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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-06 · Heft 2881 (6.3.1927) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2881 (6.3.1927)
Date
1927-03-06
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Wien, Sonntag Wierrer^ Morge«-ett«»g 6. MLrz 1987 Nr. 2881 Seite 1: » « SchmjdhMazzotj^ sind doch i«T Oeschmack und Qualität unübertroffen und werden unter streng orthod. Aufsicht des Rabbinates der [sr. Kultusgemeinde Wien hergestellt. Die Mazzotti werden aus dem feinsten Mehl der Budapester Qiselamühle erzeugt, eit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth* das beste Renommee und sind als die besten bekannt, lieber Herkunft und rvfWS des Mehles erliegt bei mir zur freier» Einsichtnahme de. des Ehrw. Herrn Jeschaje Suuerstein, Oberrabbiners der aut. orth. Gemeinde fl’Jtaen. Eine Mc»s4flMr«»l»«s Uenttsgi t Zentrale: |t.BrOdStZkl,II., L60P0lClSgaSSe43 Tol.46-1 90 General Vertreter: Albert Körner und Jakob Wftlss D Filialen:. II., Glockengasse 22— II., Untere Augartenstrasse 25 l Bühne und Kunst. Faschingsnacht im »nrgtheater. Zwei Einakter tmd „Faschingskrapfen". Ruch in diesem Jahre haben die Mitglieder des Burgt harter s sozusagen aus eigene Faust und unter der eigenen künstlerischen Verantwortung einen fröhlichen Abend veranstaltet. Schott die Tatsache, Las Ensemble des Burgtheaters derart gefestigt und in bester Laune zu gemeinschaftlichem Ulk gestimmt zu sehen, ist ein gutes Zeichen.. Diesmal servierten die Bnvgtheatecleute „Faschrngskrapfen". Da kommt es weniger auf die Schüssel an als auf das Backwerk, das gereicht wird. Den Rahmen für „Geister des Weines" gab eine Hearrigenschenke, für „Götter im Exil" ein Barlokal. Im ersteren dominierte das Wiener Lied, im Darlokal wurde eine animierte Oftenbachiade losgelassen. Der verbindende Text war nicht schlechter tmd bester als bei den diversen Wiener Operetten- und Revue-Abenden, und wemr auch die Klitterung der einzelnen „Nummern" vielleicht kurzweiliger und witziger hätte «rüssiUen können, so ivar doch die erdrückende Majorität der Einzelleitungen sehr amüsant. Die Palme ist entschieden dem Heurigen- Sängerpaar E m m e r i ch Reimers, und Huber zu reichen. Zwei Leute vom Grund, deren harbes (kräftig parodierendes) Duett das dichtgefüllte Burgtheater in stürmische Heiterkeit versetzte. Aber auch Blanka G l o s s y kann es mit den besten Interpretinnen des echten Wiener Liedes aufnehmen, und wenn Otto Treßler zur Laute stngt, hat er in devl Augenblick das Publikum gegen sich, da er — keine weiteren Zugaben leisten will. Herr Marc als Heurigenwirt (aus dem Bayrischen zugewandert), Herr H ö b l i n g als Sänger melancholischer Wiener Weisen, Herr Philipp Zeskä als geschmackvoller Sänger eigener Liedervertoirungen und sine Reihe von Burgtheatergrötzen, die teils in der Buschenschenke dem Heurigen Ansprachen (Frau Wohlgemut hatte ihven Hund mitgebracht), teils als lebend gewordene Stvaßenplakate mittaten, dann noch Herr S t r a tz e r, Herr W a w r a und Frau Mell als echte Wiener Typen — kurz, ein Heurigen-Dahöl mit allem Zubehör. Dann das Quodlibet, frei nach Offenbach, mit einer ganzen Reihe von.Arien, Couplets, Duetten und Tanzliedern. Schon die Ouvertüre von Fritz