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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-12 · Heft 2828 (12.1.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2828 (12.1.1927)
Date
1927-01-12
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Wiener M-rgenzettnng 12. Jänner 1927 Serichtssaal. »er irtflnaliie LopdrlzSagtt. Eine merkwürdige Ehegeschichte. Der „Gerichtliche Pressedienst" berichtet: Die Stickerin Sophie M. lernte im Jahre 1920 in W en einen jungen Mann kennen, der sich ihr als Arthur W., Kaufmann aus New Aork, vorstelltv. Er erzählte dem Mädchen, er sei in Z t r y j in Polen geboren und seit 1910 als ivohlhaben-der Kaffcehausbcsitzer in Amerika "lrsässig. J,n Jahre 1914 habe er zn Besuch bei seinen Eltern in Stryj geweilt, sei dort vom Kriege überrascht und als österreichischer Staatsbürger assentiert worden. Nach dem Zusammenbruche l>abe er sich in die polnische Armee aufnehmen lassen, sei jedoch nach Wien desertiert und stehe nun im Begriffe, nach Amerika zurückzukehren. Kurze Zeit danach erlabten sich die beiden und beschlossen, da auch Sophie M. im Besitze einer ameri-kanischen Einreisebewilligung war, dorthin auszuwandern. Die Hochzeit fand in Wien am 24. November 1921 iM Seiten st ettentempel statt. Der Mann legte alle zur Eheschließung notwendigen Dokumente vor. Bevor es jedoch zur Abreise nach Amerika kam, begab sich W. nach Triest. Dort erkrankte er an K o p f * grippe, wurde nach Wien transportiert und nach rnehrmonatlicher Krankheit mit Lähmungserscheinungen und Bew n ß t s e in st ö r u n ge n auS dem Spitale entlassen. Zum Zwecke einer Nachkur reiste er in seine Heimat, schrieb von dort einige Briefe an seine Frau, dann ritz jegliche Verbindung ab. Der Verlassenen gelang es mit großen Anstrengungen, den Aufenthalt ihres Gatten zu erfahren. Nach IX Jahren bekam sie aus -Dtryj die Nachricht, ihr Mann sei dort in geistiger Umnachtung gestorben. Die weiteren Nachforschungen der Frau ergaben ein ganz merkwürdiges Resultat. Es stellt« sich heraus, daß sie nicht mit Arthur W., sondern mit dessen Bruder Samuel verheiratet gewesen war. Arthur W. lebt tatsächlich in Amerika und ist seit seiner Ausreise nie mehr nach Europa zurückgekehrt. Diese Tatsachen wurden dem Wiener Rabbiner, der die Trauung vorgenommen hatte, von seinem Kollegen in Stryj mitgeteilt. Auf Grund dieser Erhebungen leitete die gttäuschte Gattin ein Verfahren auf Ungültigkeitserklärung der Ehe ein. Auf Grund der Dokumente ergab sich nämlich die groteske Situation, daß sie die Frau des in Amerika weilenden Bruders war, in Wirklichkeit aber die Witwe des in Polen verstorbenen. Einvernahmen in Polen und in New Dork ergaben, daß Samuel W. die Dokumente.seines Bru - dersentwendet hatte, um vor Verfolgungen wegen seiner Flucht aus der polnischen Armee sicher zu sein. Der wirkliche Arthur W. ist in Amerika verheiratet und hat seine Wiener Frau nie gesehen. Das Zivillandesgericht hat die Ehe für ungüli i g erklärt, da bei der Eheschließung ein Irrtum in der Person des Ehegatten vorlag. Noch immer KSllendors. Ein Senat des Zivillandesgerichtes unter Vorsitz des Hofrates Dr. Vogel beschäftigte sich gestern mit der Klage, welche der ehemalig« Generaldirektor der Wöllersdorh-r Werke Josef Trebitsch gegen den Bnndesschatz wegen seiner vorzeitigen Entlassung und der ihm zustehenden Honorare für die fünfjährige Dauer seiner Stellung erhoben hatte. In der von Dr. Anton M r a v l a g vertretenen Klage wird die Feststellung der Ungültigkeit der Entlassung