Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2830 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2981918--28757-3016822- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ser. 2830 Wien, Freitag Wremv Msr-emeltnng 14. Jänner 1927 «Seite % „Qkiprijjteii mit Judenblut". Als der Kellner sich.sSnmig zeigte, fd)rtc ihn Kaszior an: „Ich muß einen halben Liter Judenblut haben!". Es kam schließlich zum Einschreiten ' der Gendarmerie und zur Anklage beim Gericht. In der Verhandlung verteidigte sich Kasztor mit Bolltrunkenyeit, wurde jedoch zu! einer Geldstrafe von 500.000 Kronen verurteilt. Die Königliche Tafel erhöhte jetzt nach einem sehr scharfen Plädoyer des Oberstaatsanwaltes « Dr. Fabr-i die.Strafe auf 250 Pengö (über 300 Schilling), wobei der Vorsitzende hervorhob, daß der Senat eine viel schärfere Strafe bemessen hätte, wenn in der ersten Instanz eine entsprechende Qualifizierung d e s V c r g e h e n s erfolgt wäre. „Abend" gesen „Reichspost". In fortgesetzter Verhandlung hatte sich gestern der Presserichter Hofrat Dr. H ö f l m a y c r mit einer Kcage zn befaßen, we che der Heraurgc'ber des „Abend" Carl. C o I fc e x t und dessen Sohn Ernst C o l b e r t gegen den 'verantwortlichen Re..akteur der „Reichspost". <B d) i f f l e i i n c r, wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge angestrengt hatten. Gegenstand der Klage bilde.en zcöei Arr.kel, 'die unter der Ucüerschrift: „Ter Angriff auf die Zentralbank deutscher Sparkassen — ein Erpressungsmanöver" und I „Der Nüberfall auf die Zentralbau'!", die am 4. und 5. Juli v. I. in der ..Neichspost" erschienen sind. In beiden Artikeln wird den Klägern : er Vorwurf der Erpressung gemach:. Vor dem Landesgericht erklärte der Beschuldigte, daß er die Artikel rar der Drucklegung nicht gelesen hake, weshalb.rer Akt an das. Bezirksgericht abgetreten wurde. Gestern änderte der Beschuldigte seine Verantwortung und erkürte, daß er beide Artikel In Kenntnis ihres Inhaltes zum Drucke befördert habe und daß er dafür ,:ie volle Verantwortung vor dem Schwurgericht übernck'nlen wolle. Zur Erhärtung dieser Tatsache fiifi-te er zwei t'edaktenre de,- „ReickSvo-"' a's Zeugen an. Der Richter, besch oß die V'btretung des M tes an das SHrurgericht von rer Einivernalhme der beiden Zeugen abhängig zu machen. „Nur ein guter Mensch kann ein guter Arzt sein." Der in der Josefstädrerstraße 35 wohnhafte Arzt Dr. Johannes Fick batte beim Ctrasbezirksgericht 1 gegen den pensionierten Bankbeamten Leopold Singer eine Ehrcnbeleid'.gUngsklage angestrengt, die folgende Vorgeschichte hat: Der Kläger, ein unmittelbarer . Äohuungsnachbat. des Beklagten. hat die Gewohnheit, tagsüber und auch bis 10 Uhr abends mit ''einer Tochter vierhändig Klavier zu spielen, wodurch er den Unmut seines Nachbarn errcgle. der für seine ftf’r er nervenkranke Frau wenigstens für die Abendst"n>en wiederholt rhrw E-Wsg um Ruhe bat. Singer wandte sich in Eingaben an die Aerzte- I k a m m e t1 und an dre P ö l i z e i d i r e k t i o n, wiiröe jeooch s abschlägig beschieden. Eines abends, als Dr. Fick wieder laut j Klavier ipielto, lief Herr Singer in seiner Erregung auf den Gang und ries: „Das ist eine Bestialität, es wird der ganzen Tag Klavier gespielt!" In der gestern vor dem Bezirksrichter Dr. N e u d e ck stattgefundenen Verhandlung - war de.r Beschuldigte des Tatsächlichen geständig und zu einer Ehrenerklärung bereit, die der Kläger jedoch nicht anncbmen wollte. Herr Singer legte nun dem Richter