Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2882 (7.3.1927)
- Date
- 1927-03-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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j Polen» LS groszy | Wien. Zmn Abholen in dei Erpedition, ll.,Taborstr 1-9 oder in einerVerschleißeieile (Trafik) monatl.5 Schilling StraBenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. I. Woilzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheche Slowakei: Mon. K22 Jugoslawien: Mon. Hin. 60 Polen: Mon. 6 Ztoty Deutschland: Mon. 6m. 4. Frankreich, 8 e I g i e n: Mon. Pros. 85 torgetqeittmg Nach*»t>t«nR«n bei P»et«- arhßhangen *»rbeji *1 tan. Nr.?882 Wie». {Montan, 7. MS» 1827 (3. Weadar S687). IPret» «Öal Engl an d:Mon.4Schilling Italien- Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bnf gar ien:Mon. 100 Lewa. S c hw e i z und das übrige Ausland monatlich Pres. 6 Redaktion, Administration: Wien, UM Taborstr« 1 Telephon: 44-0-98, 43-3-19 Ab 6 Ohr abends- Telephon Nr. 31-0-86 n. 31-209 vll., Lerchenfelderstrafie 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr 150 693 9. Aabrgana Zie 44. Zession des Böllerbundrates. Unter Borsttz Sr. Stresemann». — Set deulsch-po'.riischs Wirtschastslrieg. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangvsetzteS E gekennzeichnet. Ausreckung eines umfangreichen Jollbettuges in W en. 6ieDen Personen vechastet. Ern geradezu gigantislver ^oi.betmg, der seit vielen Monaten mit aus Italien und Polen üimmenden und angeblich zum Weiterversand nach Jugoslawien bestimmten^ Textilien begangen wurde, ist von der Wiener Finanzländcsdireklion aufgedeckt worden. Die mit hochwertigen Textilien nach Wien kommenden Kisten wurden im Transitlag er auf dem Hauptzollamte entleert, das feUende Gewicht mit Steinen, Sand od:r Holz ergänzt und die unverzollte Ware in Wien in den Handel gebracht. Das Haupt der verhafteten Schmuggler ist der TexlUgroßhäirdler Aladar Back in der Neutorgasse 11. Gleichzeitig mit ihm wurde der Spediteur Otto Holler, die Kaufleute Feiner und Winkler sowie zwei Texti.'ägenten und ein Beamter des Hauptzollamtes, der die Manipulationen im Hauptzollamte durchgehen liH, verhaftet. Mus der bisherigen Untersuchung geht hervor, daß Back große Mengen Textilien aus dem liodzer Industriegebiet sowie aus Italien bezog, die angeblich zum Weiterverkauf nach Jugoslawien bestimmt waren. Im Hauptzollamt wurden die Kisten geöffnet, mit Ballast wieder gefüllt und nach' einiger Zeit nach Jugoslawicn geschickt, wo K o m p l i z e n die Sendungen anstandslos übernahmen. Wie lange dieser Schmuggel durch» geführt wurde, ist noch nicht festgestellt. ‘ Nie Waffen im Arsenal. Heute Mittag fallt me Entscheidung. Die für Samstag augeordnet gewesene neuerliche Untersuchung im Arsenal -durch Bur.destruppen, über die wir gestern berichtet haben, ist im letzten Augenblick durch die Alarmierung des republikanischen Schutzbundes und d.ie Drohung, daß sofort ein Generalstreik oinf.tzen, werde, verändert worden. Bürgermeister S e i tz war, wie jetzt bekannt wird, bei dem Bundeskanzler Dr. Seipel erschienen und teilte mit, daß die sozialdemokratische Partei in demselben Augenblick den Generalstreik für ganz Oesterreich proklamieren wüvd?, in dem Bund es truppen oder Polizei neuerlich in das Arsenal eiwdnngen würde. Beide Teile vereinbarten daraufhin einen Waffenstillstand bis heute mittags, um bi-s dahin eine Formel zu stnden,- die eine Be-il.gung der ganzen Au,gelegenheit ermöglichen soll. WaWrülnvien in Riederösterreich. Sozialdemokratischer Stimmenzuwachs bei GemeinderatSwahlen. Gestern, fanden in, Bruck ad. Leitha und in Tulln Gemeindergtswahlen statt, für die der Wahlkampf M'i großer H-eftigkeit geführt worden war. In Bruck a./d. Leitha bet-rng die Mahlbeleiligung 95 Prozent. Die