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Wiener Morgenzeitung · 1927-01-09 · Heft 2825 (9.1.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2825 (9.1.1927)
Date
1927-01-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit« 2 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeiturig 0. Jänner 1927 Ar «nftchtbaren Sttshle«. lGMI«» IM. IMS? ... '.'.'»Uh'! lU'ilUlLH'n OillH'H, I Ht ,li! I " > 1 ten iitt Dunfelu beiliwtiche c'ni- '!>!""" i" -o,}^ oiuni].- beobachten;,it können. Es nanboit um um c\t Veenvururr.» v'ct* foi^cucmtUoH iufvnvotcu 5;ra!'U'n und ine ersten Vor Mtftntmjcn der Erfindung sotten ein günstiges Ergebnis ge nabt hadern Ob diese Erfindung einer sachlichen Prüfung uandhält, können nur die Sachverständigen beurreilen uno vis dahin ist dem Laien ein Urteil nicht möglich. Für eine breitere Oeffentlichkeir aber ist es von Interesse, ,ut ersah rcn, das; sich vor allem die englischen Militär kreise für die Erfindung des Cbemikers Baird erirarinen, und das; in diesen Sphären bereits für die Errichtung von Strahlenstationeil nt Dublin und Glasgow Propaganda gemacht tvird. Der Wert der Erfindung liege darin, das; man Bewegungen des Feindes zu Lande, zur See oder in der Lllft bequem werde verfolgen fimueit. Es ist nicht bekannt, »velche Hofftiungen ver Erfinder an seinen Apparat knüpft. Es gibt noch eine ganze Welt, die mit der militaristischen Ausschlachtung eines 'Gedankens nicht einverstanden ist, rvum sie anch keinen Pro r-:ft dageger; ,\u erheben wagt, das; gerade die Vorstellung uom Feind als erste aus den; Platze ist. Das; dies aber geschieht, ist wohl eines der üptrakterifrischen Zeichen dieses sonst charakterlosen Zeitalters, in dem alle Versuche, zur kriegloser; Regelung der internationalen Beziehungen zu gelangen, geradezu den Stcnchel der lächerlichen Illusion tragen. Und eö jinb nicht bloß die aktiven Elemente der Politik, die dies verschulden, es sind auch die Träger der geistiger; Bewegungen dazugekommen, ihre Arbeit nur unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, wie sie sich am besten gegen der; Feind beroähren würde. Würderr die Männer der Forschurig mehr Rückgrat besitzerr, dem politischer; Leben und Trachten der Masse,; ruiher stehen, so müßten sie sich selbst einmütig gegen ihre Degradierung zu Handlangern eines aus der; Mord gedrillter; Systems Verwahrer;. Aber nn Waffenlärrn schrveiger; alle Musen und da auch der NachkriegSfrieden nur als eine Art Atempause vor neuer; Großkampftagen gilt, so sind die Musen r;och immer sprachlos^ insoweit sie nicht mit der Kriegslyrik beschäftigt sind. Die Welt ist blutrot gervesen und sie tvird jetzt infrarot. Jenseits des Spektrums, das Wirtschaft, Arbeit nr;d Forschung bestimnrte, liegen unsichtbare Strahlen. Unser Auge sieht sie nicht, aber ihr Dasein verspüren wir. Sie rvollen die alte Hetze wieder fvrtführer; rn;d sie sind nn; so nnrknngsvoller, als die zrvischer; dieser; beiden Rot liegende Farbe des Sozialismus verblaßt. Das vollkvmmenc Versager; der übernationaler; Internationale ist eine der auffallendsten Crscheinur;ger; der Zeit. Es schien r;ur fur^c Frist, als ob die Friedensbereitschast sich auf der; unleugbar vorharrderren Willen der Masser; zur Verständigung rrrw zur Idee des Völkerbundes stützen ivolle. Der Wille ist noch. vorhanden, aber die Masse;;, ir; denen er besteht, sind lärtgst rvieder von der Bühne abgedrängt rvorden. Der Sozialismus ha; kapitulierl, er ist keine geschlossene politische Taseir;sfvrrr; mehr:, sondern nur eure vorr; Kompromiß lebende Partei in jedem Land, allen Psychosen uniertarr. Er hat ir; Rußland restlos gesiegt und ist