Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2852 (5.2.1927)
- Date
- 1927-02-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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5. Februar 1887 Nr. Men, Samstag Sühne und Kunst. »Ser Motor." non galumnain. - fttniete M SnttteAtt. Gokweg: das Diktatordrama des Lyrittrs und Komödie ndichters Jules Romain, das mit starken, ehrlichen Beifall'ausgenommen wurde, lebt von seinem Titel. Durch den Begriff „Diktatur" wehst der heiße Atem der Gegen- Mit und irgendwie zeigt jedes Wort, das in den vier Akten gesprochen wird, intensives Bemühen, das Wesen der Diktatur zu ergründen. Aber die Methode ist — zu wahrhaft, um gutes. Theater zu ergeben (denn Dheater lebt, eigentlich nur aus der Unwahrheit — besser gesagt, ans der leisen Verschiebung von wahr und unwahr, die wohl schon mit der Optik des Theaters zusammenhSngt). Der schwere Fehler dieses Diktatorstückes, ein Fehler, der sich ihm wie Bleigewicht anhängt, ist, daß es mit psychologischer Analyse die Wahrheit ergründen will, die wahre Antwort auf die Frage: Wie wird der Diktator? Die Psychologie war immer ein Feind des Theaters und das Theater wehxt sich, wie Immer, auch diesmal gegen sie, indem es sie ilmbringt. ^Was das Buch vermitteln kann die methodische Analyse —, wird auf der Bühne zur Disiiiffibit und Diskussion kann von der Bühne her nur parteiisch. gemacht werden. Jules Romains „Diktator" hat den schweren Fehler, daß nicht Partei genommen wird (die behutsam unanstößige Aufführung des Burgtheatcrs verstärkt dieses Manko noch); mit einem Wort: das Stück ist zu objektiv, mt gut zu sein; und ist zu gewollt distanziert, um mehr zu geben, als die Aktualität, die schon sein Titel atmet. . Der Revolutionär Denis, anerkannter Führer seiner Partei, hinreißeridcr. Redner, ausgezeichneter Schriftsteller, Mann der starken Intuition, die ihn stets das Richtige treffen läßt (jemand sagt im Stück von ihm: „Ich Ware versucht, auf ihn zu' setzen"), hat im Parlament das Miniiicrium gestürzt und wird zum König berufen, der ihn: fis Kabinettsbildung überträgt (im gleichen Augenblick, da die von Denis und seinem Jugendfreund Fereol, dem Doktrinär der Revolution, ausgearbeitetcn Pläne züm Sturz der durch eine morsche Monarchie repräsentierten Gesellschaftsordnung zu helfen beginnen). Denis übernimmt die Regierung (das ist: der Punkt im Stück, wo es sich zeigt, daß alle Psychologie — Einfalt ist) und der Revolutionär iurb Mann der Ordnung; sie verteidigt er mit dem Feuer seines Wortes (sicherer Beifall auf offener Szene, der denn auch pünktlich, eintrat) und mit voller Energie in der Ausnützung seiner Machtmittel. Läßt sich zum Schutz aor dem „Chaos" unumschränkte Gewalt vom König geben, der damit Higcn'Üich'^Mgesetzt.• ist."; Steckt' seinen Freund und Parteigenossen ins..Gefängnis. Läßt, da sein Blick die ungeheuren Macht-Perspektiven sieht, die Freundin seines Lebens'-hinter sich.'und bleibt allein. Im Kern älsö: Dikmtuc ist ein Jnstrüttrent der Ordnung. Erhebt sich die Gegenfrage:..Ist es.denn so sicher, daß jene „neue Ordnung"- die eine Revolution erstrebt, keine Ordnung sein lainr? Dieser Umstand allein, daß in der Fülle von Disi'üssion und Debatte über das Thema „Ordnung und Chaos" immer neuer Anlaß zu Diskussion und Debatte entsteht, bringt das Theaterstück „Der Diktator" um, so ernst es Romain angelegt haben mag. So beschränkt sich der Gewinn des Theaters auf eilte Szene — die