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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-05 · Heft 2880 (5.3.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2880 (5.3.1927)
Date
1927-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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| Polen s 25 grosay | \V i e n. Zum Abholen m det Expedition, 11., Taborstr 1-8 oder >n einerVorsehleißstelle (Trafik) tnonatl.ö Schilling Stralieftvorkanf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, L Wollzeile 11 Mit Postrersand für Wien Und Oesterreich monatlich 6 Schilling Tschecho Slowakei: Mon.K32 Jugoslawien: Mon. Din. 60 Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon.'Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Free. 85 Ksr.lttaltl ca««« Ml Pr«Ueth Sh npf*B »etbs 1»* 1 <<». DDE ANS KRE UZ f Unser * : Seite 61 ....-- O orgenzeilung I Prcl» LEB öl Engl an d: Mon.4Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Kum&nien: Mon. 170Lei BulgarientMon.lOOLewa, S c hw e i r. und das Übrige Ausland monatlich Free. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ah 6 Dhr abends Telephon Nr. 31-0-86 u. 31-209 Vll., Lerchenteldorstraße 1 (Druckerei „Inva") Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr 150 693 Rr.?880 Wie», eofflsla». MS», 1827 <1. Weadar 8687). gahraana Me Ausschreibung der Neuwahlen. -er Rationalrat aafgrlSft. — Ueber die Atbeiterverffchernag wird weiter verhandelt. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetzteS K gekennzeichnet. PalDinastagen im Unterhaus. Der Handelsverkehr zwischen England und Palüstlna. London, 3. März. (I. T. A.) In der heutigen Sst mtfl Jes Unterhauses machte die Rrsierung eine Mitteilung über den Handelsverkehr zwischen England und Palästina. Im Jahre 1926 wurden von England nach Palästina Waren im Gesamtwerte von 674.600 Pfund exportiert; dagegen wurden von Palästüra nach England in dem gleichen Jahre Waren im Werte von 1,346.000 Pfund ein* geführt. Colonel Jost ah Wedgwsol richtete an beit Kolonienminister Amery die Frage, ob er Auskunft geberr könne über die Tunlichkeit und Erwlinschtheit der Einführung einer Fair wage clause im Arbeitswesen Palästinas und ob die Palästina-Regierung Vorbereitungen getroffen hat, um ein faires Lohnsystem einzuführen. Amery erwiderte, du: Oberkommissar für Palästina, tzord Plumer, habe der Londoner Reierung die Versicherung gegeben, daß die Palästina-Administration die Notwendigkeit einsieht, bessere Arbeitsbeding' .ngen im Lande zu schaffen, gleichzeitig aber betonte der Oberkommissar, daß die Interpretation einer fair wa.ges clause in Palästina, wo der Lebensstandard und die Leistungsfähigkeit unter den verschiedenen Teilen der Bevölkerung soweit auseinandergehen, g r o ß e S ch w i e r i g k e i t e n machen ivürde. .. .Colonel Wedgwood fragte weiter, ob Minister Amery Auskunft darüber geben könne, wann ist Palästina ein Versicherungsmodu f für Ärbeiter hei Unfällen, hezw. Haftbarkeit der ArLeitgeber, Gesetz/ werden würde. Minister Äniery«^widerte, eS fei ünlängst in Palästina eine Kompensationkverfstgung Ge'etz geworden, wonach die Arbeitgeber gewisser Klassen von Arbeitern verpflichtet seien, den bei der Arbeit verletzten Arbeitern Entschädigung zu gewähren. Bevor ein. solches Gesetz erweitert wird, wären Erfahrungen.über die Wirkung der bereits bestehenden Ber- Igung zu sammeln. ßitt »etter chinesisch-bkitischer Vertrag. L o n.d.o n, 4i März. Der Korrespondent -des „Exchange Telegraph" in- Schanghai meldet, daß die zwischen Tscheu und O'Mallah gesührbon Verhandlungen überdas neue. Statut der englischen Konzession in K i u K i a n g mit einem Abkommen g e e n d e t haben, demzufolge die Bevwaltung 'der Konzession vom 15. März an einem chinesischen Ausschuß übergeben werden wivd. Die chinesischen , Behörden verpflichteten sich, als Entschädigung für die bei der Plünderung der englischen Konzession durch chinesische Extremisten entstandene Schäden 40.000 Dollar zu bezahlen. Der chinesische Kommissär in Schanghai hat heute dem Doyen des Konsularkorps sine Note überreicht, in der er die sofortige Zurückziehung der englischeu Truppen fordert, d>sA außerhalb der internationalen Konzession Stellungen bezogen haben, weil - dies eine Verletzung der