dort ein militaristisch fundiertes, polizeilich bewachtes Regime geworden, das mit Sozialisnnrs, mit der Neuordrnrng der rirenschlichen Gesellschaft nichts inehr zu tun hat. Und wo cs sonst rroch Sozialister; gib;, sind sie aus der; Opportunismus, arrf Schutzbund oder Reichsbanner gestellte Parteier;, dir sich nicht mit der Idee, sondern mit der Waffe verteidigen. Dadurch, durch die Anerkennung des Messers sirrd sie in die Verteidigung getrieben worden und da ihre Jnternarionalität in den blauen Dunst sich auflöste, mußte auch jede andere, die Grenzer; verncinerrde Bestrebung wehrlos Werder; urrd sich ir; die Hörigkeit der Kaserne begeben. Das Jnfraror des Hasses triumphiert wieder. Keine Blende hält es ans. Der Völkerbund wird vor; den Völlen; nicht verstanden, iveil er nicht zu ihnen spricht. Er hat sie nicht hinter sich und ist darurn anch nur ein Scheinen geworden, eine seelenlose Llpparatur, die der Macht gehorcht. Was der, Jrrhalt der Idee bildet, die unbedingte GleichheÜ aller Völker, die Ueberwindurrg der Grenzer; und Färber;, das ist rvieder mir ein Traum. Der Sozialismus steht dem Völkerbund fern, die Wisserrschast und Forschung ist wieder Objekt der Macht rnrd dient ihr gerrre. Eine einzige politische und ethische Beivegrrrrg gibt es, auf die alle Einwirkungen dieser Art ohne Resonanz bleiben. Das ist die zionistische Bewegung, die einzige, die den; Frieden und der Deirrokratie dient. Ir; ihr gibt es keine Grerrzerr, kein Nord oder Süd. Sie umschließt das ganze jüdische Volk, das sie aus einer unerträglichen Lage befreien null. Sie verfolgt ihr Ziel mit um so stärkerer Energie, als sie rveiß, daß sie mit der Lösung des jüdischer; Problems anch ein gut Stück der sozialer; Frage löst und auch die Völker von ihrer jüdischen Sorge entlastet. Gerade deshalb ist der Zionismus der Brennpunkt ganzer Bündel der blutroten Strahlen geworden. Gerade deshalb ist er das beliebteste Objekt einer r;euen Flut vor; Verleumdungen. Alles, rväs wieder zum §krieg strebt ur;d die Welt rvieder verderben rvill, hat sich gegen den Zionismus als der; zerrtraten Reprüsentanten tfcrrlitiie irHolunnsrelsen Mittdmeermit «lern IX'pp'-’.sdiraubendatni.fcr STELLA D’ITALIA Fahrplan der midisten ileiaou vom 1. bis 21. Februar 1927 nach ■»tialttMtlmoR u. Klelnatlen vom 24. Febr.bis 11. März nach Aegypten u. Griechenland, vom IC. bis SS März Frühlinssfahrt naoh BialHon. 8. bis 26. April Ostern in Spanien, ui 2. April bi3 13. Mai za den klassisolion Spielen in Syrakus. Unter Anlaufen zahlreicher flwisohenkbfen Kostenlose Auskünfte, Prospekte und Platzbestellungen (OSULICH LINE Wien, T. Parkring 80. Tel, 74-1-iÖ und Rclsebureaus. aller jüvischer; Hoffnungen gesammelt und der .Haß gilt selbst verständlich gleichzeitig dem Völkerbund, dieser aus dem jttdi sehen universellen Gefühl stannnerrder; ethischen Idee, und der Wissenschaft, wenn sie sich frerzumachen strebt. Das Infrarot ist die Flaggenfarbe dieses Hasses und es hat gar viele Strahlenstationen. Re Wahl des Sbrrrabbiners Löw. Von unserem Bndapester Korrespondenten. Das Ergebnis der Wahl des fortschrittlichen Rabbiners Löw in das ungarische Oberhaus hat im ganzen Lande ungeheures Aufsehen erregt. Wie bereits wiederholt berichtet wurde, vollzogen sich die Wahlvorbereitung , und die Wahl selbst unter überaus starkem Interesse der gesamten Judenschaft und der ungarischen öffentlichen Meinung überhaupt, denn man hatte in allen Lagern das Gefühl, daß es diesmal nicht nur uni die Wahl von Personen, sondern um die Entscheidung über ein System in der Politik der ungarischen Juden geht. Es sei hier vorweggenommen, daß der jüdisch-national