Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2851 (4.2.1927)
- Date
- 1927-02-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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&*ien, Freiing Wie«« Moege»zerttt«s 4. Ftzkruor 1W7 «t. 3851 Der große Menschheits-Erlöser Hoch ist die Zeit für ihn nicht gekommen, aber seine Ideen werden die künftigen Jahr hunderte beherrschen! Helfen Sie nns, die Werke dieses genialen Geistes dnrehzusetzen nnd zu verbreiten! Voltaire broschiert S 12 — gebunden S 15 — Das Hecht zu leben und die Pflicht zu sterben broschiert S 5.40 gebunden S 7 20 Fürst Bismarck und der Antisemitismus broschiert S 5*40 gebunden 8 7*20 Philosophie des Strafrechts broschiert S 3 — gebunden 'S k 50 Ueber Religion broschiert 8 7 20 gebunden S 9*-— Gespräche gebunden S 6 — Krieg, Wehrpflicht und Staats Verfassung broschiert S 12 — gebunden S 15 — Die allgemeine Nährpflicht broschiert S 12 — . gebunden S 15 — telaipSiijnlü mm gfritn Pimr-Priswit „Der Mann and sein Werk“ Buchhandlung und Verlag n. LOWIT / WIEN L Rotenturmstraße 22 Fleischmarkt 1 Serichtssaal. Sos Urteil gegen Vie Linzer BanlrSnber. ' Nach dreitägiger Verhandlung wurde gestern der Schwurgerichtsprozeß gegen die - fünf jugendlichen Linzer Bankräuber zu Ende geführt. Auf Grund des Währspruches der- Geschworenen verurteilte der Gerichtshof Adolf Han acek mrd Gregor Haslinger zu je dreieinhalb Zähren schweren Kerkers, Karl Klar zu sieben Monat e n, Robert Mayer zu 18 Monaten und Josef N a r owetz zu acht M o n a t e n f ch w e r e n K e rke'r's. Nach der llrteilsverkündüng erlitt der auf der Zeugenbank sitzende Vater Hanaceks einen Herzkrmnpf und mußte gelabt werden. Ein Steuerexekutor, der Steuern unterschlägt. Der Ber« wa-ltungsfelr'etär im 'Exekutivnsamte der ldemciirde Wien, Matthias W i ck, hatte im Jahre 1934 6060 Schilling einkassterte Stetiergelder verloren, getraute sich nicht, den Verlust seinem Vorgesetzten mirzuteilen und nahm in einem kleinen Bankhaus ein.Darlehen von 5000 Schilling auf, wofür er monatlich 450 Schilling Zinsen Zahlte. Sein Gehalt betrug jedoch mir monatlich 250 Schilling und auch durch Uobersttmden- und Nachtd'ienstarbeit konnte er die Schuldenlast nicht tilgen. In seiner Zwangslage defraudierte Will Steuergelder in der Höhe von 27.C00 Schilling. Zn seiner Verantwortung mb der Angeklagte an. er sei durch seine Liebesverhältnisse in Erpress e r h ä n d e geraten, wolle aber keinen Namen nennen, um nicht einen Zweiten ins Landcsgericht zu bringen. Ein Ichofsensenat unter Vorsitz des Hofrates Dr. Gold st ein verurteilte den Angeklagten unter Zurechnung mildernder Umstände zu sechs Mona ten .schweren Ker kers. . Wiener Gemütlichkeit. Am 6. Juni v. I. mußte auf der Südbahu zwischen den Stationen Meidling und Südbahnhof ein Zug aufgehalten werden, da in einem Waggon die Notleine gezogen worden war. Die Bahnbediensteten fanden„rn dem stressenden Wagen eine.wüste Keilerei, in die mehrere Personen verwickelt waren.' In.der Station. Meidling war der Türke M oha m«d Ben Said IAnerb v, voll seinem gewordenen Platz omsmerlsam und forderte ihn auf, sich zu setzen. Bevor dies geschah, lehrte der mohammedanische Student zurück inrb ivollte wieder den Platz einnehmen. Es entspann sich rin» ein erregter Wortwechsel, bei dem der englische Prjvätier John Fraser Roß, für den neben ihm sitzenden Mohammedaner Partei ergriff. Es wird nun behauptet, daß Mohamed lren Said Jqnerbo imch seiner rückwärtigen Tasche gegriffen habe, so daß Wolf vermutete, der Fremde wolle einen Revolver ziehen. Wolf