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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-18 · Heft 2805 (18.12.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2805 (18.12.1926)
Date
1926-12-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Men, Samsiag ly. Dezember 1086 W» WUM *^i» Serichttsaal. SornW««»fe chuldigmg gegen fett Shefkeitalteur Der .Reich,polt". Der Angeklttgle verurteilt. Bvr dem Strafbczirksgericht l (Landesgerichlsrat Dr. Ettmayer) wurde gestern die Verhandlung über die Ehrenbeleidigungsklage fortgesetzt, die der Herausgeber und Chefredakteur der „Reichspost", Dr. Friedrich F u ndc r, gegen den kürzlich entlassenen Redakteur dieses Blattes Karl G r n b e r angestrengt hatte. Grubcr hatte nämlich in einem am 11. September an den Redaktionsausschuß der „Reichspost" gerichteten Brief behauptet, daß Dr. Funder ein bestechlicher Journal! st sei. In der ersten vor einigen Wochen abgehaltenen Verhandlung hat Gruber angegeben, daß es sich um die Angelegenheit des Fabrikanten Edmund Beck handle, der im März 1916 beim Militärgericht einen mehrtägigen Prozeß wegen angeblicher Lieferung von schlechtem Tuch hatte, üüd die Unterdrückung eines Berichtes über seinen Prozeß bei Dr. Funder gegen Erlag von'100.000 Kronen bewirkt habe. Zum Beweise des guten Glaubens war die Verhandlung auf gestern vertagt worden. In der Zwischenzeit hat- D r. F.u n d e r in einem umfangreichen Schriftsatz sein Verhalten in dieser Affäre genau geschildert. .Darnach habe für .Edmund Beck damals sein Bruder Dr. Otto Beck interveniert und gebeten, den Prozeßbericht nicht zu veröffentlichen, bevor nicht das Urteil erflosseu sei, wobei er darauf hinwies, daß sämtliche Wiener Blätter einschließlich der „Arbeiter-Zeitung" ihm bereits zugesagt hätten, den Abschluß, des Prozesses für die, Berichterstattung abzuwarten. Darauf habe Dr. Funder nach Rücksprache . mit dem Redakteur Thalcr, der sich im Setzersaal befand, sich schließlich bewegen lassen, d-en Bericht zurückzuziehen. Vor dem Verlassen des Redaktionsburcaus habe Dr.-Beck einen grünen Zettel auf den Aufsatz des »Schreibtisches geworfen und sei davon gerannt. Der Zettel war ein Scheck auf 100.000 Kronen. Am nächsten Morgen habe Dr. Funder den Scheck dem Verwaltungsdirektor Bern eck er gegeben, mit dem Aufträge, ihn sofort dem Dr. Beck zurückzustellen, w a s auch noch a m s. e, l b .e n V o r m! tt a g g e s ch a h. Rach Verhör des Angeklagten und Einvernahme der vorgeladenen Redakteure der „Reichspost wurde das Urteil verkündet. Der Angeklagte Grub e r wurde bir Eh r e n b e le i d i g u n g im Sinne der Klage schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe von 100 Schilling, eventuell zu -18 Stunden Arrest verurteilt. Das Urteil gegen Franz Schwa rzbarth auf 3 ZMe SMkt erhöht. Ter Oberste Gerichtssps hat gestern der NlchtigktttSbefchwerde und Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Schöffengerichtes, mit welchen! der Hausbesitzer Franz . Schwarzharth zu acht Monaten schweren Kerkers verurteilt worden war, Folge gegeben und dieStrafe auf drei Jahre schweren Kerkers erhöht. Die Anklage legte Schwarzbarth zur Last, daß er Einbrecher gedmrgen habe, um einen Einbruch in das Steueramt in Innsbruck auszuführen. Der Verurteilte, ein Mehrfacher