ein von Professor Wagner-Ja uregg ausgestelltes Zeugnis vor/ worin bestätigt wird.' daß Frau Singer seit mehr als 20 Jahren.wegen eines mit hysterischen Anfallen verbundenen Leidens in ärztlicher Behandlung stehe und daß die Frau ein sehr empfindliches und erregbares Nervensystem habe. Herr Srnger legte weiters einen Brief vor, den er schon vor langer Zeit an den Arzt gerichtet hatte, und in welchem hervorgehoben wird, daß der Arzt wohl formell im Rechte sei dock) gebe es auch ein ungeschriebenes Recht auf Menschlichkeit. Der Beschuldigte hob hervor, daß der Kläger selbst einmal Frau Singer nach einem schweren hysterischen Anfalle gegen 9 Uhr abends ins Bett brachte, daß er aber dann in seiner Wohnung ruhig mit seiner Tochter weiter am Klavier spielte. Schließlich erklärte er, daß er infolge der Wohnungsnot seine Wohnung nicht wechseln könne und daß er auch infolge der Beschaffenheit seiner Wohnung das Schlafzimmer ieiner Frau nicht in ein anderes Zimmer verlegen könne. Der Privatkläger gab an, daß er niemals nach 10 Uhr abends gespielt und daß er seiner Tochter Klavierunterricht erteile, daher mit ihr spielen müsie. Der Richter sprach den Beschuldigten frei und K in der Begründung aus. daß der Kläger den leidenden td der Frau Singer gekannt habe und auch nicht bestreiten konnte, daß er nach einem Anfall der Frau weiter Klavier gespielt habe. Der Kläger habe nach dem Wortlaut des Gesetzes UMS 6d.,»3 ZM^LSLB zwar von seinem Rechte Gebrauch gemacht, allein die Rechtsausübung war eine schikanöse, und wenn der Beschuldigte in seiner Aufregung die inkriminrerte Aeußerung gemach: habe, so habe er damit eine Kritik geübt, die nicht über den Rcihmen des /Zulässigen hinansgegangen war. Der Freispruch wurde von' dem zahlreichen Audilorium mit lebhaften Bravorufen n"ittiert. Kcnsiliar'ns o'er Sankarsni? Die_Hjer.au.ves tzrü,.deu».n «.risch. Als 'im September vorigen Jahres der. .Postspanagensian- ^dal in Hellen 'F.ämmen emporloderte, wurde der Präsident der Nationälbünk Dr.. Reisch zum vorläufigen Präsidenten der Postsparkäffe ernannt, damit er nach den Rechten sehe und Ordnung schasse. Auskünfte über die Bosel-Geschäfte zu erteilen, halte er' sich zunächst geweigert. Er sagte: „Ich bin als Konsiliarius an das Krankenbett der Postsparkasse berufen." Als Heilkünstler wollte er die Dislu sion über die Krankheit und deren Ursachen vermeiden, um den Genesungsprozeß des Patienten nicht zu stören. Seit gestern weiß man nun, welche Medizin der Postsparkasse verabreicht wird. Es ist eine Medizin, an der. .der Patient endgültig zugrunde geht. Die Unionbank, ein altes Jnstitü:, eine ehemalige Rothschildbank, ein nach konservativen 'Grundsätzen geleitetes Bankunternehmen, dem selbst der moderne. htcheMyderne Spekulationsgeist Bösels nichts anhaüen konnte,'dieses. Institut, wird aufgelassen werden, es wird mit der Bodencreditanstalt, der Bank des/Medizinmannes, des Präsidenten Reisch fusioniert.. Wie die Fusion , durch diesehr empfindliche, aber einen untrüglichen Instinkt besitzende' Börse beurteilt wird, geht daraus hervor, daß die' Unionbankaktie' konstant fällt.. Die Aftsonäre sind denn doch nicht allzu begeistert davon, daß man.ihnen für jede Unionbankaktie ein Drittel einer Bodencreditaktw-geben wird und werfen die , Aktien auf den Markt! Und nutz.'läßt sich die Frage nicht abweisen, warum gerade eine derartige Regelung der Unionbankangelegenheit von dem.Konsiliarius, empfohlen und durchgesetzt wurde. Das'Blati, das der Bodencreditanstalt nahesteht, stellt dem gegenwärtigen Leiter des Postsparkassenamtes Herrn Dr.'