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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-02 · Heft 2849 (2.2.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2849 (2.2.1927)
Date
1927-02-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4 2. uiuLHcrr nwnr Nr. MS Wien, Mittwoch Wie»« Msrsevzettvns 9er Heren llqlc88«a-9rlvc Hat begonnen! Zionisten, stellet Euch als Mitarbeiter zur Verfügung. Juden, denket an den Palästina-Aufbau und erfüllet Eure Keren Hajessod-Pfllcht Re Vorfälle in Echattendorf. eint stcrttlMe StBettitntt in innr seftmtlch. Auf Anordnung des jozialdemokratis^en Partcroor stmldes wird heute nach 11 Uhr vormittags in allen öffentlichen und privaten Bttrieüen ganz Oesterreichs durch eine Viertelstunde die Arbeit ruhen. In allen Betrieben werde» während dieser Zeit Trauerversammlungen ab gehalten werden. Telephon, Telegraph und Straßenbahnen werden in dieser Viertelstunde gleichfalls eingestellt. Das Leichenbegängnis d?r beiden Todesopfer der Schießerei von Schatte,idorf findet heute nachmittags um 2 Uhr statt. Der getötete Arbeiter Smarie wird in Klingenbach, der Knabe Göffing in Schattendorf beerdigt werden. Abordnungen des Wiener Republikanischen Schutzbundes werden heute um 11 Uhr vormittags in Sonderzügen vom Südbahnhof nach dem Burgenlande abgehrn. Ae Meder werde« dem Wiener Lander« geeicht überstellt. Mener-Neustadt, 2. Februar. Die Verhafteten, Jvsof Tscharmann und sein Schivager Josef Binder, die heute vor dom Untersuchungsrichter emgestan-den haben, die tödlichen Schüsse <chgeseuert zu Habens werden, wie Ihr Korrespondent erfährt, dom Wiener Landesgericht ringeliefert werde ti. •%n dem morgen in Schattendorf st-atkfindenden Leichenbegängnis der Opfer des HakerEreuzler-Ueberfalles wenden etwa l 0.0 0 0 Schutzbündler beilnehmen, für die 12 Extrazüge bereitgostellt werden. Di-e sozialdemokratische Partei hat bolle Garantie für die Aufrecht e r h a lt u ng der Ruhe und Ordnung übernommen; dennoch hat die BezirkÄhauptm-annschast WatterSburg alle verfügbaren Ge»darmerietruppen nach Schattenbors beordert. Jn Wiener - Neustadt tagte heute abends im Arbeiterheim eine Protest Versammlung, in der Bürgermeister OfenbLck gegen die hakcnkrou,zlnischen und ungarische» Umtriebe im Burgeuland protestierte. ' Die Versammlung nahm einstimmig eine scharfe Resolution an. In Nendorf l hielten die Frontkämpfer in einem Gasthaus in unmittelbarer Nähe des Ar» Heiterheimes eine Versammlung ab. Um Zusammen-, stütze zu vermeiden, ivar zahlreiche Gendävmeriomannschaft auf-geboten. Lar stnde der tzluhettrfront. Die Laudbündler tun nicht mit. Der Landbund für Oesterreich hielt gestern den Landesparteitag für Stei-rmark ab. Vertreten waren auch die Nachbarländer Kärnten und Burg-nland. Nach dem Bericht über die Wahlen in die Landesparteileitung hielt Landesrat Winkler ein längeres Referat über die bevorstehenden Wahlen. Einstimmig und mit besonderem Beifall wurde dem Beschuß der Reichsparteileitung zugestimmt, wonach der Landbund, bei den kommenden Wahlen im gesamten Bundesgebiet (außer Wien) selbständig vorzugehen und mit keiner politischen Partei Bindungen einzugehen hat. Nach diesem Beschluß ist wohl in den Ländern (mit Ausnahme Wiens) der Königsg-banke Dr. Seipels, eine Einheitsfront aller Antimarxisten für die kommenden Wahlen in den Nationalrat zustande zu bringen, als gefallen