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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-30 · Heft 2846 (30.1.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2846 (30.1.1927)
Date
1927-01-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 aSien, (Sonnio-g WLerr« •0. Jünner li Nr. 2848 SoNswille, nicht WohltStigkeit. -y, Wien. 30. Zanrie, 11*27. Vor mtiH'tülK etmnn lmüdcn iUioiuu rft in '.U'uu Äoik das Uebcrcintonmifu betreffend die Erweiterung der im Palästinmnandat errichteten jüdischen Vertretung ahgcschlvpen worden. Das genaue Datum Sicher Vereinbarung ist nicht beckannt; Sa der Joint- Präsident Marburg seine Palästina reise am 11. Jänner angetreten 'hat, kann man wohl annehmen, daß das Lchriffftück zumindest vor diesem Tage unterfertigt worden ist. Ebenso unbekannt ist Ser Text Ser ®* machung sowie der Inhalt der vorher gewechselten Briefe, unbekannt ist die Zusammensetzung der nach Mlästina -u entsendenden unparteiischen Sachverständigenkommission, unbekannt Termin und Dauer ihrer Reise. Demgemäß ist auch unbekannt, wann sie ihren Bericht zu erstatten 'hat, und da nach jeder Logik alles inertere von dichom Berichte abhüngt, so ist schließlich unbekannt, cö und wann dann die Konstituierung der erweiterten jüdischen Vertretung erfolgen wird. In dieser Gleichung mit den vielen Unbekannten gilbt es im Augenblick nur eine bekannte Größe: Daß Ausdehnung der Jcwish Agency auf die Führer -er Joint-Grlvppe nicht erzielt worden ist. Nach einer 'Vorarbeit von mehreren Jahren, nach einer Unzahl non KonferenKLn und Briefen rft es jedenfalls ein, sagen wir, sehr mageres Resultat, Saß eine unparteiische Kommission abgeschickt wird. Nachdem Sie zionistische Ailbeit in Palästina von Ser Mandatskommission des BöLkenbundes, von der britischen Regierung und während Ser Anleihedebatte vom britischen Kolonialminister als eine beispiellose Leistung produktiver Energie gewürdigt worden st, hält es die Joint- Gruppe in Amerika für notwendig, die Sachlage nochmals zu prüfen, ehe sie ihr Ja oder Nein ausfpricht. Sie ist noch tveiter gegangen und hat die Evk-lärimg erzwungen, daß der Primat Palästinas gegenüber der Krimko'lonisation nicht aufrechiterhalten wird. Diese Erklärung, die in jeder Hinsicht ein schweres Opfer daristellt, hätte, wenn überhaupt, nur Sinn gehabt, wenn ihr die prinzipiell abschließende Stellmrg-.ahme -der Nichtzionisten gefolgt wäre. Aüer sogar dieses Opfer ist vergeblich gebracht worden. Die Joint-Herren wollen nicht. Daraus erigbt sich, daß die zioniist'sche Organisation, so wie sie bisher die Last des Ausbauwerkes allein tragen, es politisch und materiell allein sichern mußte, auch in der nächsten Zukunft allün bleibt. Die Beteiligung der amerikanischen Geldmagnaten ist nicht das Um und Ans der jüdischen Arbeit in Palästina. Ihre Grundlagen sind Balfour-Erklärung und Völlerbundmandat; der zionistische Wille ist die tragende "Säule. Er ist bisher unverdrossen und un-geschwächt geblieben. Er bleibt es weiter, die Haltung der amerikanischen Nichtizionisten kann auf ihn keinen Ein fl ns; üben. Ihr Eintritt in die jüdisches Vertretung hätte die moralische Verantwortlichkeit des Zionismus nicht berührt, einer nationalen, Politischen und kulturellen FreiheitLibewegung, die sich einzig und alleirr vom jüdischen Interesse leiten lassen darf. Mit unserem Werk läßt sich die Kolonisation in der Krim überhaupt nicht vergleichen. Sie zieht einen Teil des jüd'«scheu Volles i-n den Bereich des Bolschewismus und reiner Gefahren; sie wird von Personen ^fördert, die sonst dos soziale