Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2870 (23.2.1927)
- Date
- 1927-02-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2870 Wien, Mittwoch nicht erteile, werde er dennoch reden. Daraufhin erhob sich Dr. I a it n e r und ließ protokollieren, daß er unter solchen Umstanden nicht mehr länger Vorsitzender der Kommission sein könne, er lege seine Stelle nieder. Nach diesen Worten verließ er ben Beratungssaal. In großer Erregung folgten ihm die übrigen Kommissionsmitglieder. Reue Jehnschilllirgnoten Ausgabe am 1. Mürz. Am 7. März wird die Österreichische Nationalbank mit der Ausgabe neuer Banknoten z u 10 S ch i l l i n g beginnen. Die neue Note ist in Hochformat ausgeführt (125 Millimeter hoch, 70 Millimeter breit), symbolisiert den Handel und Verkehr und ist auf weißem Velinpapier ohne Wasserzeichen gedruckt. Das Notenbild de ^Vorderseite zeigt in den oberen zwei Dritteln das Brustbild des Merkur, dessen Kopf mit dem geflügelten Hut und dessen Körper mit einem antiken, reich mit güillochierten Zeichnungen dekorierten Gewand bedeckt ist. Der Hintergrund ist mit einem Eichenornament ausgefüllt; links oben ist das stilisierte VundeSwapven, rechts oben eine große Ziffer „10". Das Bild der Rückseite zeigt in den unteren zwei Dritteln eine ans stilisierten Donauwellen auftauchende Nixe, welche das Gesicht dem Beschatter zuwendet.. Rechts von ihr eröffnet sich der Ausblick auf den Donaustrom' mit einem in Talfahrt begriffenen Dampfschiff und auf Ort und Ruine Dürnstein im Hintergrund. Die neue 10-Schilling-Note ist nun die erste, der in Vorbereitung befindlichen Serie, da die Nationalbank die jetzt im Umlauf befindlichen Banknotentypen nach und nach gegen neue um tauscht. Nach ihrer Ausstattung werden die einzelnen Noten die wichtigsten Zweige des Er-werbs- und Wirtschaftslebens symbolisieren, und zwar der 5er den Bergbau, der 10er Handel und Verkehr, der 20er die Landwirtschaft, der 50er Industrie und Gewerbe, der 100er die Wissenschaft und der 1000er die Kunst. Die neuen Noten sind kleiner als die Noten der jetzt im Umlauf befindlichen Serie. Die 20-Schilling-Note wird ein solches Format haben, daß sie un gefaltet in einer normalen Brieftasche Platz findet; 10er und 5er sind entsprechend kleiner, die anderen Nöten entsprechend größer. 274.000 Ntbtitsloie . ifä Dl-illionen Schilling für die Arbeitstosvnfürsorge. Mitte Februar würben in Oesterreich inrgesaun 241.617 B nie rijt ützte Ar!bcirsl o s e gezählt. Diese Zahl verteilt sich folgendermaßen: W i e n (Stat t) 101.520. Men (Umgebung) 14,716, Wr.-Neustabt 23.377, St. Pölten 12.863, Gmünd >Wl6,, Sau-erbruim 7253, Linz 29.442, Salzburg 5082, Gmiz &.184, Klagenfurt 8W3. Innsbruck 7158, Bregenz 3806. h. . Zu diesen 241.617 unterftützien Arbeitslosen kommen noch weitere 63.000, die keine Unterstützung beziehen. , In einer am Montag stattgehabten Sitzung des Beirates für. die AtbcirS-losenvevsicherung wurde mitgeteilt, daß im. Lahre 1926. insgesamt 153 Millionen Schilling für bi c Arbei t sIo s e n >f ü r s o rge ausgegcbc,:: worden sink), davon brachten Arbeitgeber und Arbeitnehmer 116 Million -n nilf,. bi-e Ge-meinden steuerten 4,3 Millionen, die Länder 4.8 DöiMynen bei, während der Vun>') zum Teil lorschustwei.se 26 Millionen geleistet hat. Rothstock kommt wieder aus pen Aeinhos. Die Entscheidung des Zrvillandesgerichtes. Pem Nriku-rs der Wiener Landesbechörde g-:gen ^ie Versiü'gung deL Bes'irkAgerichtes Hietzing, wonach vr Bettauer-Attentäter Otto R o t h st >o ck ans der geschlossenen Anistalt zu entlassen sei, wurde stat t- ,egeben. Das Zivillandes>gericht verjimgte durch einen Senat Mlter