sowie bis zum Ablauf des Jahres 1926 als Honorar und Nebengebühr der Betrag von 57.912 Schilling begehrt. Mit 24. Oktober 1924 tourde Herr Trebitsch für fünf JJahre als BerwaltungSrat und in das * Exekutivkomitee der Wöttersdorfer Werke als Vertrauensmann des Bundes bestellt und bezog einen GelM von 2600 Goldkronen monatlich. Im Jahre 1925 ergaben» sich Differenzen, und es trat Präsident Dr. Hornig auf den Plan, welcher den Vergleich, den Trebitsch mit der Metallum geschlossen, durch den Bund sabotieren ließ, obzwar dieser Vertrag von der Regierung genehmigt worden und im Parlament vom HandelSminlster Schürff sogar als großer Erfolg bezeichnet worden war. Infolge dieser geänderten Stimmung ivurde Trebitsch entlassen, weshalb er den Schadenersatzanspruch stellte. Der Vertreter der Finanzprokuratur, Oberfinanzrat Dr. Schwabe, erklärt, daß Generaldirektor Trebitsch kein Angestellter des Bundes Ivar, sondern daß er lediglich als Vertrauensmann fungierte. Der Beschluß Horncks auf Absetzung des Generaldirektors Trebitsch sei in seiner Hoheitsgewalt als Regierungskommissär verfügt tvvrden und könne daher eine zivilrechtliche Haftung des Bundes nicht begründen. Der Senat beschloß, vorerst den Präsidenten Dr. Fritz Hor nik als Zeugen zu vernehmen. Ueber die beantragte Einvernahme der Minister Dr. Schür ff und Dr. Kienböck sowie des Rechtsanwaltes Dr. P i e k a r s k i wurde noch kein Beschluß gefaßt». 'Die Verhandlung wurde vertagt. Die Fürfoegeabgab« für liquidierende Lombard & VS- Lomptebarir. Der Wiener Magistrat Hatto die für Banken vorgeschriebene erhöhte 8Vsprozenttge Fürsorgeabgabe auch der Konkursmasse der Wiener Lombard- und Eskomptebank anferlegt. Dagegen wurde unter Hinweis darauf, daß der in Konkurs befindlichen Bank die Kongestion entzogsn würde und sie daher nur mit der Liquidation der anhängigen Geschäfte befaßt sein könne, die Beschwerde an den Verwalt tungsgerichtShof eingebracht. Der Vertreter der Gemeinde Men erwiderte, eine Bank könne dadurch, daß sie in Konkurs gerate, nicht ihren Geschäftscharakter Verlierern AUch die in Liquidation befindlichen . >üftc feien als solche zu qualifizieren. Der VerwattungSgsrichtsÄck Maß sich diesem Standpunkt an und wies die Beschwerde ab. nHK»fllRT»CBAffl UnUmban! und BoSenmMtanftolt. Dir Verhandlungen unmittelbar vor dem Abschluß. Die Direktion der Unionbank sprach gestern urcter der Führung des Vizepräsidenten Salis-Solvis beim Ftnanzminster vor, um mit ihm das künftige Schicksal des Instituts zu besprechen. Finanzminister Dr. K i e nb ö ck erklärte, er lege darauf Gewicht, daß die Unionbank in ein definitives Regime gelange. Damit ist offiziell dargelegt, daß das vom Bankhause Bösel bei der Postsparkasse gepfändete Aktienpaket der Unionbank nunmehr abgestoßen wird. ✓ Die Verhandlungen der Postsparkasse mit der Bodencreditanstalt betreffs Uebernähme des Unionbankaktienpaketes durch die letztere stehen, wie wir erfahren, unmittelbar vor dem Abschluß. Danach wird die Bodencreditanstalt durch Kauf in den Besitz der Aktienmajorität der Unionbank gelangen, die sich derzeit in den Händen der Postsparkasse befindet; über den Preis ist noch nichts Näheres bekannt. Die oben angeführte Erklärung des Finanzministers läßt erkennen, daß die Bodencreditanstalt, die nunmehr in Kürze ihrem Jntereffenkreise angehörige Unionbank einem neuen Wirkungskreise zuführen wird. Wir haben bereits gestern darauf hingewiesen, daß, laut Mitteilungen von informierter Seite, beabsichtigt ist, die Unionbank mit der ^erkehrsbank