schlug darauf mit seinen Regenschirm auf beu Studenten los, wobei dessen Etrohhut demoliert wurde. Plötzlich tief Frau Jirowetz, sie sei am Arm getroffen und blute. Nun sprang ihr Gatte auf den Engländer, den er :m Verpacht harte, seine Frau verletzt zu haben, los, und versetzte ihm eine w n ch t i g e Ohrfeig e. Die übrigen Insassen des Zuges nähmen gegen die Fremden . Stellung, so daß diese in ihrer Bedrifngnis die Notleine ziehen mußten,,wofür.der Engländer zu allem Ueberdruß noch eine Geldstrafe zahlen mußw. Vor dem' Margaretncr Bezirlsrichter T i. Beier hatten sich aes^rn das Ehepaar Jirowetz und st.ul Wolf megeli leichter Körperverletzung im RauOandel zu verantworten. Mr. Roß, der in Vorarlberg ein Gut besitzt, beanspruchte >00 Schilling Schmerzensgeld. Der illichter verurteilte Friedrich rirvwetz zu 80 Schilling. Geldstrafe, im Mchtein- /rriigguuaMl zu 3 Tagen Arrest, Frau Jirowetz wurdefrei- I e,ß x o cf) c n. DaS.Verfahren gegen Wols mußte ausge,ch,eden iverden weil ihm die Ladung nicht ^gestellt werden konnte. LeSerttWsche Slatio«al»a«k. Der Mordtiefftanö des Wechselportefeuilles bel-ntptet. Der Ultimo Jänner hat an dem Tiefstände des We ch s elp o r te fe u illes der ' Oesterreichischen Nationalbcmk fast gar nichts geänh?rt; es blieb mit 58,207.000 Schilling nahezu stationär, da es in der letzten Iän.nerwoche im ganzen eine Z-un-ahine mit 144.702 Schilling erfuhr. Der Barscheck weift eine Steigerung um rund 647 000 Schilling ans 591.33 Millionen Schilling ans, davor? entfallen auf eine Vermebrirng des Oiolldfchatzes rund l8.000 Sütiültto, während n«r dem Rest der Steigerung der De Visen schall partizipiert. Die N 0 st r 0devisctt der Nationalbank haben sich in der Berichtstnoche um '1.5 auf 138.79 Millimien Schilling erhöht, darunter sind keine Kostdevisen mehr enthalten. Vom Girokonto wurden 82.4 Millionen Schilling abgehoben; das Girokonto belief sich aut Ultimo Jänner auf .15.1 Millionen Schilling, es ist somit im Laufe einer einzigen Woche mkf ein Drittel gesunken. Bemerkenswert ist .auchE die Vernm'.dcrung der Darlchensschuld des Bundes um fast % Millionen Schilling ans 176.4, ein Zeicheir der guten Eingänge aus den Steirern nnd der Geldflüssigleit des Fiskus. Ans allen diesen Berünherungen resultiert eine Zunahme des effektiven Notenumlaufes um 86.9 auf 875 Millionen Schilling. Das Verhältnis des Wechselestomptzes zu?n gesamten Notenumlauf ist eigentlich noch ungünstiger goworden; es beträgt im ganzen nunmehr bloß 6.4 Prozent, während der Notenumlauf durch Bar- ,'schatz und Nostrodevisen allein zu 79 Prozent gedeckt ist. Die Dringlichkeit einer Ermäßigung der Banlvate wird mehr als je gerade durch den Ultimoausweis der Natiotml-bank bestätigt. Sie SauierungsaMon in Frankreich. Eine au-giebM Ainsfutzvr,näßigimrg der Bank von Frmlkrerch. Nach der Derrbsckien Reichtslda'irk, der Oesterreichischen ^kuttonasbatE und der Schme'dischen Reichsbanck hat gestern als diente mi-ter den europäischen Notenbanken auch die Bank vo-n Frankreichs int Würdigung der Derhältznisse auf den enrotpäffchen Geldmärkten i,m allgenreinen und dem Geldmärkte in Paris im besonderen, dr» ESkompte von 6^ auf 55» Prozent und de» Lombardziusfusr von 8% auf 8 Prozent Herahg-esetzt. Diese Zinsfutzermäßitzung wurde zu dein - Zwecke verfügt, nm der durch die »Samernngsak-ticm im Frarrkreich hervorgernsenen Geschaflskrise einige Linderung zu schaffen nuid den'Untern ehmungen wohlfeile Mredite zu sichern- Bezeichrcend für dre Fortschritte der Poi-neareschen Samern n-gscMivn und, das dadurch hervorgerusene