Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2884 (9.3.1927)
- Date
- 1927-03-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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edi v 2 Men, Mittwoch Wiener Moe-en-eitnng 9. Mürz 1927 Nr. 2884 KUPON m« Ler Münchener Kopist. —y, Wien, 9. März. Die liberalen Juden in Deutschland, deren Augcbereien gegen die zionistische Arbeit und das deutsche Pro-Paläftina-Komited nur hier iviederholt besprochen haben, sind endlich um ein Beträchtliches weitergekommew Erich Luderckvrff hat sich ihnen angeschlossen, und in seiner „Deutschen Wochenschau" widmet er der „jüdischen Weltmacht" gleich eine ganze volle Seite, ohne dabei freilich auch die übrigen Arbeitsgebiete der Pogromwissenschast, als da sind die jüdische goldene Sklavenkette, der Ritualmord und das Deutschenlied (aus dem Verlag Panzerfaust in Nürnberg), zu vernachlässigen Im Reichstag ist der große Feldherr vereinsamt, seine Fraktion fällt in Fetzen, und seinen: Putschgenossen Hitler ist nachgesagt rvorden, daß er sich, als er noch der Trommler war und für die Befreiung des deutschen Arbeiters den nationalen Sozialismus erfand, von dem Berliner Großindustriellen Borsig, einem hervorragenden Arbeiterfreund, Geld und Instruktionen holte, Ludendorff verliert darüber nicht einmal ein Sterbenswort. Aber die jüdische Weltmacht in ihren Zusammenhängen mit der deutschen Freimaurerei ruft ihn auf den Plan. Der Sieger von Verdun ist iiber den Zionismus seit je schr gut unterrichtet. Er hat ja seine Studien, wie er in den Memoiren erzählt, während des Krieges betrieben, und es gehört mit zu den großen Verbrechen der Semiten, daß sich der Marschall, statt zu siegen, mit ihnen zu beschäftigen hatte. Sie raubten ihm seine kostbare Zeit, Ln der er allerdings treffliche Erfahrungen sammeln konnte. So zum Beispiel die, daß sich die Judenhett der ganzen Welt, Deutschlands nicht ausgenommen, für die Balfour-Deklaration in den Dienst der Ententezur Vernichtung Deutschlands stellte. Sie erhielten von Balfour eine doppelte Nationalität. Dieses Wort haben wir schon an anderer Stelle getroffen. Es spielt seine vergiftende Rolle in der" Argumentation der nationaldeutschen und liberaldeutschen Juden, tobe haben es in der „Frankfurter Zeitung" gelesen, und so nimmt cs auch Ludendorff in sein Lexikon auf. Er hat auch Kenntnis von dem Brief des verstorbenen Justizrates Sonnenfeld an den Münster Becker mit dem Ansuchen, einen gewissen zionistischen Beamten nicht zur Entscheidung über die Repräsentantenwqhlen in Berlin zuzuzichon, denn er Beruft sich auf „andere Juden, die zum Teil in deutschen Staatsstellungen stehen, die das selbstverständlich mit ihren Pflichte:: als deutsche Beamte für vereinbar halten". Diesen anderen und noch anderen Juden, nämlich dem Zionismus und dem Orden Bnei Brüh, die beide dem ^orthodoxer: Judentum dienen (das schreibt er wörtlich!)/ haben sich Deutsche in dem Pro-Palästina-Komitee angeschlofsen. Ihnen gilt ein ganz besonderer, an die besten Tage des Kasernhoses erinnernder Fluch des Generals mit deM Regenschirm. Sie sind Heloten-Deutsch?, versieg maurert und verjesuitet, verhöhnen brutal die nationalen Belange des deutschen Volkes, das sie erniedrigen, Dem Schluß bildet eine niedliche Denunziation: daß nämlich das den Deutschen vom Juden abgenommene Geld durch den Keren Kajemeth und den Keren Hajessod nach Palästina wandert. Auch das ist nicht auf Ludenidorffs Mist gewachsen, und ganz das gleiche ist doch auch in Men von jüdischi-flntizionistischer Seite verkündet worden. Die BchtzttMsosigkeit her gegen den Zionismus von fernen innerjüdischen Feinden geführten Kampagne kann nicht klarer auWMgt werden als an diesem Erguß dÄ Hudendprsf, Ein politischer Nrchen kann auf solche Weise nicht erreicht werde::. Ludendorff akzeptiert, was ihm zugetragen wird, ohne aber bm Zuträger sonderlich zu Mm- Ex schüttelt die Taten der liberalen Juden als Scheintaktik ab und wirst ihnen an den Kopf, daß für jeden Juden allein sein Volk und sein Staat in Beträch' r’mmt Dws ist nun freilich in dieser generellen Ausdehnung leider nicht richtig und der Zionismus hat sehr gcu,,.