chinesischen Souveränität darstelle. Die Raffenformel vom amerikanische» Repräseulantenhause verschoben. W a s h i n g t o n, 4. Mürz. (Wolfs.) Das RepräsentanrcnhauS hat die Vorlage des Senats angenommen, wodurch das Inkrafttreten der Abstammungsk'ausel des Einwanderungsgesetzes u m e i n I a h r v e r s ch o b e n Ivird. Bon seiten der Demokraten machte sich gegen den Befch'uß starker Widerstand geltend. Es ist wahr'cheinlich, daß Präsident Coo'idgo die Vorlage genehmigen wird. Trün'^nm beim PrSffrente« ffoolivge. Warschau, 4. März. Das Ministerium des Aeußern erhielt vom polnischen Gesandten m Washington, C z e ch a n o w s k i. einen offiziellen Bericht, - in welchem er mitteilt, daß er den Sejmdepütierten I. G,r ü nbaum dem Präsidenten der Vereinigten. Staaten Coplidge vovgestellt Hab?. Der Empfang dauerte ungefähr e i n e St u nd e. In der Aussprache wurden hauptsächlich ""'•Mietome Emigrationsfragen behandelt. Unter lautem Beifallsklatschen des ganzen Hauses nahm gestern mittags der Nationalrat das Gesetz über seine eigene Auflösung an. Unmittelbar darauf trat der H a u p t a u s s ch u ß zusammen. Präsident Miklas brachte eine Zuschrift der Regierung zur Vorlesung, durch welche die Wahlen für dcn 24. April ausgeschrieben werden. Mit den Stimmen d:r Christlich-sozialen und Großdeutschen wurde dieser Wahltermin genehmigt. Zwei sozialdemokratische Anträge, die Wahlen am 8. bezw. 1. Ma i abzuhalten, wurden abgelehnt. Die Bundesgesetzblätter vom 4. und 5. Marz publizieren bereits das Auslösungkgesetz und die Kundmachung der Regierung, womit die Neuwahlen für -den 24. April ausgeschviebtn werden. Auch der niederSsterreichische Landtag traf gestern seine Vorbereitungen für die Landtagswahlen, die am selben Tage wie die Nationalratswahlen vorgenommen werden. Es wurde beschlossen, daß die Stimmzettel für beide Wahlen auf einem Blatte vereinigt sein können. In St. Pölten und Wiener-Neustadt, wo am 24. April auch die Gemeindevertretungen neugewählt werden, können die Stimmzettel für alle drei Wahlen auf denselben Zettel gedruckt oder geschrieben werden. Von.christlichsozialer Seite lag ein Antrag vor, wonach cs den Wählern gestattet sein soll, jenen Kandidaten, den st? in er st er L! nie gern ß.-hl t w i ssen wollen, als solchen auf dem Stimmzettel M b e z.ei chfte N. Der Antrags wurde dem Verfassungsausschusse Angewiesen. ' ' Ebenso wie in Niederösterreich werden auch im B u rgenland und in Kärnten die Wahlen in die Landtage gemeinsam mit den Nat'ionalratswahlen durchgeführt 'werden. '. Ae Mtjweralen in der MtzeUssront? In einer Versammlung, die > Donnerstag im „I o s e f i n u m" staittfand, t-oilte der christlichsoziale Parteisekretär Akgeordn-cter Schönsteiner mit, daß der Zusammenschluß der Christlichsozialen mit den Großdeutschen günstig stehe;, es werde auch ein Abkommen mit den Altliberalen geschaffen werden. Die Mitbclstandspartei des ehemaligen Ersparungskommissärs D r. H o r n i k verhandelt gleichfalls wegen eines gemeinsamen Vorgchens mit der antimarxistischen Einheitsfront, doch dürften -rwie das christlichsoziale „Neuigleits-Meltblatt" moint — diese Besprechungen kaum zu einem Ziele führen, da die Hornikpartoi zwei Mandate verlangt. Nach dem Wortlaute des Auslösungsgesetz.s kann der alte Nationalvat noch bis zum 23. Mai tagen. Voraussichtlich werden auch einige Sitzungen stattfinden müssen, in denen nebst einigen kleinen Vorlagen das handelspolitische Ermächtigungsgesetz, betreffend den provisorischen Abschluß eines Zusatzabkommens mit der Tschechoslowakei bezw. über die kurzfristige Verlängerung des gekündigten Handelsvertrages beschlossen werden wivd. Ob die Altersversicherung noch iveiterberaten werden soll, darüber geht noch der Streit. Im einer Parteienbcspvechung, die vormittags im Parlament abgehalten wurde, lehnte Dr. Seipel den letzten Vorschlag der Sozialdemokraten, den Geltungsbeginn und die Uebevgangsbestimmun'gen der Sozialversicherung vom neuen Nationalrat beschließen zu lassen, ab. Aus.die Frage Dr. Seipels, ob nunmehr der Unterausschuß, der die Arbviterverfich:rung zu beraten hat, einberufen werden soll, erwiderte D r. Bauer: „Wir halten die Fortsetzung der gegenwärtigen P a r teien verhandln n g e n für a u s s i ch 1 s l o s, da es offenbar ist, daß