Ent-Lehner machte dem Publikum diel Freude. Frau W i l k e als modernisierte Venus überraschte durch ihre Kunst der pikanten Pointiernng und zählt ab gestern zu den charmantesten kultiviertesten Soubretten. Frau Glosstz war eine göttliche wienerische Göttin Diana, Herr A s l a n als Mars persiflierte sein neuestes künstlerisches Amt, die Vertretung Marischkas in der „Königin", Frau S e i d l e r kam als reizender Gott Amor auf die Bretter, Herr Philipp Zeska gab einen glaubwürdigen Apoll ab, sämtlichen Damen ein Wohlgefallen, und die fünf Girls aus dem Olymp unter Führung von Elisabeth Wielander konnten sich hören tmd sehen lassen. Dem Ulk ging ein Einaktevabend voraus, bestritten von Lüdwig Thoma und Franz Molnar. In Thoma's „Gelahmte Schwingen" debütierte Herr Hartmann rticht ohne Glück als Charafterkomster. Herr Maierhofer als Münchener Metzgermeister, Frau Mell als dessen gewichtige Ehehälfte und Frau Pünkösdh als trefflich karikierte Metzgerstochter, der das Schicksal widerfuhr, Gattin eines ausgepfiffenen Dchterlings zu sein, ergänzen das Ensemble. Es läßt sich nicht unterdrücken, daß diese Satire Ludwig Thomas kräftiger, plastischer geformt, daß sie „grimmiger" gespielt werden konnte. „Veilchen" von Franz Molnar, eine recht aufgeräumte und lustige Persiflage der Vorgänge in der Kanzlei eines Theaterdirektors, der von engagementsbedürftiger Weiblichkart bedrängt wird, gelang vortrefflich, schon deshalb, weil die witzige Frau Seidler den Hauptpart hatte und die Damen Wille, Albach-Retty und Senders in Episoden brillierten. Die heitere Veranstaltung zu wohltätigen Zwecken währte bis Mitternacht, den Burgtheaterleuten wurdet mit stürmischem Beifall gedankt und sie kamen auch — das ist ihnen nur in einer Faschingsnacht gegönnt — vor die Rampe. A. Aas de« Theatern. Opern ttzea ter. Morgen, Montag, 7 Uhr, biilac", ,S)a s lockende Phantom"; Dienstag, 7 Uhr, „Die Macht des Schicksals". Burgtheater. Morgen, 7 Uhr, „Ggmont" (Thöatergemeinde Serie C, rvr). Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr, .Spiel im Schlotz". Rolandbühne. Die Komödie von Felix Fischer „Däni o n Alkohol" wurde zur Aufführung erworben. Kam-merspiele. Die Premiere von „Amoureuie" („Verliebt"), Komödie von Georges de Porto-Riche, deutsch von Theodor Wolfs mit Maria Orska als Gast, findet morgen um halb 8 Uhr statt. Modernes T h e <t: e r. Morgen Erstaufführung des Lustspieles „Der Rote Herr" von Gabriel Dregely und E. Liptay. Theater in der I o s e if st a d i. Die Schauspielschule oes Neuen Wiener Konservatoriums bringt Samstag, den 12. b., nachmittags, Gorkis „Nachtasyl" zur Aufführung. Deu-rsches Vo l ks th eate r. Als nächste Neuheit wird das Schauspiel „Der Patriot" von Alfred Neumann in Szene gehen Re n a i s sa n c c b ü h u e. Freitag fiydet die Premiere der Novität „Der Lebensretter" von Nenee Fauchois, deutsch von Otto Eisenschih, statt. Ins jüdische Maus das jüdische Matt Mtjüdische Purimspiele. Zwei verschollene altjüdische Fastnachtsspiele hat Herr Dr. Paul Josef Diamant ans Licht gebracht und bearbeitet. Das Purimspiel „Esther und Ahasver o s", welches. im Jahre 1711 gedruckt und aufaesührt wurde, ist besonders charakteristisch für. das ältere Judendeutsch, wie es in Deutschland gesprr«», n wurde. Goethe hat