Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2819 (3.1.1927)
- Date
- 1927-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Polen 725 groszy | Wien: Zum Abholen m der Expedition, JI.,Taborstr 1-3 oder in einer Verschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßen verkauf in Wien furch die Kolporteure der Firma Goldschmied, l., Wollteilo 11 Mit Postversand für Wien Und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheche - Slowakei: Mon. K 22. J u g o s l a w i e n: Mon. Din. 60 Polen: Mon. 8 Zloty Deutschland: Mon. Gm.4. Frankreich, Belgien: Mon. Pres. 85 Naet*»h!anBren »e> Preis* erhCbangen »or‘ebalton Nk. *819 1 Preis aO el England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bulgariou:Mon.l00Lewa, S c hw e i z und das übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration: Wien, II.,Taborstr. 1 Telephon: 44-0-88, 48-3-19 Ab 6 Uhr Tel 31209 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva") Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr 160 693 Wie». Montag, 8. gfimter 1927 (29. Levetd 5687). 9. Jahrgang Witntt Morgemettmm Der Raubmord lu der Llechteufteinftraße aufgeklSrt. Sie Mörderin, eine 28jöhrise stellenlos Bedienerin, verhallet. 3tn redattiouellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetzteS E gekennzeichnet. Achad Haam gestorben. Tel Awiw. 2. Jänner. Achad Haam ist heute um ö Uhr ftüh gestorben. Achad Haam, mit seinem gewöhnlichen Namen Uriel Linsburg, war der eigentliche Begründer des Kulturzionismus. Er hatte sich schon in der ersten Zeit nach dem Kriege in Tel Alvilv angesiedelt, nachdem er das durch die bolschewistischen Unruhen verwüstete Odessa verlassen hatte. Er lebte auch längere Zeit in London, wo er gemeinsam mit W e i z m an n an den Vorbereitungen zur Balfour--Deklaration arbeitete. Achad Haam ist schon in der Zeit vor Herzl mit dem Projekt einer Besiedelung Palästinas zu dem Zwecke einer Schaffung eines . kulturellen jüdischen Zentrums hervorgetreten und war auch iu einen gewissen Konflikt mit Herzl selbst geraten, als er dessen Roman „Alt-Neuland" ablehnte. Achad Haam, der vor kurzem 70 Jahre alt geworden war, erfreute sich in der jüdischen literarischen Welt einer überaus großen und unbegrenzten Verehrung, die in den letzten Jahren so weit..ging, daß in der Straße in Tel Aiviw, in der sein Haus lag, »wr Verkehr nachts unterbrochen wurde, damit der greise Philosoph in seinem Schlafe nicht gestört werde. Seine bedeutendsten Aufsätze sind in dem vierbändigen Werk „Auf dem Scheideweg", das in mehreren Sprachen erschienen ist, gesammelt. Re Kmferem der Slomsten- ReWonUen. Paris. 1. Jänner 1927. (I. T. A.) In der Montagfitzung der Zweiten Weltkonferenz der Zionisteu-Revisionisten setzte Herr Nk. Großmann sein Referat über Arbeitspr vgramm und Taktik der Partei der Zionisten-Revisionlsteu fort. Das Budget für öffentliche Gesundheitspflege und das für öffentliche Erziehung dürfen nicht allein von den Juden getragen werden, sondern deren Lasten müßten allmählich auf die Regierung aügewälzt werden Das wirtschaftliche Programm der Zivuisten-Revisionisten wendet sich weder gegen die Ideologie der „Linken", noch gegen die der „Rechten". Die Revisionisten erstreben eine S t a a ts ko lo nisa tio n, eine Staa tswirisch a f t. Ihr Hauptziel ist die Befestigung einer jüdischen Majorität in Palästina. Ihr Wirtschaftsprogramm schließt sowohl die Bedürfnisse der Arbeiterklasse wie die des Mittelstandes ein. Zur Frage der Jewish Agency gab Herr Großmann seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß man Nichtzionisten, die an dem Wiederaufbau Palästinas Mitarbeiten wollen, wohl auf nehmen müsse, daß ihr Arbeitsgebiet in Palästina einzig und allein die Wirt