Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-03-06 · Heft 2881 (6.3.1927) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2881 (6.3.1927)
Date
1927-03-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2981969--29304-3017420
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. _ ‘>.cn, Sonntag WLe«sr Mvrgenzettßmg 6. MSrz 1SS7 Getv 7 Ivvk ANS KREUZ! »OMAN vc Copyright IMT by L> L6wft Verlag, Wien — la. Boxkalf genäht. MODE- BRAUN Spangenschuhe 8 21*90 SCHUHMODENHAUS 1 DORN | I TABORSTRASSE $ Eö o _' in allen Farben BALLY- SCHUHE III vvv 8 24ffar anher t strapazjähig Echte Schlangenu. Kpokodilsehuhe S 4S.- bis 49*30 Herrenschuhe in fabelhafter Ausführung Meeting 3611 f I I j Jflonlstlsche Sektion für die westlichen Bezirke Wien«. VUL Bennoplatt 1 a. — Telephon A-L-SS Dienstag, den 8 März 1927, 8 Uhr abend# VORTRAG: URIEL BIRNBAUM Ueber die Bibel •T‘* M mumm MS Mel Adler mit einent kleinen Koffer aus dem Haufe trat, staub unter den Zitronenbäumen PriSba. „Heut Nacht, Abel, sticht die Jacht des Herzogs in See. Wir gehet: nach Marokko. Da bin ich, Abel." „Du sollst glücklich —" „Das will ich nicht hören. Da bin ich Mel. Soll ich bleiben?" Er senkte den Kopf. Nach einem sanften Schweigen sagte PriM leise: „Gute Nacht, Mel. Du gehst auch fort. Wir sehen uns> gewiß wieder. Gute Nacht." Ihr Fuß war lautlos ... Um Mittemacht löste sich die weiße Jach des Herzogs vom Pier. Priska stand neben ihn: an der Reeling. Oben, am Berghang, fuhr ein Zug entlang, mit hellen Fenstern. Dort sah Wel Mler hinaus und sah das Licht im Meer, das Licht von Priskas glückhaftem Schiss. Im Sessel, hinter ihm, lag M'arsa Mexesewna. Im selbe Zuge reiste Nickel Lubliner. Sie hatte einen märchenhaften Scheck des Herzogs in: Pompadour und stieg in Genua aus, um nach Deutschland zurückzukehren und in Berlin, für Priska, eine Etage zu mieten und herzurichten. Man mußte einen ständigen Wohnsitz haben, zumal sie, Mama Nickel, das Neism nicht vertrug und die Hotelbetten zu kühl fand. Sie konnte richtig nur unter selbstgeschlissenen Jedem schlafen » Plötzlich erlvachte die Frau. Sie war kn tiefen, traumlosen Schlaf gefallen, noch in den Armen des Mannes. Sie fuhr empor. Der Oktobertag graute in den rotseidenen Vorhängen, sie erschauerte. Sie war allein . . . Die Tür ztmt Nebenzimmer war geschlossen, aber sie spürte durch die geschlossene, jenes Zimmer nur leer. Wann sie die Tür öffnete: unberührtes Bett, ein Blatt auf dem Tisch: leb wohl —. flEGM. KORKMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Bezirk, Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 18-9*31 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für IL'^ kieiricb unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnats der Isr. Kultusgemeinde Wien 40 IX., Berggasse 15 XVII!., Währingerstraße 97 ieeeeeQseeoeeQeeeöeeee&QQeQGeeQQeQeeeQö KLUB RADIKALER ZIONISTEN Mittwoch, den 9. März 1927, um halb 9 Uhr abends, im Caf6 Atlashof, i., Äspernplatz (Klublokal: Eingang Wiesingerstraße um die Ecke') Klubversam mlungr Gegenstand „Das Minoritätenrecht“ Referent: Dr. Israel Waldmann Freie Aussprache. Die Zionistische Sektion X/Xl veranstaltet Dienstag, den 