Vorsitz des Hosrates Dr. Stein, daß der Bescheid des Bezirksgerichtes Hietzing anfzuhchen sei und RoHistock auch tvcitevhin in einer. geschlossenen Anistalt ',uv erb leiden Halbe. Roi'h'stock wird daher voraussichtlich von, der ssychiatrischen Klinik wieder null! Stcinihels gab rächt verden und dort verbleiben. ' Rothstocks Verteidiger, Dr. Walter R i e-h l, bringt zegdn diese Vensiügnng den^ Nevisionsrekurs an das Obe rlandesge rillst ein, der für den Fall borg eschen ist, als erst-e und zweite Instanz in iiftm: Urteilen oder st"fM'issen nicht übereinstim'nien. Wien. 23. Februar. vaS Wetter. . Gestern trat föhnige Aufklärung ein, so daß die Tem- «ratur etwas gestiegen ist. Die Voraussage lautet: Torwregend heiter, Temperaturzunahme, starker Fölm. Sochzehnte österreichische Klassenlotterie. Bei der am 22. Februar 1927 abgehultenon Ziehung je« 1. Tages der 3. Klaffe gewannen: 50.000 S. das Los 'h. 80.224; 10.000 0. das Los Nr. 69.955; 1)000 S. das Lös Nr. 47.8-26; je 3000 S. die Lose Nr. 14.462, 15.048, 5.167, 77.195: je 1000 S. die Lose Nr. 4903, 11.436, 32.193, 3.158, 53.962, 88,491. Außerdem wurden 1487 Gewinne WtWen 600 S. und 128 0. ansgelvst. t Liiwenfvanzbkanntwei,, mit Menthol ist der Eroberer er Frauen, Kinder, Männer, durch seine wissenschaftlrche Znammensetzung wirkt er lx?i allen Schinerzen. Ueverall er- Atlichl eintretmde Abonnenten erhalten di-e bisher, rschienenen Fortsetzungen unseres Romans „I it d e ' n s K rku z" kostenlos nachgeliefert Wiener Morgenzeitung 23. Februar Zelle 5 1 T'HWhrataK—aaguMn JÜDISCHE WEIT' m .Juden" oBet .Hebräer". Der Fragebogen der amerikanischen Einwaiiderungsbehörde. Die Jüdische Telegraphcn-Agentur hat vor kurzen: auf eine Mitteilung hingewiescn, wonach der von den amerikanischen Behördenvorgeschriebe::« Einwanderungs-Fragebogen auf Spalte 10 46 verschiedene Rasse::- und Bolksbezeichnungen aufführt und für Juden di? D'-eich-.iung „Hebräer" tvählt. Dazu schreibt uns der Norddeutsch? Lloyd u. a.: Es ist selbstverständlich, daß wir als Schisfahrtsgesellschäft einen Unterschied im Glaubensbekenntnis unserer Passagiere nicht kennen. Die Fragebogen entsprechen in jeder Beziehung den Vorschriften der a m e r i k a u ischeu E i n iv a n d e r n n g s b c h ö r d e i! Die Bereinigung des Mischen kmizralionswesens. Die Verhandlungen zwischen Hias-Emigdirekt und der Jcwifh Colonisation Association (JCA) betreffend die Vereinigung der Arbeit dieser Gesellschaften auf dem Gebiete der jüdischen Emigration sind in Berlin zum Abschluß gebracht worden. Das Abkommen wurde von den beiderseitig?:: Unterhändlern unterzeichnet. Gemäß diesen: Abkommen wird die neue Organisation „Htas-Jea-Emigdirelt" die gesamte Jmmigrationsarbcit in den Auswanderung?- sowie in den Einwanderungsländern führen. De? Hauptsitz der neuen Organisation ist Berlin. Louis Brandeis-Fondr kär Palästinaliieratur. Aus Newyork ivird uns berichtet: Der bekannte Richter im Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Louis Brande: s, inachte die Beobachtung, daß die jüdische Abteilung der Ncwyorkcr öffentlichen Volksbibliothek zu wenig Palästinaliteraiur besitze, wodurch die Benutzer der Bibliothek keine Gelegenheit haben, die Fortschritte im Aufbauwerke in Palästina kennen zu lernen. Um diesem Mangel abzuhelfen und auch um andere zu gleichen Widmungen anzuregen, übersarrdlc Nichrcr Brandeis der Bioliotheksleitnng eine Spende von tausend Dollar zur Anschasfung von V ü ch cni in: b Zeitschriften liker 1 ns neue Palästina 8in staatliches Museum in Area. Aus Jerusalem wird uns berichtet: DaS Negierungsdeparlclnent für Konservierung der Altcrtünier hat die Vorarbeiten