Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2848 (1.2.1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2981936--28945-3017028- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
frJoieo: 35 groszy 1 ,'ien: Zutt Abholen mdet .Spedition, II., Taborstr 1-8 der in einerVersehleißstelle Trafik) monatl.5 Schilling .Straßenverkant m Wien durch die Kolporteurs det Firma Q o I d s c h m i ed, I.. Wollzeile 11 Mit Pestversand für Wien und Oesterreich monatlich 6 Schilling Tscheche Slowakei! Mon.K22 Jugoslawien: Mon. Din. 60 Polen: Motu 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 •*' 9tr. »848 »rgtnjtituiw Mm. 8 emtog, 1. Aedmak 1927 (29- Schmal 8687). I Prci» wo a I England: Mon. 4 Sch Illing. Italien: Monitl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bulgarien: Mon.100 Lewa. S c hw r i * und das übrige Ausland mo -atlicb Pres. 6 Red«' tion Administration: W1 n, [ Taborstr. 1 Tel pho 44-0 38. 43-3-1- Ab 6 Ohr abend* Tele* phön Nr. 31-0-86 a. 31 209 vH., Lerchenfe'derstraße 1 (Druckerei „inva“) Oesterreichisches Postaparkassenkonto Nr 150 693 9. gaümonq Me Schlacht von Schattendorf. Me Schießer« «och nicht ausgeNSrt. - Lrrhaltnng du Mörders. -- sie magyarische grredeota im Bnramland. - Arbetterdemonftrationen in Wie». rciofttuitcllcn Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetzlrS E gekennzeichnet. Sar endgültige Kabinett Man. Graes ausgesthifft. Berlin. 81. Jänner. (Teleomp.) Der Reichspräsident hat' Heute spät abendS auf Vorschlag des NeichskanzlerS Dr. Marx die von der deutschnationalen ReichsragSfvaktion präsentierten Ministerkandidaten. Landrat a.. D. Dr.. von K e u d e11 zum Minister des Innern und Vizekanzler und Staatsminister a. D. Dr.H e rgt zum Justizminister ernannt. Damit ist das Kabinett Marx endgültig ^bildet. Uzunodic's neue Regieruugslüalitiou M drll kleüMll ölüvme». Belgrad. 31. Nachdem sich heute vormittags die Verhandlungen zwischen Uzunobie und den Demokraten zerschlagen hatten, wurden nachmittags die Verhandlungen mit der slowenisch-klerikalen K o r o s e e - P a r t e i begonnen. Bis in die Abendstunden dauerten die Besprechungen an, und man einigte sich auf folgende Grundlage für die Regierungsbildung. Die Radikalen erhalten zwölf Portefeuilles, die biffibeiticn Radikalen ein Porteseuill», die Slowenen drei und die Nikie-Gruppe (eine. Abspaltung. der Radie-Part-i,. sieben Abgeordnete zählend) ein Portefeuille. Insgesamt würde - diese - Koalition in der Skupschtina über.176 von 315 Stimmen vepfügen, wobei'man noch auf die Mitwirkung der-Deutschen mit ihren fünf Stimmen rechnet. Lr. Niemerowrr« Senatsmimsat beWigt. Pukavest, 31. Jänner. "In der. letzten Senatssitzung wurden die gegen die Gültigbeit des Mandats des OberrabLiners Dr. Niemerotoer durch; den agudistischen Rabbiner Schor eingebrachte Beschwerde in Berhand- - lung gezogen. Die Aguda verlangte,: wie bereits berichtet, die Annullierung des Mandats, weil Dr. Niemurptver angeblich nicht die gesamte Judenschaft vertreten könne. Als Wortführer des Rabbiners Schyr im Senat fungierten der Moldauer Metropolit P i m-e u und noch drei bekannte. Antisemiten, welche die Annullierung befürworteten. Nach, einer Rede Dr- Niem-exowers > beschloß 'der- Senat mit 74 gegen drei Stimmen die Ratifizierung des angefochtenen Mandates. Sie ungariche vottrvrrtteluug. Budapest, 81. Jänner. Das Abgeordnetenhaus nahm heute, die Schriftführevwahlen vor. Unhrr den Gewählten befindet sich H e j j a s. Im Oberhaus wurde Baron Wlassics, der letzte Präsident des Magnatenhauses, zum Präsidenten gewählt. An der Sitzung nahmen zum erstenmal Obermbbmer L ö w sowie die drei Erzherzoge teil. Irr IeMiette ad Polizeispitzel. Warschau, 31. Jänner. Wie bereis.berichtet, hat „GloS Prawdy", das Organ des Ministerpräsidenten Pilsudski, den Abgeordneten der (kommunistisch orientierten) unabhängigen Bauernpartei Wojewodzki öffentlich brschiüdigt, daß er als Konfident der Militär Polizei mehrere seiner Klubkollegen und zahlreiche seiner Wühler denunziert: habe. Das Aufsehen wurde noch größer, als der stellvertretende