Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2808 (21.12.1926)
- Date
- 1926-12-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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GMv 6 Men, Dienstag wtcitcf wiorgtitgetsiuig A. Dezember 1926 Nr. 2806 VOLKSWIRTSCHAFT Re neue Penfioasverficheruag. Irl der eracht zum 15. Dezember — Mitternacht ivar längst vorüber — wurde im Ausschuß für soziale Verwaltung die Beratung über Las neue Ängestellten-!>er-sicherungsgesetz, die fast drei Jahre gedauert hatte, vollendet. Vorgestern wurde der vom Abg. Dr. D rexel fertiggestellte Bericht aufgelegt und gestern vom Nationalrat in zweiter Lesung angenommen. Die Versicherung umfaßt die Kranken«, Stellenlosen-, Unfall-, Hinterbliebenen- und PenfionSversicherung. Sie gewährt Krankenpflege, Krankengeld, Wochen« hilft, Begräbnisgeld, Stellenlosenunterstützung, Verletztenrenten, Heilverfahren, Witwen-, Waisen- und sonstige Hinterbliebenenrenten, Jnvalrüitäts- und Altersrenten einmalige Abfertigung und Ausftattungsbeitrag. Bcitragsgruud. rft das auf den Kalendermonat entfallende Gehalt, mindestens jedoch 80 Schilling und höchstens 400 Schilling. I Ein Prozent der Bemessungsgrundlage wird als Rentenj einheit bezeichnet. Bei den Sonderversicherungsanstalten, das sind die Versicherungsanstalten der Kreditunternehmungen, der Landurä> Forstwirtschaft, der Presse und der Pharmazeuten, kann die Beitragsgrundlage auf Antrag der Anstalt im Verordnungswege bis 800 Schilling erhöbt werden. Das Kravkengel wird durch 30 Wochen gewährt, nach einem Jahre Zugehörigkeit zur Anstalt durch 52 Wochen und nach.60 Monaten Zugehörigkeit durch 78 Wochen. Das tägliche Krankengeld beträgt VA Renteneinheiten, höchstens jedoch 7 A Schilling täglich. Die Wochenhilfe wird der Ehegattin des Versicherten im täglichen Betrage von je 1% Renteneinheiten, mit höchstens aber 7 Schilling 78 Groschen pro Lag, durch 6 Wochen nach der Niederkunft, im Falle des Selbststillens durch 12 Wochen und ferner in Form eines einmaligen Betrages von 120 Schilling für jedes Kind gegeben. Das Begräbnisge!L schwankt zwischen 30 bis 90 Renteneinheiten, muß aber mindestens 90 Schilling betragen. Bis . auf . weiteres bleiben die Angestellten noch in der Arbeitslosenversicherung der Arbeiter und Angepüten. monatliche JnvalidrtätSreutc beträgt 35 RenLeneinherten, zuzüglich so vieler Zwölftel LÄc Renteneinheit. als anrechenbare Beitragsmonate-erworben würden. Wird 3- B. ein Versicherter invalid oder hat Las 60. Lebensjahr erreicht, mit 20 Dienstjahren, steht in keinem Dienstverhältnis und.hat die Bemessungsgrundlage von 300 Schilling (letzter Gehalt), so bekommt er 35 plus 20 Prozent — 55 Prozent von 300. Das ergibt also . eine monatliche Renke von 166 Schilling. Mr jedes Kind gebührt ein Kinderzuschuß von 6 Ren-, teneinheiten, mindestens.jedoch 7 Schilling 50 Groschen und höchstens. 15 Schilling. Anspruch ans die Altersrente im Ausmaß der JnvalrditAsrewte haben Versicherte männlichen Geschlechtes, die das 65., und solche weiblichen Geschlechtes, die das 60. Lebensjahr. vollendet haken, -nenn sie in keinem ö errsicherungspflichtigen Dienstver hältnis stehen, ferner unter denselben Bedingungen Männer, die das 60., und Frauen, die das 65. Lebensiähr vollendet haben, söferne sie mindestens '120 anrechenbare Beitragsmonate erworben haben. Die bei der alten Pensionsversicherungsanstalt erworbenen Dienstzeiten werden voll angerechnet, .emgekaufte Dienstzeiten irur bis gü 5 Jahren. Die