für di? Errichtung eines Museums in Acco ir: Angriff genommen. Das Museum wird in einem der Flügel der großen Festung untcrgebracht n:rd wird einen eigenen Zugang erhalten. Neben den: Museum wird eine große Parkanlage geschaffen, in der die Statuen und Grabsteine sowie andere Antiquitäten, die tvegeu ihrer Höhe nicht im Musennr selbst untcrgebracht werden können, Aufstellung finden sollen. Die Umbanarbeitcn werden von den im Festungsgefängnis untergebrachten Häftlingen ausgeführt werden. Das Museum von Acco wird zu einein Z e nt r a l m u s e u in für den ganzen nördlichen Teil von Palästina ansgcstaltet werden und schon in den nächsten Tagen tvcrden alle die in der letzten Zeit in Be t h-Schau ausgcgrabenen Gcgel:ständen in das Museum von Acco eingeliefert tverdeu. Ablebe» einer Führers der Karäer. In Wilna starb dieser Tage einer der angesehensten Führer der in Polen 1ebeill»en Karäer, Emanuel Kobetzki. Der Verstorbene war Präsident der Karäer-Gcimeinde in Wilna, Vorsitzender des Redaktionskomitees der ,Mysze Karaimska" und aubcrer karaitischec Institutionen. Kobetzki hatte eine hohe Staatsstellung inne, er war Vizepräsident des staatlichen Kontrollamtcs in Wilna. Seine Leiche wurde in T r 0 k, wo die Karäer «inet Synagoge und einen eigener: Friedhof haben, bestattet. Ja» Mütterchen für Lberrabbiner Heven. Aus Budapest wird uns berichtet: Nun haben sie es doch durchgesetzt, die Herren Dr. Lederer und seiuei'Presseadjutanten. Dr. Simon Hevesi, der trotz aller widerlichen Reklame bei der Wahl eirles jüdischm Vertreters in das Oberhaus schmählich durchgefallen ist, hat für diese Wurüre an seinem Prestige eine Genugtuung erhalten. Der Vorstand der Kultusgemeinde hat irgend einen alten verstaubten Beschluß bezüglich der Systemifierirng der Stelle eitles Großrabbiners herhorgcholt und, nach neuerlicher Propaganda und Reklame Oberrabbiner' Dr. Ssmon H eoBirapBaaraafflaBHigi 'Xws jüdische Maus jüdische iBfcMti HG mama vesi zum Gr 0 ßrabbine r der Neologenge-n Budapest gewählt. - l / Auch die sec Wahl gingen heftige Kümp;^ loeil der besonnene Teil der Gemcindemitglieder es nicht begreifen wollte, lvarum diese ganz überflüssige Stelle kreiert werden mußte, um nicht nur Dr. Hevesi ein: Pklästerchen aufzuklcben, sondern gleichzeitig den zweiten inkoordinierten Oberrabbincr Dr. Julius Fischer, einem hervorragenden Gelehrten, der noch den Vorzug hat, fern von jeder Politik und jeder possenhaften Rcklanusucht nur von seinem Amte und seinen Studie'.: zu leben, aufs tiefste zu kränken. Dieser Vorgang hat jedenfalls nicht dazu beigctragen, den durch die gegenwärtigen Machthaber der Gemeind? arg gestörten Frirdeen w:edcrh?rz-rst?ll?>?. Ser MMäkdienft ver im A«ska»r8e ftusieren« Sen jüdischen Hochschüler ans Polen. Aus Warschau >v:rd nnS berichtet: Der jüdische Sejmdepntierte Dr. Jakob W i g 0 d s k: hatte vor einigen Tagen eine Unterredung mit den: neuen Bildnugsnunister D 0 b r u c k i, in: Verlaufe lvclchcr Dr. Wigodsti die Beschwerde vorbrachte, daß jüdisch? Studenten, >velch? in Polen eine Mittelschule ohne Oeffentlichkeitsrecht absolviert haben und jetzt in: Auslande ihre Hochschulstudien fortsetzen, nlitten im Studrurn zur Militärdlenstleistu^g cinbernfen tverden, wodurch sie in d:r Gründung einer Eristenz aufs empfindlichste geschädigt werden. Bildungsnünifter Dobrucki erklärte sich bereit, alle ihm durch den Sejnrdeputierten Doktor Wigodski vorzulegenden Gesuche dieser Art befürwortend an den Kriegsminister loeiterzuleiten. Sejindep::- tierter Dr. Wigodski erklärte sich seinerseits wieder bereit, jedes ihm aus den: Auslande zugehende Gesuch jüdischer Studenten in: Sinne der geschilderten Unterredung an den Bildungsminister z:: leiten. Die Gesuch? sind an den Bild:r n g s m i n i ft c r z u r i ch t e 1: und au die Adresse des Sejmdepntierten Dr. Jakob Wigodski in Wilna zu sende::. Die Schüchtfrage im bayrischen Landtag. Jiddifiche Renegaten in der Münchener Sozia l cur?