8. März 1927, 6 Uhr abends, im Arbeiterheim, X., ^»axenburgerstraßc Nr. 8 (Gärtensaal), ein jüdisches bei dem Herr Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde und Herr Di% Otto Abeies, Redakteur der Wiener Morgenzeitung, sprechen werden. Eintritt frei! Qäste willkommen l 029. Fortsetzung.) Sie saß starr, Und der Schauer aus ihrer Haut mar nicht mchr Frost, war Augst, Sehnsucht, Herzeleid. Wieder allein . . . Marsa Alexejewna wagte nicht, die Augen zu öffnen. Es sollte sich ihr nicht gemein bestätigen. Sie flüsterte: „Duschenka"; lauter: „Golubtschik". Gau zlaut: „Liebling! Mein Heitz, du! Wo bist du? Mich friert." Sie lauschte. Rogen rieselte sacht, zärtlich. Sie wollte, weinm, aber nur ihr kalter Mund zitterte. Unten trat aus befat Hotel der Champs Elysees der Jüngling. Er ließ die Halle, das Portal hinter sich, trat in den sanften Regen, hob das Gesicht empor und ließ sich vom lauen Naß wieder für die Straße weihen. Es wusch ihm die Verschwendung, den Rausch und Luxus des Sommers ab, eine Kruste, eine goldene, löste sich von seiner Seele. Er lächelte: Abschied von den funkelnden Karosserien der Autos, den Hotelbetten unter Seidenhnnmeln und Spiegeln, den Soupers in den Kasinos, den .Kajüten der adriatischen Dampfer und Flugzeuge. Abschied der seidenen Wäsche, den Lackschuhen, Fracks imb Capas, Mschied dem unfruchtbaren üppigen faulen Leben. Was war er gewesen? Nichts Besseres als jener MUquereau da drüben, der eben um die Ecke heimschlich, nach seiner nächtlichen Arbeit in den Anlagen, um die Einnahme seines Mädchens zu kassieren! Zuhälter! Nur in seidmm Socken, der seine Frau nicht aus die Straße zu schicken braucht, weil sie ohnedies genug hat. Er wusch sich in Luft und Regen. Ein Kösferchen in der Hand, ging er. Durch das morgendliche Paris, in dem! die Blätter znsammengekehrt itmtöcrt. Die Boulevards voll von denen, die zur Arbeit gingen, die Seitenstraßen still. Er ging über die Seine nach der Rue des Saints Peres. Da hatte er gestern eine Stube gemietet. Er tauchte unter im anderen Paris, jenseits der großen Hotels der Luxusstraßon und Cafes. Er hatte schon die geliebte Frau vergessen beim ersten Atemzug der geliebteren Freiheit. Etwas Unnennbares tat weh in ihm. Nicht das Herz; nur das Gelvisfen ... Er sah in die Seine hinab, sie war schwer, schmutzig. Ern Autobus ratterte donnernd über die Brücke. Heut öffneten die Boutiquiers an den Ufern ihre Kasten nicht. Morgen, wenn die Sonne Paris befchien, ging aber alles Leben auf. Er spürte Flügel an den Schultern. Wenn es Nacht wird, reinigt sich die Luft um die Hallen. Vom Montmartre weht es hinab und treibt Fischgestank und Krautgeruch über die Seine hinüber. Esl ist still, die Beleuchtung trübe, die vielen engen Straßen, die auf die /teppdecken Glnatta-Stelnhoff ft. B*s.» Schmeitgatta Nf.