die Negierung in einer Frage, die vor allem doch eine Frage der Arbeiterschaft ist, mit der Partei, die mindestens 90 Prozent der Arbeiter vertritt, nicht verhandeln, sondern einfach diktieren.will. Was das weitere Vorgehen anbelangt, behalten wir uns vor, nach. Befra-. gung unseres Verbandes der Regierung Mitteilung zu machen." Ae Mmort der Sozlaldemottaten. Auf die Frage des Bundeskanzlers, ob die Verhandlung über das Arbeiterversicherungsgesitz nunmehr in den' zuständigen Ausschüssen fortgesetzt werden solle, hat ' der Verband der sozialdemokratischen Abgeordneten und Bum desräte noch im Laufe des Nachmittag eine Antwort beschlossen. Diese stellt fest, daß eine Vereinbarung zwischen den Parteien und d»?r Negierung über die strittigen Fragen des Arbeiterversicherungsgesetzes -in den Parteienbesprechungen nicht zustande gekommen ist und -daher die Fortsetzung dieser Bespre-. chungen aussichtslos sei. Dagegen verlangt der Verband, daß die weiteren Verhandlungen im Unterausschüsse und im Ausschüsse für soziale Derwaltun g geführt werden, wobei er sich vorbehält, in diesen Verhandlungen seinen Kampf -gegen die Vorschläge der Regierung und der Mehrheits- Parteien mit Energie fortzusetzen. Der Bundeskanzler hat sich sofort mit dem Präsidium des Nationalrates und durch dieses mit dem Vorsitzenden des Unterausschusses in Verbindung gesetzt und die eheste Einberufung de? Unterausschusses verlangt. 1.259.774 Wühler in Mn. Nach einer Mitoilung des Wiener Magistrats hat sich die Zahl der Wähler in Wien auf 1,259.774 -erhöh i. Davon sind 566.212 Männer und 693.562 Frauen. Bei -der Aufnahme im Jänner wurden insgesamt 1,231.300 Wahlberechti-gi'? festgestellt. Insgesamt wurden 11.733 Reklama.ttonen eingebracht, von denen 10.949 statt-gegeben ,x werden mußte> Infolge des Reklamat'ionsverf-cchrens ist -die Wählerzahl gestiegen. Boi den letzten Wahlen im Jahre 1923 zählte man in Wien 1,140.233 Wahlberechtigte. Die starke Zunahme der Wählerz-ahl wird unter anderem mit den Einbürgerungen und dem Zuwachs der ins wahlsähi-go Alter Getretenen begründet. Wiederaafnahme der Merreichisch-tschechWe» Handel,Verhandlungen. Prag, 4. März. Auf Grund der gestrigen Bevernbarungen werden, wie eine Prager Korrespondenz erfährt, die HarldelsvertraZsverhandlulrgen mit Oesterreich «tot! 9. März in Prag fortgesetzt werden. Die Regierung hat zu diesem Zweck bereits interne Verhandlungen mit der beteiligten Industrie- und Handelskreisen eingeleitet. Polni'che Sinlvandernng nach Per«. Lima (Peru), 4. März. Eine polmsche Kommisiion Verhandelt hier über die Mnwandorung von Polen in großem Umfange. Der Präsident d>:r Republik Leguia ist >de mpolnischen Vorschlag günstig gesinnt. Henry Rev'nson!b r Palästina. London, 4. März. In einen: in der Union os Demmocratic Control in London gehaltenen Vortrag über das heutige Syrien und Palästina, führte Henry W. Nevinson unter anderem aus: Es sei wohl war, daß England d a s M a n d a t durch das Recht der Eroberung bekommen und angenommen habe, aber die Palästina-Regierung sei bemüht, eine unparteiische. Verwaltung zu führen. Wioderholt wurde britischerseits den Arabern der Vorschlag, an der Regierung teilzunehmeu, gemacht, der jedoch stets abgelehnt wurde. Die Amber reden sich darauf aus, daß die Engländer und Inden sie zu jeder Zeit überstimmen würden. Eine solche Kombination sei jedoch unwahrscheinlich. Die britischen Minister seien ausgesprochen proarabisch gestimmt gewesen, weil der Engländer immer eine gewisse Vorliebe für die Beherrschung inferiorer Rassen habe, während die Zionisten aus einer zu hohen Stufe der eigenen Kultur und Zivilisation stehen, um populär zu sein. Die Ausgleichung des Palästina-Budget in der kurzen Zeit der britischen Verwaltung ist sicherlich ein schöner Erfolg. Bezüglich Transjordanien machte Mr. Nevinson darauf aufmerksam, daß die Grenzen dieses riesigen Gebietes im Hinblick auf die stetige Unruhe «der bewaffneten Wahabiten, eine stärkere Verteidigung als dies jetzt der Fall ist, notwendig erscheinen lasse. Das gesamte Kapital für die Finanzierung der Kolonien wurde von den Zionisten beschafft, die überhaupt unausgesetzt an die Erhöhung des Lebensstandard im ganzen Lande mit Erfolg arbeiten. 8

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