-' ^iperstäuds bei sÄM-, auf die Aufklärung der jüdischen Massen gerichteten Tätig feit zu überwind«:. Er ist nicht geneigt, den Herrn Ludeudorff zu überschätzen. Aber an diesem Beispiel ist doch die große Gefahr zu erkennen, m die die zionistische und die nichtzionisüschs Jrckenheit gerät, wenn der vergiftete Kampf in solcher Weise fortgesetzt wich, wenn aus dem Innen: des Judentums selbst, dem Pogromflntisemitismus seine Waffen geliefert werden. Ludendorfs kopiert, tvenn ihm die eigen?, ärmliche Phantasie versagt, gerne alles, was sich ihm bietet, und weichet es dann freudig erregt auf allst Juden an. Bym Zionismus, vom jüdischen Leben hat er nicht hie blässeste Ahnung, Wir sind in dieser Unkenntnis nicht allein- Er hat die Kriegslage Deutschlands auch nicht gekannt, er hat mit Hitler gemeinsam den Spaziergang vom Mrgerbränkeller angetreten und dm Stcmd der Dinge nicht g^cmnt. Wvs- I halb sollte er etivaS vom Judentum wissen? Darüber kann er nur schwätzen und das uacherzählen, was die Liberaler: und Nationaldeutschen in ihren Flugblättern besabbern und was die demokratische „Frankfurter Zeitung" dann nach München präsentiert. Sie Sitzung des Bölkerbundrater. so giiOiontn ««rotconen dt nngntn Mcgctei. — Matrone net Mate» «olmermomg. Genf, 8. März. Die heutige Vormittagsitznng des Völkerbundrates begann um halb 11 Uhr und schloß wenige Minuten nach 11 Uhr, wobei sieben Punkte erledigt wurden. Einiges Interesse bot dabei die Frage des Preßkomitees des Völkerbundes, wobei laut dem Antrag Vanderveldes beschlossen wurde, am 24. August d. I. eine Konferenz von etwa 4V PreffesachverstüMgen nach Genf einzubevufen. Ausfällig bei dem Beschluß ist der Umstand, daß als Mitglieder an dieser Konferenz nur Direktoren von Zeituingen und Nachrichtenargent u r e n teilnehmen sollen, während berufstätige Journalisten und Vertreter journalistischer Organisationen nur als Beisitzer zugezogen werden. . In her Frage der oft oberschlesischen Schn-' len wurde ohne Diskusion die Bildung eines Unterkomitees beschlossen. Der Völkerbund stimmte sodann aus Antrag.Sei alojas dem Vorschlag des Finanzkomitees zu, wodurch Ungarn ermächtigt wird, SO Millionen Goldkronen aus dem Restbeträge der Völkerbundanleihe zu produktiven Zwecken zu verwenden. Sodann referierte Dr. Benesch über die Einberufung einer Konferenz zur Schaffung einer internationalen Konvention betreffend die Kontrolle der privaten Waffen- und Mu.nitionsfabrikation. Der Rat beschloß, die Sonderkommission, die mit der Ausarbeitung eines definitiven Entwurfes betraut ist, zu beauftragen, dem Ratspräsidenten Dr. Stresemann einen Vorschlag für das genaue Datum der im Herbst 1927 in Genf zusammentvetenden Konferenz zu unterbreiten Schließlich faßte der Rat den Beschluß, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Bölkerbundverfammlung die Prüfung des Antrages zu setzen, eine allgemeine Resolution anzunehmen, wodurch sich die Mitglieder 'des Völkerbundes formell verpflichten, den Zusammentritt des, Völkerbundrates im Falle des Ausbruches einer Krise mit allen ihnen zur Bersügung stehenden' Mitteln zu erleichtern. 