. Reisch das Zeugnis aus, daß.'er sich, sofort, nach der Uebernahme der Nnionbankaktien durch die-Postsparkasse mit der ihm eigenen Zähigkeit bemüht habe, bei'den in Betracht kommenden finanziellen Kreisen positives Interesse, für die baldige Uebernahme der Unionbankaktien,z'u. erwecken. Es schreibt: „Es ist chm auch tatsächlich 'gelungen,, von verschiedenen Bankinstiluten nwhr oder weniger bindende Offerten auf die Unionbankaktien ‘ zu erhalten, Offerten, die durchwegs von dem Gedanken ausgingen/die UnionbanMien im Austausch gegen eigene Aktien-zu erwerben und sodann-die Unionbank mit dem eigenen Institut zu verschmelzen/um'dadurch die beiden großen Ziele. Konsolidierung des Aktienbesitzes der Postsparkasse und Rationalisierung des eigenen Betriebes, mit einem Schlage zu erreichen." Die Losschlagung des Unionbankpaketes an die Bodencreditanstalt ließ sich wls üor kurzem immerhin noch damit recht« fertigen, dgß keiye. besseren Offerten Vorlagen. Wenn das Bo« denereditoffert das. Linzige gewesen wäre, und der Bund es tatsächlich sehr dringend gehabt hätte, Geld für das Unionbankpaket auf die Hand 'zu bekommen, so würde man sich vielleicht mit dieser Art Lösung der Unionbcmkfrage befreunden können. Diese Voraussetzung trifft aber nach dem Eingeständnis des Reisch-Boden-Tagbkattes nicht zu. Es waren viele Offerten vorhanden! Es wird 'sogar' dem Präsidenten Reisch , das Verdienst daran zugeschxiebeu, daß Angebote auf das Unionbankpakel eingelangt waren. Diese Offerte liefen bei ihm als Leiter der Postsparkasse zuscmrmen; er hatte die Übersicht über die über. Haupt erzielbaren Bedingungen; er hatte als bevollmächtigter Konsiliarius'unter den Heilmi'teln, die der Postsparkasse von kon.urriercni..n Medizinmännern empsm-.en murixn, eine Auswahl zu treffen, er tonnte darüber ouverän entscheiden. Nun hatte er gesehen, daß alle Bewerber das gep.aiu hätten, was zu verwirklichen, einzig und allein der Bodencreditanstalt beschieden -sein wird. Fühlt Herr Präsident .Reisch,' der zugleich Vizepräsident der Bodencreditanstalt ist, nicht, daß, wenn jemand mi ch t dazu berufen war, über alle diese Offerte zu entscheiden, es gerade er, der Konsiliarius der Postsparkasse und Vizepräsident der Bodencreditanstalt, gewesen ist? Es wird in seinem Blatte erzählt, daß unter den allmählich' eingelangten Offerten vom Anfang an jenes der Bodencreditanstalt am günstigsten gewesen sei, weil es der Postsparkasse unter anderem den langfristigen Dollarkredit sicherte, der zur sofortigen Abtragung derEhochverzmslichen. und drückenden Schuld der Postsparkasse an das Schweizer. Comptoir. d'Escompte notwendig ist. Also die'Bodencreditanstalt wird der Postsparkaffe den notwendigen Dollarkredit verschaffen. Ahnt man nicht die Zusammenhänge? Dieser Kredit wird doch auf dem. ..Wege über die Nati on g lb ank besorgt werden,.jener Nätionalbank, deren Präsident' Herr Dr. Reisch ist, der Konsiliarius der Postsparkasse und Vizepräsident der Bodencreditanstalt? Es liegt hier zweifellos einer der offenkundigsten Jmkompabilitätskälle vor, und es lag an dem Geschmacke des Konsiliarius, daß er kein Bedenken hatte, sich als der findigste und rührigste Aaent seiner eigenen Bank zu betätigen. Das ist die Wiener Moral des unter so glücklichen Auspizien eingeleiteten Jahres 1927. Eine offizielle R-chtfe ligung. lieber den Verlauf der .Unionbankaktien an die Bodencred'itanstalt