Ministerpräsident B a r t e l diese Beschuldigung gegen Wojewodzki als. den Tatsachen entsprechend bezeichnete. Zur Aufklärung, der Angelegenheit hat der Sejinpräsident R a t a j ein dreigliedriges Sch iedsgericht unter den: Vorsitze des sozialistischen Deputierten Daszynski eingesetzt. Nun hat Wojewodzki in einem Schreiben an den Sejmpräsideuten dieses Schiedsgerichts (das er ursprünglich selbst verlangte) abgelehnt, mit der Motivierung, daß Mi Mitglieder derselben, darunter der Borsitzende Daszynski, „politisch befangen" seien, und ist euch zur ersten Sitzung des Schiedsgerichtes nicht erschienen. Dieses wird seine Untersuchung fortsetzen, deren Ergebnis turnt mit umso größerer Spannung entgegensieht, als vermutet wird, daß Wojewodzki auch bei der jüngst erfolgten Verhaftung der vier weißrüssischen Abgeordneten seine Hand Int Spiele hatte. Die Vorfälle, .deren Schauplatz; am Sonntag der Ort S ch a t t e n.d.o t f litt Burgenland war, haben in der grämten polikilschen Welt Oesterreichs die tiefste Erregung hervorgerufen. Die Regierung hat den Landeschef des B.urgenlanidcs und den leitenden Gendarmcrieoffigier zur Berichterstattung nach Wien berufen. So unansg-Äart der gange Vorfall bisher noch ist, so ist doch das eine erwiesen, daß die StimnnMrg im Burgenland durch die magyarische Agitation vergiftet 1 ist und daß dort affen und ungeischeut gegen Oesterreich gcschürt wird. Zu.dieser Propaganda gesellt sich noch der üble Einfluß aus Wien, der <luf .diesem weltentlogenen Baden znm Kampf g7gen die Demokratie vorgeht. Iw niederösterreichischen Landtag wurde gestern von' den Sozialdemokraten' ein D r i n g l i ch k e i t s - a n t rag eingcbracht, in. dein es ffeißt, daß die Frontkämpfers :weg.ung im Burgenland durch Magyaren und durch Mener monarchistische Kvsise unterstützt wird. Abg. Ofe nböck begründete den Antrag,- dem einstimmig die Dringlichkeit zuerwnnt wurde, mit einer Rede, iw der er ausMrte, ->.'!>iUÄm Bur^nland. Forinationen. g-Mldet werdey, - beziehungswelse gebildet seiön^dro'sichdiegkwaltsame - Abtrennung - - .haben. -Es For- - maHnenangThoren, sie ltiben von .den PengvS - und vom' GrentzfckiMugigel. Sie seien dis W?rckzeuge 'her u-ngarischen -Regierung, die Werkzeuge- Hortchys. Sie lauern nur darauf, auf ungarische Weisung Grenz» Zwischenfälle herbeizuDhren. In diesem Zusammenhang-dürfe nicht übersehen werden, daß die Bahnen im 'Burgenlande alle so angelegt seien, daß sie leicht die Züsch übe von Ungarn ermöglichen und Oesterreich in dieser Beziehung ins Hintertreffen gerate. . Man dürfe auch die - Psyche der Bevölkerung nicht übersehen. Düs ganze Burgenland w i s s e n 0 ch n i ch t, w 0 h i n e s g.e h ö r e. Seit Jahrhunderten habe es einmal da-hin. einmal dorthin gehört. Nun sehen die Einwcihner dieses Landes, daß sie noch weiter Untertanen der Esterhazys und Konsorten sind, . die nur ihre ungarischen Güterbeamten im Burgenland verwen- - -den. Es ist klar, daß, sobald die Ungarn einmal wieder in den Besitz Fes Burgenlandes gelangt sein sollten, ihre na ch ft e Marschroute Wiemr-Neustädt sein würde. Auch im ste i r ischen.Landtag wurde eine dringliche Anfrage gestellt, die Landesrat Oberzaucher begründete. Er verwies auf - die Nestauvreruug^estrsbungen in Ungarn als letzte Ursache der FronMmpferei im Burgenland. Die Nachricht von den - blutigen Vorfällen im Burgenland hatte die Wiener Arbeiterschaft in die stärkste Aufregung versetzt. In einigen Wiener Betrieben stellten die Arbeiter als Patestkundgebung gegen die Schießerei der Fronttümpfer die A r b e i t ein und hielten V e r s a m m l u n g e n ab. Vielfach wurde für einen, sofortigen DMonstrationszug zum Parlament Stimmung gemacht, doch konnten die Betriebsräte dies vephinidern. . Inden Floridsdorfer F i a t - W e r-ke n würde der Betrieb um 149 Uhr vormittags stillgelegt, ' ebenso in der großen Maschinenfabrik H o f h e r rund S ch r a n tz, C l a y t hon & Shuttlew 0 rth; desgleichen legten 2 8 0 0 A r b e i t e r d e r N 0 r d b a h n» werkftätt.e, und 2000 Arbeiter der Siem e n s-Schu ck e r t-W e pke die Arbeit nieder. Um 