Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2846 (30.1.1927)
- Date
- 1927-01-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Moraenzettrmg Wen, Sonntag 40. Jänner 192V 'Seite f> MMD Verkaufs Ereignis skebruarj Wbrüüy Besuch im Schubert-Museum. Am 31. Jänner jährt sich zum 130. Male der Geburtstag Franz Schuberts. Zum Gedächtnis des grasten Tondichters gibt es in Men ein eigenes Schubert-Museum, das aber nur wenig bekannt ist. üeber denr GeLurtshause Franz Schuberts, diesem Wiener Kind unter den ganz Großen der Musik, waltete ein günstigeres Schicksal als über den Wohnstätten anderer berühmter Tonkünstler. Das kleine, typische Borstadthänschen, in dem Schubert am 31. Jänner 1797 das Licht der Welt erblickte, steht, dank der Fürsorge der Gemeindeverwaltung, inmitten hoher Zinskasernen, auch in der Großstadt heute noch fast unverändert da; nur ist aus dem ,Himmelpfortgrund Nr. 72 zum roten Krebsen" das nüchterne „Nußdorferstraße Nr. 54" geworden, in dessen; Räumen sich heute das Schubert-Museum befiudet. Was nur irgendwie mit dem unsterblichen Liederfürsten znsammenhängt, wurde mit großer Liebe hier zusammengetragen, um einigen Einblick in dieses seltsame Leben zu bieten. Vor allem das Haus: Der Himmelpsortgrund mit seinen kleinen Häuschen, Lauben und Gärten war zu Schuberts Zeiten ein bedeutender Vorort Wiens, voll ländlicher Poesie. Einige Schritte von dein Geburtshanse entfernt stand das Schulhaus, m dem Schuberts Vater als Lehrer wirkte, wo der kleine Franzl später die Schulbank und!ta> er dann nach vollendeter Studienzeit auch selbst den Lehrberuf ausübte. Nicht lange zwar, denn die Neigung zur Musik war stärker als der sichere Beruf. Betritt man heute das Schuberthaus, so ist man sofort von dem urrperstaubten Stimmungszauber der Biedermeierzeit gefangen. Dieser schmale Hof mit dem kleinen dahinterliegenden Gärtchen ist ans tausenden Bildern und Karten festgehalten worden und hat auch für manches Bühnenbild als Szenerie alter Wiener Behaglichkeit das Modell - abgegeben. In welchem Teile des nur wenige Räume umfassenden Hauses die Familie Schubert gewohnt hat, konnte ebensowenig festgestellt werden, wie das Zimmer, in dem Schubert geboren wurde. Heute aber sind alle Räume des Hauses vereinigt zu dem einzigartigen Museum, das der Welt Zeugnis ablegen soll, für den außerordentlich produktiven und vielseitigen Komponisten, «der der Welt in seinen knappen 32 Lebensjahren mehr als 400 Lieder und Balladen, zwölf Opern und Singspiele, acht Symphonien, zahlreiche Messen, Sonaten, Phantasien und Kammermusikstücke geschenkt hat. Eine ganze Reihe von Originalhandschriften zeigen, wie leicht Schubert das Komponieren gewesen ist. Da fiitb eine Anzahl seiner Lieder, rasch und flüchtig zu Papier gebracht. Besondere Aufmerksamkeit erregt in einem Schaukästen die Reinschrift eines Heftes von komponierten Gedichten Goethes, die den Titel „Sehnsucht" führen, das zur Absendung an den Dichter bestimnsi war. Wohl nicht weniger interessant ist das in Musik umgesetzte „Stäbchen" von Grillparzer, das Anna Fröhlich, die Schwester der „ewigen Braut".des Dichters, von diesem für einen Geburtstag ihrer Schülerin Gosmar erbeten und das Schubert in wenigen Stunden hinkornponiert hatte. Am wertvollsten aber dürfte wohl die Partitur der Balletdnmsik zur „Rosamunde" sein, die in: Jahre 1823 entstand undi im Repertoire jedes Orchesters enthalten ist. In einem Schaltkasten sind die Partituren der weniger bekannten Opern, und Singspiele „Fierrabras", „Fernando", „Der Graf von Gleichen", „Der vierjährige Posten", „Die Freulche von Salamanca" und „Die Zauberharfe", die zmn Teil unvollendet geblieben sind. Und weiter, Schaukasten an Schaukasten, die Handschriften seiner Lieder, Menuette, Streichquartette und Klaviersonaten. In eine»« Raume sind die Bildnisse Schuberts