Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2830 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Polens 25 gfoszy | Wien: Zum Abholen in der Eipedition, U.,Taborstr 1-8 oder inemerVerschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkauf in Wien darob die Kolporteure der Firma Goldschmied, L, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien Und Oesterreich monatlich & Schilling Tscheche Slowakei: Mon.K82. Jugoslawien: Mon. Din. 60 Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 85 NftehatiiitARen v«, ff »Si «- othOb#BRen f.«r'-öb»lten Wiener Morgm;ei1uW England: Mon. 4 Schilling Italien Monatl. 20 Lite Rumänien: Mon. 170Lei Buigarien:Mon.lOOLewa. S c hw o i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, U.fTahorstr« I Telephon: 44-0-88, 43-3-19 Ab 6 Ohr abends Telephon Nr. 31-0-88 o. 31-209 Buchdruckerei ,»1 N VA* VU., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postspatkassenkonto Nr 160 698 Rr. 9810 Wie». Üre.tan, 14. ggnaer 1927 (11. Schewlll 8687), 9. Sohtnami Im revakttonellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilnngett sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. E. «fr I Piowaii s Winferspeziaiitäten weiße und braune GansleberwQrste, geselchte Gansbrüste und Bügel, Bratwilrstel u. Augsburger, Zungenpreßkopf sind wieder in allen unseren ■ 562 Verkaufsstallen täglich frisch zu haben, Das ärztliche Merkblatt „Verhaltungsmaßregeln bei Grippe" auf Munich kosten,rei durch Bauers. Cie., Berlin, SW 48, Frieduchsstraße dir. 2J1 Schuh vor Ansteckung besonders bei Grippegefahr Die Aushebung des Paßvisums. Baldige Berya»dlung mit der T chechoft« tzakei. Prag, 13. Jänner^ Wir. eins Prager Lakälkorrespondenz berichtet, ' sollen nächstens Berhandlangen inrt.y est erre ich über die Aufhebung der, .Pas;Visa beginnen,' wobei die' Frage des G r e n z ü b e r t r i t t e s v o n Ä r b e i t s l o s e n eine befriedigende Lösung erhalten dürfte. Die Tschecho-, slowakei stellt sich im Sinne der bekannten Genfer Reso-.. lutlon über die Beseitigung der Hindernisse im internationalen Reiseverkehr keineswegs grundsätzlich gegen die Aufhebung der Paßvisa. Prim Will widermst leine Auslagen gegen Zr. Kisler. Eine aufsehenerregende Wendung in der Koburgschen Erbfch aftsäfsäve. Prag, 13. Jänner. In der Affäre des Prinzen Cyrill von Koburg ist eine aufsehenerregende- Wendung eingetreten. P r i n z Cy r i l I hat, wie das „Prager Tagblatt" erfährt, von Wien aus an das Prager Landesstrafger'kcht eine Eingabe gerichtet, in der er a l l e Beschuldigungen w i d e r r u f t, die er in seiner gegen Dr. Norbert E i s l e r e r st a.t t e t e n A n z e i g e vorgebraHt und die zur Verhaftung Eislers geführt hatten. Prinz Cyrill erklärt, daß er von Dx. Eisler nicht geschädigt wurde, daß der Geldbetrag, den Dr. Eisler von ihm erbalten hatte, tatsächlich ihm gehöre und daß Dr. Eisler' sogar noch Geldf o r d e r u n g e n zustehen. Da es sich um ein von Amts wegen zu verfolgendes Delikt handelt, dessen Doktor E'sler beschuldigt wird, hat der Widerruf allein die Einstellung des Verfahrens noch nicht zur Folge; dock» dürfte die Staatsanwaltschaft auf Grund des Widerrufes dem Untersuchungsrichter mitteilen, daß sie keinen Grund zur weiteren Verfolgung finde, was die Einstellung des Verfahrens gegen Dr. Eisler zur Folge haben wird. Die Zurückziehung der Anzeige dürfte allen Beteiligten, auch Cyrill selbst, der sich ja weigert, als Ze-uge in Prag zu erscheinen, willkommen sein/ Es handelt sich nicht nur um die persönliche Ehre Dr. Eislers, sondern auch um h o h e Würde n t r ä g e r u n d hohe Beamte, der Republ i k, die im- Zusammenhang mit dem 2 5 * M i I li o n e n - H o n o r a r genannt wurden, um eine für Cyrill günstige Erledigung der Erbschaft nach dem Herzog Philipp