sch aft sein müßte. Es sollte ein F i n a n z i n st i t u t f ü r K o l o n i s a t i o n sarbeit geschaffen werden, an welchem Zionisten wie Nichtzionisten teilhaben sollen. Der Referent über die Jewish Agency, Herr Richard Licht he im, kritisierte scharf die Pläne* der Exekutive, die Jewish Agency in der Weise zu erweitern, daß 50 Prozent der Sitze den Nichtzionisten eingeräumt werden. Seine Ausführungen gipfelten in folgendem: Stimmen die neuen Kandidaten mit dem zionistischen Prograinm überein, so müssen sie eben als Zionisten betrachtet werden; lehnen sie dieses Programm ab, so kann mit ihnen nicht zusammen ge arbeitet werden; sie müßten dann eine separate Körperschaft bilden. ' „ .^m Dienstag referierte W. T e m! i n über den gegenwärtigen Stand der Organisation der Zionisten-Revisionisten und stellte fest, daß die Bewegung sich rapid entwickelt. Es bestehen jetzt Landesorganisationen in 15 Ländern. An der Konferenz nahmen 40 Delegierte teil, darunter Vertreter aus Saloniki, Riga, Czernowitz, Kischinew und anderen Orten. Bei der Eröffnungssitzung erschienen auch die Witwe und Tochter Max N o r d a u S. Srr lyrW.Mklsche Sollverirag. Parks. 3t. Dezember. Gestern ist hier der syrischtürkische Zollvertrag unterzeichnet worden. Er tritt jedoch erst in Kraft, wenn er die Zustimmung der derben Regierungen iu Paris und Angora gesunden hat. . Der Raubmond an der 72jährigen FiliaTeiterin der Vereinsmoükerei, Marie L u st i g, in «der Liechtensteinstraße ist 48 Stunden nach vollbrachter Tat von der Polizei ausg klärt wanden. Die Mordtat hat die 28jährige, bereit stellenlose Bedienerin Kavatine Kubisch verübt, die ihr Opfer seit zwei Jahren kannte unld mit den Verhältnissen desselben ganz genau vertraut war. D'.e Mörderin leugnet zwar noch, doch sind für ihre Schu-D derart viÄe Beweise erbracht, daß an ihrer Tat kein Zweifel mehr besteht. Die Polizei hatte erfahren, daß sich die Kubisch in der letzten Zeit wiederholt an Frau Lustig herangedrängt hatte. So hatte sie der Greisin'vorgeschlagen, sie zu photographieren, was diese jedoch mit dem Hinweis auf ihr hohes Alter ablehnte. Dann wieder hatte die B.'dienerin, die ihren Posten aufgegeben hatte, um sich, wie sie anderen Personen gegenüber äußerte-, auf angenehmere Weise Geld zu verdienen, der Greisin das Anbot gemacht, für die Milchfiliaile gegen Provision Kunden zu werben, was ebenfalls Frau Luftig abwies, da sie keine Provisionen ausdezahlcn Mpfe«. Dr^verankatzte' die Polizei, die Kubisch'zu Verhaften. Sie tschechischen Fa,zisten. Gajda an der Spitze. Prag, 3. Jänner. Am 1. und 2. Jänner fand in Brünn, die Neichskonferenz des F a s c i st e n r a t e s statt. Der Kongreß befreite, wie es im offiziellen Bericht heißt, die fascistische Bewegung vom Einflüsse aller politischen Parteien, schloß die Schismatiker aus und nahm eine neue O r g a n i f a L ionsord nun g an, gemäß der ein siebenglieüriges Direktorium, mit dem General der russischen Legionäre Gajda an der Spitze, gewählt wurde. Amerika und Sowlrtrnßlond. Washington, 2. Jänner. Das Staatsdepartement hat neuerlich die Erklärung abgegeben, daß td-ie Vereinigten Staaten mit der Sowjetregierung erst dann verhandeln werden, wenn diese jede Propaganda a u f g e b e und die b e s ch l a g n a h m t e n G ü t e v amerikanischer Staatsbürger z u r ü ck st e l l e> Sine grobe SPlrlinraMre in Preßdnrg. Preßburg, 3. Jänner. Schon seit einigen Tagen kursieren hier Gerüchte über eine große Spiritusaffäre. Die Firma F r u k t u s hätte, heißt es, größere Mengen von unversteuertem Spiritus an verschiedene Likövprodueenten verkauft, wodurch das Finanzamt, bzw. das Aerar um mehr alls eine Million Kronen geschädigt worden wäre. Die Firma hätte den Staat, der