anzusehen. Preise und strpreffung. Soll auch der Bestecher bestraft werdenchlS un Falle Wei-sz die gerichtliche Verurteilung mangels »er aotwendrgen gesetzlichen Unterlage noch nicht festst« no. bekamen es die österreichischen Gesetzgeber mn dem Moralischen, v. h. sie gaben vor. für die Moral der Journalisten (nicht für die der sie benützenden Printer unL> Ban-tieuteetwas tun zu müssen. Dr. D e i p e 1. Dr. D i » g h o f e r und noch einige Prominente brachten im Nationalrat einen Amrag ein, der die Bestechungsannahme durch Journalisten als Verbrechen deklarierte und sie mit Kerker strafe brs zu sechs Monaten bedrohte. Als Nebenstrafe sollte noch die Rückerstattung deS Bestechungsgelbes hingutreten. To nebenher wurde auch beantragt, die PressÄwlikte der Judikmur der Schwurgerichte zu entziehen und sie an die Schöffengerichte z» verweisen. Bon dem Anträge hörte man seit Monaten nichts. Das fiel weiter nicht auf. hatte doch das Schöffengericht und nach chm der Oberste Gerichtshof zurech, erkannt, daß auf den Fall Weisz auch Paragraphe des geltenden Strafgesetzes ausgedehnt werden können, bis emes Tages Abg Austerlitz sich wieder einmal der journalistischen Moral annehmen zu müsien glaubte, und in einem sehr wortreichen Artikel die Bekämpfung von Mißbrauchen im Pressewesen urg:erte. So lauter nämlich der Titel deS Seipel—DinKoferschen Antrages. Gestern trat nun tatsächlich der parlamentarische Sonderausschuß zur Beratung der Reform des Preßgesctzes zusammen. Es wuvre der erwähnte GesetzeSantrag in Beratung gezogen, wobei Mg. A u st e r l i tz der Meinung Ausdruck gab. daß die Bestimmungen des Paßgesetzes betreffend die Destechl-.ng der Presse in das Strafgesetz einzubauen seien. Auch der Bestecher sollte bestraft werden. Im übrigen sei wohl das Schwurgericht für Presse« ehrenbelcidigungen höchst ungeeignet. Die Forderung, daß auch der Bestecher bestraft werden soll, ist, um mit Austerlitz zu reden, mehr als erstaunlich. Austerlitz will einen Damm gegen Erpressungen und Bestechungen der Presse aufrichten, wobei er von ter Voraussetzung ausgeht, daß Journalisten Erpressungen begehen und Bestechung nehmen. Würde nun auch das Bestechen unter Strafsanltion gestellt, so würde für pflichtvergessene Journalisten damit geradezu der Anreiz geschaffen, eine bis dahin nicht mögliche Erpressung auSzuüben, nämlich durch die Behauptung. der oder jener habe ihm Bestechung angeboten. AuS dem Antrag wird, wre die Dinge jetzt liegen, nicht viel herauÄommen es sei denn, daß tatsächlich die Zuständigfeit für Presseehrendeleidrgungen von den Sckwurgerlch:en auf die Cckwffensenate übertragen wird. Der Referent d«S Ausschusses Dr. Ramek wurde gestern beauftragt, mit den Parteien wegen L>eS GesetzeSantrageS Fühlung zu nehmen und dem Ausschuß in der nächsten Sitzung zu berichten. IIIIBIIIHUIIIBIIIIIBIBIIIKIBIIIIBRIB KLUB RADIKALER ZIONISTEN Heute Mittwoch, 2. Ptbruar 1927, um prSri«e 8 Uhr abends, im Cafd Atlachof, I., Aspernplatz (Klublokal: Eingang Wiesingerstraße um die Ecke) II. ordentliche , T agesord n i: ri?: 1. Bericht über die Luge Im Zionismus und die Tätigkeit des Klubs. — 2 Kassabericht. — 3. Das radikal-zionistische Programm. — 4. Neuwahlen. — 5. Evintualia Die Mitglieder werden aufgefordert, pünktlich zu erscheinen. Teilnahme Ist Pflicht! Sreitners lleberfchLffe. Der Rechnungsabschluß für das Fchr 1025. Der gestrigen Sitzung des