Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2840 (24.1.1927)
- Date
- 1927-01-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Skr. 9840 Men, Montag Wtr«rr Morsea-stt««- 24. FSnmr IW' mu% die europäische 0ladiomoche. (Ftoitamtn det emopäiedken Stationen vom Stornier. Montag. OpernKvertragvng ^Othello' BerNn, Welle 484 tu 564 16.80: Konzert. 19Ä): Pvevbnr-, Welle 800. 18: Konzert. 92.80: ZtgeunermM. BrSnn, Welle 441.2. Ä . rt,. Jy.öo: Märchen. IS: Konzert. 20.30; Heitere Lieder. Daventry, Welle 1603. 12: Musik unD Gesang. 20.45: Musik. 24: TangMM. Frankfurt, Belle 428.0. 16.80: Konzert. 20.15: Heiterer AüeFd. SönigSLerg. Welle 303. „ . 16.80: Konzert. 10.68: „Hoffmanns Erzählungen. SSnisSwustrrsirufen, Welle 1300. _ 16: ErzlehungSberamng. 17: Schach. Ab 20: Berliner Uchertragr ng. London, Welle 301.4. 17: Tang. 10: Konzert. 21^6: FoanzSs. Musik. 28: KrttuS Cäsar. Hamburg, Welle 384.7. „ „ 12.80: Konzert. 16.16: Zithevkonzert. 20: Plattdeutsche Märchen. P«S. Welle 348.0 . 4ÄBÄ 11: Grammophonübertvagung. 12.15: Konzert. 16.80: SpernmM. 16.88: Deutsche Sendung. SO: Konzert. Rom. Welle 422.6. 17.80: Konzert. 21: Verschiedene MM. Königsberg, Welle 308. 11.80: Konzert. 16: DalalaLÄonzert. 19.06: Kammermusvk. KSniasmusterhansen, Delle 1300. 16: Für unsere Jugend. 16.30: Spanisch. 10: Vortrag über London. London, Welle 361,4. _ 17: Konzert. 18.16: Kinderlkeder. 19.20: Ouarteitvorkrag. 20.48: Franz Gesang. 22.30: Konzert. Hamburg, Welle 394.7. 12.80; Konzert 14.06: Konzert. 17: Orgevkonzert. 1023: Lwernübertraaung.SoSca". Prag, Welle 346.9. 11: Schallplatte«. 16.30: NachmitragSikonzert. 18.36: Deutsche Sendung. 10.16: Franz. Kurs. 30: Konzert. Rom, Welle 422.6. 17.86: Konzert. 21: Theaterüöertragung. Warschau. Welle 1150. 17.80: Ltteraturübersicht. 18: Tanzmusik. 10: Englisch. 20.80: Konzert. Parks, Welle 1750. 20.45 Konzert. Freitag. Berlin, Welle 484 tt. 586. 15.30: Frauenstuntze. 1660: Vorlesung „Der Gechn. 17: Konzert. 20: Operette „Die Pastmeistecin" von Jesset. Pretzburg, Welle 300. 17.40: Slov. Sprachkurs. 18: Lustiger Abend. 22,80: geunermusik. Brünn, Welle 441.2. 17.20: Klndermärchen. 10.05: Opernaufführung v. Gounod. Danentry, Welle 1660. 13.30: Orgelkonzert. Ab 14: Londoner Programm. Frankfurt, Welle 428.6. 15.30: Jugendallerlel. 16.30: Frauenstunde. 17.45: Lese« stunde. 20.15: , Maria Mag.dalena" v. Hebbel. Königsberg» Welle 303. 11L0: Konzen 16.30: Konzert. 19.30: SyMpholMonzttt. Könkgswusterhausen, Welle 1300. 16.30: Stenrgraphis. 17.30: Geschichte. 1833: Englisch. London, Welle 361.4, 19: Orchesterkonzert. 20.45: Buntes Programm. 31.1h; Opernaufsührung „Martha" v. Flotcw. Hambura. Wells 394.7. 13.20: Har/ns .-Schöpfung". 16.15; Konzert. 2030: Liederabend Prag, Welle 348.9. 11: Schallplatten. 12.15: Konzert. 1630: Konzert. 1838: Deutsche Sendung. Nebertragung aus Brünn: „Faust" (Schluß.) Copyri^th by üeorg Müller Verleg A. O., München 1937* SHe fremden Satire. £ine osijilttiscfic Seiende von £mif (OcvnAavd i£oftn. Warschau, Welle 1150. 18.00: Jazz. 20.30: Konzert. Pari-, Welle 1750. 20.45: MM. Dienstag. Berlin. Welle 484 u. 563. _ 16: Schach. 16.30: Kammermusik. 