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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-22 · Heft 2869 (22.2.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2869 (22.2.1927)
Date
1927-02-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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IBfcn, Dienstag öWN 8 tr?~* . .... .... . im ... 11... . .- — Serichtssaal. Ser Krach Ser »ordisch-Lefterrelchische« Brak. D« Anklage gegen die Funktionäre. Wie wir erfahren, findet der Strafprozeß gegen die Neuangeklagte« Funktionäre der Nordisch-Oesterreicht scheu Bank, nämlich gegen den ehemaligen österreichischen Landesverteidigungsminister Karl (Fr^iherrn von) Ezap, der Präsident des Berwallungsrates war, ferner gegm den niederländischen Generalkonsul a. D Henri Jan Barend van Rohen, den BizepräsideMer. de- Verwaltungsrates der Bank, am 29. und 30. März vor einem Schöffensenat im Sirasiand-sgericht 1 statt Den beiden genannten Persönlichkeiten 'Heb zur Last gelegt, daß sie durch Aufweitung eines Betrages von fast 94 Milliarden für das Bankgebäude auf der Seilerstätte übermäßigen Aufwand trieben und ohne jede Dekkung große A^ienpakete der Bank nicht nur für sich selbst übernahmen, sondern arr-ch zuließen, daß andere BerwaltungSratmitglieder ohne jeden Gegenwert solche Aktienpakete erhielten. Dadurch hatten sie fahrlässig die Zahlungsunfähigkeit der Bank herbeigeführt. Ebenso hätten sie gehandelt dadurch daß sie verschiedenen Konzernunternehmungen, die längst zahlmrgsunfähig waren, Kredite gewährten. Sie haben auch nicht rechtzeitig das Ausgleichs- oder Konkursverfahren eröffnen lassen, was zum schwere» Schaden der Gläubiger ansschlug. Dm Vorsitz im Prozeß wird OLGR. Dr. Dörr führen, der auch die Verhandlung gegm den chemaligern Generaldirektor Otto Wald egg geleitet hat, der im Frühjahr 1925 abgenrteilt worden ist und im vorigen Jahre bedingt a«S der Strafhaft entlassen tvurde. Er wird als einer der Hauptzeugen in der Verhandlung erscheinen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Nahrhaft. In der gleichm Strafsache war auch ein Verfahren gegm die Mitglieder M DirMonsrates, Generalmajor d. R. Franz Hussarek-Heinlein, Eynar Lind sowie gegm dm Stellvertreter Waldeggs, Direktor Gustav Mayer, eingeleitet worden. Die Untersuchung gegen diese Personen wurde jedoch eingestellt. »Der ganze Papa!* Der anthropologische Nachweis der Vaterschaft. Von der Steiermärkischen BerMfsvorck.undscha.st Mur.M§chlog war im Namen eines sechs Monate alten Kindes gegen den hiesigen BuinidellbaihnILcamben Karl O. beim Bszirksgn richte Meidling eine Klage auf Feststellung der Vaterschaft und Leistung entsprechender Alimente eingeLracht worden. Da der Beklagte seine Vaterschaft enffchreden bestritt, beschloß das Gericht, einen Sachverständigenlbewers mittels aller derzeit bereits erprobten anthropologischen Methoden, einschließlich der Blutprobe, duräburMren und bestellte als Sachverständigen den Universitätsprofessor Dr. Otto Reche. Vorstand des aniHropologisch-ethnographischen Institutes. dem an das Gericht erstatteten schr interessanten Gutachten wurde solyendes fastgest-llt: Erstens durch die Dlutprob.s, welche an dem Beklagten, dem Kind, der Kindesmutter und auch an der Großmutter des Kindes vorgenommen wurde, daß der BÄllagte der Vater des Kindes sein könne, jedoch nur