BettrSge feyen sich zusammen aus 6 Prozent des Gehaltes Dr die PewsioirSvsrsicherung, \A Prozent für die Krankenversichsrung und AA Prozent für die Stellenlosenversicherung. Davon hat im allgemeinen der Unternehmer und der Angestellte je die Hälfte zu zahlen. Wie schon erwähnt, kam die Vorlage gestern vor Len Nationalrat. Im letzten Augenblick «schienen einige Deputationen im Parlament, die noch Abänderungen verlangten. Von allen diesen Abordnungen hatten nur die A e r z t e Glück, welche es beanständeten, daß bei einer freiwilligen Fortsetzung der. Versicherung auch Unternehmer Mitglieder der Krankenkasse bleiben und so die ärztliche Krankenkassenhilfe in Anspruch nehmen können. Sie forderten eine Abänderung dieser B e st i m m i« n g. widrigenfalls sie ln de» Streik zu treten drohten. Dem Verlangen der Aerzte würde Folge gegeben und bestimmt, daß an der Krankenversichecung nur jene teilnehmen können, die nach ihrßm Ausscheiden aus der Versicherungsp flicht nicht selbständige Unternehmer werden. Eine weitere Aenderung des Metzes mußte vom Hause auf Betreiben der Sozrchl-. demokraten in die Vorlage ausgenommen werden. -Sie bstrW die gemeinsamerr Grtzuugen des UeberwachuriHK» ausschusses und des Vorstandes und soll verhindern, daß die Angestelltenvertreter majorisiert, bzw.> die sozialistischen Kafsenbeamten durch eine aus den Stimmen der Unternahmervertreter und der deutschnat'wnalen und christlichsozialen Angestelltenvertreter bestehende Majorität ihrer Stellen enthoben werden können. Im übrigen wurde das Gesetz nach sechsstündiger Debatte unverändert zum Beschluß erhoben. Segen Re drilSenVe« Nevameftruen«. Die Behinderung der österreichischen Wirtschaft durch erdrückende Reklanttsieuer«. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft teilt mit: Bekanntlich sieht der neue Voranschlag der Gemeinde trotz der Bemühungen der interessierten Kreise, vor allem der Kaufmannschaft, keine Ermäßigung der Reklamesteuern vor. Die PlakatabgaLe beträgt noch immer 30 Prozent von der Fakturensumme -- trotzdem das Plakatiernngs-Unternehmen zum größten Teile der Gemeinde gehört —, die Jnseratensteuer 10 bis 25 Prozent, gestaffelt nach den Umsätzen, in einzelnen Fällen sogar 25 bis 28 Prozent. Alle Voranschläge für die Reklamesteuer seit 1923 bis 1925 wurden von d4n tatsächlichen Erträgnissen tv e i tans über stritt e n. Pro 1926 sind die Steuern wie folgt pvAnmniert: Anzergenabgabe 3,000.000 Schilling, Plakatabgabe 750.000 Shilling. Auf Grund der Eingänge der ersten zehn Monate dieses Jahres wurden nun die Präliminarien für.1927 wie folgt erstellt: Anzeigenabgabe 4,000.000 Schilling, Plakatabgabc 750.000 Schilling. Diese Ansätze.bedeuten, gemessen an dem Erträgnisse des Jahres 1923, eine Berzwanzig fachung der Inseratenabgabe und ein e Berzwölffachung der.Plakatabgabe! Diese enormen Beträge stellen cf fektive Erhöhungen d er Produktionskosten dar und erschweren de n Absatz der Ware mit Hilfe der Reklame, die gerade zur Zeit der Wirtschaftskrise eine für Hebung der Geschäftstätigkeit unerläßliche Ausgabe ist. Die unbillige Harte, welche für die österreichische Wirt-- schaft. durch diese Sachlage gegeben ist, ist am besten daraus ersichtlich, daß die Reklamesteuer in Ungarn 3 Prozent, I u g o s l a w i e n 2 P r o z e n t, Italien eine minimale Stempelgebühr auf. Inserate ausmacht. In Deutschland wurde die Anzeigensteuer gänzlich ab geschafft. Zur DenkmalenthüIItfng bieten wir die Hauptwerke dieses bedealcndslen Ihdischen