und wirtschaftliche System des russischen Radikalismus ablechnen. Ihr Eintreten für dieses Projekt läßt sie und das Projekt in einem sehr unklaren Licht crsch'inen. Unsere Tätigkeit in Palästina liegt offen vor dorr'Augen aller und unser Ziel ist schleierlos. Wir kolonisieren nicht in irgendeinem Gebiete, wir schaffen dem südischen Voll seine Heimat in dem Land seiner Tradition. Das bedingt den Primat ValästinaS, der unantastbar bleibt und durch gar »'chts beeinträchtigt werden kann. Die zionistische Organisation. die einmal Uganda verworfen hat, das ihr vom englisch?« Imperium angebot-en worden war, kann sich sel'bsr nicht untren werben und dreißig Jahre Entwicklung streichen. In diesen 30 Jahren hat sie das jüdische Voll geführt, liat sie Palästina aufgschlossen, die jüdischen Forderungen auf Recht, Land und Freiheit verkündet, ist sie zum Völkerbund gegangen; in di-esen 30 Jahren hat sie mehr als hundert Siedlungen in Palästina errichtet, die Zahl der jüdischen Einwohnerschaft mehr als verdoppelt, hat sie Arbeit und Zrot geschallen und das Vertrauen in die jüdisch? Kraft befestigt. Was haben die Nichtzionisten in diesen m Jahren getan? Sie haben die jüdische Zerstreuung gefördert und nicht einmal die Kolonisation in der Krim ist vor politischen Rückschlägen gesichert. cQaoaoaooocQCQOooaotxxzcanacxxyocacxxxxx) Zion. Sektion VI-VIll, Wien, VHL, Bennoplatz 1 Dienstag, den t. Februar 1927, um 8 Uhr abends Vortrag Or. PI. Präger: Jüdischer Humor in legenden und Schwänken Einleitende Worte: Dr. SIEGFRIED SCHMITZ. «QQOBQBOOQQOOOPOaQOaOOOQOOPOOOOOOOOOOO 'vir war-en allein an der Arbeit und sind ftofo .nt*. Was Sie jüdischen Massen unter der zionistischen Führung geleistet habein hat kaum je ein Volk unter den gleichen schweren Dedtnpung.'n leisten können. Die kühle Rcsenviercheit Ser J^'nt-Gc.walti'gen tut rmserer Schaffensfreude keinen Abbruch. Sie sind nicht von so hohem Werl für das Judentum und wenn sie politischen Einflrrß besitzen, so wenden sie ihn nicht für das jüdische Interesse auf. Sie haben nichts gegen die Drost: lnng -Ser Einwanderung getan, die sich vor allem gegen arme, verzweifelte füdffche Menschen aus-. Dem „Dawar" in Tel Awiw entnehmen wir das bisher noch nicht veröffentlichte .Kapitel aus dem Erinnerüngswerk Achad Haams. Die Goschichte der Balfour-DEaration und der Vorarbeiten zu diesem Akt ist bisher noch nicht geschrieben worben. Ungeachtet der Enttäuschungen, die wir nach der Bc.lfour-Deklaration erlebten, wird diose Enunziation ein Leuchttnrim ohnegleichen aus unser ent finsteren Galuihwog «bleiben, weil in dieser Deklaration die Völler der Welt zum erstenmal unsere nationale Existenz und unser Recht als Voll auf Erez Israel anevka>nnt haben. Erinnere ich mich jener Tage in London, so erzittert mir das Herz im Leibe. Die Hoffnungen waren hochgespannt, wir arbeiteten erfüllt vom großen Glauben; denn wir glaubten, daß die Zeit der Verwirklichung unseres Ideals in Wirklichkeit gekommen sei. Das war in den letzten Jahren des Welllrieges. In London fand ich keine Persönlichkeit aus der offiziellen Leitung der Zionistischelt Organisation und Dr. W e i z m a n n selbst, der damals noch reicht das Haupt der Organisation war. machte alles nach eigen-ent Gutdünken. Aber gerade deshalb, weil alles nur nach dem Sinn eines einzelner: getan wurde, war die Lage BflBnBWBaBBRBBaBaaBBHaRlffnBBffßHIIBBBRBaBC K L U BRAO i K AL ER Z I 0 N 1 S T E N Mittwoch, den 2. Fsbruar 1927, um präzise 8 Uhr abends, im Cate Atlashof, I., Aspernplatz (Klublokal: Eingang Wiesingerstraße um die