$ Alt* reelle Firma I Place des Juuocents münden, wie nackt. Dort ist der Keller Au rat gut fume. Abel Mler spielte auf, den Apache;: und ihren Mädchen. Er war seinem Paß nach ein Italiener. Er hörte Haßgesange, Spottlieder auf Deutschland wie einst die Verhöhnungen Israels. Ter Haß hatte überall dieselbe Form, dasselbe Wort, dieselbe Grimasse. Rachel la noire liebte ihn. Ihr Freund war nicht ans den Schlachten zurückgekehrt, mtb sie war seine Witwe geblieben bis jetzt. Sie wohnte unten im Moniparnasse und hatte eine Freundin, eine lahme Blumemnacherm; Kr die verdiente sie. Sie haßte den Mann, sie konnte ihm nur en passant gefällig sein. Aber jetzt liebte sie Abel. Wie seltsam: sie hatte noch nie einen Juden gehabt, sie, selber Jüdin.. Sie unterstützte ihre Freundin weiter, weil er kein Geld brauchte, er verdiente selbst. Aber sie beschwor ihn: „Arbeite nicht, bitte. "Ich wAl Kr dich verdienen. Ich liebe dich." Diese Frauen lieben wie ehr Mann: 'das geliebte 'Wesen 'soll von 'ihnen abhängig sein. Die schwarze Rachel war süß wie heimtückisches Gift. Es trinkt sich wunderbar, aber genvffen tötet es. Mel, der junge, fiel in Müdigkeit, fast Ohnmacht. Wann kam der Zusammenbruch? Mel Adler erlebte. Die Welt war ausgelöscht, selbst die Mütter, er verlor sich in Genuß. Wie würdig war der Platz der Unschuldigen! Wie heiß die Freundschaft der Zecher in der Rauchenden Ratte! Was 'sah er, hörte» er! Schutzleute, den Revolver auf dem Tisch, saßen am Eingang. Die Luft war gelten mit Gefahr, mit Mord. Nie geschah etwas. Aber Mel. wurde an Tische gezogen, 'in den 'Kreis der 'blässen Männer, "die nach Wein, "Schnaps, Tichak, dem Pmstüm ihrer Weiber rochen. "Er spielte, 'das Blut gewürzt mit den Opiaten furchtbarer Vorstellungen, wie ein Satan. Am Nachmittag gingen sie ins Tabarin, angezogen wie Bürger, und tanzten mit den Genossen der höheren Sphäre. Zuhälter alle, Verbrecher viele. Er stand im Schatten des Torweges, wenn drei Schritt weiter Gaston te tigre einen Passanten aufhielt und seine Taschen leerte. Er beobachtete, wie bei Bullier, im Moulin de la Galette, in den Tanzsälen der Rue de la Caite seine Freundinnen, die Provinzler verführten, die Fremden, die nach dem Kriege Paris überfluteten, verhungert nach den Reizen dieser einzigen Stadt. Er schlief, zu müde, um über die Seine heimMehven, im Hotel de Hottes. M o war das Leben? Wenn nicht Hier, wo sonst? Nur beim. Volk, je tiefer, desto ursprünglicher quillt das Leben, ist die reine Natur. Aber bei Len Kultivierten ist "es tzevdorben. (Forschung Hm MmrbagAcrdth I««« DOLLAR CMdMeSpl Krtme») and weitere 500 wertvolle Preise für die Leser dies ms* der» Pas größte Preisausschreiben, welches ein Wiener Hontagsblatt jemals veranstalte&hat! Für jedermann frei t “ « Nummer des (T. Auller 1000 Dollar WO Millionen) Daniela gelangen 500 Nebenpreise zur Verteiloae; Wertvolle Goldn. Slibenfegenstif nde: ->.»-» Damenuhren, silberne Zigarettendosen, Apparate. FeldS u. Damenkleldet, — , _ , uhr, goldene Armbänder, silberne Herren «h>«„«.». ää Teure Gebraudisürtthel . Schuhe, Reisetaschen, Damentaschen, Herren- und Ilrlanhcrplfipn nach Venedig, Paris, Nizza, Schweis; Damenwäsche, Wirkwaren, Sportartikel, Parfümerie. 1)11(1111191 (*19(*11 Dalmatien, wachaufahrten, Fahrtesten auf die Rax und den Hochschneeberg.mit und ohne vollständige Uuterkunft, Rundreisen durch Oesterreich» Kurorte-etc. **n«A wl«l«s «muBuMree «*r«l*« f Verwalturi0: i, UL, Liechtensteinstr. 45 (Strucleltiof).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.