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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-22 · Heft 2809 (22.12.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2809 (22.12.1926)
Date
1926-12-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien. MttWSky WleMr MsegLtt-sttttttg W. Dezember 1926 Nr. §80S .......- .. l r.r==g^^'r-sa;:: . ■;. --------.: -rr-.«.-■. ", Bühne und Kunst. Philharmonische» ltonieü. Die Sensation des Konzertes rvar die Erstaliffüd rung der groben Deethovenschen Hammcrklaviersoiwtc op. 106 in B-Dur, welche Felix Weingartner für großes Orchester bearbeitet hat. „Erst die vorgeschrittene Lebensstufe, der jahrzehntelanges Eindringen in die Welt Beethovens voranging", haben Weingartner — nach seinen eigenen Worten -- zu dieser Neubearbeitung ermutigt. Ob ihn nicht gerade sein Alter und seine Beet« lioven-Kenntnis von einer derartigen Mißhandlung der Monate hätten abhalten müssen? .In der Sonate mögen ja klangliche Unzulänglich leiten gegeben sein, die eben darin begründet sind, daß Beethoven hier auf der Snche nach den allerletzten klavieristischen Möglichkeiten der Tücke des Objekts erliegen mußte. Aber es ist eben doch Klaviermusik, wenn auch aus garrz immateriellen Klangvorstcllnngen, etwa eines iiberdlmensioni.'rten Deethovenschen ZivkunftsklavierS heraus geboren. In der Orchestrierung gehen die stärksten Persönlichkeitswerte geradezu verloren: Der seelische Konflikt des Allegro verblaßt, an die Stelle der wunder vollen Einsamkeit des Adagio treten geistvolle, nervös aufdringliche Details — ganz schrecklich der süißlich anmutende Gesang der chorisch besetzten Geigen — und die grandiose Schlußfuge erscheint vollends mechanisiert. Zudem berücksichtigt Weingartner viel zu wenig dir Orchestereigentümlichkeiten des „letzten" Beethoven, namentlich das Moment der Uebcrrafchung. der Individualisierung der Instrumente. Sehr störend wirken auch die gleichmäßig stark gehaltenen Blaser an Stelle der Klavierbässe, woraus sich ganz willkürliche Orgelpun-ktc ergeben. So war die himmelstllrmende Sonate, .welche von Schmerz und innerlichen Kämpfen Kunde geben sollte, in der Talmipracht ihres orchestralen Flittergewandes kaum wiederzuerkennen. skb. Ai» den Theater«. Burgtheate r. Morgen, HS lUjt, „Phädra". (Abonnement 3. Grrppe.) Akademietheater. Morgen, HS Whr, zum ersten M<Äe „Stiesmama". Lustspiel von Ludwig HirschfeD und Paill Frank. (Von ne ment 4. Gruppe.) Operntheater. Morgen, 7 Uhr (Dheaiergemeinde Serie C, rot) „C a r m e n". Boiksoper. Morgen. „Parsifal" mit Kammersänger Hubert Lener a. G. Deutsches V olks thea t« r. Morgen, GamStay, Sonntag und am 31. d. M„ „Der Garten Eden". Als Nachtvorstellung gelnng-t an diesem Tage der Schwank „Die spanische Fliege" von Franz Arnold und Ernst Dach zur ersten Ausführung. Am 1. Jänner beginnt im Rahmen von Nachtvorstellungen (J411 Uhr) das Gastspiel des demtsch- -uffifchen Künfftler-Llheaters „Der blaue Vogel". Jüdisches Künstlekkabarett, 2. Bez., Praterstraße 60. Anläßlich des 35jährigen Bühnenfubi aums des Herrn Max Sir en g findet heute eine Feslvorstellung statt, bei der das ganze Ensemble mitwlrkt. Beginn 8 Uhr. Gerichtssaal. Aue Preßtlage de» Abgeordneten Austerlitz gegen die „Stunde". Dem Borstmtde des Strafbezicksgerichtes I, Hosrat Doktor H ö f l m a y e r, lag gestern zur Verhandlung erne. P r e fc, klage vor, welche der Nationalrat Fritz Austerlitz gegen den verantwortlichen Redakteur der „Stunde", Dr. Fritz Kaufmann wegen Vernachrässigung der pflichtgemäßen Obsorge nach Paragraph 30 des Pceßzesetzes erhoben hatte. Gegenstand der Klage bildete die bekannte, am 29. Juni d. I. in der „'Stunde" unter