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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-27 · Heft 2874 (27.2.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2874 (27.2.1927)
Date
1927-02-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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flMte ff 2W«t, Sonntag Sühne und Kunst. Ji tfaw »rde und erster Steck. " - VmtzHestter. ,£fet« Red» ist philosophisch, das G'schwolleue gehört ins Medizinische", sagt in dieser Restroy-Poss« der Damian zu'der Salerl. Tatsächlich kommt es in diesem SBetfe Restroys mit dem berühmten Namen und der dünnen konventionellen Handlung durchaus auf die Red' an. Sie ist nicht geschwollen, sondern philosophisch. Zu ebener Ecke spricht Nestroy durch den Damian und die Salerl, ganz besonders aber durch den Mund des Ißjährige» Christoph, Im Burgtheater wird dieser liebenswerte ArmeleutebuL von Alma Seidler gespielt, in der ein Funke Nestroy-Genie lebt. Dieser Funke ist selten. Durch die freudige Feststellung, daß die Seidler wie kein anderer und keine andere den Nestroy-Text lebendig macht, geschieht auch den veckientesten Mitwirkenden dieses Abends kein Abbruch. Wen» dieser Christoph angesichts der heißhungrig erwarteten und leider ausbleibenden Mahlzeit die Geschwisterchen mustert und dann zur Mutter sagt: „Essen müssen's, die Kinder, sonst wachsen's net"-dann ist der rebellische Humor dieses Nestroy-Wortes anfgeschlossen. Das Publikmn hält sich auch von der ersten Szene an diesen entzückenden Buben und jubelt ihm zu, wenn er im> letzten Akt, nestroyisch beschwingt, sein Couplet singt. Herr Mayerhofer ist im Nestroyischen schon warm gewocken. Sein zugrundegegangener Tandler ist ein leichtlebiger gutarttger Tagedieb, versteht sich aufs pointierte Singen und ist besonders ergötzlich, da er sich im Spiegel der eigenen Seele betrachtet und im Selbstgespräch gar s^hr verschämt wick, weil er die Salerl betrügen wollte. Hatte auch keine Ursache, denn die Salerl ist Frau M e- . delsky, kernig, urwienerisch, nur gerat sie auch hier — sie kann diese Neigung nicht lassen — um manche Nuance zu tief in den Affekt. Obeu im ersten Stock, wo cs hoch hergeht und gepraßt wird, während man unten hungert und sich in dumpfer Enge.zusammendrückt, tritt T h a l l e r in der Rolle des Kammerdieners für Nestroy' ein. Bewundernswert die Frische und Geschmeidigkeit dieses großen Künstlers, geistig urib körperlich. Er spielt die ordinäre, abgefeimte Dienerseele, als wäre diese Nestroy-Gestalt ein-. Vorläufer des Jean in Strindbergs „Fräulein Julie" und spielt sie gut so. . . Die Handlung: „Was heute unten, ist morgen die LiÄesäffLre, das Intrigenspiel dieser Nestroy-PiWsind an sich'nicht fesselnd genug und so ist es willkommen, daß eine Fülle von Figuren den Abend verkürzt und würztwas ganz besonders von dem außerordentlichst^ Pülcher-Paar'der Herren.Emmerich Reimers und Hube rgilt. : Ansonsten, ist im Burgtheatev-Ensenible, das diesen Aberch bestreitet, nicht alles nestroyisch, und schon gar nicht wienerisch. Eher fönnte man Nestroy für Norddev^ichland erobern , als norddeutsches Wesen, wie es mancher der Akteure aufweist, in ein Nestroy-Stück verwurzeln.; Ürch da, wie man weiß, das etstere nicht gelingen kann,; mag man ermessen, welcher Mißklang entsteht, wenn man das letztere versucht. Asten Respekt für den Spielleiter Hans B r ahm.