Wiener Gcmemderates legte Stadtrat Vreitner mit reichlicher Depspätung den Rechnungsabschluß M das Jcchr 1925 vor, der einen Ueberschuß von 50 Millionen Schilli n g ausweist. Dader Voranschlag einen ALgang von 69 Millionen Schilling präliminierte, so'ist ein um 115 Millionen Schilling günstigeres Ergebnis zu verzeichnen. Stadtrat Breitner begründete dieses Ergebnis damit, daß der Bund an die Gemeinde die schuldigen Steuerertragsanteile aus dem Jahre 1933 und 1924 in d?r Höihe von 33 Millionen Schilling bezaihlte, die in den Voranschlag nicht, eingestellt werden konnten. Dazu kommen noch 37 Millionen Schilling als Mehreinnahme aus den Mgabenertragsanteilen für das Jahr 1925. Die Ueberweisungen des Bundes an die Gemeinde Wien betrugen 82.5 Millionen Schilling. Die Christi! ckisozialen führten dagegen aus, daß die Mehreinnahmen hauptsächlich aus den übermäßigen Steuerein Hebungen herrühren. Gemeinderat Angermayer,erklärte, daßaus den Steuerträgern im Jahre 1925 rund 700Mil1ionen Schilling herausgeholt wurden. Eine derartige Belastung müsse zur Katastrophe führen. Diese drücke sich in der Anmeldung von 27 5 9 Ausgleichsverfahren und 1689 Insolvenzen aus. Die Christlichsogialen werden fortfahren, mit allen ihnen zu Gebot« stehenden Mitteln gegen das Breitnerische Finanzsystem anzukämipfen. In der Spozialdelbatte würde das Kapitel „Perfonal- A-ngelegenheiten" erledigt. Die Opposition machte^dem Referenten den Vorwurf, daß er sich bei der Aufnahme von Gemeindobeamten nur von parteipolitischen Gesichtspunkten leiten lasse. Die Beratung wird Freitag fortgesetzt. wettere Zunahme der Akbettrlostükett ln Wie«. Wie die Industrielle Bezirtskomwission Wim berichtet, ist der Stand der Arbeitslosigkeit in Wien in dev zweiten Hälfte des Monates Jänner 1927 mn 4405 auf 99.453 gestiegen und gegenüber dem Vorjahr um 5083 geringer. .Die Lage hat sich allgemein verschlechtert. Nur ist der Damenkonsek ion, der Strohhi'tnäherei) der Galanterietischlerei, bei den Drechslern, den Brauereien, in der Metallwaren-, der Elektroindustrie und der Ga'anterieschnhmacherei ist eine leichte Besserung zu verzeichnen. Sie WSHIerverielcha ffe lleg a auf! Der Wiener Magistrat hat nunmehr die Wähkv listen fertiggestellt. Bis einschließlich Montag, den 14. Februa r, werben die Wählerverzeichnisse zur allgenwimn Einsicht aufgelegt.. Einsprüche (R eklamationen) wogen der Aufnahme vermeintlich Mchtbevechligter oder wegen Mch taufnah me vermeintlich Berechtigter, sind mündlich oder schriftlich dort wo die Wählerlisten aufliegen, einzubringen. An den städtischen Amtstafeln in den magistratischen Bezirksämtern sind Kundmachungen angeschlagen, aus d.nen genau zu ersehen ist, wo die Wählerverzeichnisse aufliagcn und wo Reklamationen eingebvacht werden können. Ueberdies wird in jedem Haus, an einer allen Hausbewohnern leicht zugänglichen und sichtbaren Stelle (Haustor, Hausflur usw.) eine K u n d m a ch u n g angeschlagen, die die Zahl der Wahlberechtigten einer jeden Wohnung und den Amtsraum angibt, in dem das Wählerverzeichnis aufliegt. Dadurch ist es den Hausbewohnern möglich, auch ohne in der an den städtischen Amlstaftln angebrachten Kundmachung nachzuschauen, tan Ort, wo das Wählerverzeichnis des Hauses aufliegt, zu ersehen. Die Wählerlisten können an Werktagen von 3 bis 7 Uhr nachm, und an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr e'mgesehcn werden. Seit den letzten Wahlen im Jahre 1928 hat die Wählerzahl um etwa 50.000 zugenommen. Die neue Wählerliste hat nicht weniger als 71.000 Seiten. Reflektanten auf das Wählerverzeichnis (politische Parteien) können die Wählerliste bestellen. Das Exemplar kostet nicht weniger als 4200 Schilling. Ile österreichische SvezkaiMeitverordnuirg. Der Kampf um medizinische Präparate. Zu der von uns am 26. Jänner veröffentlichten Mitteilung erhalten wir von H.