10 Uhr fa'nd int Floridsdorfer Ar'beiterheün eine' K 0 n f e r e n.z d e r B e t r i e b s r a t.s 0 b m ä n n e r der Floridtdovser Betriebe statt. Zu derselben Zeit wurde auch in der Floridsdorfer Lokomotivfabrik, bei Brevillie.r & Urb an, gelten & Gui Hau me und W a rcha lawski die Arbeit ein» gestellt. Allgemein, wurde Sühne für den Mord der Frontkämpfer und Abrechnung mit der fascistischen Methode gefordert. Am .Nachmittag wur.de die Parole ausgeg:ben, daß die gcsamte Arbeiterschaft auf die Ringstraße g-:hen und gelegentlich der Breitner-Versammlung ihrer Entrüstung Ausdruck geben solle. Schon einige Stunden vor d^r für ^6 Uhr angesagten Versammlung, in der Stadtrat Br«itner ,/die Wahrheit über die städtischen Steuern" verkünden wollte, war die VEshalle des Rathauses dicht gefüllt, so daß die spater Kommenden keinen Einlaß m:hr finden konnten. Das Gedränge während der Ver» sammlung war derart unerträglich, daß eine große Am zahl von Versammlungsteitnchmern wegen Unwohlsein?!aus dem Saale geschasst werden mußte. Auf dem Rathau5-platz wurden Parallelvexsammlnngen abg.-halten. Der Begi'M der Versammlungen verzögerte sich, weil die Führer der Sozialdemokratischen Partei bei einer Beratung über die Vorfälle im Burgenlande zurückgrhalten wurden. Die Ungeduld war schon sthr groß, als Bürgermeister S e i tz die Rednertribüne b-.'trat, um die Atbeitermorde im Burgenlände zu brandmarken. Er bezeichnete sie als einen Ausfluß , der fascistischen Politik, die von H -o r t h y - Ü n g a r n in' das Bürgenkand. getragen Iptrb und forderte energisch Sühne für den Mord an ' MschMigM- Arbeitern und; ArheiterkmderN. Der -BürgerdieversammelteN' ArlMeL.rruhigBlut zil ' bewahren und bat sie im Namen der Toten, die Trauer durch keine-unbesonn-ene. Handlungzu stören.. Gleichzeitig kündigte er an, daß die Versammlung der Auftakt für die nun mit aller Schärfe ems-etzende . . . Wahlkampagne sein werde. Die Arbeiterschaft muffe gerüstet in den Kampf ziehen, damit sich derartige Gelvaltstreiche, die die Arbeiterschaft ablehne, nicht wiederholen. Sodann nahm Stadtvat B r e i t n e r zu einer fast zweistündigen Rede das Wort. Wir besprechen die Rede an anderer Stelle. Nach Schluß der Versammlung formierten sich die Züge und marschierten geschlossen in die einzelnen Bezirke ab. Zu nennenswerten Zwischenfällen kam es nicht. Irr Schouplvtz des Mordes. Schattendorf ist eine typisch burgenländische Gemeinde, ein großer» wohlhabender Ort mit 2190 Einwohnern, der aber beZeichnenderweise nicht einmal über ein Postamt verfügt. Zu beiden Seiten einer schnurgeradert breiten Straße stehen die giebeligen. meist eingeschossigen Hauser. Vor den zahlreichen Gasthäusern ragen Maibäume auf. Auf einem Hügel seitab li-ogt die-Kirche und wenige himdert Meter von der Straße verläuft die ungarische Grenze. Wie der Mord geschah. Wiener-Neustadt, 31. Jänner. Bis zur Stunde ist es noch immer unmöglich, ein klares Bild von den Vorfällen in Schattendorf zu gewinnen. In den letzten Tagen waren wiederholt Zusammenstöße zwischen Frontkämpfern und Sozialdemokraten epfolz-t. In der Schattendovfer Gegend sind die FWntkümPfer besonders rührig, weil die ungarische Grenze sehr nahe ist. Um nun Konflikte nach Tunlichkeit zu vermeiden, hätten die Veranstalter der sozialdemokratischen Versammlung arn Sonntag Ordnerschutz aus Wiener -Neu st adt und anderen Orten erhalten. Da aber auch eine Frontkämpferversammlung angesagt war, hatten sich Gesinnungsgenoffen' dieser Richtung in 2 0 i p e r s b a ch versammelt, um nach Schattendorf zu fahren. Da das Gerücht bestand daß sich unter diesen Frontkämpfern der Oberst Hiltl, der wegen Soldatenmisthandlimg im Kriege kürzlich vor Gericht hatte erscheinen müssen, befinde, kam es zwffchett Schutzbündlern und Fronikäm.p fe rn zu einer R au fe re i. Die Fr0n t» k ä m P f e r mußten den O rtwiederver lassen. Die Ordrier marschierten nun im geschlossenen Zuge nach Schattendorf, gefolgt von einer Menge Neugleriger. hrtrptsächlich Kinder. Der Zug mußte an dem Gasthaus Tscharmann vorbei und wurde aus diesem Gasthauangeschoffen.