'Der sitzungsfreie Nachmittag wurde zu privaten Be-, sprechungen zwischen fcenv yDftCßgierten benützt. Unter ande-, vem haben Besuche -des Außenministers Dr. Stresemann bei Vandervelde, Bri'and und Cham- So r l a i p stattgefunden. Wie jetzt feststeht, wird morgen nachmittags die erste Aussprache zwischen Dr. Stresemann und Zaleski über die künftige Entwicklung der deutschpolnischen Verhandlungein stattfinden. Heute mittags ist der deutsche Gesandte in Warschau, Rauscher, hier eingetroffen. ßhamberlM Wer Wno. Genf, 8. März. Sir Austen Chamberlain sagte im Laufe seiner vor Vertretern der internationalen Presse abgegebenen Erklärungen, sobald einmal in China wieder normale Verhältnisse ointreten und genügende Sicherheiten für das Leben und Eigentum der Aus« länder geboten werden, werde Großbritannien aus die ge? trofferven besonderen Schutzmaßnahmen verzichten. Wir werden, sagte Chamberlain, mit jyder - Regierung, die genügende Stabilität besitzt, verhandeln-, i Einer Intervention des Völkerbundes zum I Vorteile der Möchte oder Chinas wird sich Großbritannien in keiner Weise widersetzen. Auf die Frage, ob Großbritannien Italien veranlaßt habe, das Abkommen über Beff«* rabi enzu ratifizieren, erklärte Chamberlain, ddas sei nicht der Fall. Mussolini habe von sich aus die Erklärung abgegeben, daß Italien das Abkommen ratifizieren werde, da es nicht angängig sei, daß Italien eine eingegangene Verpflichtung nicht erfülle. PrSstvent Masanil in Vr«s. Genf, 8. März. (Schweiz. Dep. Ag.) Der Präsident der tschechoslowakischen Republik, Masaryk, wird am Donnerstag inkognito hier eintreffen. Er wird keine offiziellen Besuche abstatten, dageg>.n wird er als Privat? mann der Ratssitzung beiwohnen sowie hie Dienstzweiße das Generalsskretariats besichtigen Der Präsident wird nach einem dreitägigen Aufenthalt seine Reise nach Aegypten fprtfchon. (Anfangs April soll der Präsident in Palästina zu fünftägigem Aufenthalt eintveffen.) Aegypten ei« englische« LomlnsMf Kairo, 8. März. Das ägyptische KMuett studiert gegen,oärtig singehend die Formeln« auf Grund deren ein Antritt Aegyptens in den Verband im englischen Dominions möglich wäre, Die Führer dn ägyptischen UnabhängigkeitshMegung MM, wn Mttern zufolge, unter der Amvirkung Zaglnl Paschas diesen Verhandlungen mit Sympathie gegenüber. Die Zeitung „Siassa" gibt zu. daß die Frage des Eintrittes Aegyptens in den britischem Reichsverband zur Zeit von den ägyptischen Staatsmännern tu tiefst« Heimlichkeit eifrig diskutiert wird. Im Zusammenhang damit gewinnen die seit einigen Wochen umlMfenden Gerüchte von einer Vereinigung Aegyptenmit Palästina neue Nahrung. (Die Nachricht ist reichlich unwahrscheinlich. Die Red.) Ad« Saud «ad kugln«». Kairo, 8. März. Wie die arabischen Blätter Mitteilen, ist Englaich nur unter der Bedingung bereit, die jährlichen Subsidien von 60.000 Pfund an den Sultan des Hcdschas, Jbn Saud, rveiter zu bezahlen, wenn Jbn Saud Arabien in aller Form unter britisches Protektorat stellt. Dem Sultan wird, angesichts der politischen und wirtschaftlichen Gesamtlage seine- Landes, kaum etwas anderes übrig bleiben, als sich den englischen Bedingungen zu unterwerfe:^ Das Ende der formalen Unabhängigkeit Arabiens sei damit in die unmittelbare Nähe gerückt. Ein Einspruch Italiens sei i.PlJCjt zu befürchten, da England sich mit Italien über die Verteilung der Macht in Arabien bereits geeinigt hat, indem es Italien das Protektorat über das Königreich Peuren überließ. Zu dieser Meldung, die schon in der Vorwoche auftauchte, ist zu bemerken, daß Jbn Saud sich