zwischen dem König und' dem Revolutionär (seit unvordenklichen Seiten dankbares Theater), der dichterische Gewinn auf eine Bekenntnisszene des revolutionären Doktrinärs Fereol, da er den inneren Zweifel des ewigen Fahnenträgers sich und .dent Freunde enthüllt. Das Burgthcaler wüßte mit dem Stück nichts anzusangen. Die Objektivität, die der Dichter gewahrt hatte, war Anlaß, noch objektiver zu sein, zumal wohl Gerüchte in die heiliget: Mauern gedrungen waren, anderwärts habe irgendein leises 2lbiveichen von der Objektivität litt* ruhe hervorgerufen. So wurde alles vermieden, was etwa nach Parteinahme hätte ausseheu kötlneu. Schon optisch: die BersammlungSspelunkc der Revolutionäre' war spießbürgerliche Wiener Borstadt, das Arbeitszinitner des Königs entfesseltes Barock, das. sich in unzähligen Schnörkeln ins Geschmacklose hinüberwand. Und dann ging matt daran, das .Theater aüszutreiben (denn Theater ohne Parteittahtne gibt es uicht). DaS Stück wttrde mit Konversationsschauspiclern besetzt und, es wurde vornehm debattiert. Der 'Diktator war Paul Hartmann. Er ist der sympathischeste Schauspieler^ den ich in beit letzten Jahren sah. Seme schauspielerische Art hat etwas von dör Anmut und Feinheit seines unvergeßlichen Namensvetters Ernst Hartmann. Aber sein Denis ist in keinem Augenblick ntehr als — R.ümer. Einmal, da Denis im Arbeitszimmer des Königs mit sich kämpft, ob er „das Steuerruder ergreifen" soll, zeigt Hartmauu echtes Erleben; sonst — spricht er betörend schön, nichts mehr. Der König war Raoul Aslan; ein liebenswürdiger, gelangweilt geistreicher Monarch, der aber Manchmal irgendwie Balkanassoziationen aufsteigen ließ;, auch er hatte einen Moment echten Theaters, das ja jenseits der Schönrednerei liegt: da er die Vollmacht dps Diktators unterschrieb; darin lag Haltung, also etwas wie Tragik. Frau W a h l ge m ut als Königin machte ihrem Regentennamen Marie-Aimee alle Ehre und Herr Dcvrient als Graf ivar Kavalier bis in die Fingerspitzen. Ein wenig Theater gab es bloß in zwei Szenen: da Maria Mayen als Gattin des eisernen Revolntivnärs Fereol ihre Spießbürgerlichkeit hervorsprudelte, trnd als Wilhelm He i m eine Ministerialkreatur, die er sjch geradewegs aus der Nähe geholt zu haben schien, anal-ysierte- Herrn H e i n e als Fereol war leider — er ist der Regisseur Saitr 7 des Stückes — ohne beratenden Regisseur; der hätte ihm sagen müssen, daß er unmöglich ist. Die aktuatitätsfeindlichc Auftnachung des Stückes bewirkte, daß sich das Publikum an das reichlich fließende Wort hielt und die Ordnung, die ihm im Wort geboten wurde, ehrlich beklatscht«. Es hätte noch stundenlang zugehört; denn in diesem Stück gibt es keinen Schluß der Debatte ... Siegfried Schmitz. JJ ALT! ■ Eine Bibliothek von 300 Bänden I Eine Palästinareise I Fünf Dunam Boden In Palästina I Das sind die ersten drei Preise der grollen Kreuzworträtsel - Konkurrenz, die nächste Woche in der „Wiener Morgen- Zeitung“ beginnt. Sie umfaßt 50 Rätsel. Außer diesen drei Hauptpreisen können Sie eine ganze Reihe anderer großer Preise gewinnen. Fünfzig Rätsel — fünfzig Preise I Beachten Sie unsere weiteren Ankündigungen I »Sochzeltsreisende." Ein amerikanischer Schwank st» der Neuen Wiener Bühne. Auf einenr Luxusdampfer, der auf der Fahrt nach Amerika begriffen ist, reisen vier Paare, von denen man nur zum Teil weiß, ob sie „just" verheiratet sind, geht drei Akte hindurch ein ästhetisch reizvolles Flirten, Sichfinden und Verlieren