Ecke) II. ordentliche Seneralversämmgsäns Tagesordnung: 1. Bericht über die Lage im Z onismus und die Tätigkeit des Klubs. — 2 Kassabericht — 3. Das radikal-zionistische Programm. — 4. Neuwahlen. — 5. Eventuaiia Die Mitglieder werden aufgefordert, pünktlich zu erscheinen. Teilnahme ist Pflicht! BaRBBBBBBBBBBBBBaBBdBBBBBBBBBBBBBBBHBI eine unnormale, weshalb ich Dr.. Weizmann den Rat ga/b, sich zu bemühen, daß aus Rußland einer der Führer der -Organisation nach London kommen könne. Und in der Tat kamen nach einiger Z-it Nah um S o k o l o w und der inzwischen verstorbene D r. Tschlenow nach London. Inzwischen schuf sich Dr. Weizmann einen privaten Beirat, mit d-'-rn er sich in jeder schweren Frage stets besprach, und diesem Kreis gehörte auch ich an. Ich erinnere mich, wie wir int zionistischen Bureau in der Picadilly-Street zusammen-- z»kommen pflegten und über die gerade ans der Tagesovdnung stehenden Fragen diskutierten. Die Protokolle üiber diese Sitzungen rvaren äußerst interessant, doch zu meinen! Leidwesen weiß ich nicht, wo diese historischen Sitznngsprototolle sich heute befinden. Man müßte sie unter allen Umständen beschaffen und als historisches Dokument von fahr großem.Werte der Na ti o na l-Bi bl i o thek in Jerwsalem überant'lvorten. Einige Zeit nach der Anknnst der vorhin erwähnten Führer hörten die Bera>tun«g".'n des Konseils von selbst ans; Wohunann war doch nunmehr in der Lage, sich mit den offiziellen Führern der Organisation zu beraten. Ich nahm an dieser Arbeit gleichfalls teil und so oft e§ sich darum handelte, der Regierung den entsprechenden Entwurf siür die Deklaration zu unterbreiten, wurde eine kleine Redaktions-Kommission oingssetzt, an deren Beratungen ich mich, lve-nn auch nicht ständig, beteiligte. Soweit es mir in der Erinnerung lebt, wurde der Text der Deklaration der Regierung ich einem Heft überreicht, da3 dreimal hintereinander mit einigen Aenderungen gedruckt wurde. Ich glaube, daß sich in meinem Archiv Exemplare aller dieser drei Texte befinden. Aber die Regierung hat. wie bekannt, ihren eigenen Deklarationstext unterzeichnet und gar. keine Rücksicht darauf genommen, was in unseren Entwürfen gof-ordert wurde. Einmal, es Ivar um Mitternacht. erschien Dr. Wvismann bei mir, sein Gesicht leuchtete und Ui der Hand hielt er ein Slilrck Papier und sagte freudestrahlend: „Hier ist es!" Das war das Dokument, das unter dem Namen Balfour-Deklarati-on bekannt ist. Wei-mami hatte es selbst erst einige Stunden vorher 1 wirkt. Der Zionismus, Sic Konize-ntration jüdischen politischen Willens, wird Siefen Gepeinigten die Heimat und dic Sidserh-Sit gerben, und wenn er jetzt mi-cder an Sie jüdische Offsentlichksit appelliert und von ihr erhöhte Leistungen fitj- Sen Aufbau Palästinas fordert, io weiß es das Jnbentu-m, daß es für sich, für 'ein«? Freiibeil ituS für di. freie Eulwicklung seiner nächst?« Generationen Sie Sten-cr zaksit. Nicht aus Wcstltätiisskeit, iond-ern ans reifem potitischonr Verständnis. erhallen und er be-oilte sich, e§ mir zu überbringen, ehe sein Inhalt in der großen OLffentlichreit bekannt ' wurde. Wie schön und angenehm waren doch jene Tage. Es war -der Honigunond unserer For.Serung'en. . Zur Jll-nstration des Optimismus, .der in unffrem Lager g-eherrscht hatte, will ich nur eine Sache erwähnen, die, wie mir scheint, hinreicht, dic Stimmung in jenen Tagen zu beleuchten. In einer -der Sitzungert des oben>:r4vä-hnten Kons-eils kamen auch die Hinder niste und Scki.vicrigkeiten zur Sprache, die sich uns in den Weg stellen konnten. Ich faßt: sie kurz ztffammen und