Sozialdemokraten haben 329 Stimmen gewonnen, denen ein Stimmenzuwachs von 21 der bürgerlichen Einheitsfront cntgcgensteht. In Tulln haben die CH ristl i ch soz-ial en ein Mandat v e r l o r e n, ebenso die G r o ß -d e u t s che n, während die S o z i a l d e m okraten ihren Stand b eh a üp t e n konnten. Die Haken! reu z l e r gingen leer ans. Die Wahlbeteiligung betrug 90 Prozent. Keine Kandidatur Dr. Matajas? Wie d'e gestrige „Nene Zeitung", ein christlichsoziales Blatt, erfahren will, wird Dr. Heinrich Mataja bol den bevorstehenden Wahlen als Wahlb.werber nicht mehr austreten. Begründet wird dies damit, daß die Großdeutschen sich sehr entschieden gegen Mataja ausgesprochen haben, da er wegen seiner geschäftlichen Affären e-ine große Belastung für die Wiener Einheitsliste bedeuten würde. Schwere» Unglück bei der Tranerseier für die enslischen Bergwerkropser. London, 7. März. Wie aus Cw'in (Wales) gemeldet wird, ereignete sich bei der Trauerseier für die Opfer der Bergweikskaitastrophe ein schweres Unglück. Gin Au toll m n i b u s, -der Trauergäste beförderte, Überschlag sich und stürzte einen Abhang hinunter. Zwei Bersonen wurden getötet und 2 3 verletzt. Genf, 7. März. Heule vormittag um 11 Uhr wird im Reformationssaal die 44. Tagung des Völkerbundrates unter dem Vorsitz des deutschen Außenministers Dr. Stresemann eröffnet wenden. Auf der Tagesordnung stehen rund 30 Verhandlungsgegenstände, darunter das Saarproblem, die Gewährung einer Anleihe für Danzig, der Stand der Vorarbeit, n für die Weltwirt s ch a ft s k o n f e r e n z und für die Konferenz zur Kontrolle der privaten Waffenfabrikation sowie d^e Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels. Als das wichtigste dieser Tagung aber gelten — da es feststeht, daß die Frage der Räumung des Rheinlanües durch die alliierten Truppen von den in G.nf weilenden Ministern wohl berührt, aber nicht besprochen werden wird —die Besprechungen über die Wiederaufnahme der Verhandlungen über den Handelsvertrag zwischen Deutschland und Polen. Man ist überzeugt davon, daß besonders Chamber - lain sich bemühen wird, die in Locarno b-egonnene Annäherung zwischen Deutschland und Polen f o r t z u s e tz e n. Dr. Str-.semcmn hat auch den deutschen Gesandten in Warschau nach Genf berufen, damit er Bot. der kommenden A u ssp r,acheDr. S i re semanns mit Außenminister Za le s ki anwesend sei. Gesandter Rauscher soll bei der Beratung über die strittigen Probleme, namentlich auch »der Niederlas sungs frage, mitberaten. Gestern nachmittags hat eine Besprechung zwischen Chaurberlain tmft Vriand statt-gesunden, die sich auf das Saar-Problem und die Lage in Chin a bezog, wobei Chamberlarndie Änsicht äußerte, daß cs den vereinigten europäischen Regierungen gellngen dürste, mit China in absehbarer Zeit zn einer Einigung über die R e v i s i o n d e r b e st e h e nden Verträge auf der Grundlage der Gleichber e ch t i g u n g zu kommen. Auch zwischen B r i a n d und D r. Stresemann hat eine Besprechung über die Saarfrage statt-gesunden. Wie es heißt, wird die M-ä rztag u.n-g nur v on kurzer Daner sein und wahrscheinlich schon am Freitags beendet werden. Masard! besucht Gens. Der Präsident der tschechoslowaSifchen Republik, Masaryk, der sich morgen zur Erholung nach Aegypten und Palästina begibt, wird Donnerstag oder Freitag dein Völkerbund einen offiziellen Besuch abstatten. Es ist dies das erstemal, daß ein StMsohrHaupt -.Lem Völker bund während seiner Tagung einen Besuch ckbstattet. Iss Bsrrücken der Kantonesen. Schanghai wird verteidigt. London, 7. Atärz. Die Karvwntruppcu rücken nach einer Mil'.ung des „T-aily Telegraph" stetig in der Richtung auf die Si-a-dt Su-Tschou vor, der st: sich auf etwa sechs engiischv teilen genähert haben. Es sollen ctaoa 