dem Titel „EinBedränger kleiner Mädchen" erschienene Notiz, in welcher erzählt wurde, daß die Polizei nach einem Manne fahnde, der sich an kleine Mädchen heranmache und der des Ver--- brechens der Kinderschändung verdächtig ist. Der Name des verdächtigen Mannes wurde in der Notiz nicht genannt, doch'hieß es in der Notiz,'daß es sich um einen Politiker handeln solle. Der Anhalt der Motiz hatte großes Aufsehen erregt. Nationalrat Austerlitz brachte zuirächst beim Landesgerichte gegen den damaligen Herausgeber der Stunde, Herrn Bekessy, sowie gegen den verantwortlichen Redakteur und den unbekannten Verfasser eine Anzeige beim Landesgerichte wegen Vergehens gegen die Sicherheit der Ehre ein, doch konnte sm Laufe der landest gerichtlichen Untersuchung, der Name des Verfassers niHt mit Bestimmtheit sestgestellt werden. In der gestrigen Verhandlung erklärte der beschuldigte Redakteur, daß er die Notiz weder verfaßt, noch vor der Drucklegung gelesen, ja daß er sogar verhindert war, diese Notiz zu lesen. Wie er vermute und auch überzeugt war, sei ihm die fragliche Notiz in der Redaktion voremhalten worden, und zwar des-' halb, weil der geheime Autor der Notiz ein Interesse daran hatte, daß er (Dr. Kaufmann) diese Notiz n i ch t l e s e, in der Annahme, daß er die Drucklegung der Notiz verhindert hätte. Der Privatkläger Austerlitz führte aus, daß die Schilderung eine derart^e war, daß Politiker und Publizisten sofort Moußt haben, wer damit gemeint sei. Diese Notiz sei, wie es sich bei eurer ehrenrätlichen Untersuchung der Angelegenheit durch die Organisation der Wiener Presse herausgestellt habe, zweifellos vom Redakteur Karl Tschüppik geschrieben worden und er werde die strafgerichtlkche Verfolgung des Tschüppik und des Bei tessy, die hei^ nicht in Wien seien, bis ans Ende sei- »es LebenS im Auge behalten. Der angeklagte Redakteur bemerk.«, daß Ljchuppic sich in Wien anshalte, und daß er nichtderVerfasser sei. Tschüppik sei auch vom Ehrengericht freigesprocken werden. 'Der Richter verurteilte Dr. Kaufmann zu einer ^Geldstrafe von 50 Schilling, für deren Eindringlichkeit .Herr Bekessy und der Kronosverlag hasten. r«r Ward an dem Ordnerobmanu Walter. Aus Wiener- Neustadt wird berichtet: Auch der zweite Verhandlungstag fand unter enormem Andrang des Publikums statt. EL gelangten zumeist die Zeugen bezüglich der Brandlegungen zur Vernehmung. Die Verhandlung WM heute fortgesetzt. Vereine, Versammlungen und LortrSge. Zionistische Frauonorganisation. Heute, 4 Uhr 30 Min. nachmittags, findet in den Vereinigten zionistischen BureauS, Kärntnerstraße LS, eine Sitzung der Leitung vnd der Vertreterinnen der Dezittssektione.n statt. — Jüdischer Verein In der Morrtagssitzung des Postspa rkassenaus» schusses teilte Präsident Dr. Reisch über Befragen des Abg. Danneberg mit, daß vom Jahre 1922 bis zum 30. September 1926 das Postsparkassenamt im No st r oeffektengeschäfte rinen Umsatz von 524 Millionen Schilling gehabt habe, davon waren 188 Millionen Schilling, das ist 35 Prozent, Geschäfte mit dem Bankhaus Bosel. Diese Zvffer ist entschieden zu niedrig gegriffen, denn unter den ausländischen Papieren, die, wie Dr. Reisch aus eine Frage Dr. Dannebergs angab, gekauft wurden, nehmen Laurahütteak Ney einen hervorragenden Platz ein, die bekanntlich zum Konzernbesitze Bösels gehören. Es ist also deutlich zu ersehen, daß die Postsparkasse zusammen mit Bosel ein flottes, reges Spekulationsgeschäft betrieb. Wie ihre anderen Geschäfte aussehen, davon geben die Aufklärungen Dr. Reischs über die Verbindungen nr'lt dem Faiseur Samuel B r o n n e r und der verkrachten Austro-Holländischen Bank mehr als genügenden