aufbewghrt. Bor allem die Heliogravüre nach dem Aquarell von Wilhelm August Rieder, das als das ähnlichste aller .Porträts Schuberts gilt. Hervorzuheben sind ferner der Stich von Joh. Passini, der Rieders seltene Porträts allgemein bekanntmachte, ferner die Lithographien von Josef Kriehuber und Josef Teltscher mü> die Schilberts bestem Freund F. von Schuber zugeschriebenen Zeichnungen, schließlich auch die Heliogravüre des jedem Schub ertfreuude bekannter: Oelgemäldes vor: Julius Schmid „Ein Schubert-Abe'lld in einem Wiener Bürgerhause", das alle Freunde mrd bedeutenden Zeitgenossen des Komponisten zeigt. Den Stolz des Musemcks aber bildet wohl das K l a vier Sch u b o r t s, ein Flügel aus der Fabrik von Alois Graf in Wien. Davor steht ein Lehnstuhl aus Schuberts Besitz. Nicht minder interessant ist die in einem Glasichrauk anMvahrte Gitarre des Komponisten, auf der er seinen Freund'en bei ihren vielen Ausflügen seine Lieder vorzupfte. Irr einem Schrank liegen Schuberts Augengläser und daneben eilte Haarlocke des Meisters, , für die sensationslüsterne Amerikaner wiederholt Millionen geboten haben ... Mit großer Ueberraschiurg sicht man auf den gedruckten Klassenkatalog des Wiener Akademische Gymuasinms vom Jahre 1813, der uns Schubert im Gegensatz zu anderen Toitdichtern als sehr guten Schüler erkennen läßt. Erhielt er doch in allen Gegenständen der ersten Humanitätsklasse die 3iote eins, nur in Mathematik zwei. Schuberts Klassifikation im Ausbildungskurs für Lehramtskandidaten, den er auf Wunsch des Vaters besuchte, lautete, wie man auf einer Photographie sehen kann, in den meisten Gegenständen „gut", in anderer: aber „mittelmäßig". Nichtsdestoweniger erhielt er das Besähigungszeugnis zum Schulgehilfen, als welcher er dann auch in die Schule seines Vaters ciutrat. ' Wehmütig steht man vor der gedruckten Einladung zu Schuberts „Privatkonzert" im. Saale des Musikvereines am 26. März 1828, diesem einzigen Konzert, das Schubert veranstalten konnte. Und "nicht minder traurig ALT! Sine Bi&Sfothek von 300 Bänden! Eine Palästinareise i Fünf Dunam Boden ii? Palästina! Das, - sind di$ erstens drei Prelie der großen Kreuzworträtsel - Konkurrenz, die am 7. Februar in der ^Wiener Morgenzeiung“ beginnt. Sie umfaßt 50 Rätsel. Außer diesen drei Hauptpneisen können Sie eine ganze Reihe anderer großer Preise gewinnen. Fünfzig Rätsel — fünfzig Preise! Beachten Sie unsere weiteren Ankündigungen! stimmt der Theaterzettel der ersten Ausführung des Singspieles „Die Zwillingsbrüder" tm Kärntnertortheirter am 14. Juni 1820, das nur sechsmal aufgesührt wurde. Es waren dies die einzigen öffentlichen Würdigungen des Meisters, die er erlebte. Sonst stritt er sich mit seinen Verlegern herum, um für seine Lieder einige Gulden zu erhalten. , Medaillen, Büsten, Photographien und Modelle von Denkmalen und Gedenksteinen zieren ein anderes Zimmer. Gewissermaßen als Abschluß des Museums sind die Photographien vom Grabe Schuberts , auf dem asten Wahringer Ortsfriedhof zu sehen, auf dem die Beerdigung, am 21. November 1828, wenige Schritte von Beethovens Ruhestätte entfernt, stattfand. Die Grabinschrift verfaßte Grillparzer, der sich dann auch an der Subskription zur Deckung der Koster: der ersten Herausgabe der gesammelten Lieder beteiligte. Später wurde Schubert, nach Auflassung des alten Friedhofes, auf den Zentralfriedhof überführt, wo ihn: von Hansen u:w Kundmanr: ein würdiges Grabdenkmal geschaffen wurde. So zeigt das Sch:ckrert--Museum das allgemeine Bild eines kurzen, aber inhaltsreichen Lebens, eine würdige Stätte zum unvergänglichen Gedächtnis an den Liederfürsten. ' ' —eich. DER ERFOLG unsere großen Bücherpramkenaktion hat UN» bestimmt bteielbe zu verlängern, um es jedem zu ermöglichen. eine Prämie zu erhalten. S8SK Mische Mitbürger! Die Besiedlung Pa.