hielt die Amberfrage für die größte Schwierigkeit unter den sonstigen zahlreichen Schwierigkeiteit. Darauf antwortete mir da.rnals einer der Führer, daß d'iest Schwierig>?eit uns durchaus nicht gefährlich tvevden könne, weil die englische Negierung die Araber als „Natives" («Eingelborene) betrachtet und uns für gebildete Europäer ansicht. So befaßten wir uns damals miß Träumen und Phantasien. Das alles hatte sich oino HMsche Zeit -vor der Annähme der Balsour-Daklaration ereignet. Später aber, als sie aus einer großen, ihr zu El.iren einberusenen Versamrnlung, an welcher auch andere englische Staatsmänner tcilnah'.nen, angenoirnten wurde, bekam man bereits andere „Melcdien" zu hören. Einer jener Politller, der als pciläsl'.nafrenltdstich Vollstüntlichste in unseren Reihen, scgte damols in seiner R «de, er stelle sich die Lösung des Probl:«ms im nahen Orient in der D.hafsmtg eines D r e inb u n des z w i s ch e n A r a b e nt, I u d c n und Armenier n vor, in der Weise, daß jcde dieser drei Nationen in ihrem eigenen Land herrschen winde. Die Araber in i>hre«m, die Juden im jüdischen Land und die Anmenier^ in Arnienien. Bedenke ich jetzt, we'lck.ies Schicksal das unglückliche armenische Vol'k ereilt hat, kann ich mich eines bitteren Lachens nicht erwehren und sage mir: Hätte ich die Eignung wie viele andere, mich mit dem Gprickivort zu trösten, ,/daß L'id mit vielen geteilt. ha,Der Trost ist", so würde e3 genügen, jetzt die Lage der Annenwr zu betrachten, n,:n mich über nnse.ve eigenen vielen und großen Leiden hffiw.'Mtttröstm. Patriot Za-rravec; nnd feine Prozesse. Budapest, 28. Jänner. Bor einem Senat des B»t0apester Strosgeri-chtes begann beute die Verhandlung der 300 P r e ß P r o z e s s e, die der ans der Frankensälstheraffäre bekannte FelEOischof P. Stafarr Jadrarecz gegen alle jene Zeitunoen angestrengt hat, die sich zur Zeit der Affäre mit seiner Person besaßt hatten. Der erste Prozeß betraf den Mitarbeiter de? „Pe«sti Naplo", Ln-lwig Szabo, der weg-vn Ehrenbelei-digung 31t 120 Penoö Geldstrafe verurteilt wurde: überdies wurde dem Pater Zadravecg ein Scknderr erisatz von 100 Pengö zugesprochen. Eine iürifche Mo ksfchule ln Sttawa. Aus Ottawa wird uns geschv-ioben: Unsere Stadt zälhilt heute mehr als 1000 jüdische Familien- Städte mit einer gleichen jüdischen Einwcihnevzahl gibt es in Kanada nur noch drei oder vier. Ottawa hatte bis jetzt bloß eine jiiitd'scho Talenud Thora, m welcher der allgemeine V-oMschn'llehrplan nicht zur Geltung gekomrum ist. Nunmehr konnten die jüdischen Körperickiaften zur Eröffmmg -einer den modernen Erziehung? ansorderungen enff-prechenden jüdischen^ Volks schule schreiten. Auch sonst gibt es hier eine ganze Anzahl jüdischer sozialer Einrichtungen, wie eine große Mische B'ibli-o^'k mit Les'.'«saal. jüdische Kredit'kasjc. einen jüdischen VolksOlnb rsw. In allen diesen. Zen treu wird sehr rege P a 1 ä st i n a a r b e i t geleistet und auch die zion'stischen Palä-stinafond-s werden «'"i sprechend bedacht. Verband der Zionisten-llevisionisten Oesterreich» - -ii, .. -r.. r i ■m.wini..^|| JL.I..L1I, IBiBPt ‘ HEUTE, den 30. fänner 1027, tun 11 Uhr vorm., im Verbandsheini, I., Schottenring 13 (CaW Müller) Bericht über die Pariser Konferenz der Zlonlsten-Revlslonlsfen Referenten: Dr. Paul Diamant, Dr. Norbert Hoffmann, Mose* Lutzky Anschließend Diskussion. — Zionistische Gäste willkommen. 1 ■" 11 ..'lEme»,WWW»Ede««««^>M,«B,,,,,»WeeW»We»m> > ' ■■ : . Die Zage vor der Balfour-Ieliaration. Wn Atza» Ham. . > - - i i— wM

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