bis. zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit, da dies mit Sicherheit nach dem heutigen Stand der Wisserchcha,st nicht nachgewiesen werden, könne. . Bei PMulig der H a u t l e i st e n (Fingerabdrücke) wurde fastgestellt, daß die Vaterschaft des Beklagten wahrscheinlich sei. Aus der Haarfarbe, der Farbe der Regenbogenhaut des Auges, der Form des Gesichtes, insbesondere der Formanalyse des Auges, des Ohres und der Nase (hier betont das Gutachten, daß große und weit aus dem Gesicht hervorstchende Nasen deutlich die Tenders zur Vererbung arvstveisen), zieht der Sachverständige den Schlich, daß der Beklagte der Date-r des Kindes ist. Di-kser Schluß wird damit begründet, daß es kaum möglich sei, daß sich in gang Wien oder gar im gangen Staat noch ein zweiter Mann findet, der in so vielem (im Erbgang voneinander völlig unavhäng'gen Eigenschaften von derartigem Gewicht) dem Beklagten so gleicht, daß er als Vater in Betracht kommen könnte. Das Gericht hat das BeweiBer-fahren für abgeschlossen erklärt und wird das Urteil im schriftlichen Wege bekanudg^geben. W-e da- Jnlands-Arbeitersihutzgesetz ardgew-nbet wird. In der Republik Oesterreich besteht seit Jahre 1026 bas sogenannte Jnlands-Arbeiterschutzgesetz, das den inland-lchen Arbeiter vor der Konkurrenz der ausländischen Arbeiter schützen soll. Jeder Arbeitgeber hat nach diesem Gesetz eme behördliche Genehmigung anzusprechen, wenn er einen auSländischen Arbeiter beschäfrigen will. DaS tat auch die Wiener Firma Spirmann-u. Horovitz bezüglich emes H«>chschür«r» aus Polen, der, um dre Mittel zum Studium aufzubringen, tei der genannten Firma als Provisionsvertreter tätig war. Er erhielt einen mynattichen Spesenbeitrcm von V0 Schilling, sonst aber nur die Provisionen von de» überbrachten Aufträgen. Das Wanderungsamt und in der Folge auch daS BundeSlan^leramt untersagten dre weitere Beschaftrgung des HochlschülerS. Die Firma Spir« mann und der Hochschüler brachten hierauf eine ^Beschwerde beim VerwaltungSgerrchtShoife ein. Die Firma verwies darauf, daß sich der Student bestens bewährt habe und Gefcchr laufe, das Studium nicht fort* fetzen zu können, wenn man ihm die weitere Tätigkeit 4Vte«er Morge«zet<«rs «. &smx&f IM Rr. ssss als Provisionsagent untersage. Er sei kein Angestellter, was sich schon auS dem Entiohnungsverhältniks« ergebe. Durch feine Tätigkeit habe €t keinem arbeitslosen Österreicher einen Posten weggenonMen. Das ButtdeSkanKeramt berief sich auf den Wortlam o?S Gesetze- und der Derwol-ungrgerlchtShof hat die NeMr^rken ak» unbegründet verworfen. Der Prozeß Warbura-Iritsch vor der fünfte» Japanz^er seit Jahren schwebende BelerdigungSproAeß des Bankiers Max D a r b u»ff gegen den antwemltlschei» Herausgeber des ^am« BTheodor Frttfch, will noch immer nicht zu Ende gehen, hat, wie schon berichtet, «gen daß auf vier Monate Ge- S lautende Urteil der kleinen Straftammer t deS Landgerichtes Hamburg abermals Revision angemeldet. Ueber das Rechtsmittel wird vor dem Strafsenat b$8 Hanseatischen ObertanvkSgerichteS am 17. März verhandelt werden. Für die RovistonSverhand'l'Ung ist ein ganzer Tag vorgesehen. ES handelt sich, wenn man eS so bezeichnen darf, bei dcm bevorstehenden Verfahren nnd die fünft« In st an z. ssBGidaasvsvSBsvaaasssoBKassssosassssaos ee-»eeeeeeeee«eeeseeeeeseseseeeeeeeGeeeee! TOIHSiriRTSCHAfT Sie Bewegung gegen Die