vor sich, so reizvoll, anständig, korrekt, daß man manchmal an die längst verklungene Gartenlaubenpoesie denkt. Eine Mischung von Courth-Mahlerscher Delikatesse und angelsächsischer Honorigkeit hüllt die Menschen in einen Zauber, dem sich auch unser europäisches Jazz-Herz ergibt. Also auch bei uns ein Erfolg, wenn auch keine Jahresserie versprechend. Der Kajütenzanber siegt auch int Land der. abgebauten Gentlemans. Und wenn der Humor der richtig oder unrichtig. Verheirateten nicht immer das Zwerchfell, manchmal nur die Mundwinkel reizt, so muß man doch für einen soignierten Lustspielabend dankbar sein. Die Regie Rudolf Zeisels bewies Geschmack und Kultur und das Bühnenbild atmete Seeluft. Eine für Wien neue Schauspielerin, Aida Stuckertng, bringt Anmut, Grazie und einen vortrefflichen Lustsptelton mit, Alfred Neugebauer brillierte in diskreter Harry-Waldcn-Manier. Kurt D a e l m spielte einen famosen > FUtter-- tvöchner, W u rm ser. kopierte sich selber, Frl. G o d eck und Herr Wieland chargierten wacker. Frau Stärk-- Liedermann spielte eine französische „kleine Freundin" . allerliebst. / . Richtig verheiratet (eine echte Librettistenehe) waren die Autorinnen Mathews und Nichols, die von dem Resultat ihrer Ehefreuden entzückt gewesen wären. Das Publikum unterhielt sich nämlich ausgezeichnet, Lachen plätscherte ununterbrochen während des Abends. o. r. Die nächste Premiere der Staatsoper ist „Car-- dilrac", ein Werk von Paul Hind e ml th. Die Aufführung ist für Ende Februar in Aussicht genommen. Die Titelrolle wird Herr I e r g e r singen. Morgen, 6 Uhr, der ,/Ring der als Aveile Nibelungen' Dprdie Au ven rheatern. B it t tj 16 e <1 l e. z,' Morgen, 0 Uhr nachänittogÄ. ,Lasan rase na"; H8 Uhr abends, e r Diktator". Operntheater, stellnng des Zykvns „Wäll küre". Volk super. Morgen nachmittag „Die Fledermaus". Abends ,-Orpheus in der Unterwelt". Aikademietheater. Morgen, 9 Uhr nachmittag; ,S)as grobe Hemd"; HS Uhr abends, ^.Mädel von heute". Theater in de r Jos ef'stad t. Morgen. 3 Uhr nachmittag, Larifari". Bürgertheater. Lamskag» den tö. d. M., gelangt die. Operette „Der Tanz ins Glück".von Robert Stolß mit . Franz Glawatsch als Gast, neuoinstüdiert, zur Aufführung. — Heute,!) Uhr nachmittag, .Lumpatti, v'a ga b u n d uS". — Morgen, 3 Uhr nachmittag. „Der. .Verschwender". R aimundtheate r. Heute Ltki in oev Operette „D i o Z i r k u s p t«i n ze ss i n" Kammersänger Jorgen Bendix aus Kopenhagen in der Rolle des „Mr. L" auf. ' Modernes Theater. Mittwoch, -den 9. tz. M.,' die tschechische Tanzgruppe Jarmila Kröischlova ein einmalrges' * Gastspi c I. Dr. Mkrx — Rektor der Musikhochschule. Dcts Professorenkollcgium der Fachhochschule für Mi lsUk. und oarstell-ende Kunst hat den biL-herigen Rektor, ordentlichen Hochschulprofessor. Hofrat Dr. Jcksef Marx, für daS laufende. Studienjahr wieder zum Rektor gewahl-t. Der Bundesmiuifter für Unter- richt hat diese Wahl bestätigt. Der bisher mit der Leitungder Mademie. für Musik und darstellende Kuust be-traute ordentliche Hochschrlprofessor Hofrat Franz Schmidt wurde über sein aus Gesundheitsrücksichten gestelltes Ansuchen von dieser Funktion enthoben. Mit der Leitung der genannten. Äkadeinie wurde der ordentliche Hochschulprofessor Hofrat Max. . Spr i ng er betraut. Neue Schauspiekerinucn im Burgtyeater. Frau Lfly Kurv ly, die am 1. Februar ihr Engagement am Bstrg-- theater hätte antretett sollen, wird infolge noch laufender Verflichtungen