zu verschmelzen. An «e«« Wien« BanMadal. Die Serie der Wiener Bankskaicdale wird, wie nür erfahren, durch einen neuen vermehrt. Es handelt sich um den Zusammenbruch der Mittel- und osteuropäisch e n H a n d e l s A. G., der vor kurzem erfolgt ist. Nach Mitteilungen des Wiener Korrespondenten der „Prager Presse"schwebt gegen die Mittel- und osteuropäische Handels A. G. und gegen die mit ihr in Verbindung stehenden „D a g o" eine Untersuchung, und es wurd-rr im Zilfammenhang mit dieser mehrere Strafanzeigen erstattet, darunter von der Zuckerabteilungder Länderbant. Diese Strafanzeige» richten jtch nach den Informationen des erwähnten Bettes gegen die Direktoren Robert Klausner, Franz Clauser, Direktor Osten- Sacken und gegen den Kaufnuum Otto Griff«, 'einen der Liquidatoren der Schwarzmeer A. G. Aarler Rückgang der Lira. Die schwache Tendenz der Lira, die auf beit internationalen Devisenmärkten in der letzten Woche vorherrschend gewesen war, trat gestern besonders stark in die Erscheinung. Das Pfund stieg auf den italienischen Plätzen bis gegen. 11b.— und in Zürich sank.Devise Mailand vorübergehend unter 22.--, schloß dann etwas erholt .22.16 (gegen 22.55 am Montag). Dagegen konnte sich der französische Frank in Zürich wieder etwas befestigen, er stieg von 20.51.5 auf 20.57.5. Für den Leu zeigte sich keine Nachfrage. .. Neben bem Lirasturz war aus den Devisenmärkten gestern die Hausse der spanischen Devise das Ereignis des Tages. In Zürich hob sich der Peseta von 80.60 auf 82.86. Auch Devise Oslo war stark gefragt und stieg von 132.05 auf 133.— Parität Zürich. Der Schilling notierte leicht befestigt 73.02.5. * " WkonthnMtzuug drrIeutschr« Rrichibaul. Wie aus Berlin berichtet wird, hat die. Deutsche Reichsbank den D i s k o n t s a tz von 6 Prozent auf ö P r vzent herabgesetzt. Der Lvmbardzinsfuß bleibt dagegen mit 7 Prozent unverändert, so daß die frühere Spannung von 2 Prozent zwischen Lombard- und Banksatz wieder hergestellt ist. . Die Herabsetzung des Diskontsatzes in Deutschland hängt Mit der stärket! Geldverbillignng im Reiche zusaminen, die in den letzten Wochen besonders deutlich in die «Erscheinung trat. Privatgeld hat sich auf 5.5 bis 6.5 Prozent ermäßigt, Taqgeld kann sogar um 3 Prozent ausgenommen werden. Der PrivatdiSkont beträgt 45 Prozent. Die Geldflüssigkeit in Deutschland ist eine Folge der all gemeinen Geldverbilligung in Europa. Wie f» reitS gemeldet, hätte schon vorige Woche di« Bank von England ihren Diskontsatz erinäßigen sollen, mi damals Überraschenderweise nicht geschah, doch wohl noch iw Lallst dieser oder der nächsten Woche erfolgen ttürd. Wie wir erfahren, besteht auch die Absicht, den Diskontsatz der Oösterreichischen Nationalbank, der jetzt 7 Pwzent beträgt, um 1 Prozent herabzu« setzen. Er ist seit Mitte August v. I. unverändert «lj der gleichen Höhe und bedeutet eine schwere Belastung der österreichischen Wirtschaft, die damit für die verkrachten Spekulationsgeschäfte der unterschiedlichen christlichsozialen und deutschnationalell Parteispekulanten bei der Zentralbank zinst Die österreichische Diskontherabsetzung ist längst fällig. Und tveiln sie jetzt nicht eintritt, wich rmstre schwache Wirtschaft kaum in der Lage sein, irgendwie konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt zu sein, der überall heute mit billigem Gelbe arbeiten kann. Nur wir büßen die Geschäfte unserer Poll» tiker und verarmen dadurch von Tag zu Tag. Sagland Mit dem »onNnrntalrn Mall* kartell bei. Wie aus London gemeldet wird, sott