Vertrauen des ausländischen Kapitals ist die vom „Echo d? Paris" rsg-itstrierte Tatsache, daß in der letzten Zeit von bewschiüdenen ausländischen Banlken'grupipen cnl Pomoare Kr^ditvorschläge gelartgt sind, die jedoch von Poimare vorläufiig aibgelöhnt worden feien, da er derzeit keine MtSlandrschen Zkroditr aujFuilehmen wünische. Dieser Verzicht mag ihm umso leichter geifallen sein, als, wie wir an dieser Stelle in be'v vorigen Nummer dargelegt haben, die' Bank von Frankreich im Laufe der letzten Monate ihre Deviseninanövrieriuasse durch Käufe auf offenem Markte' auf effva 400 Millionen Dollar gebracht haben soll, wozu noch die ntannigfachen DeDisetveingänige ans den auf die fvangösischen Eisenbahnen m der Schlveiz und in Holland ci ufgenommenen Anleihen, femer aus der Verpachtung des ZimdhülzchenrnonopokL hinzUkoni-men. Die Umwandluny der kurzfristigen Schatzbons in «solche mit ILjaHriger Lauftzest ,hat gleichfalls einen großen Erfolg gebracht, so daß, wie gestern aus Paris gemeldet wurde, keine neuen Zeichnun-gen mähr entgegengenorrrmen werden. , Parallel mit diesen BestreblMgm, die Sanierung von der valutariischetr Seite ther zu fördern, gehen 'Me Bestrklbungen nach einer - BoseitiHnng dies BubgeMfiMs. Hier allerdings ischeinen sich zjlvischen Poincare rmd der Ftnanzkoanmission der Kammer MenumgAvovschieidenhertnr ergeben zu haben, deren Tragweite vorläufig nicht zu ermessen ist. Die FmayMmmissiM der. Kammer hat ♦ e ine wertvolle Bücherp rämie an Ihre Adresse ab gesendet werden? * HABEN Sie schon die dezugsgebühr für Zhr Abortnement überwiesen? sich nämlich Mittwoch a'bends mit bei: Schaffung Neuer teuer-nt zur Deckung des Budgotde'sizits für 1926 int Betrag? von 1600 Millionen Francs befaßt. Sve hat eine Reibe von Mspiben vorgeschl-agetr, unter anderem auf Kblnisch-Wasser, Spielhöllett iHv., tMchr Abgaben an die Stelle der von Poittoare befürworteten Autontebilstener treten sollen. Es ist nvcki fraglich, ob Poincare diese GegenvorMägie, die fahr lebhaft an eine NeMition von Diener Gemeindeste ne vn erinnern, aimAhmen wird. Gegemider den ans ^Zaris kormnendeit Alarmnach richten überdie Zuna«bme der Slfbeibslosigikoit als Folge der ideslationiistischen Bestrcbimmn P'omcares ist :der vom koM'M-erAiellen Berater der britischen Bokschaft m-' Paris, Cab-il«l, veräfsentlichte, krvehr als 800 Seiten umfassend Bericht über dir tmrtschaiftlickM Latzr FrMkdelichk. sd.hr he>nevkenswer.t. Cahill stellt darin eine Entv Wicklung in her Modernisierung der franiMAchen Kndü° strie seit den? KrieM fest. Die Zahl der Hochöfen Habe itut m-ehr als 25 Progewt, die der Kolksofon um 45 Prosetrt gegenüber der Vorkriegszeit zugenommen. Er bemerkt, daß nach einem gewissen Nachlassen der GeisckMtstäLigkeit im Dezember nnd Jänner aus den bedeuten-' den JndustriegeEen, wie Lyon, einlaufeude Meldünnen bk-s-agen, daß nunmehr tm* (Geschäft wiktster an floht. Die Lege der WlrtschaftSmärktr. T e xt i k m a sch i n t n. Das Geschäft in WebstüHlen ist derze:! sehr matt, pa alle - österreichischen NongründlMgen sich bal,> nach dem Zerfalle de? alten Staates die erforderlichen -Maschinen ge kau,ft haben, Ähre/ Kapazität infolge der in der Textiltndustrie herrschenden Krise/ nur zu 60 Progent ausnützen und d4e Maschinen «und 30 Jahre lang verwendbar sittd. Ms Erzeuger steht England an erster Stelle. ES folgen Deuch'chland, die Dschechoflotwakei. und Polen, wo in Vielitz bedeutende. WeWUHlsirlbriken^ arbeiten. Die österreichischen Erzeugnisse stellen sich trm etüva 40 Prozent hoher a-lL die tschechischen oder deutschen, .so daß ein Export nicht möglich ist. Im Gegensätze Zum Gets-chäfte in Webstühlen liegt das inländische Geschäft in H r lssmaschrnett günstig. — Gerbstoffe. Die Lage am Gertbst.v,f-f-,, markte ist — infolge steigender Nachfrage — im allgememen - hausis-ierend. Knoppern werden nach Oesterreich aus der Tfchechostowaikei und S. H. S. importiert, da sie infolge^des Fehlens größerer Eichemvalder in Oesterreich nicht taJtifom». -men. Bolonca ist ^derseit. wegen. Hrotzev ^ruUischer: MnMf.e.