von' Koburg herbeizüfü-hren. Dr. Norbert Eiskr. der am 22. Oktober 1926 verhaftet wurde, war von Cyrill beschuldigt worden, ihn unter Vorspiegelung falscher Tatsachen betrogen zu haben. Ter Fudenpulllt ln dem chriftllchsoriale» Patteiprogramm. krkliiruugen des Bundeskanzlers Doktor Seipel. DaS zu Neujahr veröffentlichte Programm . der christlichsozialen Partei Oesterreichs erklärt, wie bekannt, im Absatz 8, Sofo die Partei „öte Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses uns geistigem und wirtschaftlichem Gebiete" bekämpft. Der Chef der christlichsozialen Partei,'der Bundeskanzler Dr. Ignaz Seipel, Hat nun dem Wiener Vertreter oer jüdischen TelegrapHen-Agentur" auf dessen Anfrage die folgende Aeußerung zur Verfügung ge/ftellt: Es iväre zu verwundern, wenn die Juden der ganzen Welt durch diese programmatische A e u tz e r u n g tatsächlich beunruhigt worden wären. Denn die Christlichsoz'ale Parte-!, die seit Jahrzehnten besteht und. ihr Programm in keinem wesentlichen Punkte geändert hat, ist ja ohnehin als eine antisemitische Partei bekannt. Es kann daher keine U e b e r r a s ch u n g bedeutet haben, daß in ihrem jetzt veröffentlichten Programme ebenfalls eine antisemitische Wendung vorkommt. Wohl aber verdient die Art, wie der Antisemitismus der Christlichsozialen Partei in der jetzt veröffentlichten Programmformuli-'rung zum Ausdruck kommt, beachtet zu werden. Diese Partei bekämpft, wie sie selbst sagt, nicht die Juden und-auch nicht-den Einfluß, den .die.Juden ausüben, sondernnur die „Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses^ ' Daß es in manchen -Teilen der Welt einen g>:wiß nicht im Charakter der jüdischen Nationalität oder gar im Wesen der jüdischen Religion, vielleicht aber in der G-ssckichte der Juden begründeten übermächtigen zersetzenden jüdischen Einfluß gibt, fühlen die Völker des europäischen Ostens, denen Oesterreich sehr nahe benachbart ist. Daß d i e Führer und Propagandisten des russischen Bolschewismus, des mit ihm zusammenhängenden Kommunismus in Deutschland und Oesterreich und auch des sehr radikalen, die materialistische Geschichtsauffassung vertretenden und, vom Standpunkte der konservativen christlichen Bevölkerung gesehen, kulturkämpferisch eingestellten österreichischen Sozialismus zum Großteil Juden sind/ erklärt d e n a n t i s e m i - tischen Einschlag in der Volksstimmung wohl zur Genüge. Selbstverständlich steht der Bundeskanzler als Regierungschef der Abfassung und Verlautbarung des Christlichsozialen Programmes zu Neujahr 1927 vollkommen ferne. Da wir aber eine parlamentarische Regierung haben, deren Mitglieder vom Parlament aus den Vertretern der politischen Parteien gewählt wurden, hat der Bundeskanzler nicht aufgchört, Mitglied seiner, d. h. der Christlichsozialen Partei zubleiben. Selbstverständlich bemüht er sich, den Grund sä tz e u die s e r Partei im ö ff entl ich e n Leben nach Möglichkeit Gel tun g zu verschaffen. Üttemgls aber hat die Zugehörigkeit zu dieser Partei ihn gehindert, 'die Ordnung im Staate, also auch dasgleicheRecht aller Staat'-mrger Oesterreichs ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, aufrecht zu erhalten. Diese Tatsache ist den österreichischen Juden wohl bekannt, sie wird von ihnen auch gewürdigt. Sie haben n i ch t zuerkennen gegeben, daß ihnen das . christlichsoziale Partei bekennt«:s des Regierungschefs irgendwie Sorge eingeflößt hätte. Ups fallen an diesen Aeutzerungen zunächst jene Bemerkungen auf, in denen der Bundeskanzler die Stimmung der Judenschaft sowohl der. ganzen Welt als insbesondere Oesterreichs zu analysieren sucht. Er würde sich wundern — sagt er —, wenn die Wische Gesamtheit beunruhigt wäre, unh die österreichischen Juden hätten keine Sorge zu erkennen, gegeben. Herr Seipel wird sehr wohl