dieses Spiel in seinem Werke „Aus meinem Leben, Dichtung und Wahrheit" erwähnt und in seinem „Jabrmarktsest in Plundersweilrn" derw.ndet. Das andere Spiel „David und Goliath" ist jüngeren Datums und ostjüdischer Herkunft. — Wie wir erfahren, werden diese beiden Spiele zu Purim in Wim unter Mitwirkung hervorragender Künstler zur Ausführung gelangen und zwar in ungekürzter. Form für Erwachsene, in gekürzter für Kinder. Die Londoner QueenShaUronzerte eingestellt. Die Queens Hall, der größte Konzertsaal Londons, ist infolge mangelhafter Unterstützung außersian e, die Konzerte länger forrzusetzen. Die einzige Hoffnung für den Fortbestand des Unternehmens liegt in der. möglichen Benützung der Halle durch die Rundsunkgesellschaft. Die Entschlienung der Eigentümer der Queens Hall, die Konzerte einzustellen, hat in der musikalischen Welt Londons Bestürzung hervorgerufen. , Jüdisches Künstler-Kabarett II. Beiz., Praterstraße 60 Leiter: M. Streng Telephon 48-8-69 foranzeltfeV ■' Mittwoch, den 16 Mir* 1987 Sondervorstellung zu Ehren des Herrn Bernhard Wittler " Zar Aufführung gelangt: IIHoi!9 Unschuldig verurteiltI I!Neu 18 Melodrama in 3 Akten von Luret. Neu beatbeitet von B. WitMe r. Ferner die Szenenbilder aut der Revue „Von Sechystov bis Amerika" von A. Melsels „Sehnsucht nach Zion*4 and die Kolporteurszene „Wiener Morgenzeitung*1. »■■■■■ ii i < i m » » , » » W » Serichtssaal. Ütomon kn Billach Der Verführer mit den drei Frauen. Dem LGR.Dr. Auerbach (Strafbezirksigericht 1) wuvde gestern aus der Haft ein junger, eleganter Mann vorgeführt, der am 13. v. M. wegen Verdachtes des Verbrechens der Entführung verhaftet wovden war. Ein in Villach wohnhafter Schuhw-arenerzeuger hatte anfangs Februar bei der hiesigen Poffzord'irektion die Anzeige erstattet, daß seine 19jährige, auffallend hübsche Tochter von Billach m> Begleitung eines jungen Mannes, den sie vor wenigen Tagen unter dem Namen Ladislaus Stuchlik von Rosarowi t f ch kennen gelernt hatte, nach Wien gefahren sei. Auf Grund der Anzeige wurden Ladislau Stuchlik und die in seiner Begleitung befindliche Tochter des Anzeigers in Wien ausgeforscht. Das Mädchen wurde von seiner Mutter übernommenwährend der junge Mann dem Landesgericht überstellt wurde. . In Lause der Untersuchung stellte sich heraus, das; das Mädchen nach vorausgegangeE, sehr kurzer, jedoch intimer ^'eknnntschaft den Stuchlik mit Zustimmung der M u t t e r nach Wien begleitet hatte, nachdem Stuchlik bereits, in Billach und dann hier dem Mädchen wiederholt die Ehe versprochen hatte. Es kam auch heraus, daß Stuchlik im Jahre 1824 geheiratet hatte, obwohl er zur gleichen Zeit mit einem anderen Mädchen verlobt war. Er ließ sich von seiner Frau scheiden, n-ach- >em ihm die Braut da? erforderliche Gold gegeben hatte, eine Frau abzufinden. Stuchlik hatte im Laufe eines Jahres von der Braut und oberen Verwandten 180 Millionen Kronen erhalti.n und das Geld angebracht. In Billach machte er dann die Bekanntschaft 'oer Tochter des Schuhwarenerzeugers, die ihrer Angabe -nach von dem sicheren Auftreten des Stuchlik und der Eleganz seiner Erscheinung derart fasziniert war, daß sie ihm blindlings vertraute und sofort nach Wien folgte. Stuchlik hatte dem Mädchen in Villach erzählt, daß er Reserveoffizier und