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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-15 · Heft 2862 (15.2.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2862 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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jll. 28b.. Msn, Dienstag Wiener Msrgenzettnng 16. Febm<tt 192? Seite 5 Jüdische Wett. Jnftef« und MiAelfon Mitglieder der ru fischen Akademie der Wiffeaschalten. Moskau. J2. Februar. T. A.) Die allrussische Akademie der Wissenschaften in Moskau hat die beiden weltberühmten Physiker Dr. Albert Einstein in Berlin und Prof. Michelson in Newyork v.i ihren Mitgliedern gewählt. Eine Arbeitsgemeinschaft der süddeutsche» jüdischen Landesverdünde. Wie I. T. A. aus Stuttgart berichtet, sind die Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinschaften und Landesverbände in den Ländern Bayern. Baden, Württemberg und H e s s e n am 6. Februar 1927 in Stuttgart zuscrmmengetreten und haben, vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Organe, die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft beschlossen. Die Vertreter der Landesverbände sind nach wiederholter eingehender Prüfung zu der einstimmigen Auffassung gelangt, daß die Bildung eines ReichsverbandeS erstrebenswert ist, aber nur aus dem Wege über die Landesverbände geschaffen werden kann. Slegersudeu in Uganda. Dr. M. H i n d -e s, der neben Nahum S o k o l o w und nach dessen Abreise allein die so erfolgreich verlaufene Kcren-Hajessod-AAion in Südafrika geleitet hat, ist auf der Rückreise nach Euroipa in Jerusalem eingetrvffen. Bevor er Südafrika verließ, wurde er vom Ministerpräsidenten von Rho best a und dem Gouverneur von Kenya empfangen, die beide ihren Sympathien für den Palästina- Aufbau Ausdruck gaben. Dr. H i n d e s weilte einige Zeit in Uganda und im Sudan. In Uganda traf er auf eine Gruppe von etwa 2000 Negerjuden, die die Lehren der Bibel befolgen, den Ritus der Beschneidung beobachten und den Sabbath halten. Der Stamm trat vor einigen Jahrzehnten zum Judentum über. Gegenwärtig sind dkse Ncgerjuden mit dem Bau einer Synagoge beschäftigt. Jüdische Karriere« in Amerika. Aus New Aork wird uns berichtet: Durch den Anssaus einer Reihe neuer Eisfabriken in Brooölyn und Queensik ist die Kohlen- und Eisfirma Rubel Bros das Haupt, eines E i s t r u st s mir einem Kapital von 26 Millionen Dollar geworden. Die Firma besitzt jetzt 36 Koihlenlaiger, 40 Eisfalbrik-en und 60 Kohlen- und Eisstationcn in den verschiedenen Teilen von Groß-Ncw Aork und beschäftigt 2200 Arbeiter und Angestellte. Der Präsident der Gesellschaft, Samuel Rubel, kam vor 20 Jahren als armer E'miwanider-er aus R iga in N-ew Dork an. Er begann feinen Qebens-unterhal' als Straßenhändler mit kleinen Wecken Kohle uni kleinen Mengen Eis. Er fparte bei schwerer Arbeit Dollar auf Dollar zusammen, bis er im Jahre 1910 zum erstenmal zwei Waggon Kohle auf eigene Rechnung kaufen konnte und arbeitete sich dann allmählich zu seiner heutigen wirtschaftlichen Stufe empor. Samuel Rubel legt seinen gangen Sto'Ig darein, auch heute noch sowie am Beginn seiner Karriere nicht nur seinem Unternehmen vorgustehen, sondern auch persönlich s ch w o r e A r b e i t z u leiften. Bühne und Kunst. Robert Inch«. (Arm achtzigsten Geburtstag des ToirdichterS.) Wie so viele österreichische Musiker, wie Wilhelm Kienzel, Josef Marx