in Zürich, erst in einigen Wochen in den Verband des Burgthcaters treteit. Am 1. April. beginnt Karola Neher, die Gattin des Dichters Klabünd ihre DattgkeiL als engagiertes Mitglied des Burgtheaters. Vom Beginn der neuen Saiwn an wird Fräulein Jansen, ebenso wie Frau Ncher eine in Deutschland bekannte Tat-.. fleUcrtit, als Vertreterin des Faches der Sentimentalen dem Burgtheater angehören. .. .. Oskar Haderer 60 Jahre alt. Aus Berlin lvird be< richtet: Am 16. Februar d. I. wird der bekannte Maler Oskar H a b e r e r 60 Jahre alt. Haberer, ein Jude, ist der Maler des Badischen Schwarzwaldes. Erging aus der Karls< rucher Kunstgewerveschule hervor und war einer der besten Schüler von Prof. G ö tz. Neben anderen großen Auszeich- < nungen und Diplonren erhielt er im Jahre 1909 den Grand . Pttx der Bereinigten Staaten und 1910 in Brüssel die Goldene Medaille. Von Haberer mit Intarsien der«. . Privot-r.. ' Typen ’ . , w__ befinden sich in der Kunstsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Oranienburgstraße. Das Moskauer jüdische Kammertheater hat als erstes nichtjüdisches Stück seit seinem Bestand, vor kutzetn Jules R o m a i n s' Komödie „T r o u a d e c" zur Aufführung gebracht. Das Stück, eine Satire auf die frünzösische' „gute— Gesellschaft", die Akademie, die mondänen Monte Carlb- ' Besucher usw., wird im Kammertheater in einer eigenarttgen Inszenierung von A. Granowojkh gespielt, die - auch, die Dekoration belebend „aktiviert", und findet viel Bei-' fall. Der lustige jüdische Abend Dr. Max Präger um Sonütag, den 6. Februar (halb 8 Uhr), im Mittleren Konzerthaussaal, bietet ein besonders reichhaltiges ProM.r-.nm>. Dr. Präger bringt unter anderem Schadchengeschichttn jüdische Reiseabenteuer, Münchhaüsiaden und vor allom Geschichten vom Wunderrabüi. Karten von. 1 Schilling bis 5 Schilling (auch Sonntag), im Burean Lanhi, l. Bez., Karntnerstraße 44 und an der Mendkassa. (I OOCOCOOOOCXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX)COOObOC Am besten sind doch die Ceschka-hote VII.» KalsorsfraBo 123 WIEN IX;» AliorstraBe Hr- 6 OQOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQOOOOO Die Romane der Weltliteratur Scheffel/ Manpassant / Balxac / F1aul}ert/ Flaubert / Sienkiewicz / Storm / Keller/ KeUer/ Mantegazza 1 Mantegazza / 1001 Nacht / Gobiaeau/ Grimmelsbaiisei) / Hoffmann / Hoffmann/ Poe / Stendhal / Wallace /; Wilde/ Wilde/ Cervantes/ Ekkehardt Der schöne Freund Tolldreiste Geschichten Frau Bovary Salambo Quo vadi8? Schimmekeitar Züricher Novellen Martin Salander Hygiene der Liebe Fhisiologie der Liebe Erzählungen Die Benatssance Der abentenerl che Simplizissimns Elixiere des Tehfels Nachtstücko Seltsame Geschichten Aebtissih von Castro Ben Hur Bildnis des Dorian Gray Märchen Don Quijote IWN Band Lek. 83 — >_WWW__ ■Mm Goethe / Faust, I. und II. Teil Casanova / Memoiren Boccaccio / Dokameron Dostojewski / Der Spjolor Bulwer / Die letzten Tage von Pompeji . Alexis / Die Hosen des Herrn von BredoW Mörike / Maler Holten Meinhold / Bernsteinbexe Kleist / Michael Kohlhaas Heine/Buch der Lieder Turgeniew / Vater und Söhne Jacpbsen / Marie Grubbc Prevost / Manen Lescaut Tolstoi / Die Krentzersouate Stevenson / Die Schatzinsel Weber > Dreizehnlinden Murger / Bohfemo Sealsfield / Das Kajütenbnch Mark Twain /Tom Sawyer Hauff / Lichtenstein Francois / Reckenburgerin Vischer / Auch einer . Immermann / Der Oberhof Buchhandlung R. Löwit, Wien, I.» Rotenturmstraße 22