Philosophen and Sozlalpollllkers an: Voltaire broschiert S 12 — gebunden 8 15— Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben broschiert S 540 gebunden $ 7‘20 Fürst Bismarck und der Antisemitismus broschiert S 5;40 gebunden S 6 30 Philosophie des Strafrechts broschiert S 3 — gebunden 8 4 50 Ueber Religion broschiert S 7*20 gebunden S 9 — Gespräche gebunden S 6 — Krieg, Wehrpflicht und Staatsverfassung broschiert 8 12 — gebunden S 15*— Die allgemeine Nährpfllcht broschiert S 12 — gebunden § 15 — Von allen Werken sind auch anti« quarische Exemplare zu halben Preisen vorrätig »Mül „Der Mann and sein Werk“ Buchhandlung und Verlag R. LOWIT / WIEN I. Rotenturmstraße 22 Fleischmarkt 1 Sie Stabiiisteruog in Belgien. Erttärungen des Gouverneurs der belgische» Nkttionachünl Berlin, 20. Dezenwer. (Wolfs.) Der Gouverneur der belgischen Nationalbank, Minister a. D. Franck, der zur zeit in Berlin weilt, erklärte einem Mitarbeiter des Wolff'schen Bureaus, die Lage in Belgien habe nicht Nur alle Erwartungen erfilllt, sondern, diese noch übertrosfen. Die Stabilisierung der Währung lmbe keinerlei Krise im Gefolge gehM. In bezug auf die Mittel, durch die ein so günstiges Ergebnis erreicht worden sei, betonte Franck, dgß hiezu neben dem bekannten, allgemeinen Stabilisierungsplan wesentlich der Umftaub beigetragen habe, daß die belgischen Banken nach dem Rat der Nationalbank für eine große Liquidität Sorge getragen haben. Auf eure Frage, welchen Eindruck diedeutscheFinanz-und Wirtschaftslage auf den Gouverneur mache, bcr* sicherte dieser, er sehe mit voller Zuversicht einer völligen Wiederherstellung. der deutschen Wirtschaftskraft und der normalen Verhältnisse entgegen. Das Wirtschaftsleben Deutschlands zeige auf allen Gebieten Symptome der Gesundung und der Festigung. ' Keine Börse am Freitag. Freitag, iden 24. Dezember 1986, entfallen die Börftbersammlungen und Reiben alle Börlseräumlichkeiten sowie Die. Amtsräume der Herden Schiedsgeeichte geschloffen. Bankendieust am 24. Dezember. Die Banken wepöLn am Freitag, den 24. Dezember 1626, ihve Büros in den Hauptanstalteil sowie in sämtlichen Depositenckassen und Wechselstuben geschloffen hallen. Für W e ch s e l g a h l u n g e n wird in der Hauptanstall jeder Bank in der Zeit von 9?—4t Uhr vormittags ein Schalter geöffnet sein. Wiener Börfekammer. Bei der gestern vorgLnommenen Ersatzwahl für das durch den Rücktritt des Präsidenten Bern, hard Popper-Artberg freigewordene BörseratAnarrdal wurde mrt sämtlichen WO abgegebenen Stimmen Herr Jakob T u r na u e r,'Direktor des Wiener Ban!fteroines, mit Funtktionsdauer bis Ende 1627 gewühlt. Insolvenzen.' Das Wiener Handelsgericht hat das Ausgleichsverfahren eröffnet gegen Ferdinand Böhm, Fleischhauer. 15. Bez., DingMektgasse 19. Aktiven 76.5(X) S., Passiven 92.000 Anbot 50 Prozent innerhalb zweier Jahre; Josef E i Z i n g e r, Weißwaren- und Wäschefabrik,. 6. Beg., Miller gaffe 21. Anbot 35 Prozent in vier Quartalsraten. Das Postsp-arLaffengesetz. Gssteru fand eine inMiziestc Sitzung der Mitglied er des ' PostsparEassenuvterausschusse-? statt, in der Präsident Dr. Reisch über das Postsparkassengesetz Bericht erstattete. In die meritoxilsche Beratung de§ Gesetzes wird erst morgen eingegangen werden. BiedeLuranL-Bank. Die Bietermann-Bank hat. ihren Austritt aus dem Börsenarrangement angomsldet. Erhöhung des MtienkapitrlS der Trifaihsr. Aus Belgrad wird gsmelidet: Die TrifarLor Aohlenwerlsgesellschaft wird als erste jugoslawische