wurde gestern, anscheinend im Hinblick auf die Kritik,, die an . der Transaktion vom Gesichtspunkte der staatlichen Interessen geübt wurde, im Wege der Amtlichen Nachrichtenstelle eine ausführliche Darstellung verbreitet. Es ' heißt darin, daß der Besitz der Dreiviertelmajorität der Unionbank einem staatlichen Institut an sich nicht erwünscht sein konnte. Der Ankauf sei jedoch notwendig gewesen, uM bei Verwertung dieses Aktienpaketes an die Zustimmung des bisherigen Eigentümers nicht gebunden zu fein;. Erfreulich ist an dieser Darstellung nur das-eine, daß der Preis, zu dem die bei der Postsparkasse verpfändeten drei Millionen Stück Unionbankaktien vom Bankhaus Bojel erworben wurden, zum erstenmal genannt wird. Der Preis war 6.50 Schilling pro Stück. Der übrige Teil der Darstellung bezieht sich auf di? Eile, mit der die Abstoßung der Unionbankaktien erfolgt ist und erklärt. daß bis zur Ernennung bej| Kuratoriums der Postsparkaffe nicht zugewartet werden konnte! da die Ungewißheit über das Schicksal des Aktienpaketes in jeder. Beziehung ungünstig wirkte. Im Hinblick auf den von uns besonders hervorgehobenen soy, derbaren Uebergang des Staates von einer Position, in der er Najoritätsbesitzer einer Großbank gewesen ist, in eine Position, wo er' nur Mlnoritätsbesitzer einer anderen sein wird, wrrd darauf verwiesen, daß dafür die Bodencveditaktie ein marktgängiges Papier und ex Dividende sich auch beim gestiegenen Kurs noch immer mit 6,5 Prozent verzin-e, und daß auch die Bodencreditaktien von der Aostsvarkasie nicht dauernd behalten werden würden; es sind vielmehr über ihre künftige Berrvertung Vereinbarungen getroffen worden, nach welchen diese Aktien unter Einhaltung der von der Postsparkaffe zu bestimmenden M i n d e st k u r s e sukzessive veräußert werden sollen, was tunlich in größeren Paketen außerbörslich geschehen wird. Ueberdies kommt in Betracht, daß die P o st s p a 11 a 11 c sich eine ansehnliche Beteiligung an jenem Gewinn gesichert hat,, der bei der Veräußerung des Effekten- und K o n s o r t i a l b e s i tz e s der Unionbank erzielt werden sollte. Bezüglich des Kredites, den die Bodencreditanstalt der Postsparkasse verschafft hat, wird rühmend hervorgehoben, daß die Post spa rf n f fc dem Auslände gegenüber überhaupt nicht mehr Sch-uldnerin und damit dieser Teil der Entschuldigungsaktloik beendet sei. Dre Forderungen der Beamtenschaft. Unter dem Vorsitze des Präsidiums des Reichsvereines der Bank- und Sparkaffcnbeamten Oesterreichs und des Bundes der Bank- und Cparkaffengehilfen sind gestern die Betriebsrats-Exekutiven der Bodencreditanstalt, Unionbank und V e r k e h r s b a n k zu einer gemeinsamen Beratung zusammengetreten, um zu dem' durch die geplante Fusion unvermeidlichen Personalabbau Stellung zu nehmen. Es wurde beschlossen, folgende Forderungen solidarisch geltend zu machen: 1. Den Betriebsräten ist bei Behandlung des Personalproblcms der im Gesetze und in der Dienstpragmatik vorgesehene Einfluß in weitgehendstem Maße zuzuerkennen. Ein unvermeidlicher Abbau darf nur unter Bedachtnahme auf die fachlichen Qualitäten nach sozialen Gesicht s P u n k t e n erfolgen. Keinesfalls darf der Abbau, wie dies bei früheren Anlässen bereits geschehen ist, auf Kossen des in. den Gesetzen und Verträgen normierten Schutzes der . Arbeitskraft erfolgen. 3. In Uebereinstimmung mit der gesamten öfentlichen Meinung wird die Forderung erhoben, daß, im Gegen'atz zu den bisherigen Abbaumethoden zunächst der Lei tu ng'sap parat zum Abbau heran gezogen werde und daß die Betriebsräte über die Höhe der hiebei ausicwcndcten Mittel unterrichtet werden. 