wissen, daß eine programmatische Erklärung irgendwelche Wirkungen auslösen muß und dies umsomehr, als es doch das Programm der regierenden Partei ist, die für die Führung der Grschäfte der Republik verantwortlich ist. Eine Partei in solcher Stellung trachtet doch, den Verwaltungsapparat mtt Personen ihres Geistes zu besetzen, und jo strahlt das, was sie grundsätzlich b.kennt, von den höchsten auf die niedersten Stellen im Staate aus, und es können wohl keine der kompetenten Kreise des Judeittums in Oesterreich und in der Welt draußen sein, denen der Bundeskanzler seine Kenntnis oder Vorstellung der Stimmung verdankt. Er schätzt auch seine Pärtei nicht für so gering ein. daß er ihr Programm nicht als ein Programm ansicht. Und deshalb verdient wirklich die Art, wie hier das antisemitische Programm formuliert ist, die ernsteste Beachtung. Sie ist sehr ernst zu nehmen und sie findet ihre Bekräftigung gerade durch die Begründung, dtze Herr Seipel zu geben für gut findet. Denn die Berufung auf Bolschewismus, Kommunismus und kulturkämpferischen Sozialismus — so unwahr, sie eben durch die Pauschalfassung ist — ist die Motivierung des Pogroms. Herr Seipel , unterscheidet zwischen zersetzendem Wischen Einfluß und nicht zersetzendem. Eine schärfere Definierung^cheZ" Begriffes zersetzend " -wäre wob! angezeigt gewesen unh auch eine Kennzeichnung des Unterschiedes zwischen zersetzendes jüdischen und zersetzendem nichtjüdischen Einfluß. Aber diese Anschauung des Herrn Seipel deckt sich nicht mit dem Absatz 8 des Programmes. Denn dort heißt es klipp und klar: . . bekämpft die Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete." Dort wird also in einer keiner Einschränkung bedürfenden Formulierung, ganz im. Sinne der protestantischen Rassenbekenner, Wisch und zersetzend identifiziert. Selbstverständlich bemüht sich Herr Dr. Seipel, als Mitglied der Christlichsozialen Partei ihren Grundsätzen im öffentlichen Leben nach Möglichkeit Geltung zu' verschaffen. Er erklärt das. Stimmt er also mit dem Antisemitismus ü>emäß der im Programm getroffenen Formulierung überein? Wenn nicht, wenn er für seine Person den Antisemitismus ablehnt, dann mutz er doch, wie jeder Politiker, darnach trachten, im Innern seiner Partei, auf die er höchstwahrscheinlich einigen Einfluß besitzt, seine Anschauungen zu verbreiten. Davon ist nun nichts bekannt geworden. Macht er aber ihre Grundsätze sich zu eigen, so wie er dies selbst erklärt, dann kann er sich nicht wundern, wenn die Judenschaft das Programm und den Kommentar durch den Bundeskanzler zwar nicht als Ueberraschung, aber doch als eine sehr ernst zu nehmende Enunziation betrachtet und sich auf sie. einstellt. Militärische Borbereitmmen Italiens in Albanien? Belgrad, 13. Jänner. „Politika" meldet in sentsationeller Aufmachung über-angebliche militärische Vorbereitungen Italiens in Albanien. Sem Blatte zufolge seien in den letzten Tagen bedeutende Mengen von Munition, sowie chemischem Kriegsmaterial aus Italien nach Albanien geschickt worden. Auch weile ein Mitglied des italienischen Generalstabs, General Camisio, gegenwärtig in. Albanien auf einer Inspektionsreise. Im Zusammenhang mit diesen Gerüchten fand gestern abends im Belgrader Außenministerium eine Konferenz statt, in der „Politika" zufolge die Lage in Albanien besprochen und Beschlüsse über die Haltung Jugoslawiens gegenüber Albanien gefaßt wurden. Der Terror in Litauen. Berlin, 12. Jänner. Die „Bossische Zeitung" veröffentlicht eine Mitteilung der Berliner litauischen Gesandtschaft, wonach diese der Liga für Menschenrechte, die wegen der in den letzten Tagen aus Litauen Hingetroffenen Nachrichten über Hinrichtungen von Gegnern des neuen Regimes vorstellig geworden war, erklärt, daß Wettere Hinrichtungen nicht mehr erfolgen würden-