und Hugo Wölb, ist Robert Fuchs ein Kind der grünen Steiernmrk. Und wie diese Tondichter ist er unermüdlicher Wanderer über Berg und Tal, durch die Natur, die ihn jung erhalten hat. Robert Fuchs ist auch sonst eine Art Naturkind, still zog er durchs Leben, verstand sich niemals auf marktschreierische Reklame, hatte keine Affären und ließ sich durch keine Enttäuschung verbittern. Er war und blieb der zartbesaitete Naturpoetz, wurde kein musikalischer Rebell, und schrieb mehr für sich als für die Oeffentlichkeit, Werk auf Werk, mehr als hundert an Zahl, darunter Sinfonien und Ouvertüren, Lieder und Kammermusik, Klavier- und Chorwerke. Auch zwei Opern — die im Jahre 1889 in Wien uraufgeführt- -Königsbraut" und die „Teufelsglocke", die 1892 in Leipzig herauskam — entstammen seiner Feder. Ein früher viel gespieltes Klavierkonzert wurde preisgekrönt, am poputärfteu wurde er jedoch durch seine naturhast naiven, nrelodisch anmutiger: Serenaden, welche ihm den Ehrentitel des „Serenaden-Fuchs" einbrachten. Mehr als eine Generation lang war er, der, selbst ein Lehrerssohn, in der Jugend Volksschullehrer gewesen war, die höchste Wiener Autorität als Kompositionslehrer des alten Konservatoriums der „Gesellschaft der Musikfreunde", der Vorgänger:,: der Musikhochschule. Aus seiner Schule kamen Hugo Wolf und Gustav Mahler, Franz Schrecker und Alexa^er Zemlinsky, Franz Schmidt und Leo Fall, ja auch noch modernere jüngere Tondichter wie E. W. Korngold und Egon Kornauth. Ihnen allen war er ein Freund, sie alle bringen dem jugendfrischen Greise — in dessen von weichem Vollbart umrahn:tem Gesicht die zwei gütigen Augen noch heute so hell und kindlich dreinschauen wie einst in unserer Konservatoriumszeit — die herzlichsten Glückwünsche zu seinem achtzigsten Geburtstag dar. flb. Aus den Theater«. Operntheater. Morgen, 7 Uhr, „Margaret'hs" Äurgtheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Der Diktator". (Abonnement 4. Gruppe.) Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Marika". (Monnement 6. Gruppe). Kammerfpiele. Donnerstag Erstaufführung von „Amor in Nikolsburg" mit Hans Mo,er und Sigi Hofer. Naimundtheater. Freitag Erstaufführung des Danveville mit Gelang, „Ma ms eile Nitouche" von Herve. Donnerstag findet im Rabmen einer Festvorstellung die 350. Aufführung der Operette „ZirkusPrinzessin" statt. ° Modernes Theater. Als nächstes Lustspiel wird DregelyS „Der Rote Herr" vorbereitet. ' Plan eines Wo.Vefta'WelS Eomedie-Francai'e—Burg» tyeater. Generaldirektor der Bnn'^thetter Schneidert a.u teilt der Wiener Preise mit: Es. war in der vorigen .Woche eine autorisierte Pariser Persönlichkeit in Wien, .mit der ich ein Gastspiel der Comedie-Francaise mit Frau Ra sin und Herrn Alexander an der Spitze abgeschlossen habe. Das Gastspiel wird im Monat März stattstnden, die Tage stehen noch nicht fest. Auch über die Auswahl der zur Aufführung gelangenden Werke und die Dauer des Gastspieles wird erst in den nächsten Tagen ein endgültiger Beschluß gesas't werden. Der Pariser Funktionär war auch autonsrert, uns eine offizielle Einübung beider Vnndestheater, des Burgtheaters u: v der Staasoper, zu einem Gastspiel nach Paris anzukündkgen. Obwohl wir einer solchen Einladung gerne ent- &t& tiatoera sitctit melr&r vtel Zeit HEMM wenn Sie aus der Prämien-Aktlon der „Wiener Morgenzeitung“ die herrlichen Geschenkwerke erhalten wollen, die für