tatsächlich in schwieriger Lage. besticket und in einen gefährlichen Konflikt mit dem von Italien favorisierten Emir von Asir geraten ist. Die Annahme des britischen Protektorats ivürde aber den Wahabitensultan in eine unmögliche Situation bei seinen Anhängern bringen. ti» Hakenkreuzlerübersall auf eine Milche Versammln«». Berlin, 7. März. (J.T.A.) Wie aus Koblenz telegraphiert wird, drang ein Trupp Nationalsozialisten in Rastetten (Kr. St. Goarshausen) gewaltsam in den Saal ein, in dem der Verein, deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Versammlung abhielt. Es kam zu schweren Tumulten und zu einem Zusammenstoß Müschen den Hitler-Leuten und Landjägern, dir schließlich von lbrer Waffe Gebrauch machen mußten. Ein Versammlungsteilnehmer wurde durch einen Pistolenschuß getötet. Zwei Landjäger wurden schwer verletzt. Die Nationalsozialsten, die mit einem Lastauto nach Koblenz geflüchtet waren, wurden dort von der Polizei verhaftet Ae Aewsekzie konfisziert amerikonilche Hi!ks> Server für jüvische Gememve«. Rewyork, 8. .März. In der letzten Zeit häufen sich die Beschrverden darüber, daß Hilfsgelder, welche amerikanisch-jüdische Landsmannschaften an die jüdischen Gemeinden ihrer alten Heimatstädte absenden, von der Jewsekzie beschlagnahmt und für eigene Zwecke verwendet werden. Letztens ereignete sich einsolcher Mißbrauch in der Stadt Brussilow rur Kiewer Gouvernement. In den Kreisen der russisch-jüdischen Landsmannschaften in Amerika Iverden jetzt ernste Beratungen gepflogen, um. solche Streiche der JÄvfe^ie für die Zukunft unnpöglich zu machen ’ Mit Knüttel und Peitsche. Dir Greuel der Kmetty und Konsorten. B ud a pest, 8. Myz. In dgr Verhandlung deL Prozesses gegen, das gewesene Mitglied des Pronay-Detachements Kmetty wurde eine Reihe von Zeugen oinvernommen, vis über die Mißhandlungen aussagten, die. Kmetty und Genossen 4« ihnen Vstpübt harten. Sa gibt der sine Zouge, der Privatöeamte Ferdinand Ha hm an, er sei eines Abends im Mai 1920 Vor der Atbrechtskaserne Von einem Offizier zur Ausweisleistung angehalten wov.'-eu und auf seine Angabe?jude ZU sein, in die Kaserne gkfüdr: worden. Dort sei er mit Knütteln, Gewehrkolben und anderen Gegenständen geschlagen und mit Füßen yetretsn warden, so >:gh er monatelang i.n ärztlicher Behandlung stehen mußte. An ähnlicher Meise gaben die Zeugen Matthias Lachs. Hugo Rainer und Zudwig Rssenzweig an, mit Peit, schen, GewehrklMen, Boxern und Knütteln mihhandeli worden zu sein, W sie das .Bewußtsein Verloren. gubllu von Bundesdeamten. Seit Beendigung. des Genfer SanieruugAperkes nitmi sich die Zahl dex in öffentlichen Diensten Stehenden wieder unter den unterschiedlichsten Vorwänden zu yerrnehren. Ende Ftzbxuar hat sich der oberösterreickHche Landtag für die Verstaatktchung der. Polizei in Linz ausgesprochen. Mso muß die Zahl der Polizeikonzepts-, der Kanzlei- und RechmlNgsbeamtetl und der Wachleute vermehrt ivkrhM. W 1. Jänner ist das Gesetz über daß vereinfachte Strafverfahren außer Gelttmg getretm; die nächste Folge ist, daß'man mehr Richter, Staatsanwälte und Gerichtsheamte brauchit. Die Gerichtshöfe erster Jichanz benötigen 80 Richter mehr, der Oberste Gerichtshof ein Plus von fünf Räten, bei den Stastsanmltschasten beträgt der Mehrbedarf 14 Posten. Dazu kommen noch 45 neue Kanzleikräfte. Insgesamt steigt die Zahl dev Dienstposteit von 94,985 auf 95.885, das sind also rund um <M Beamte mehr. In einem RaGrag $«m Budget spricht die Regierung den sich hieraus ergebenden auftoand vom Parlament an. Diese Vermchrung tm Beamtenst"llen wird die Steuerzahler etwa 8,5 Millionen Schilling kosten.