20.80: Jakrtb Wassermann liest aus e.genen Wevken. 21.60: MM. Pressbrirg, Welle 803. . 18: 5donzert 19: MM. Brünn, Welle 441.2. ' 19: Kammermrsik. A: Konzert. Dav^nt»y^Wclle^160V^^^^ 14. Londoner vcibertragung. Königsb^g- ®^r3,Ö3,lM0; C ss.ranto. 19.66: Kammermusik. 21: Bunter Mend 21.35: Beechoven-Klavserkonzerr. Köniasvmsterhausen, Welle 1360. 18.30: Spanisch. 19.60: Beechoven-KammermusO London, Welle 361.4. « 14: Musil. 19.10: Tanzmusik. 20.15: Bach-Praluttum. 30.45: Leichte SrMphoNiemusik. 21.46: Französ. Gesänge. 23LA: Der 8. Mt d. „Melstevsinger". 24: Jazz. Hambura, Welle 394.7. ■ ■ . 16.15: Deutsche Balladen. 21: Operette „Drei Aeme MädelS". «raa, Welle 348.9. _ 11: Schallplatten. 12.15: Konzert. 16.80: Nachmittag«^, zevr. 18.36*. Deutsche Senkung. 20: Konzert. 21.20: Leichte MM Rom» Welle 422.6. 17.16: Konzert. 21: Theaterulbertraguttg. Warschau. Welle 1156. 17.15: Konzert. 20.30: Konzert. Paris, Wells 1750. 20.30: Konzert. Mittwoch. Berlln. Welle 484 u. 866. .. M 13.80: Glockenspiel. 18.30: Altung. NationalmM. 20: „Der Verschvender." Preßburg. Welle 300. 18: Konzert. 20.30: MMaufführung. Brünn, Welle 441L. 19: Konzert. Gesangaufführung. 21 r MlliiarmusA. Daveutty, Welle 1860. 12: MittagsmM. 14: Londoner Programm. Frankfurt, Welle 428.6. 16.80: Operettenmusik. 20.15: Konzert. Königsberg, Welle 303. , rt 10: Jugen^vortrag. 17: Tanztee. 20t „Die grosse Lerdenschaft" von Auernheimer. 21.30: Beo'.hoven-KIavievsonaten. Königswusterhausen, Welle 1300. „ 12: Französisch. 15.80: «Stenographie. 17: Völkerbund. 18L0: Englisch. Ab 20: Berlin. London, Welle 301.4. 14r MM. 17: Konzert. 31.45: Franz. Gesang. 22.15: Abendkonzert. Hambura. Welle 894.7. _ 13L0: Englisch. 14.06: Körpert. 16L0: Tangier. 30: Lieder- und Arienabend. Prag, Welle 348.9. ilr Schal p atten. 13.18; Mittags,nuslk. 16; KammermM. 18.88r Deutsche Sendung. 20: Konzert. Rom» Welle 489.6. 16.30: Srzälhl'ungen für Krnder. 17.15: Jazz. 21: Konzert. Warschau. Welle 1150. 16.46: J-UsieMendung. 17.15: Konzert. 19.46: Dovtrag über Mexiko. 2(V*’J; Soltstenkanzert. Parks, Welle 1756. 80.45: Konzertabend. Donnerstag. Berlin. Welle 484 n. 563., .. , 16.80: Konzert. 91: Maserkonzert. Pressburg: Welle 300. 17.45: Salonquartedt. 90.30: Militürkonzert. Brünm Welle 441,8. 19: Theateraufführung. 20: Konzert. 'M°- Orchesterkonzer«. Fravkfrrt, Welle 438,6. 16.30: OpernmM. 16.45: Türkische MM. 90.15, Vortragsabend. Da sieht der Hundertjährige, dass da eine a^te Bettstatt in der Wand ist, wie man si's in Bauernhäusern findet. Die Läden sind ange.'ehnt, über der Bettstatt hängt an'der Decke ein flakerndes Licht hinter rotem Glas. Reb Ei.'je dreht sich ufti und blickt den Fuhrmann fragend an. Der aber ist totenstill, und man hört keinen Laut in dem weiten Raum. Ta zittert Reb Ei'.je, dann aber schwankt er auf die Bettstatt zu und öfsiret langsam die Läden. Und siehe da, ein himmlisches Licht bricht daraus hervov: da liegt si?» Chane Mirel, die greise, sterbende Mutter, von ihren Kindern wunderbar geschmückt in ih.er letzten Stunde. Sie haben einen brokatenen Mantel Über sie gebreitet, in den mit Gold heilige Worte gestickt stad, sie haben ihr wie einer Königin eine si berue