide Devisen haben zwar ihre Kurssteigerung .nicht zur Gänze behaupten können, doch blieb die Schlußtendonz für sie fest. Freundlich tendierten auch der Leu und der Zloty. Dagegen: bröckelte Oslo ein wenig ab. Paketverkehr nach Italien. Die Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie gibt bekannt, daß von nun an Pakete mit dem Verlangen nach zollamtlicher Abfertigung zur Durchfuhr (transito) außer nach Triest auch nach Fiume zugelassen sind. min Jüdisches Künstlerkabarett Wle"' "•Prate,straße -r- 60 Tel. 43-5-59 / Leiter: Max Streng ■■BUB mm\mwmm niiniiinimi »RinjfiiJitiF Morgen * 1 g ■■ Mittwoch, den 16. März ZU LuFfill prä^e des Herrn 8 Uhr w Bernhard ferner aus der |0d. Revue die Szenenbilder:„Sehnsucht nach rßon und die Kolportevrszene „Wiener MorgenzeBftung KSt Unschuldig fl?uÄ94 verurteilt! 4 Ibd'ntA Melodrama von Ruzet. neubear- Ba Wulfs beitet von BERNHARD MITTLER mmmm TTTyfflMrfar« 02234823014853018902232348230223232390484823482300010201 6290021334

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