-rrn Professor Dr. E. P i ck die folgende Zusch.ift: 1.' Di.> österreichische Spezialitntenverordnung ist schon vor Jahren von cm?* Kommiss h i. zahlreicher Fachleute ohne mcitte Mitwirkung verfaßt worden, so daß, alle an diesbezügliche Verdienste meiner Person geknüpften Folgerungen unrichtig sind. 2. Die vorhandenen Mcinungsv:rschiedenhei!en zwischen Herrn Professor Dr. W a f i c k y und; mir sind rein sachlicher Natur und entbehren jeder persönlichen oder politische» Grundlage. Fastistea überschreiten die Breunergrenzr. Amtlich wird gemeldet: Samstag, dcn 29. Jänner, haben 60 Faseisten unter Führung von zwei Offizieren die Buudesgrenze auf dem Brenner in Schvarmlinie überschritten und sind ungefähr hundert Schritte auf österr-ichlscheI Gebiet vorgedrungcn. Die italienische Grenzwache hatte zwar die beiden Offiziere darauf aufmerksam gemacht, daß sich die Abteilung bereits auf österrcichischM Boden befinde, jedoch ließe» die Offiziere diese Mitteilung zunächst uwö^achtet. Erst als die Faseistenabteilung einer österreichischen Gendarmerieabteilung b egegnete, kehrte sie wieder auf italienischen Boden zurück. Einige Zeit später erschien der Kommandant der ita^ lienifchen Finanz oach^abt ilung b i n österreichischen Gendarmerieposten und entschuldigte sich wegen dieses Grenzvorfalles. > - A Der Besuch der süüa'rllanischeo St«de«te« in Wie«. Ern Abend' beim jüdischen Hochschrtlamsschuß. Die jüdlischien Angehörigen der südafrikanischen Studentengrupp?, die in der Bortvoche in Wien wsilte, hatten erst in Wien erfahren, von welchem Geist das osfigielle Emipfangskomii-t-ee der „dcröschen Studentenschaft" beseelt war. Sie hatten deLihalb den Wunsch geäußert, einen Aüend in n i ch t a n t i s e m i t i s ch e r Umgebung zu verbringen. Herr m-rd. Dr. Koloman Freud er stellte in lirbenslwürdiger und gastfreundlicher W.'i/se sein« Mahnung zur Verfügung. Die jüdischen Studenten erschienen in Begleitung von Vertretern des jüdischen Hochschulausschusses bei d^'m Gastgeber und waren sehr glücklich, einige Stunden in gemütlicher jüdischer Gesellschaft weilen zu können. Der dort anweifende Vizepräsident der Jlsraelitischm Kultusgemeinde, Dr. Ornstein, hielt eine warme Ansprache, in der er a,-,f die Zusammengehörigkeit und dieBrüdertichke-it desjüdi- -scheu Volkes hinwies. Sodann begaben sich die Studenten in den VerbandMub der ..J-udäa" im Cafe Schlössllhof, wo sie mit hcbräischen Liedern bcgrüßt wurden. Eine große Zahl jüdischer Studenten und Stlodentinnen war zu Ghren der Gäste erschienen. Nachdem einige Begrüßungen ausg'stauscht worden waren, blieben die Gäste bis in die späten Nachtstunden.?Hr Führer, H:rr S. N e l l, dankte in jiddischer Sprache im Namen der ganzen Gruppe auss berglichste und erklärte, daß während seiner ganzen Reise bis mr der verbrachte Abend zu den angen-e.'"usten.Erinnexunaen as&tat wird. < Jg. »V,»»

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