Jahres- und Halbjahresabonnenten ausgesetzt sind. Nur noch bis 31. März 1927 können wir, da die starke Nachfrage nach unseren Bücherprämien unsere großen Bestände stark gelichtet hat, die folgenden . Gratisprämien zu Vi eilung bringen. Jahres-Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahres- * bezugsgebühr nach Wahl; TfoaGntknua STf««s?iixs SÄMTLICHE WERKE. In drei eleganten Prachtleinenbänden, Mehr als 2000 Seiten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder yteinaiatk Ofaefis GESCHICHTE DER JUDEN. Drei vornehme Geschenkbände. 2200 Seiten stark, oder PALÄSTINA. Ein herrl.Lexlkonband m 800neuen Bildern aus Erez Israel in meisterli > ter Reproduktion. Text v. d. berühmten Forschungsreisenden. Halblahres - Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Bezugsgebühr folgende Gratisprämien nach Wahl: dVkeoftof Mevxl FEUiLLE FONS. Zwei geschmackvolle Geschenkbände. 700 Seiten stark Jtdolf iOdAin DIE ZIONISTISCHE BEWEGUNG, Zwei Bände in einem hocheleganten Großoktavband. Gebd. ca. 400 Seiten DAS OSTfÜDiSCHE ANTLITZ. 52 Meisterzeichnungen Text von Arnold Zweig ^tpauvivn DAS SCHÖNSTE JÜDISCHE SAGENBUCH 400 Seiten in modernem Leinenband. Das Jahresabonnement der „Wlenei Morgenzeitung* kostet für Oesterreich S 60.— und S 1.50 Portospesen ---- S 61.50, für alle übrigen Länder das Zwölffache des am Kopfe des Blattes angegebenen Monatsbezugspreises, zuzüglich Portopesen von S 2.50 im Gegenwerte der betreffenden Landesvaluta. Die »Wiener Morgenzeltung" kann ln Wien in jeder Tiaflk bezogen werden. sprechen werden, dürfte es doch kaum möglich sein, die Tournee nach Paris schon in dieser Spielzeit duvchzusühren. Polnisches Wohltatigkeltskonzert. Morgen findet im Saale des Hanpwerbvndes der Industrie Oesterreichs in Men (3. Bez., Schwärzendergplatz 4), unter dem Ehremchutz der Gemcchlln des polnischen Gesandten in Wien, Frau Sophie Bader, ein Konzert statt, dessen ReinerttMms kulturellen und Humanitären Zwecken der polnischen Kolonie zufließt. Mitwirken werden Staatsopernsängerin Olga Bauer-Bilecke, Opernsänger Igo Mann, Vianist Eduard Steuermann, der eUjäyrige Geiger Grünschlag und als Begleiter Herr Walter Fischer. — Beginn um halb 8 Uhr abends. Karten erhältlich an b:- Abendkasse, im Cafe Vindobona am Scl/ma^euber- und in der polnischen Gesandtschaft bei Herrn Klein Gerichtssaal. Siegmuav Bose! zur zahl««« tum S'7 Milliarde« vrr«rtellt. DaS Handelsgericht hat eben eine Klage des tzewesenen Verwaltungsrates der Central-Boden-Credit-Bank Franz Benisch zum Nachteile des beklagten Bankiers Siegnmnd B o s e l entschieden. Benisch begehrte aus den: Titel der ungerichtfertigten Auflösung seines Dienstverhältnisses den Betrag von668.000 S ch illing. Er war im Februar 1985 in den Aufsichtsrat der Firma Fester u. Co. in Berlin eingetreten und hatte dott die Geschäftsführung übernommen. Die Gesellschaft sollte in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, wobei Benisch die Stelle des geschäftsfühvenden Verwaltungsrates zugedacht war. Er hatte wegen Uebernahme dieser Position seine Stellung bei der Central-BodemCvedit-Vank mit einem Monatseinkommen von 60 Millionen aufgegeben. In Berlin sollte er nwnatiich 3590 Mark, 700 Mark Autopauschale, eine lOprozentige Beteiligung am Reingewinn und 3000 Mark als Ersatz für allfällige Pensionsansprüche erhalteir. Der Vertrag galt bis Juni 1930. Benisch wurde jedoch im Mai 