Krone anfgesetzt, und eine Kelte von Si ber hängt um ihren Hals. So liegt si: da und blickt Reb Eilje mit einem wunderbar milden B.icke an. Und der Hundertjährige sieht, dass sie ihn erkennt, und sein Herz erbraust, wie er all die Vergebung und die Liebe und die Macht sieht in diesem B icke. Da steigen ihm seine alten Tränen hoch und verschließen ihm den Mmü>. Mit einem Mae aber fällt ihm etwas Neues auf: An der Kelte auf Chane Mirels Brust hangt als seltenes Schmuckstück eine vergoLete Hand mit einem ausgestreckten Finger. Da kommt Reb Ei'je eine Furcht an,, denn er erkennt, daß das ein drohender Finger ist, ein Finger der Strenge und der Zucht. Und seine B icke wandern von diesem ernsten Finger zu den heiteren Äugen der Sterbenden, die wie ein bewegtes Wasser leuchten, und von den Angen wieder zmn Finger zurück. Nun hebt ein Flüstern in den: Gemache an, und es tönt von allen Ecken und Enden: „Sagt ihr di: Scheimes vor, Row! So sagt ihr doch die Schrimes vor!" Der Hui der.jährige tritt an die Sterbende heran und beginnt ihr die Sterbe.vorte vorgu'aten: „Ht're, Js ae> der Einige ist unser Gott, der Ewige ist einzig." So fängt er an und bittet Mit den Augen, die Sterbende möchte ihm nachsprechm. Aber sie schrveigt, und darum fährt er fort: „Gelobt sei der Name seines herrlichen Reiches in alle Elvigkeit!" Das wiederholt er dreimal und wartet wieder, dass die Sterbende sich bereite, ihm das na.hzusprech'n. Mer sie liegt still mit os'enen klaren Augen und sicht ihn nur immer in all ihrer Güte an. . Und zum dritten Ma'e h bt der Uralte an und spricht ihr siebenmal das hochheiligste Be'enntnis vor: „Der Clvige, er ist Gottl Der Ewige, er ist Gott!" Sie aber schweigt. Da denkt er: „Warum schweigt sie denn? Hat sie mi.ch nicht holen lassen, daß ich ihr vorsprcche, was sie mir nachsprechen wollte?" und sängt noch einmal an, ihr alles vorzusagen. Wie er fertig ist, schweigt sie abermals und Reb Cilje beginnt, sich den Schweiß abzuwischen. Mieder fällt sei:: Blick auf die Silberhand mit dem drohenden Finger. Er glaubt, daß sie ihm noch immer grolle, weil er sie dereinst so hart zurechtgewi.'sei: um ihren leichten Sang. Er glaubt, daß sie Reue habe, ihm das Opfer ihres jungen Lebens gebracht zu haben. Und er will etlvas sagen'und kann nicht. Und sieht wieder ihre Äugen voller Liebe und weiß nun, daß er gar nichts zu sagen braucht. Er seufzt tief auf u;ib beginnt von neuem, die Schelmes zu sagen. Dabei richtet er seine Augen zum Himmel empor und bittet Gott, er möge die Zunge der Sterbenden lösen, daß sie ihn, den Hochheiligen, brlenne und als fromme Seele von hinnen scheide. Und beginnt mit einer Geivalt zu rufen, als gälte es nicht der Sterbenden da, sondern ihm selbst, Reb. Eilje, dem Hundertjährigen, der so lange leben mußte. Und Plötzlich durchzuckt es ihn nkit einem gewaltigen und innigen Schrecken, daß es ihm wirk'ich selber gilt, daß er eS ist, der sterben soll, er, der sterben — darf, nachdem er das Leben eines Mannes gelebt u:ü> das BeEfeit eines W.i-)es dazu. Und sieh, da richtet sich die Silberhand am, Halse Chan« Mirels auf, wächst ins Unerrneßliche vor ihm und rustr „Ich bin die Furcht!" > Und die