-;. haussierend-; die Verkäufer -in Smyrna, und Griechenland -machen gute Geschäfte, zumal es an Ware mangelt. Die überseeischen Gerbstoffe sind durchweg^ im Preise gesttegen, was .hauptsächlich auf die verteuerten Schiffsfrachten g-uvückßm. führen ist. Bei Ouebrachoextrakt sind Konzernmarken u-nt 16—00 Prozent erhöht. Sotvohl italienische -als jugosiawischa Kaftani-enextrakte sind auf Monate vorverkauft, so daß eine Preiserhöhung sdwoihll in dieser Ware als auch in Etchenholßextra!kt zu erwarten ist. — Z igar et t enp ap ie?. In der Zeit der NachkriogKkonjunllur gab es ln Wien nicht we^' Niger als 42 ZigarettenpapierfabriAn, von denen heute nicht., -mehr als acht am Leben sind. Exportiert wird aus Oesterreich in die gaitge Welt, doch ist der Export infolge des Fehlens eines eigenen Hafens sowieder Belastung .eines Teiles der Ware mit-Zöllen (rund 5 Prozeni'vonr Werte) starr zurückgegangen und beträgt heute kaum mehr - 10. Progent der . Vovkriegsausfuhr. Die Preise für Zigarettenpapier sind stabil ' -und schwanken nur mit der Währung de3 «in* ober' auSffrP- 1 renden Landes. ' Verkauf der Mrllswan-Miihle in KaisVr-Ebersbarf. Die Mallawan-Mühlo in Kaiser-EberSdorf, die im Septetnbvr 1035 abgebrannt war und infolge des finanziellen^ Uuder-,? mogens des Eigentümers. Max M a l l 0 w a n nicht - wiederaufgebaut werdenkonnte, ist u-m den Betrag von 66.000 - 'SchrHing an einen neuen Besitzer übergega-naen., Der Erwerber N-ndvlf Hohenberg beabsichtigt an Stelle deL-- MühlenbetriedeS eine Text;lfatzrrk zur Erzeugntng von DMelstoffen, Müschen, u. -dgl. einsurichien, Ei« PwiSabkommen zwischen der östevoeichischo« wld tschechoslowakischen Edelstahlindustnr in Gicht. Aus Prag, 3. d. M>, wird telegraphiert: Zwischen der Po ldihü-tie und . den österreichischen B1 e ck m a n n - S sa h k w e ti e n werden seit einiger Zeit Verhandlungen gepflogen, die auf etne L"" ' teressengemeinschaft apgielen. Diese dürfte sich porderhatch am ein P re i saoko m m t n beschraniken. ohne die SvNstnndrg-' kest der d'eiden - Unternehmungen zu berühren. bet uwb v,.»«« , _ ., _ _ ... f el—<Alebce vor der Vollendung. Ferner hat' die"polnische Reaiermtg beschlossen, den Ban einer Eisenbqhnlime, welche Polnisch-Overschlesien mit denk Hasen Gdingen ^verbindet, in eigener Rechnung zu bauen: brr Bau der 600 .Kilometer langen Lirne sott in a'llernächster Zeit ^begonnen werden. Bisher sirtd für diesen Aoeck sechs Mtcklnonen Zloty ausgewovfon ivorden. Die Linie hatte schon-früherdurch ein fradsisches Konsortium erbaut werden-sollen, dasjedoch die rrötigen Kapitalien nicht gufbrachte. Jndustriesörderung i« Dowjetruhland. Aus Mo.sro u, 2. d. M.. wird gemeldet: Di« Regierung beMigt.«§n JndU'- strioplan für das laufende Wirtschaftsjahr, deiNZUfo^e dl« Kn° dustrieprodüktiön mit 49^tL Millionen Rubel veranschlagt, somit gegenüber dem Vorjahre um 208 Millionen höhn ange« setzt wich-. Nach dem Pvan-e wird die industrielle E'tttvicklur^ 534853890223534853539053025348230002234848480148484802025348234853235348534800482348 ^8645^934575860109305776