Mtiengeisellschast die Bilangrevision im Sinne des A u f w e r t u n g s g e - setzes vom Juni l. I. durchsüihren. Wie verlaute^soll das Aktienkapital von fünfzig aa.f 20t) Millionen erhöht werden. Jnternr.lionalvr GirovorLehr. Aus Berlin wird gemeldet: Außer mit den Notenbanken Ossterrsichs, Ungarns, der Tschechoslowakei und der Schweiz hat die Neichsbanl auch mit der Bank von Danzig ein Giroabkommen für internationale Zahlungen g-eschl-ossen, das gleichfalls am 3. Jänner iu Kra-ft tritt. Der Notenumlauf der ungarischen Natümalbmck. Nacki dem Ausweis der Ungarischen Nationalbank vom 16. Dezember hat sich der Notenumlauf gegen den Stand vom 7, Dezencher um 16.8 Millionen auf, 413.4 Millionen Pengh v e. r> r i n g e r t. Die Deckung der Noten betrug 52 Prozent. Bevorstehende Stillegungen in der ungLrischeu Mühlev-- indnstrie. Wie „MagharorsKag" meldet, sind seit mehreren Tagen vertrauliche Verhandlungen der MWerchirektören wegen Einstellung des Be'triebes sämtlicher für den Export arbeiten! en ungarischen Mühl e n im Gang, da im Mehlexport eine vollständige Stockung eingetreten sei. In den Magazinen der Budapester MiMen lagern derzeit etwa 260.000 Meterzentner Mehl. Auch die seichödoutschr De-silftnlfmaunschiaft gegen daS Augabenwesen. Wir haben kürz-lichchon einer Ä-knon.der Wiener Handelskammer berichtet, die ein gch'eHllches, Verbot der Gewährung von Prämien an Käufer anstrebt. N.umnehr hat auch der bayrische HändeMammertag au das HandelSministerrum eine Eignabe gerichtet, in der er unter Stützung aus den Beschluß Westdeutschen Jndustvie- und Handelstages ern gesetzliches Verbot für Ankünbigungenvon Zugaben ^Prämien) oder anderen Leistungen und Vorteilen durch öffentliche Bekaxmtnrachungen fordert. Desgleichen sollen Zugaben verboten werden, falls diöse von der Höhe des Einkaufes abhängig gemacht werden. Mcht getroffen werden durch dieses Verbot sollen klsine, mit Firmenaufdruck veofthene Gefchenlkartckel wie Kalender» Taschenspiegsl. Notrzlllocks, Meiftvfte u. dgl. AdriMsch» Berbeyrs»m>chrichte». AuS Triest wixd uuS berichtet: Am 10. Dezember l. I. hat in Mon'falcone bei Triest der StaPellar'f des großen Paffagiermotorschiffes „Bmcania" der Cas-mich-Line stattgefunden. Dieses neue Schiff umfaßt, wre die zurzeit in Ausrüstung befindliche „Saturma". 2LL00 B R. T.» i'st 102.46 Meter lang. 34.284 Meter breit unneun Deck hoch. Die Dieselmotoren der „Bulcama" Lönhen 24.000 P'felldokräftL entwickeln und eine Stundengeschwindigkeit von 21 Knoten ermöglichen. Beide Schiffe sind siir die Strecke Triest—Südamerika bestimmt. — Die rilugdierr stc Triest—Venedig und Trrest—-LÜtssinpiccolo— —Zara verkehren in oen Mlntermonaten täglich und übernehmen auch Potstpakete zur Beförderung. Die Strecke Triest— —Pavia—Turin wird erst ab Frühjahr 1027 wieder regelmäßig beflogen. — Der Sch>i fsSd ie n st ah Tx lest rnrch den unteren D o n a u h ä f o n Galatz, Braila und Sullna wurde wegen E i s g e.fa h r e i n g ost e H t mnd wich vorausstchblich erst mrt März des nächsten Jalires wieder ausgenommen werken. — Die NavigaZione Atera Triestino organisiert zurzeit - eine schwimmende M u ft a r m e s s e. welche dre südafrÄanischen Handelshäfen auffuchsn wrvd. H. Die Aussichten eiaor chemische» Judnstvje in Palästinv. Die letzterschienene Nummer rer Zeitschrift „Pailüstine and Near East economic magazine" befaßt sich mit der Frage der chemischen Industrie im Nahen -Osten. Der Heransgeber führt 535348234848232353532348532353235348482353234823