3. Die Festsetzung der Abfertigungen der Angestelltenschaft hat unter Bedacht» nähme auf die gegenwärtigen Verhältnisse, die auf absehbare Zeit die Gründung einer neuen Existenz unmöglich machen, zu erfolgen. Sie Krise der MMeninduftrie. Abkehr vom gleitenden Getreidezoll? Die dem Hauptverband der Industrie angcschlossencir bereinigten Lmrdesmühlenverbände entsandten eine Abordnung zum BundeZ'fanzler. Präsident Zauner legte die v erhängnisvollen Auswirkungen der Einführung' gleitender G e t r e i d e z ö l l e bei starren Mehlzöllen in unserem autonomen Zolltarif und der dmselben >Ge- 7enstand R'."dun"e" d-urcb fr' 'Hcite Handelsverträge fit; bi österreichisch' Mühlenindu'ftrie, i chirekt-aber auch ,ür. o-ie Landwirtschaft dar. Dr. Se'.pet ließ sich über die einzelnen vorgebrachten Beschwerden und die möglichen Mittel einer Abhilfe informieren und. stellte in Aussicht, diesen gewiß für unsere ganze Volkswirtschaft wichtigen Gegenstand schon in der nächsten Zeit auch der p a r l a m e n torischen .Erörterung zuführen zu wollen. Rgrariörderuna auf Kosten der Wiener BeMkernng. Cinie Einsuhrtaxe für Viehimporte. Ackerbauminister Thal er'bat ein .Programm zur Behebung der agrarischen Absatzkrise ausgearbeitet, dessen wesentlichster Teil. einen stärkeren Jnlandsabsatz für das in den alpenländischen Bauernwirtschaften produzlerte Vieh anstrebt. Die Zuckerindustriellen Haben sich schon bereit erklärt, das Einstellvieh aus den Alpenl.ändern zu beziehen. Eine ähnliche Zusage liegt von den Großgrundbesitzern vor, doch haben sie in einer Interessenten-'^ Versammlung die Forderung erhoben, daß durch Erleichte r u n g der Steuerlasten der Landwirtschaft die Möglichkeit zur Herabsetzung der Gestehungskosten geboten werde. Für die Uebergaugszeit sollen den- Vieh im Porteuren gewisse Beschränkungen auferlegt werden. Die Landwirtschaftsgesellschaft hat' geradewegs den Vorschlag gemacht, für jedes Stück eingeführten Viehs beim Importeur eine Steuer einzuheben. Die Agrarier geben selbst zu, daß durch diese Maßnahme eine Einschränkung des Viehimports und damit eine schlechtere Beschickung des Wiener Marktes eintreten' werde. Aber das scheint doch der Zjveck der Ucbung zu' sein. Gegen diese Bestrebungen setze:: sich natürlich die Viehhändler 'und die fleischverarbeitendetz Gewerbe zur Wehr. In einer am Mittwoch abgehaltenen Sitzung des Grenrillms der Viehhändler hob Vorsteher-Stellvertreter Bendekovits die Gefahren hervor, die aus der Durchsetzung der agrarischen Forderungen für die Fleischversoygung entstehen würden. Die inländische Viehproduktion'vermöge kaum für 20 Prozent des Wiener Feischkonsums aufzukommen. „Auf dem St. Marxer Biehmarkt. macht der Auftrieb lebender Minder aus dem Inland n u r 16 P r o z e n t aus, währen.' aus den Nationalstaaten 84 Prozent hiehergebracht werden. Im Jahre 1926 wurden zirka 100 Millionen Kilogramm Fleisch zugeführt, davon stammten um 14 Prozent aus inländischen Zufuhren. Daraus ergibt sich, daß jede Beschränkung dieser Zufuhren in. einem Stadium, wo die österreichische Landwirtschaft, auch nicht annähernd iurstande ist, nur den Wi'eüPr Markt zu decken, ein A t t e n t a t auf die k o n f u nt i e t e n de fuhren ein Attentat .auf d ie ko nsumie re nde Bevölkerung wäre." Redner verwahrte sich des.weittz- ^.ren gegen die Behauptung, daß die Mene« Bieh-> M