10.0 0 0 Mann Truppen versammelt werden. Aus Schanghai wird gemeldet, daß der neue Gouverneur T f ch a n g - T is ch u n g - T >s -ch a ng die . Meldung dementiert, wonach er ein A b k o m m e n m i t d e r Ka nt on reg ie r u ng aOgchchlossen habe, das den KUniontruppen den kampflosen EiiWig in Schanghai ermöglichen würde. Man erfährt im Gegenteil, daß der Gouverneur fortfährt, Truppen in der Gegend von Sun Nang zu konzentrieren, und daß er keineswegs gewillt -ist, Schanghai preiszugeben. Sie Bereinigten Staaten und Mex'to. Washington, 6. März. Zwischen -den Vereinigten Staaten- und Mexiko ist ein neuerlicher Notenwechsel im Gauge, der sich jedoch auf mehrere Fragen von nur geringerer Bedeutung beziehen soll. Während weiters verschiedene Nachrichten besagen, -daß ein Amerikaner in der Nähe von Veracruz getötet worden sei, waS eine Verschlechterung der amerikanisch °m exi kanif chen Beziehungen verursachen würde, meldet Associated Preß, daß d'eser Mann bei einer Schießerei getötet worden-, jedoch mexikanischer Staatsbürger sei. Kein Rücktritt Kestogg». Washington, 7. März. Prä.id:nt Coolidge ließ heute die Meldungen über die angeblichen Rücktrittsabsichten Kello.ggs dementieren. Sie smetifanifdte Einwanderung. Washin 0 t o n, 6. März. Der Kongreßbeschluß, das Inkrafttreten der Abstammungsklausel -des Einwanderungsgesctzes um ein Jahr zu verschiebe, ist vom Präsidenten unterzeichnet worden. Parlamrntrmstdigkeit Mae Donald». L o ndon, 7. März. Mae Donald hat sich entschlossen, die Leitung der parlamentarischen Gruppe der Arbeiterpartei niederzulegen. Ms sein Nachfolger wird Thomas C l y ne s und WheatleY genannt. Sie russisch-rumöuische Konferenz. Bukarest, 6. März. (Orient Radio.) Die in 'K usche new tagende, gemischte russisch-rumänische Kommission-, erörterte die Frä-ge der Heimbringung fr ü h e re r russischer S o l i> a t e n, die in Oesterreich und Deutschland kriegt,gefangen waren und sich jetzt in Rumänien aufhalten. Die russische Abordnung erklärte, daß diese Kriegsgefangenen, soweit sie gewissen Anordnungen der Sowjetrogierung vor dem Jahve 1924 nicht nachgekommen seien, das B ürgerrech t in Rußland verloren haben. Zusammenstoß zweier chinestscher Sampfer. 80 Personen ertrunken. Paris, 6. März. Nach einer Agmturmeldung aus . Schanghai sind zwei chinesische D a m p f e r, die den Pass-agierdienst auf -dem Hangtsee versehen, -gestern zusammengestoßen. Der eine mit 80 Personen besetzte Dampfer sank innerhalb weniger Mm-uten«. Es konnte niemand gerettet werden. Prof. Simon Snbnow besucht Palststina. Der >iu Berlin lebende Historiker Prof. Siinou Dub-now teilte einem seiner Freunde in Palästina mit, daß er zu den kommenden Pasiah-Tagen Palästina besuchen wird. (I. T. A.) Drei Lieberselbstmorde. Auf der Nordbahnbrücke hat-sich gestern nachts eitt etwa 2-jühriger, glattrasierter, junger Mann vor einen Gisenbahnzug g.worfen und wurde ans der Stelle getötet.. In seiner Tasche fand man etnige Abschie>dsze>ilen, aus denen hervovgeht, daß er die Tat wegen Zwistigkeiten mät seiner Braut, die ihm gekränkt habe, begehe. Unterschrieben war der Zottel mit Egon. Die Identität des Mannes konnte noch nicht f e st g e st e l l t werden. Samstag nachts fanden Passanten auf der Nordbahnbrücke ein blutbeflecktes Messer, neben dem em Winterrock lag. Die Polizei: stellte fest, daß diese Gegenstände dem 21jährigen Hilfsarbeiter Karl Hütter gehören, dessen Vater gest.rn bereits die Abgängigkeitsanzeige gegen seinen Sohn erstattet hatte. Nach den Mitteilungen des Vaters dürste er den Selbstmord wegen u»glücklicher Liebe und Arbeitslosigkeit begangen haben. Ebx'salls wegen unglücklicher Liebe hatte sich in der Mcht auf Sonntag die 18jähvbge Verkäufeviin- Marie Mlcak durch Einatmen von Leuchtgas zu ver-^lften versucht. -