Augen des Wübes fangen an zu schimmern, zu brennen, zu flammen wie eine Sonne und sprechen zu ihm: „Wir siird die Liebe!" Und in diesem Augenb'icke 'merkt Reb Eilje Sußmann, der heilige Rabbi, daß sein Sterben angesangen hat, und er beginnt zu schreien, zu schreien, zu scheelen: „Schma Jisroel —!" — — * Dem Gaon von Wilna und den: Misritscher Maggid ist sehr merkwürdig zumute, als'sie von dem greisen ReV Eilje so kurzerhand bei der Kerze allein gelassen werden. sFeder hätte wohl dem a::deren gern mancherlei Dmge gesagt, aber der Uralte hat eine Bangigkeit in der Stube zurückgelassen, die den beiden lange die Kehle verschließt. Endlich wirft der stolze Gron den Kopf zurück und ohne Anrede fragt er de.: anderen: „Was haltet Ihr von ihm?" Der Misritscher ist in tiefes Nachdenke:: versunken und antwortet nicht. Der Gaon fragt nicht zum zweitMmal, sondern fängt an, mit harten Schritten und voller Ungeduld die Stube auf und ab zu gehen, und jeder Schritt scheint zu rufen: „Gehorsam dem Gesetz!" Der Misritscher hat de» Blick nach innen gekehrt, und sein Lächeln sch:int zu sagen: . . „Freude iu der Welt!" Plötzlich fährt er auf und packt den Wiknaer entsetzt ttn den Armen: „Hörtet Ihr den Schrei?" keucht er. Der) entwindet sich ärgerlich: „Ich hörte nichts." Aber schon ist der Maggid zur Tür hinaus: „Wo ist der Row, ihr Schüler! Suchet den Row!" Die ganze Stadt gerät in Äufruhr und alles lauft hin und her mit Fackeln durch die Nacht, den alten Reb Eilje zu suchen. Lange vergeblich. Endlich ruft ein Knabe: „Die Tür zur Synagoge steht offen." Alle Juden laufen herzu: „Wer hät das Gitter geöffnet?" fragen sie und drängen sich vor und untersuchen das Schloß: „Geht hinein und seht zu, Reb Henochl". sagt man zu einem. Der geht bis an die Tür, dann kehrt er um: „Geht Ihr!" sagt er zu einen: andern. Der geht, legt auch schon die Hand auf die Klinke, aber weiter wagt.er sich auch nich". So gehen sie einer nach dem attdem, und alle kehren sich schaudernd ab. Da kornmt der hohe Gaon von Wilna mit starkem! Schritt durch die Menge gegangen und hittter ihn: der MiSritscher Rebbe. Alle weichen ehrfurchtsvoll zur Seite. Der Gaon öffnet stumm das Tor der Synagoge, sie treten «l» und nun drängt die ganze Menge ihnm nach. „Mein Vater, mein Bater! Wagen Israels und feltte Reiter!" schreit der Rebbe gewa'tig durch den Raum. „Ruhe!" herrscht der Wilnaer ihn und alle Männe« und Weiber an. Der B'ick des Rebhen hat es zuerst gesehen: Bor der geöffneten Lade liegt tot auf seine:: Knien der uralt« R«b Eilje. Man sieht an seinen emporgereckten Armen, daß er im letzte:: Kampfe die Thora zu umfassen suchte. Dies« steht mitten ii: der Lade im bwlatenen Kleide, mit heiligen Porten in Gold gestickt, geschmückt mit silberner Krone und mit einer Kette, an deren End« eine weifende Hand von vergoldeten: Siber hängt. Der Gaon unterbnchl zuerst die entschenSvolle Stifte, indem er sich umwendet und mit gebrochener Stimme spricht» „Meint, Juden! In den Armen der Thora starb ein Gerechter." Der Misril scher Rebbe aber hebt au und spricht: „Ich habe einen Schrei gehört, den ihr alle nicht hörtet! Weint, Juden: Ein Chojsud ist gestorben^ .(Ende.)