Gutsbesitzer sei und daran gehe, in Wien ein großes Lebensmittelgeschäft zu errichten. Die Untersuchung in der Richtung des Verbrechens der Entführung wurde eingestellt und der Akt dem Strafbezirk-kigerichte 1 zur Amtshandlung gegen Stuchlik wegen Verführung unter Z u s a g e d e r Ehe abgetreten. In der gestern durchgeführten Verhandlung erklärte der Beschuldigte, .daß er sich 'auf den ersten Blick in das sehr hübsche Mädchen verliebt und auch sofort Gegenliebe gesunden habe. Er habe >dem Mädchen ein Eheversprechen gemacht, das jedoch nicht ernst gemeint war. Auch ohne dieses Versprechen hätte sich jedoch das Mädchen, welches gleichfalls m ihn verliebt warihm hingegeben. Ueber sein Vorleben befragt, erzählte der Angeklagte, daß er als absolvierter Mlitävakademiker in den Krieg gezogen sei, daß er nach dem Umsturz? später als Offizier in dor tz o r« thy-Armee gedient habe, jedoch im Jahre 1920 entlassen wovden sei. In Wien habe er sich dann als Kaufmann betätigt. Die im Requisitlionswege in Villach vernommene Verführte hatte angegeben, daß der Angeklagte auf sie schon boi der ersten Zusammenkunft großen Eindruck gemacht habe, daß sie sich jedoch, da sie mit einem Manne vorher sehr'traurige Erfahrungen gemacht hatte, nur durch das Eheversprechen habe verleiten lasten, mit Stuchlik knitim zu werden. Der Richter verurteilte den Beschuldigten zu einem Monat st r e n - gen Arrest. Sie große Modellschan wühlend der Wiener E Messe. Für diese großzügige Aktion, die den begrüßenswerten Ausakt zu einer eindringlichen, überzeugenden Propagierung unserer Moilekunst bedeuter, gibt sich in zahllosen Zuschriften und Anfragen aus dem In- und Ausland regstes Interesse kund. Subtilster Geschmack und reislstes Können werden Fremden nnd Einheimischen eine Schau zn bieten haben, der vor allem als beweiskräftige Kunstprobe vor den Augen I?es Auslandes erhöhte Bedeutung zukommt. Die rührigen Jniliatoren und Leiter der Modell schau, die beiden Chefs des Hauses-Krupnik, haben ihr Möglichstes getan. um dom wertvollen Inhalt auch erneu würdigen Rahmen zn verleihen, so daß die hochgespannte Erwartung des PiMi< tumS sicherlich noch weit ubertroffen wird. E 10V0«Dollar-Ppe1sauSschreiben. „Der Dkomag mit dein Sport-Montag" veranstaltet für seine Leser ein Preisausschreiben, in welchem tausend Dollar, das sind 70 Millionen Kronen bar ohne jeden Abzug zur Verteilung gelangen. Ueberdies bietet dieses Preisausichreiben weitere 300 wertvolle Preise, darumer Gold- und Sklbergegeu-stände, goldene Uhren, Brillantringe, goldene Avmbänder, Urlaubsreifen nach Venedig, Nizza, Dalmatien, Schweiz, Wachaufahrten usw. Es ist dies das größte Preisausschreiben, welches ein Wiener Montagsfrühblatt seinen Lesern überhaupt jemals geboten 'hat. Die Bedingungen dieses imerestanten Preisausschreibens sind ln der nächsten A ummer kes „Montag mit de»' Sport-Montag" ausführlich enthalten. Jiddischer Kuiturkreis in Wien_ erste künstlerisch-humoristische Oeranstalting Heute Sonntag, halb 4 Uhr uachnt., Künstler-Kabarett, II., Praterstraße 60 Reichhaltiges Programm aus der neuen jiddischen Literatur. Mitwirkende : Herr Fetsmann, Streng u.a. Künstler. Restliche Karten an der Kassa ab 2 Uhr nachmittags.

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