« alte. Me schon berichtet, hat der bayrische Landtag am 4. Februar beschlossen, die valdmöglichste Vorlage eines Gesetzentwurfes über den Betäubungszwang für das Schlachtvieh zu verlangen. Dieser Beschkuß, zu dem die Initiative von h a k e n k r e u z l e r i s ch e r Seite ausgegangen ist, stellt sich. eigentlich als die Forderung eines Ausnahmegesetzes gegen die GetvissenSfreih?it eines Teiles der jüdischen Bevölkerung dar. Es ist deshalb sehr bemerkenswert, daß der Beschluß mit Hilfedersozialdenrokra-- tischen Fraktion zustande gekommen ist, die in München nichts anderes ist^als in Wien. In der FraWion haben getaufte und konfessionslose jüdische Mitglieder den Ausschlag gegeben und die Partei dazu gebracht, trotz des Bekenntnisses zur Freiheit, sich mit .tzakenkrcuzlcrn auf einem Territorium freundschaftlich zu finden. Hochschulprofessor David Roman gestorben. In Bukarest starb im Mer von 41 Jahren der Professor an der Bulareiter Technik David -R 0 n: a n. Der Verstorbene, de jich aus den: Gebiete der Mineralogi-e einen Name:: erworben har, war auch Mitglied des Zentvalausschrlsses der Union der rumän'« schen Juden. Ableben eines s>chSveizerisch>-jüdischLn Historiker^. In Basel starb vor einigen Tagen einer der produktivsten Bearbeiter der Geschichte der Juden in der Schweiz, Dr. Achilles N 0 r d m a n n. Von Beruf Arzt, widmete er seine ganze freie Zeit diesem Studium. Seine in deutscher und französischer Sprache verfaßten Arbeiten, hauptsächlich seine Geschichte der Juden in Basel mD Basellm.--, habd'.:. bedeutenden kulturhistorischen und Quellenwert. Dr. Alkalay, Präsident der Belgrttier Kultusgemeinde. Aus Belgrad wird uns. berichtet: Infolge der Demission des bisherigen langjährigen Präsidenten der sephardischen Kultusgemeinde, Rechtsanwalt Rasailo Finzi, fand vor einigen Tagen die Wahl eines neuen Präsidenten statt. Die Wahl fiel auf Herrn Dr. Snlamon A l k a l a h. T-er neue Präsident der sephardischen Judengemeinde der jugoslawischen Hauptstadt ist eine der angesehensten jüdischen Persönlichkeiten des Königreiches. Er gehört auch dem Lanoesausschusse der zionistischen Organisation an. Die jüdische Lehrerschaft Palästinas beim Lehrer-Weltkongreß. Der Verband der hebräischen Lehrer Palästinas Wrde eingcladen, zu der im August 1927 in Toronto stalbfindenden Konferenz des Wcltverbandes der LehreW^SW« Vertreter zu entsenden. Der Verband hat die Einladung angenonnncn. Grttudsteittleguug zum Straus'schen Gesundheitszvntrun: in Haifa. Der greise amerikanische P'hllanthrop Nachan Straus ist, wie uns aus Haifa terichret wird, bereits dort eingetrofjen und leitet die Vorbereitungen für den Begi-.n des Baues des von ihm gostisteten Gesundheitszentrun:s, für dessen Zwecke Straus eine Vierteimillion Dollar gespendet hat. Die Feier der Grundlsteinlegung ist für den 8. März angeseht und wird in Anwesenheit des Oberkoinin'issärs Lovd P l u m c t vor sich gehen. Das Fundament der Anstalt wird aus den Steinen der dritten Mauer von Jerusalem gebaut werden. Ei» Heim der jüjdischen Jugend in Paris. Im Beisein des OberrabbinerS von Frankreich, Israel L e v i, und der Vertreter säst aller jüdischen Organisationen in Paris wurde das Heim des Weliverbandes der jüdischen Jugend feierlich eröffllet. Rabbi Stvnrdze heftete die Mesusa an die Eingangstür des Hauses.