Hansbesitzer,. trat als Financier von Einbrecherbanden auf. Ehrenbeleidiguttgen durch das Telefon sind doch strafbar. Im Gegensatz zu einer kürzlich ergangenen Entscheidung, wonach Ehrenbrnetdigungen durch das Telephon mangels Oeffentlichkeit nicht strafbar seien, hat gestern das Strafbezirksgericht l in einem Ehrenbeleidigungsprozeß wegen einer telephonischen Beschimpfung einen Schuldspruch gefällt. Ter Kaufmann Cmanucl F., brachte gegen den Kaufmann Walter G. eine Ehrenste^eidi"ungsklage ein, weil dieser der Gattin des Klägers telephonisch den Auftrag erteilt hatte: „Sagen Sie Ihrem Mann, er ist ein Verbrecher, Gauner und Betrüger!" Am nächsten Tag stellte der Kläger den G. telephonisch zur Rede, worauf dieser antwortete: „Jawohl, sic sind ein. Gauner, Verbrecher und Betrüger!" . Der Beklagte bestritt, selbst beim Appari. gewesen zu sein und führte überdies an, daß das Moment der Oeffentlichkeit M? einem Telephon nicht gegeben sei. Oberlandesgerichtsrat Dr. Sieber verurteilte den Beschuldigten zu einer Geldstrafe von 50 Schilling, weil bei einem Telephon die Möglichkeit bestehe, daß auch andere die Beleidigung mitanhören. ' „Juden, geht nach Palästina!" Aus Q l mutz wird uns geschrieben: Am-Mittwoch fand beim Strafsenat' des Olmützcr KrÄsgerichtes die Hauptverhandküng gegen eine Anzahl von Fa feisten wegen Ausschreitungen in der Radio-Dar im Mai dieses Jahres statt. Damals wurden Sessel drokhend -geschwungen und es wurden die Rufe laut: „Juden, hinaus, $ c X) t n a ch -P äk ä stt n a!" u,sw. An geklagt, waren der Dampfbadbesitzer Anton Van ca, Uhrmacher Anton Koci und Fabrikant Sinovec. Vanca wurde zu 1000 tsch. K., Koci zu 600 tsch. K. Eielostvafe bedingt vorurteilt, im Nichteinbringu'ngssall wird die Geldstrafe in fünf, vzw. drei Tage Arrestumgewandelt. Der. Staatsanwalt hat im Sinne des Beweisv-erfcchrens gegen die Zeugen Emil Nä.vrat il und Walter Bo sah lo, Jnhccher einer technischen,-Handlung, 'Ä Voruntersuchung lm Sinne des T e r r o rge s'etz e § und des Schutzgas etzes beantragt. Wegen derselben- Vorfälle ist ein hiesiger Leutnant vom Divisionsgericht zu drei- Wachen Arrest verurteilt worden. "* Sie Inftoetlttng der Leibrenten. Sühne und Kunst. »Segel am Horizont." i Mhnr der Jungen Ein Schiff auf hoher See. Einundsechzig Genossen — sechzig Männer, .ein Weib. Der Matrösenrat hat dos Weib zum Kapitän gewählt. Wird die Reinheit dieser Gemeinschaft vor dem stündlich schärfer mahnenden Ge- »schlechtshunger der Sechzig bestehen? Wird das Verlangen nach der. einzigen Frau am Schiff zerbrechen, werden sich die. Männer einem weiblichen Kapitän fügen, auch wenn sie ihn einstimmig „befohlen haben, ihnen zu befehlen"? Diese Probleme — sie treten, nebenbei, auch im Gemeinschaftsleben der jüdischen Siedler in Erez Israel j in Erscheinung, — sind von dem jungen Dichter Rudolf Leonhardt in seinen! vierakUgen, recht langwierigen, recht umständlichen Drama behandelt. Es wird im Fortschreiten der Handlung zum Hohen Lied des Weibes. Die wachsende Sehnsucht der Genossen nach der Genossin Kapitän, die sich zur rasenden Gier steigert, weckt in der Führerin heißes, schwesterliches Mitleid. Man verlangt von ihr, einen der sechzig' zu wählen, dann würden sich die anderen fügen. Sie wählt ein armes Menschentier, einen Kretin, der sie mit