Aufschluß, lieber diese Geschäfte befragt, gab Dr. Roisch an: Bronner hatte im März 1925 an die Deutsche Bodenbank (die inzwischen auch bereits zu den Bankleichen, und zwar zu den am übelsten riechenden, gehört) 500.000 Schilling zu zahlen. Die Bodenbank war dem Postsparkassenamt 500.000 Schilling schuldig. Bronner nahm nun bei der Treugabank auf Rechnung des Postsparkaffeuamtes ein Hypothekardarlehen von 8 0 0.0 0 0 Schilling auf die ihm gehörigen Mmdenagründe, 2 Häuser in der Hainburgerstratze, darunter sein Palais, sowie die Fabriksanlagen der Firma Matscheko & Schroedl in Jnzersdorf aus. Als Bronner bald darauf Verbindlichkeiten an die Oesterreichische Allgemeine Kreditbank nicht zahlen konnte, bekam er,' wie Dr. Reisch angibt, neuerlich über die Treugabank 300.000 Schilling von der Postsparkasse, wieder unter hypothekarischer Sicherstellung auf die erwähnten Realitäten. Nun kam der Coup: Als Bronner nicht mehr ein noch aus konnte, erklärte er, er müsse die beiden erwähnten Transaktionen anfechten, weil seine Gläubiger durch sie zu Schaden gekommen seien. Nun hat das Postspavkassenamt diesen Erpressungsversuch eines verkrachten Faiseurs damit beantwortet. daß es Herrn Bronner neuerlich 6 5 8.0.0 0 Schilling gegen hypothekarische Deckung aus die erwähnten Liegenschaften, sowie gegen Pfanddargabe von Lebensverstcherungspolizzen Bronners in der Höhe pon 25.000 Dollar zum Zwecks des Vergleichs mit seinen Gläubigern zur Verfügung stellte. Es wurde eine richtiggehende Holding- und Finanzicrungsgesellschaft in der Liechtensteinschen Hauptstadt Vaduz gegründet, die für diese Transaktion von der Postsparkaffe vorgeschoben wurde. Es ist wirklich grotesk, wieviel Mühe die Posks'parkaste auf die überdies unmögliche Sanierung des Samt Bronner verwendete. Nun steckt sie mit 1,458,000 Schilling bei Bronner in der Tinte; die Liegenschaften, die dafür' verpfändet sind, wurden woh! im Jahre 1926 aus 2H Millionen Schilling geschätzt, sind aber heute schwer anzubringen, und wenn Präsident Dr. Reisch sagt, daß die.Postsparkasse aus dieser Sache glatt herauskommen kann, so beweist er einen unverwüstlichen Optimismus. Handelsminister Dr. Schürft nahm die Gelogenheit wahr, zu -erklären, daß er -mit der Angelegenheit BronnVr.Bodenbank nichts zü tun habe, da er zur Zeit als Bronner mit -er Bodenbank in Verbindung trat? nicht mohr ihrem Ber« tpaltungsrate ang-shörte; überdies nahm er die Gelogenheit wahr, sich auj den toten Direktor der Bodenhank, „Nord-Ost", 2. Taborstraße 21a. Heute. 8 Uhr abends. Vortrag Bato: „Die M« rannen in Portugal und ihre Ruck'ohr zum Jildcnlum". Eintrit frei! — MalmonideS- Institut. 3. Bez.. H-Hgaff« 40. Heute. 0-7 Mr. Dr. A. Kaminka: Re-den des Prvpheten BocL; 7—8 IHr, Mai« monideS. Die Transfornration der Materie und die Unsterblichkeit der Seele. — Morgen. Donnerstage 2g. Dez.» H7 lliSt, Dr. N. Goldstein: Bereschitih rabba; HS Uihr, Talmnvischcs Gherecht. — Iirdische Tischgesellschaft. Lmrb. stratze. Heute, abends» Cafe Lovrana, Vortrag Dr. Heinrich Glanz: „Die Dichtungen in der Bibel". — Jugend, verein „Erez Israel". Samstag. Teealben>d zu Ehren tz. Teich. — Sonntag, 6 Uhr nachin., Generalvevsammlung im Bortragksaale der Zionistischen Bczirksorganisation LeopoAistadt, 2. Dez., Zirkusgasie 53. — Zionistische Irrg-endsruppe, Leopold» stadt, 2. Bez., Zirknsgasie 33. Heui-c. HS Uihr abends, Plenarversammlung mit anschließendem Dortrag. D>s« zionistische Frm-rnorganisatton Alsergrund veranstaltet nrorgen, Donnerstag. HS U-hr abends, im Saale der Lese- und Medehalle. 