orientierte Jude der Wahl Dr. Immanuel L ö w s gegenüber bis zu einem gewissen Grade kühl bleiben kann, denn von seiner Tätigkeit als Oberhausmitglied darf in der Richtung des jüdisch-nationalen Gedankens nicht allzuviel erwartet werden. Auch der mehr interne Widerstreit zwischen den Machtfaktoren der Vudapester Kultusgemeinde und der neologen Lanlleskanzlei hat nicht jene Bedeutung, die ihn; von beiden Kreisen nahestehenden Personen gerne beigelegt wird. Es ist auch wirklich irrelevant und höchstens für die Kulissengeschichte der ungarischen Politik interessant, ob Paul Sandor norm,ne Pester Kultusgemeinde oder Franz Me ge; für die Landeskanzjlei bei der Fassung des Gesetzes obsiegt haben. Was jedoch an dieser ganzen Wahlaktion wirklich erfreulich ist, liegt in der Tatsache, daß nach vielen Jahrzehnten die ungarische Judenschast, und gerade ihr fortschrittlich gesinnter Teil, jetzt zum erstenmal jüdischp o l i t i s ch o s I n t e r e s s e zeigte und eine immerhin so wichtige Aktion wie die Wahl eines Vertreters für das ungarische Oberhaus nicht nach einem Diktat und nach dem Willen einer schon seit langem lästig gewordenen Clique durchgeffchrt hat. Es hat sich jetzt so eine Art, wenn auch noch nicht aus ganzer Höhe stehender, den Kern des jüdischen Problems erfassender W'lle im ungarländischen Judentum kundgetan und das bedeutet hierzulande schon sehr viel. Findet man sich mit der ganzen Art, wie die ungarische Negierung die Frage der jüdischen Vertretung in der oberen gesetzgebenden Körperschaft gelöst hat, als unabänderlich ab, so wird inan es gleichfalls als Symptom einer beginnenden politischen Reife der Juden im ungarischen flachen Land buchen dürfen, daß sie bei der Auswahl der Person nicht nur das Diktat der Sip-utca ablchnten, sondern auch den festen Willen zeigten, in das Oberhaus nicht das Protektionskind irgendeiner Gruppe, sondern den bedeutendsten, vernünftigsten und verdienstvollsten Mann zu entsenden. Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw ist eine solche Persönlichkeit und ist einer der wenigen, die internationalen Namen haben. Ob er bei der ganzen Struktur des Oberhauses und der den beiden jüdischen Vertretern, wenn auch nicht durch das Gesetz, so doch — wenn man so sagen darf — aus Grund alter Traditionen zugedachten Mission' überhaupt in die Lage kommen wird, irgend etwas Ersprießliches zu leisten, was über die eventuelle Abwehr von Angriffen auf die jüdische Religion hinausgeht, ist wohl stark zu bezweifeln. Aber immerhin kann von Dr. Immanuel Löw erwartet werden, daß er nichts tun und sagen wird, wessen sich auch der ausländische Jude z,r schämen hätte. Andrafid und PallavlM durch« gefalle». Die aristokratischen Oberhauswahlen. VuKtprst, s. Jänner. Heule vormittags begann m. Wahl der aristotratischen Mitglieder des neue.« ungarischen Oberhauses. Der; Vorsitz bei dem Wahlakt führte der Präsident des Verwaltungsgerichtshofes, Baron Julius W lass! cs. Es wurden 38 Magnatenmitglieder gewählt. Von den 187 stimnrbercchtigtcrl Magnaten gaben 151 irr geheimer Abstimriinng ihre Stimmen ab. Die Abstimmung erfolgte auf Grund zweier Listen, und zwar der offiziellen Regieruugsliste und der Oppositronsliste des Legitiinistensührers, Markgrafen Georg Pallnvicirrr. Der Wahlakt nnrrde um 4 Uhr uachmittags geschlossen. Gegen 8 Uhr abends verkündete Baron W l a s s i c s das Wahlresnltat. Danach wurden in das Oberhaus ge- ■ wählt: Fürst B a t t h a u y i - S t r a t t m a n n, ferner 30 Grafen, darunter die exireru-legrtimistischeu Grafen Josef C z i r a k y und Josef H ir n y a d i und 7 Freiherren. Graf Julius A it b v a s s y und Markgraf