ästinas galt schon zu alle:: Zeiten, als hochreligiöse Plicht im Judentuin. Jetzt ist die Mög lichkeit gegeben, Palästina zu einer jüdischen Heimstätte zu entwickeln. Die breite jüdische Oessentlichkeit ist über den vecheißungsvollen Aufschwung der jüdischen Siedlung in Palästina unterrichtet. ES ist einWerkder E r r e t t u:: o undErueuerung des Judentums durch jüdische Arbeit in Palästina, welches jüdische Pioniere mit heroischer Hingabe durchführen. Die Mittel, welche dein Finanzinstrument des Aufbaues, den: Keren Hnjcssod,' zu> Verfügung zustehen, reichen aber nicht hin, um die Er richtung der uns vom Völkerbund zugesicherten jüdischen Heirw stätte utit der notwendigen Beschleunigung durchzufiihrem Der Keren Hajessod sorgt für die Ausbildung der zukünftigen Einlvanderung in Landwirtschaft und Handwerk, verpflanzt sie in das Land, gewährt ihnen Kredite zur Anschaffung des lebenden und toten Inder:' tars, zürn Häuserbau und zur Betriebsführung in den ersten Jahren. Der Keren Hajessod erhält gegemvärtig 43 landwirtschaftliche Siedlungen. ' Cr fördert die städtische Siedlung, Handel und Gewerbe und die Entwicklung der Industrie durch Kreditgewährung. Er hat die Allgemeine Hypothekenb a n k gegründet. Das Canitätr- und Schulwesen 'toirt vom Keren Hajessod ethaltenn. Das Schulwerk allein umfaßt 46 Kinder- . gärten, 78 Volksschulen, 6 Mittelschulen -und Lehrerseminare, 8 Fachschulen und Lehrwerkstätten, insgesamt 139 Grziehungsinstitute, an den?:: mehr als 600 Lehrer beschäftigt'sind und 16.000 Schüler lernen. . ' Das Werk in Palästina schreitet fort. In produktiver Arbeit schafft dort^-der jüdische Pionier, neue Werte. So'erfüllt der Keren Hajessod als zentraler Fonds für Einwanderung und Kolonisation seine Aufgabe und hat zu diesem Zwecke in fünfjähriger Tätigkeit in Palästina die Summe von über 2,200.000 Pfund Sterling angelegt. In immer steigendem Mage betrachtet es , die Judenhcit aller Länder mD aller Parteirichtrmgcu als ihre Pflicht, sich an der Aufbauarbeit des Keren Hüj^'od zu beteiligen. De österreichische Keren-Hajessod-Kom«- m i; i i o n hat nach ernstlicher Erwägung aller Umstaiwe beschlossen, die diesjährige. Aktion für den Keren Hajessod, durch welche eine möglichst große Zahl der Juden dieses. Landes und insbffondere der grossen Judengemeinde Wiens für den Keren Hajcssod geworben werden soll, im Monat' Februar durchzuführen. An alle Juden ergeht hiermit der Ausruf, dem Keren Hajessod die finanzielle Last des Aufbaues tragen zu helfen. Das jüdische Kolonisationswerk in Palästina dient allen Juden und die gesamte J.0en?chaft tragt die BerantwMtung für das Gedeihen der j.Oischen Heimstätte, die unter der Aegide des Völkerbu:/:eS in Palästina errichtet wird. Jeder Jude hat daher 4-ie Pflicht, hiebei sein Teil mltzuwirken, denn das Schicksal der neuen Sick^na in Palästina ist auch für ihn von Bedeutung. Bringet Opfer nach. Euren Kräften! Das Präsidium der österreichische kr Keren-Hajesfod-K mmission. MmMmse»!« Mm« da Seren -«leM-Irwe. Heut e, 10 Uhr vormittags: Vorführung des neuesten Palästina-Films „Kinderland Palästina" im Heimatkino, 9. Bez., Porzellangasse 19. Redner: Dr- Jakob Weiner. Morgen, Montag, 8 Uhr abends: Mitgliederversammlung der Sektion „Innere Stadt" in: Souterrainwkal Cafe Habsburg (Eirxgang Griechengasse). Redner: Dr, Joser Löwen herz, Frau Dr. Nadja Stein. — 10 Mr abends: Vorführung des neuesten Palästina-Films „Kim derland Palästina" im Wallenstein-Kino, 20. Bez.. Mtlensteinstratze. Redner: Dr.N. M. G e l b e r. eine Koalncnr her Mardelter. 'Landtag, denü. Fcb'., 5 iiyr nachm, findet eine Konferenz der Msta.beiter der diesjährigen Keren-Hajeffod-Aktkon statt: Colonel LSegdwood und Oberrabbiner Dr. CHajes werden Referate halten. Zu dieser Konferenz ergehen besondere Einladungen. Der Saal wird noch bekanntgegeben werden. «MÜSUMM