0. Türkenstraße 0, anläßlich r«S 2bjälhrigen Jlibilän-mS des Keren Kascmeih eine Fesiversammiung. Redner: De. Jakob Weiner. Dr. Hodenigg, auszureden, der der Initiator dieser Der» bindung gewesen, sei. Ein anderer guter Kun^de des Postsparkassenamtes tvar die A u st r o - H o l l ä n d i s ch e Bank. Dieser hat das Postsparkassenamt, wie Dr. Reisch angibt, Effekten lombardiert und aus diesem Titel 200.000 Schilling zu fordern gehabt. Das Konto war bereits zu Anfang 1924ünterdeckt und wurde im April 1924 vom Postsparkassenamt an die Oesterreichische Allgemeine Kreditbank übertragen, die die Forderungen zu Anfang 1925 an die Treu(a-Bank wciterzedierte. Bei einem im August 1925 geschlossenen Vergleich zwischen der Austro-Holländischen und der Treugabank wurde der Debetsnildo des Kontos Auftro-Hollündische Dank aügeschrieben, die lombardierten Effekten, die damals sage und schreibe 45.000 Schilling wert waren, bokam zu zwei Drittel die Postsparkasse. Wahrlich ein gewinnbringendes Geschäftt Es kam dann wieder der berühmte Oktobervertrag mit Bosel zur Sprache, und Dr. Danneberg befragte den Handelsminister Dr. S chü r ff über die Intentionen dieses Vertrages, unter dem Schürfss Unterschrift steht. Schüvsf wußte, wie gewöhnlich, nicht viel zu sagen «rfb berief sich lediglich darauf, daß man vorhinLnrn wollte, daß Mchoritätspakete wich- . tiZSr östrr»LÜh»fchor Aktiengosollschaste« (Unio»ba«k «md BeLscher Magnqsit) kn ausländische Hände übergehen. Finanzminister Dr. Kienböck, dem anscheinend diese Darlegung seines Ministerkollegen nicht besonders sym- Pachisch war, erklärte rasch für den abwesenden Dr. Ährer, der ihn ja erst berichtigen kann, bis er Geld mrf ein Kablcgramm aus Havanna bekommt, die Intention des Oktobervertrages sei gewesen, das R i s i ko z u v e rm i nd e r n. Dr. Reisch nahm diesen Gedunkongang rasch auf und bewies, daß die Schuld Bösels um 1,2 Millionen Dollar vermindert und eine erhebliche Verminderung des Psai^dbesitzes erzielt wurde. Demgegenüber stellte.Doktor Danneberg mit einiger Berechtigung fest, daß im Endesfekt Bosel der Postsparkasse doch statt 260 Milliarden. Kronen 800 Milliarden Kronen schuldig geworden sei. Damit war die Debatte über die verflosienen ünd im maieriellcn Endefsekt recht, „verflüchtigten" Geschäfte der Postsparkasse beendet mkd der Ausschuß tritt in seiner nächsten Sitzung in die Beratung des PMparkasfk'n-Gesetzentwurfes ein. Ae Freigabe de« österreichischen Devisen» Handel». Der Devisenelearing bleibt vorläufig. In den nächsten Tagen erscheint eine Verordnung des Bundssminlsteriums für Finanzen im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Handel und Verkehr, durch die die letzten Reste der vinstwaligen Zwangsbewirtschaftung des Devisenverkehres beseitigt werden. Es sind dies die Bestimmungen über die Befugnis z u m H a n d e l mit Devisen und zur D e v i s e n v e r m i t t l u n g, die infolge der vor dem Abschlttß stehenden Dlirchführung der BankenkonzessionS- Verordnung überflüssig geworden sind, und die Bestimmungen über das fakultative Devisenc l e a r i n g, das von der Oesterreichischen Nationalbank bisher abgehalten wurde. Durch die Aufhebung der Bestimmungen über -das Clearing wird diofes selbst jedoch vorläufig noch nicht beseitigt, lieber Wunsch der Wiener Böpfeikasnmör soll «s nach einem zwischen ihr und der Ocsterwichischsn NaiionMank getroffenen Usbereinkommen vorerst noch durch e'mige Zeit als eine autonome Einrichtungder Börse aufrecht erhalten werden. DK Kirrsf-stsetzung wird jedoch in Zuklmft durch SensäK und die Kursverlautbarung im amtlichen Beil -ch OIKSW1RTSCHAIT Ae Kommittenten der Poftsparkaffe. Die Seschöste mit Samuel Bronner uav der Anstro-Hostöndifchrn Bank.

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