anfangs Februar eine Besprechung zwischen dcn Repräsentanten des Kontinentalen GtahlkartellS und den Vertretern der englischen Eiseit- und Stahlindustrie stattfinden, die darauf abzielt, den Beitritt der britischen Stahlindustrie zum Kontinentalen Kartell zu ermöglichen. In unterrichteten Kreisen herrscht die Ansicht vor, baß die Stimmung diesem Beitritt Englands günstig sei. Ist dies wirklich der Fall, so wäre ein ganz bedeutetlder Schritt in der Wirtschaftsgeschichte vorbereitet, da zum erstenmal England wirtschaftlich eine kontinentale Bindung eingeh e n würde. ES scheint, daß die günstige Stimmung für den Beitritt Englands zum Kontinentalen Stahlkartell darauf znrückzuführen ist, daß die „moderne" Gruppe der englischen Industrie eine st raffe reKonzentrierungder Stahlindustrie ansttebt, die durch den Anschluß an das Kontinentale Stahlkartell wüt leichter zu erreichen wäre. Bisher haben sich gegen diese Strömung erhebliche Widerstände in England selbst ergeben; ist es richtig, daß heute der' Beitritt Englands zum Stahlkartell in den Bereich positiver Möglichkeit rückt, so ist dies wohl darauf z-c^ zuführen, daß die moderne Strömung in der englischen Stahlindustrie nunmehr die Oberhand gewonnen hat. ALTERTUM und NEUZEIT JOSEPHUSFLAVIÜ^Ü^VEjmEWN unw^heutigeB^ngeriat^batreffcnd unsere PrSmlcnakHonl Das PostsparroMnomt bei Jahveöschlutz. Laut den Mitteilungen des Pchtsparkassenamtes' Wer seine GeschäftSergebniste im Dezember 1kW gab es im Spavveckehr Einlagen von 2,6 Mill. S., frogepett Rückzahlungen von 4,1 Mill. S., was einen starken Rückgang der Spareinlagen bedeutet, die am Monatsschlnß SS,2 Millionen ' Schilling betrugen. Im Scheckverkehr wurden 864,7 MA. S. eingelegt und 818,6 Mill. Schill, vückgezahtt. Die Guthaben auf den Scheckkonti betrugen bei JahreSschluß 188,8 Mill. S. Im Dlearingperkehr wurden 742,9 M,ll <*. «mgesetzt. Zusammenschluß in der Donauschissahrt. Aus München wird gemeldet: Zwischen dem Bayrischen Lloyd, der Ersten Donau-Dampfschiffahrts-A.-G., der Süddeutschen Donau-Dampfschiffahrts-A.-G. und der ungarischen Fluß-SeeschiffahrtS-A.-G. ist mit Beginn 1927 eine Interessengemeinschaft abgeschlossen worden, die vor'allem einer Nationalisierung der beteiligten Betriebe sowie einer Verbesserung des Donau-SchisfSverkehrS dienen soll. Im übrigen bleiben die Gesellschaften durchaus selbständig. Plenarversammlung de» ReichSvervande» dar Holzhii«-- ler. Der ReichSverlband der HolMmLer hat für heut« im Feistsaale des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Wien, 4. Bez.. Schwarsenbergplatz 16, 1. Stock, um 6 Uhr abends, eme Plenarversammlung eiwberufen, auf deren Tagesordnung die Fragen der Halzzöüe mw eine Besprechung der Marktlage uns der Unregelmäßigkeit-en im Hotztzqndel steht. Um 7 Uhr desselben Tages hält lm Rahmen des RelchSver« bandeS anschließend an die Plenarversammlung Herr Kommerzialrat OSlkar B e r l einen Bortrag Wer das Tams« und Zollwesen. Gaste wiMommen! Eine große Insolvenz in der Dextilbrkmchr. Pie Achenländische WarenverlehrSyesellschaf-t A. G. in Wien, Deutschmelsterplap streibt einen auhergerichtlichen Ausgleich an. An der ZahlungSemstellung find österreichische Firmen, aber auch engtlsche und vor allem die Lodger Textilrndustrie hetelligt. Die Lodger Industrie -'ll bet dem Unter-, nehmen mit mehr als 166.660 Dollar engagiert fein. Die Lodzer Jndustrievertänte haben eine Versammlung ekubernfen, um Wer die Sicherstellung ihrer Fovdemngen zu berarsn.

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