seinen primitiven Instinkten begehrte, aber jetzt, da er sie besitzen soll, von Geschlechtsangst befallen wird und sich ins Meer stürzt. Die Geschlechtsnot fordert noch zwei weitere Opfer, bis das Gemeinschaftsgefühl, durch die edle Größe der Frau geläutert, in seiner Reinheit wieder hcrgestellt ist. Ein Stück im Stile Georg Kaisers, mit seiner Mathematik gezirkelt und im Georg Kaiser-Tempo zu spielen. Unzulänglichkeit der.Inszenierung und Darstellung in jeder Hinsicht. Aber hoch zu achtende Unzulänglichkeit. Bezwingend die Hingabe, die innere Anteilnahme der Darsteller. Sie will eine Gemeinschaft sein, die Bühne der Jungen, und es ist gewiß in ihrem Sinne, wenn man einzelne Mitwirkende nicht hervorhebt, deren Leistungen überragten. n A. Aus de» Theatern. - «Op'er nthe-üter, Heute, halb 8 Uhr Mänderung des SproÄplanes), ,;N igole tjt b"; morgen, 143 Uhr nachmittags, „Pic t e rchen s M o n-d f-a h,rt"; halb-8 Uhr -abends, zu beson-d«eren Preisen,, „T u r-a-ntz.o t" mit Lehmann und Kiopura. Burg t h -e ä t.e t,. Morgen. 7 Uhr. „D er junge A a r". , Akada m t c t he ater. Morgen, h a vb 8 Uhr, „Mädel von heut e". ' D'eü t >s ch e 3 Vol k s t h e q t c r. Die heutige Nachmittagsvorstellung von ,,'NaHau ’c-er Weise" mußte wogen.. Erkrankung eines-Darstellers auf Samstag, den 8. Jänner 1927, verschoben Morden'.' Die gelösten Karten behalten ihre, Gültigkeit. Th e n tc r i n de rJ o s es st a d t. Montag, halb 8 Uhr, gelangt zum erlstenmctl die Komödie „Der Revisor" von Gogo'l zum ersten Male zur Aufführung. Heute findet im Nahmen der Nachtvorstellung d-as erste ltal-ienische Gcfamtgastfpiel dies Teatro d« Arte >i Roma unter der Leitung Luigr Pirandelllos statt. Es wird-„Sei personaggi in cerca au'tore" (Sechs Personen suchen einen Autor) aufgestvhrt. .Theatergerneirrde des Burgchentevs vom Jänner bis Juni 1927. Das Burgthe.'.ter hat sn: die Borsteckungender Theatergemeinde von Jänner bis Juni 1927 nachfolgende Werke in..Aussicht genommen: Schiller: „Don' Carlos": Rostand: „Der - junge Aar": Goethe: - ,Kgmönt": Racine Schiller:' „Phähra"; Schnitzler: „Der junge Medardus": Beu - Jonion-Zweia:- ..Bo'vdne": Ibsen: „Die Stützen der Gesellschaft": Scrive-Leo Lenz: ...Leonie", Lustspiel Franz Nablr „Trieschn'l", Drama:-Sha"e'pe re: „Mache h'; Iü'es Romain: ..Der Dikt'tor", Komödie: Sil-Bara: „Das Genie und sein Bruder", Komödie. „Künstler im Knnsthandwork und in der Industrie." Diese ebenso bevülhmtes.Werk ..Krieg, Wehrpflicht und Staatsverfassung" sind aus dem l'iguid-icrendeu Rikolla-Verlag in den Bevl'ag R. L öw: i Wien, 1. Bez., Fllcischmarkt 1, i'Ibergegängen. Damit'.sind jetzt alle Hauptwerke des großen PhilosoWen im Verlag Löwit vereinigt. Poppor-Liinkcus" „Dir allgemeine Nührtzflicht" und sein ebenso berühmtes Werk „Staat. Krieg und Gesellschaft" sind auch dem liguldierenden Niko!a-Verlag in den Verlag N. Löwit,' Wien, 1 Bez., Fleischm-arkt 1, Mergegangen Damit sind jetzt alle Hauptwerke des großen PhAosoHen im Verlag Löwit vereinigt, . Jüdisches Künstlerrnbarett, 2„.Bez., Praterstraße 60. Das beliebte Künstlerpaar - L e r e s c u absolviert ab heute ein kurzes Gastspiel. Mittwoch, den 22. d. 