Georg Palla v i c. i it i, die beiden Führer des Legitrinisinus, sind d n r ch g e f a l l e n. Die Niederlage Andrassys erregt um so mehr Aufsehen, als Andrafsy auf der offiziellen Regier u u g s l i ft c kandidiert war. Trotzdem hat Andrassy die nötige Stiinmenzahl nicht erhalten, da zahlreiche stimmberechtigte Magnaten den Namen Andrassys ans der offiziellen Kandidatenliste der Regierung durchgestrichen haben. Für die FrankenMcher. Budapest, 8. Jänner. Montag vormittags wirs eine Deputation der gesellschaftlichen Verbände dem Reichs- Verweser ein mit 300.000 Unterschriften versehenes Begnadigungsgesuch im Interesse der rechtskräftig verurteilter; Angeklagter; des F r ancsfäls ch e r p r v z c sses überreicher;. Die 300.000 Unterschriften füllen fünf dicke Bände. Das Gesuch selbst appelliert au die Feststellung des Gerichtes, daß die Berr;rteillert weder bei ihrer Entschlußfassung noch bei der Dr;rchführung ihrer Tat aus Eigennutz, sondern im Interesse des Vaterlandes gehandelt zr; Haber; glaubte;;. Me Ernennung des Senerals Rifchrnnn. Bukarest, 8. Jänner. (I. T. A.) Wie schor; gemeldet, ist General R i s ch c a n u zum Oberkvnunissär für die Bukowina und Bessarabien ernannt worden. Seine Berufung erfolgte auf Vorschlag des Ministerpräsidenten, General A v e r e s c u. Man hofft, daß Rischcanu die erforderlichen energischen Maßnahmen gegen die antisemitischen Ausschreitungen und die Terrorisierung der jüdischer; Bovölke- , rung ergreifen wird. Als die „Union der rumänischen Juden" vor etwa einem Jahre führende rumänische Persönlichkeiten aufgefordert hat, ihre Stellung zum Antisemitismus zu kenn- . zeichnen, war General R i s ch e a n n der erste und einzige, der in einer Erklärung das Treiben der antisemitischen Studentenschaft mißbilligt und seiner Symr pathie für die jüdischen Mitbürger Ansdruck gegeben hat. Der Papst gegen die „Artton franratte". Paris, 8. Jänner. In der katholischen Zeitung ,,La Croix" erschien heute abends eine vom Papst Unterzeichnete Kundgebung, in der dir Politik der Action francaise und die meisten Werke des Mitarbeiters derselben, Karles M a u r r a s, verurteilt und ans den Index gesetzt werden. Diesä' Maßnahme ist von außerordentlicher politisch c u %)cb cu tit it g, da sie die Action francaise mit dem Untergange bedroht, die bekanntlich in katholischen Kreisen -Frankreichs stark verbreitet war. In politischen Greifen glaubt man, daß diese Maßnahme von französischen kirchlichen Kreisen im Einvernehrnen mit dem Außenminister B r i a n d eingeleitet worden sei. Man tveist darauf hin, daß dadurch die in den letzten Monaten stark im Anwachsen begriffene a n t i r ep n b l i ka n is ch e Tätigkeit der hinter der Action francaise stehenden Kreise einstedärnmt werden dürfte. . Beginn der österreichisch-tschechischen Handel«- vertragsverhandlnngen. Prag, 8. Jänner. Heute wurden die iusolge der Kündigung des tschechoslowakisch-österreichischen Zusatzvertrages notwendig gewordenen Verhandlungen über die R e v isiou des Tarifvertrages aufgLnommen. Die beiden Delegationen haben' ihre Standprrnkie dargelegt. Von tschechoslowakischer Seite wurde der Wrrnsch geäußert, daß die am 1. März ablausende 5k ü n d i g u n g s f r i st des Zusatzvertrages verlängert werde. Es ivurde auch die Möglichkeit des Abschlüsses eines Provisoriums erörtert. Zn einer Errtscheidnrrg ist es nicht gekommen. Juden, Zionisten! Wenn Ihr von Hochzeiten und sonstigen Feierlichkeiten erfahret, so gebet dies dem Bureau des Keren Kajemeth, I., Kärntnerstraße 28, bekannt. Telephon 77-4-85, 77-4-86 Telephon 77-4 85. 77-446

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