^ Er. hat. in die.Kinderszene zu ebener, ©tbc Raimund'sche GemütsLöne gemengt und dem . noblen Wirbel im ersten Stock lustige,' parodistische Lichter aufgesetzt. Das. Publikum war in bester Stimmung. Insbesondere das ulkige ' Quartett der Damen Medelsky-Glossy und der Herren Thaller-Mayerhofer, das Pülcherduett Reimers-Huber und vollends das Lied der Seidler, von der Regie sehr klug . knapp vor Schluß eingefügt, entfesselten Beifallsstürme. Dir Nestroy-Posse heißt im Untertitel „Die Launen des Glückt. Sie scheinen jetzt dem Burgtheater günstig zu sein. Das macht uns Freude. . O. A. Lie SchSuherr-Feier tat Lettische» Bolksiheairr. Durch die Rolle, die sich gestern Schö-nherr als Jubilar zuteilen ließ und durch die Art, wie ex sie spielte, zeigte dieser Dramatiker wieder, daß er zu. der seltenen Spezies der Dichter gehört, naiv, weltfremd geblieben ist, — und immer die Wahrheit sagt. Ex ließ sich von einer Unzahl Gratulanten anstrudeln. Andere bevü'hmte Sechziger haben sich solchen Ovationen entzogen, weil sie derartige öffentliche Feiern mit -dem Rang für unvereinbar hielten, den sie im Parnaß einnehmvn. Aber Schönherr sagte auch, wamm er sich dieses Arrangement auf festlich beleuchteter Bühne, mit Ehrensesseln, befrackten Honoratioren, Kranzgewinden, Ehrenzeichen und unendlichen Reden gefallen ließ. Nachdem Direktor Beer Schönherrs „Silberne Hochzeit mit dom Deutschen Volkstheater" gefeiert, Ministerialrat Kobalh namens der Regierung,, drei Redner namens der Schriftstellervereine, Hofrat Glossy für den Verein Deutsches Volkstheater, Vizebürgermeister Emmerling für die Stadt Wien, Herr Strobl für die Bühnenkünstler und dann nochmals Herr Professor Glücksmann für das Deutsche Volkstheater gesprochen hatten, erhob sich Schönherr linkisch, zog linkW eist Manuskript aus der Smoking-Tasche und sagte jene kräftigen und eindeutigen Wahrheiten, die wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe mitteilten. Vorher wurde sein Meisterwerk glaube und Heimat^, mit tiefster Wirkung aufgesiihrt. Insbesondere Herr Klitsch und Frau M a r k u s, O n n o s Mkr«rr Ms^e»zett««s 87. Februar «87 Me. 9m .Flüsternde Lüchte.- Englische Kriminalromantik im Lustspieltheater. rechtzeitig gegen die unheilbringenden Folgen des Aelterwerden», durch Verwendung von Sklerolsyrup ntcH Uhlv.-Prof. Dr. Mtadelovsky. in eilen Apotheken erhältlich. Haupt-Depot; Apotheker C. Brady, Wien, L, Rotenturrwtr. 18. inbrünstig fanatischer Reiter, Kutscheras alter Rott und H o m m a' s Engelbauer waren große Leistungen. Ist Episoden taten sich Herr Ehsnann und Ftau Guttmann hervor. Auch des jungen Herrn Balter als Spatz konnte man sich freuen. Rur Herr Forest hätte keinen glücklichen Abend. .Brnur tat Stüfertnnfc." Uraufführung in den Kawmerfpieleu. Eine unbedingt wahre,, unbedingt aber heitere Begebenheit ans der Geschichte des Völkerbundes — ein »Bürgerzwist um die Bennspriesterinnrn