eine Steuer in der Höhe von 28 Kronen Pro Liter vorschreibt, um 1,300.000 Kronen hinterganigen. Einzelne Geschäfte, die unversteuerten Spiritus verkauft hatten, wurden gesperrt nnd zwei A n g e st e l l t e der Firma bereits verhaftet. Wie, der „Grenzbote" berichtet, stand der Brennereileiter Baros mit der Preßburger Likörfabri-k Fruktus seit mehreren Jahren in unerlaubten Beziehungen. Die Firma Fruktus, die seinerzeit von Legionären gegründet wurde, erhielt durch Baros tatsächlich unversteuerten Spiritus geliefert. Den durch diese Manipulationen erzielten unerlaubten Gewinn hatte Baros mit der Firma Fvuktius geteilt. Es wird aber erklärt, daß die Manipulationen ohne Wissen der Firmeninhaber der Spiritusfabrik geschahen, die auf das entschiedenste erklären, von den Hinterziehungen des Brennereileiters nichts zu wissen. Im Sicherheitsbureau wurde festgestellt, daß sie au der rechten Hand etwa zwanzig Kratzwunden hatte, was sie zunächst mit einem Fall auf de-r Stiege zu begründen suchte. Bei der Hausdurchsuchung wurde ein b l u t b es p r i tz t e r Mantel, ferner eine Schoß, eine Bluse und zwei Taschentücher mit starken Mutspuren gefunden, während an ihren Sch n e e s ch u h e n, die ebenfalls Spuren von Mw zeigten, graue Frauenhaare klebten. Sehr bedenklich erscheint auch der Umstand, daß die Kubisch, die knapp vor der Tat z w e i K l -e i d e r um fünf Schilling versetzt hatte, an: Tage nach der Tat sich Spitzen und Bänder und einen neuen Mantel gekauft hat. Bei der Einvernahme leugnete die Kmdisch beharrlich die Tat und gab an, daß sie die Kratzwu«: den an der Hand im Spiel mit dem zweijährigen Kind ihres WohnuugsgLbers erhalten hat. Für den Abend der Tat. versuchte sie ein Alibi zu erbringen, das sich aber als falsch herausstellte. Das 'gestrige Verhör -mußte wegen heftigen Weinkrämpfen der Kubisch abgebrochen werden. ' Eine LawMirkatastrovhe. Acht Todesopfer. Bregenz, 2. Jänner. Gestern um 12 Uhr mittags ging .im Pazieltal bei Zürs eine Staublawine nieder, die eine Gruppe von zehn Skifahrern, und zwar sieben Engländer, darunter zwei Da-men, zwei Berliner unld ein einheimischer Skiführer, erfaßte. Drei Sekunden später begrub eine Grundlawine die ganze Gruppe. Ein Herr aus Berlin, namens Lehr, der eine Hand aus der Lawine streckte, und eine Engländerin konnten gerettet werden. Die anderen acht Personen sind tot, terlweisi geborgen. Spionage bei Krupp- Selbstmord eines Beamten. Essen, 31. Dezember. Heute abends Wurde auf dem Hauptbahnhof von der Kriminalpolizei ein Direktronsassistent der Firma Krupp, van Laar, verhaftet, bet dem man eine Fahrkarte nach Paris fand. Er wurde ins Untersuchungsgefängnis gebracht, wo er Selbstmord verübte. Laar stand eine Reihe von Jahren in Diensten der Firma Krupp, wo er dem Lokomotiv- und Wagenbau zugewiesen war. Man nimmt an, daß er Konstruktion^ spionage im französischen Interesse betrieben hat. Großer Brand ln Genua. Rom, 2. Jänner. In der Waggonwerkstätte von Se strl Ponente bei Genua brach gestern um 20 Uhr wahrscheinlich infolge Kurzschlusses oder Selbstentzündung vor Lackvorräten ein Großfeuer aus, welches zunächst di» Werkstätte bedrohte, wo das Material für den neuen Ozeandampfer „Augustus" in Arbeit steht. Bier Pavillons wurden vollständig ein geäschert. Der Schaden wird auf zwei Millionen Lire geschätzt. Die Zahl der verbrannten Waggons ist noch nicht bekannt. 16 Feuerwehrleute wurden bei den dreistündiger Löscharbeiten verwundet. Einberufung der Aupschtina. Belgrad, 2. Jänner. Nach der Konferenz der radikalen Parlamentspartei, die U zun ov i c ihr Vertrauen aussprach, beschloß der Ministerpräsident im Ei'Nvevnshmen mit dem Präsidenten der Skupschtina, diese für den 2 5. -d. M. eiwzuberusen.