Solttarifnovelle. Di«?sh- und M-iscl/händLer weoix.l in den nächst«« Tage» Hi der Regierung vor sprechen und ihr oie schweren Vedenl SS« sie gegen Cie meue Zolltarssnovelle hegen, Vorbringen, In togela-ngen Beratungen der führenden Mitglieder d«S Gremiums der Viehhändler sind die neuen Sätze : Cer Zolltarifnovelle durchgerechnet worden und man ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß des einer Steigerung der ZoWelastung für eingcführtcS Fleisch von 66 Goldkronen per 100 Kilogramm die Spesen sich, wie folgt, gestalten werden: Für 6000 Kilogramm Zollgebühren 266b Schilling (früher 864 SchiMng), Warenumsatzsteuer 746 Schilling (660 Schilling); zusammen mir den übrigen Spesen würbe die Belastung 1 Schilling ausmachen, so daß für die billigeren Fleischsorten von jugoslawischem und rumänischem Rindfleisch, sowie für polnische Kälber, die bisher zu einem Preffe von 1.40 bis 1.80 Schilling verkauft wurden, diese horrend« Spcsenbelastung einem Einfuhrverbot gleichbedeutend wäre. Ein« zweit« Grupp« der evwerberLen Bevollkerung. die Automobikhändler, erblicken in den geplanten Zoller- Höhungen für die Einfuhr von Automobilen geradezu eine Vernichtung ihrer Existenz. Im Falle der Gesetz, werdung der geplanten Zölle würde die Einfuhr ausländischer Automobile. inSbesoM)ere der billigen Gebrauchswagen, vollständig unmöglich sei.» und den Automobilhandels» firmen nichts anderes übrigbleiben. als die Betriebe zu schließen, wodurch viele Tausende von Angestellten und Arbeitern arbeitslos werden würCen; ebenso würden aber auch zahlreiche HiVfSindustrien, vor allem die BereifungSindustrie und zahlreiche Liefergowerbe des Au:omobilhande«s, ihren Arbeiterstand herabsetzen müssen. In Erkenntnis dieser Gefahr beatsichtigen di« genannten HilfSinC-ustrien und -Gewerbe» vor allem über die im Automob'lhandel beschäftigten Angestellten und Arbeiter, sich der großen Protestaktion der Automobilhändler gegen di« neuen Zoll« anzuschließen und schärfste Bewahrung dagegen - eingulegen, daß zugunsten eines ganz ungerechtfertigten Monopolfür einige wenige Fabriken eine noch gar nicht abgusehende Arbeitslosigkeit für Tausende heraufbeschworen wird. BemevkenSwerr ist übrigens, daß auch die Agrarier mit der Zolltarkfresorm sehr unzufrieden sind. Der Larvdbund erklärt, daß er Viesen Entwurf als eine AugenauS» Wischer ei betrachte; er glaubt nicht, daß er im National-, rat boschloffen werden wird, und selbst wenn CieS geschehen sollte, würde nicht eine einzige Zollpositi'on geändert werden' können, da alle Zölle durch di« Handelsverträge gebunken sind. Schon heute werden aus Ungarn, Jugoslawien und Rumänien Meldungen über Repressalien laut für den Fall» als die HanC elsverträge gekündigt werden sollken. In der gestern äbgehaltenen Vollversammlung der Nied« r öfter re i chi sch e n Landwirtschaft-- k a m m«r. in der fast sämtliche Redner für die Agrarzölle eintraten, wurde wieder schärfster Protest gegen Cie geplanten Zölle auf Thomasmehl und einen neuen Zementzoll erhoben. Es wurde eine Rosolution angenommen, in der eS heißt, daß wen-n nötig, auch die Handelsverträge gekündigt werden müßten, damit sich die neuen Zölle in notwendigem Maße auswirken, denn mit Papierzöllcn sei-der Landwirtschaft nicht gedient. In der Resolution wird ausdrücklich betoni, dag di« Jndustriegolle sich nidy vor t«n agrarischen Zollerhöhungen -ruSwirken dürfen und daß jeder Versuch, den Zementzoll zu erhöhen oder einen neuen Kuüfidüngerzoll zu schaffen, mit ^»tEung abgewiesen werde. 