vvr Genf — gich Rolf Lauckner Gelegenheit m einem sanstsatirischen Lustspvck. Ein gut Teil dieser Komödie ist allerdings aus Ludwig Thomas „Moral" bekannt: die Schüre auf die Spießerheuchelei gegenüber der Halbwett; der aftdepe Teil bringt einige ergötzliche Seitenhiede auf die Bölke rbundw mantik, auf die Stadtväterpvlitik u. dgl., in einem behaglichen (ryanchmchl zu behaglichen) Dialog gehüllt. Obwohl gcnt}e Strecken des Stückes mehr illnstrativ-schiLer» d als dramaüsch bewegt sind, manche Teile mehr auf wessenals lustspiel hafte Wirkung cmsgehen, ergibt sich eine mnüsgnte Mischung, die dem Gaunün des Publikums denn auch vorzüglich mundete'. . Satirisch-komödienhafter Höhepunkt des Stückes ist der Moment, da der Vorsitzende des „Bundes für Männerrechtx" an die vor dem Fenster vorüberziehenden Bürger, die Mp die; „Repatriierung" der Stadckirnen demonstrieren,' eine ^Ansprache über Menschen- und Männcrrechte hält. Leider war der Darsteller dieser Type, Herr Schreiber, füv seine Rolle nur aufs Aeußerliche gestellt; er sah allerdings! glänzend aus, wirklich wie ein Genfer Major, der Asbarah heißt, mit der nötigen Beimengung von FekdttTebelfreffe. Weit tveniger der Sache gewachsen war Asbarahs ziviles Gegenstück, der Brauereihesitzer Ponsard, den Herr Witt- Mann zu spielen hatte; die Simandltype, die er sich zurechtlegte, reicht bei weitem,., nicht.'aus. Köstlich.dagegen HÄir -Pe^^le r in einer Episodenrolle als Präsident des: .^n-' ^sK^WDerinnung, ein« spaßige, Karrikatur. Herr Lö i ccksMnttmmalkreatur. Die Dftrlonmtie des Völkerbundes war ' durch H. L. Fischer mch Theodor G r i c g recht mäßig ' '.vertdß^u Der weibliche . Part des. Stückes sowohl äuS ,!d«*Wizeri wie aus der halben Welt — war weit besser vertreten. Bor allem war Therese Bel lau in einer Episoda geradezu pallenbergisch. Trübe Brionne, Eva Geher Und Olga D iv ra waren'stilechte' Freudenmädchen, Magda Karmen eine würdige. „Freudenmutter". Das altbürgerlich-weibliche Element vertrat Margarete H o pf vorschriftsmäßig; als „nwderne". Völkeckundklapperschlan'ge kchnpfte Evia Fiebig mit ihrer Rolle einer: ebenso heroische:; Kampf wie mit ihrer Erkältung. Der' -BeifMMr stark' «Nd'?hetizM und rief den Aütop mehrmals >m die Rampe. - S.> S- Ein neuer Spielleiter stM sich rm Lustspielthevter vor: Dr. Egon Stelzer. Ihm ist das flotte Tempo zu verdanken, mit dem K. L. Kaurins Krimi na l-Schauspiel durchgerast wurde. Das LRyfWhe kam nicht su kurz. Die UnheiMichkeit der Materie wurde bis ins Transzendentale gesteigert. Man kann jetzt rm Prater das GrMn lernen. Die AuWlhrung selbst erreichte ein bisher im Lustspielbheater seltenes Niveau. Vor allem brillierte Eamrllo T r i e m H a che r als eleganter, energischer und nervenhatter Detektiv. Wilhelm Schick war von bewundernRverter Natürlichkeit. Mit der undankbaren Rolle der Sekretärin fand sich das talentvolle Fräulein Maria WaId nv r ausgeZeichnet ab. Ein junger Schauspieler, Frans Massarek, bewies Takt und Haltung. Vortrefflich in Episoden Liselotte Henke, Paul M a «h r und Ludwig S o e w y. Das Publikum folgte dem grausigen «Spiel mit. aufgepeitschten Nerven, bis sich die Gespanntheit in stürmischem Beifall löste. Ein Ülbend, der den PhaNtastisck ^'n Film an Sensationen übertörfft. o. r. A«r den rheatern. Burgtheater. Morgen, 7 .Uhr, „Egmont". Dienstag, halb 8 Uhr, „Zu ebener Erde und erster Stock". Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Stiefm a m a*. Dienstag, ,$l a r 11 a*. Opernthea ter. Morgen, halb 8 Uhr, »Intermezzo^. Dienstag, 7 Uhr, „Wiener Walzer", „Die Puppensee", „Sonne und Erde". Stadttheater. Dienstag, den 1. März, Gastspiel des berühmten englischen Tänzers Alfred Jackson, sMohl in Soloszenen als auch an der Spitze der Violettgirls in der Revue „Men lacht wieder". . « M o d e r n e s Theate r. Heute, 3 Uhr, Tschechows Schauspiel „Der Kirsch garten". Theater an der Wien. Morgen, halb 8 Uhr, die 28. Ausführung der Straußschen Operette „Die Königin". . .Neue Wiener Bühne. Dienstag Premiere des drei- «skigen Schwankes „Er muß die Ehe brechen", von Henneguin und Veber. . Apollo-Theater. Dienstag Premiere des „L-eatro der Piccoli" (Theater künstlrcher Menschen). Artzrbaschew erkrankt. Aus Warschau toto gemeldet. Der schon s«i,t länger^ Zeit hier ansässige berühmte ruisstschc Schriftsteller ' A r t z i b a s ch e w ist schwer ertrankt. Sein Zustand gib: zu ensten Besorgnisse-n Anlaß. Bürein für neue Musik. Mittwoch, den 2. Mürz, halb 8 Uhr abends, findet im Ka-mmersaale des Musikvereines der siebente Kammermuftkabend des Vereines für neue Musik mit Werken von Gal, Horenstein, Otto Jokl, Kaminski, Ullmann (Variationen und Doppelsuge über ein Klavierstück von Schönberg) statt. Ein. Thcaterskandal um Marguerites „Garconne". Im Alhambra-tTheater in_Lille kam es bei der Erstaufführung des für die Bühne'bearbeiteten Romans „La Gareonnc" von Marguerite zu Hestigen-Lärmszetren.-Als der -Borhang hochqiNg, entstand unter den Zuschauern-große Unruhe. Die Polizei mußte eirvgreifen und .nahm einige Verhaftungen, vor. Etwa hundert Leute mußten aus dem Saale gewiesen werden, worauf die Vorstellung ohne Störung fortgesetzt werden konnte. Neu eintpeterche Abonnenten erhalten di-c bisher erschienenen Fortsetzungen unseres Roma-nö „Jude ans Kreuz" kostenlos nachgeliefert. , Die neuen Schlager unserer Upton . Sinclair Der Sumpf (Roman aus Chicagos Schlachthäusern) Hundert Prozent (Roman eines Patrioten) Jitnmie Higgins Man nennt mich Zitnmermattn Samuel, der Suchende Der Liehe Pilgerfahrt Der Industriebaron König Kohle Die Metropole Pie Wechsler Hach der Sintflut Fünf Bände in Kassette S Alexander Moszkowski’s populär-philosophische Meisterwerke Der Venuspark (Phantasien über Liebe und Philosophie) Die Inseln der Weisheit (Eine abenteuerliche Entdeckungsfahrt) Die Welt von der Kehrseite (Eine Philosophie der reinen Galle) Einstein (Einblicke in seine Gedankenwelt) Die ewigenWorte (Kronschatz des Geistes) Die Kassette enthält außer diesen 5 Bänden noch: Entthronte Gottheiten (Ketzereien) Das Geheimnis der Sprache (Aus Höhen und Tiefen der Ausdrucksformen) Das Panorama meines Lebens In Halbleinen S 3.— In Halbleder 8 4.— pro Band Buchhandlunt R. Löwit > Wien I RotenturmstraOe 22

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