'M., findet anläßlichdos 36jährigen.Bühnenjubiläums des Herrn Max Streng eine , F e st,v o r fl or T ” it;rt statt. , BUbImb«» Sic «chon dlic „Wiener Plorgenzeltumi“ gtoonnlefi? Gestern wurde im FlnaiMusschuß. daA Leibrentnerg-es-etz angenommen. Der Berichterstätter' Dr. S ch ü - mache r'pries in warmen Worten diese „soziale Lösung" des Anfwerlungsprobl-ems, das den schwachen DersicherungAgesellschaften, den kleinen Pensionsvereinen, die ohne den gemeinsamen Fonds 'vielen armen Leuten keine aufgewerteten Lelbren-ten zahlen könnten, entg-egenkomme, andererseits den durch, die Geldentwertung ruinierten Versicherungsnehmern helfe; er tat sich be-sonders' darauf zugute, daß das Gesetz m it 1.'Janncr 19 2.6 rückwirkend ist, so daß die Leibrentner den Rentenbezug eines ganzen Jahres auf einmal in die Hand bekommen werden. Der wirkliche 'Sachverhalt ist aber ein 'ganz anderer. Das Lvibrentnergesetz wurde aus denr Komplex der Auftvertnngsfragen herausgegriffen, um einem Mteil des Obersten Gerichtshofes, wonach Leibrentenverträge im Rahmen der 'finanziellen Leistungsfähigkeit der Versicherungsgesellschaften auflvertungspflichtig seien, die praktische Wirkung unmöglich zu machen. Im übrigen wurde dem L'eibrentnergesetz im § 10 noch eine Fass-nng gegeben, die für alle anderen Lebensversicherungen die Geltendmachung von Auswertungsansprüchen a-nf gerichtlichem Wege als völlig aussichtslos erscheinen lassen muß. . Nachdem also durch die lanWährige Schu-ldenpolitik der Staatskredit derart heruntergewirtschaftet wurde, . daß der Staat zp seiner Refundierungsanleihe nur auf dem Umwege über den vorgeschobenen Zentralbankfonds { gelangen konnte, wird nun durch emen Mt Äsr--..ÄsWlativ-e - ' ' '' " den Versicherungsanstalten, - die unter dem Schutz des Schillingrechnungsgvsetzes mit seinem Schlüssel von 10:000 alte Kronen gleich einem. Schilling -gestellt werden, - ihre Leistungsunfähigkeit verbrieft. Das geschieht zur se-lben Zeit, in der das Landesgericht Wen in der Frage einer auf einem Hause begründeten Renten» Versorgung ein Erkenntnis -gefällt hat, man müsse bei der Erledigung der Klage auch noch ans die Möglichkeit Rücksicht nehmen, daß^iu.irgendeinem Zeitpunkt der Mieterschutz aufgehoben oder zumindest die Vorschriften über die ZinsbildurD -gelockert werden könnten. Das Urteil des Landesgerichtes betonte noch ausdrücklich, daß die Judikatur heute schon überhaupt auf dem -Standpunkte stehe, sogar schenkungsweise zu-g-esicherte Unterhaltsrenten seien auswertbar. Die 'Legislative, d. h. die im Staate herrschende Partei, ist aber der Ansicht, daß selbst die großen Verstchernn-gsgese-llschaften, die an Prämien für Lebensversicherungen jahrelang Gold oingehoben haben, dafür nur - wertloses Papier herzugeben brauchen. Die Legislative ging sogar :so weit, daß sie die Einfügung einer harmlosen, Fornrel, die die Hoffnung auf eine spätere Lösung des Austvertungsproblems immerhin noch -hätte auskonimen lassen, abgewiesen hat. oblvohl, wie vom Antragsteller Hol g l hervorgehoben wurde, die Versicherungsgesellschaften selbst gar nichts gegen eine solche Klausel hätten. Ihre wahre Sympathie für den beweisen die juden .durch: Massenbeteiligung an den Keren Kajemeth-Jubiläums- ^ei^rn, der .Massenadresse des Keren Kajemeth, Mitarbeit als Sebstkontingentler, Verbreitung der Keren Kajemeth-Büchse, Beitritt zur Rabattsektion

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