2>k Senttalftratfaffe her Gemeinde Men als Gelogener. (Eine Linzer JnveststionSa-nleihe. < Wie bi« gestrige »Tagespost" mitteilt» hat vizevürger« meister RÄberr Mehr bei den in Wien geführien Verhandlungen mit der Direktion der Z e n.rralspa r lasse der Gemeinde Wien erreicht, daß der Zinsfuß der von der Zentralsparkass« der Sta»^t Linz erteilren Anleihe von 18 Millionen Schilling von 7^ auf iVn Prozent p. a. herabgesetzt wird. Zur Flüssigmachung der Anleihe bedarf eS noch der Zustimmung des obevofterreichifchen Landtages, der «in «genes Gesetz, das Linger .^JnvestitionSanleihe.nge.setzbeschließen wiw«. Die Beratung dieser Gesetze» soll bereits in den nächsten Tagen, unmittelbar nach der Wahl deS neuen Landeshauptmannes, anberaumt werden. Schon wieder ünftnfömtfe bet der Alpine. Das größte Industrieunternehmen Oesterreichs zeichnet sich seit Jahren dadurch auS, daß die Oefsentlichkeit von Zeit zu Zeü durch Konflikte zwischen der Arbeiterschaft und ihrer Direktion alarmiert wird. Das geschieht in.der Regel entweder, wenn die Alpine irgendetivas bei der Regierung zum Schutze der „heimischen Produktion" durchsetzen will oder, wenn sie vor einer 'Dividendeklarcuion 'steht, von *i)er anzunehmen ist, daß sie die Aktionäre nicht aklzusehq. befriedigen werde. Das größte österreichische Industrieunternehmen hat noch immer seine Forderungen, die nur zu oft auf Kosten der Allgemeinheit gingen, durchgeseht. ES ist noch in lebhafter Erinnerung, wie der Alpine die Kohlenabgabe bewilligt wurde nur zu dem Zwecke, um ihr den Ausfall, den sie durch eine Lohnerhöhung an die Bergarbeiter in ihrem Gewinn- und Verlustkonto erleiden mußte, zu ersetzen. Damals hatte sich aber die Alpine verpflichtet, weder Arbeilerentlasstmgen in größerem Umfange noch Lohnkürzungen vorznnehmen. WaS sich jetzt in Konflikten der Arbeiterschaft mit der Alpine abgespielt, stellt sich aber als eine nackte Lohnkürzung dar, wenn es auch auf dem Umwege über eine Neuerstellung der Akkord- und Dienstgrundlagen geschieht. Mm braucht wirklich nicht dem Arbeiter seinen Nominallohn i«I Geld kürzen, man kann "ihm viel ausgiebiger'seinen R eal! oh n schmälern,. durch Entziehung der Schmiermontur, deS HandkederS und der Holzschuhe, waS eben die Ursache deS gegenwärtigen Konfliktes ist. Daß die Alpine anch jetzt noch, nachdem der Anschluß an die internationale Rohstah'gemeinschast in allen Tönen als Sicherung der Produktions- und RcntabilitätSgruMagen des Neu eintretcnde Abonnenten erhalten die bisher erschienenen Fortsetzungen unseres Romans „Jude ans Kreuz" kostenlos nachgeUefert. * i . I Premieren Z ufa } Theater .. .. .. Burg-Kino 1. OPERNRINQ 19 TEL”. 399 a» -■-»» Familie ohne Moral mit C Carteitieri / Regie M. Neufeld V.4, V46, 7. »,«9 Uhr Central-Kino IL TABORSTRASSE 8a TEL. 42-3-41 Zv-► Das Mädel mit der Dollarmillion mit Dorothy MacaU 6, V,8, 9 Uhr KHrntner-Kino L JOHANNESOASSE 3 TEL. 72-109 Zv-—Metropolis Regie: P. Lang (Wien) V«4, V«7, '/.9 Uhr Läwen-Klno UL LÖWENOASSE 33 TEL. 95-3-12 Harla-Thereslcn-Klno vi„ mariahilf » tpa<^f. 70 TE 3S-S-n Tänzerin von Paris mit Dorothy MacaU V,6, 7, %9 Uhr Metropolis mit Brigitte Helm 7,5, V. 9 UHr

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