1926 sechs wöchentlich gekündigt, wobei der Anstoß zur Kündigung von de!m HauptaktiolEr der Gesellschaft, Siegnmnd B o s e l, ausging, der, wie der Kläger erfuhr, aus Ersparungsrücksichten so handelte. Als er gegen die Kündigung protestierte, wurde ihm das Betreten des Bureaus verwehrt. Benisch machte daher im Klagewege Siegmnnd Bosel für seine gesamten Ansprüche aus dem Vertrage in der eingangs erwähnten Höhe haftbar. Dev Bellagte wendete ein, die Lösung des Dienstverhältnisses sei wegen der schweren Mißerfolge des Klägers zu Recht erfolgt. Durch sein Verschulden seien etwa 40 Prozent des Firmenvermögens verloren gegangen. Der Kläger machte demgegenüber geltend, er habe Bosel einen Kredit von 800.000 Dollar in der Schweiz und Holland verschafft. Beweis genug, daß er wirklich über ausgezeichnete Verbindungen verfügte, was von» Beklagten bestritten wurde. Erst nach dieser Leistung habe er die Stellung angetreten. Der Senat lehnte sämtliche Beweise ab nick erkannte Bosel im vollen Umfange des Klagebegehrens für s ach fällig. Vorzeitig könne ein Dienstvertrag nur aus ausgesprochen wichtigen Gründer: aufgelöst werden. Der äOprozentige Vevmögensverlust der Firnra Fester u. Co. könne nicht als ein solcher Grund gewertet werden. Ein Mißerfolg bei der Kreditbeschaffung sei kein Entlassungsgrund, da bei derartigen Operation ' häufig der Zufall entscheidet. Ser Geliebte der MameatsfAfchert«. Wir haben von dem Beginn eines Prozesses berichtet, der gegen den ehemaligen Kammerdiener der Frau Sch nabe l-Leiningen vor einem Berliner Schöffensenat wegen Diebstahles geführt wurde. Frau Schnabel-Leiningen stand bekanntlich im Mittelpunkt eines Sensationsprozesses, weil sie das Testament ihres auf rätselhafte Meise in jungen Jahren verstorbenen Gatten, des berühmten Bakteriologen Prof. Schnabel zu ihren Gunsten gefälscht hatte. Frau Schnabel, eine geborene Gräfin Leiningen, war auch im Verdachte, ihren Gatten, der ihretwegen feinen jüdischen Glauben aufgegeben hatte, ums Leben gebracht zu haben, doch wurde die Untersuchung in dieser Richtung gegen sie eingestM und ihr nur wegen der Testamentsfälschung die ungewöhnlich milde Strafe von drei Monaten Gefängnis zudiktiert. Während der Untersuchungshaft hat ihr Kammerdiener Max Schwintzer verschiedene Einrichtungs¬ und Wertgegenstände aus der Villa der Frau Schnabel entwendet. Bor Gericht gab Schwintzer, der ebenso wie seine Braut urtb feine Pflegemutter angeklagt war, an, daß er die Wertgegenstände nicht gestohlen, sondern sie von Frau Schnabel-Leiningen als Geschenk für seine Liebesbeziehungen zu ihr erhallten habe. Auch habe ihn die Gräfin dafür entschädigen wollen, daß sie ihn zu einer falschen Zeugenaussage in ihrem Prozesse verleiten wollte. Die Hauptzeugin Frau Professor Schnabel bestritt, duß es sich um Geschenke gehandelt habe. Ihre Vernehmung über das Verhältnis zu ihrem jugendlichen Diener fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Im 'Gegensatz zu dem milden Urteil für die Gräfin Leiningen wurde der Kammerdiener wegen eines viel geringeren Delikts ziemlich hart angefaßt. Er erhielt zehn Monate Gefängnis, seine Braut fünf Monate und seine Pflegemutter wegen Mitwissenschaft drei Monate Gefängnis. Ren eintvotende Abonnenten erhalten die bisher erschienenen Fortsetzunsm umsnies Romams ans Kreuz" kostenlos nachgelivfert.

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