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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-12 · Heft 2799 (12.12.1926) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2799 (12.12.1926)
Date
1926-12-12
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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4vicWf» JwPT'j*P|jWfini|i 02. Dszemver 1906 Nlm, Somckvg Serlchtssaal. »er «erd i« SrMlMoandimer. Aus Lzortkow wird uns gemeldet: Hier de. -an« am Freitag unter allen Anzeichen eines SensationSprozeffeK die SchttmrgerichtSverhandlung g 'gen das Ehepaar Theodor und Katharina Aksentiew, die seinerzeit den jüdischen Arzt Dr. Leon Margulies ermordet hatten. Die Verhandlung wurde auf Antrag des Vertreters der W'.ttve für öffentlich erklärt mch nur für die Zeit der Einvernahme der Angeklagten und der weiblichen Zeugen, die über angobliche intime Vorgänge während der Ordination des Arztes aussagen sollen, geheim geführt. Beide AngÄlagten erklärten, daß der Mann nur mitschuldig sei, da die Tat von der Frau ausgcführt wurde. Die Angeklagte erzählte, sie habe sich schwanger gefühlt und den Arzt Dr. Margulies konsultiert, der ihr angeblich zu einem Eingriff geraten habe. Als sie einwilligte und an einem der nächsten Tage zur Vornahme der Operation erschien, habe ihr der Arzt einen Antrag gemacht, damit sie im Sinnesrausch die Schmerzen der Operation leichter ertrage. Sie erzählte dies ihrem Gatten, der sich aus diesem Grund von ihr scheiden lassen wollte, um nach Wien zurückzukehren, wo er Medizin studierte. Nach einigen Tagen besuchte das Ehepaar den Arzt, um von ihm Genugtuung Mr die Beleidigung zu verlangen. I Dr. Margulies erklärte die Beschuldigungen der Frau für Phantasien. Als er aber das Unterred ungszimmer verlassen wollte, zog Aksentiew den Revolver. Der Arzt stürzte sich auf den Mann und wollte ihm den Revolver entreißen. Da ergriff die Frau die Waffe und schoß Dr. Margulies ins .Herz. Die Verhandlung, die in der ganzen Umgebung großes Interesse hervorrief, da der Ermordete als Arzt wie auch als Mensch sehr beliebt war, soll morgen zu Ende geführt werden. ,Zudk" Aus Prag wird uns geschrieben: Eine Foau hatte sich wegen des Ausspruches „I u d e" vor dem Bezirksrichter zu verantworten. Sie wurde von der Ehrenbeleidigung freigesprvchen, da es sich um einen allgemeinen Ausspruch handelte und der Zusammenhang, in welchem er gebraucht worden war, nicht mehr feststellbar ser Der Privatkläger meldete die Berufung an. HerrenlacUschuhe 2>950 VII. BURGSASSE 5 TOBM. ^S^orokalschuhe 29 50 LTacksnamgenschuhe 29 50 lierrenlacUschuhe 59 50 Weihnac hf/wun/ch über die nun vor dem Berufungssenat des OLGR. Dr Cerveny verhandelt wurde. Der Senat hob das erstinstanzliche Urteil auf und verurteilte die Frau zu 100 K., bezw. 48 Stunden Arrest aus nachstehenden Gründen: „Die Form des Ausspruches war ehrenrührig. Ts handelt sich nicht um die Feststellung eines reügiösin Bekenntnisses, iondern um die deutliche Absicht der Angeklagten, wenn auch nur mit einem Wort dem Privatkläger die Geringschäkung seiner Person auszudrücken. Im vorliegenden Fall ist erwiesen worden, oaß die Angeklagte sich eines hämischen Tones bedient hatte." Der Be'riebsleiter der Nnxsei bahn wegen Betruges verur-eilt. Aus W r.-N eustodr wird uns berichtet: Wie seinerzeit gemeldet, wurde der 48jährige Betr'ebsleiter ter Naxseilbahn Franz Winkler, unter, dem Verdachte verhaftet, den Nachtwächter, der NaxseMahn Jakob Rhba ermordet zu haben. Winkler leugnete den Mord hartnäckig und es stellte sich auch seine UnschuL heraus, weshalb Nas verfahren kr dieser Richtung gegen ihn ein-gesteHt und gegen ihn nur wegen Unterschlagung von VetriebSgeldern in Ht von 4S07J©. eine BetrugSanklage erhoben würbe. Astern wurde WinKer von einem Schöfsensenat zu acht Monaten schweren Kerkers verurteilt, von denen fünfeinhalb Monate durch die Untersuchungshaft als verbüßt erscheinen. Et» Wachmann, der sei» Kind weglegt. Der ehemalige SicherheitZwachnrann Josef Staufer hatte, am 12. November 1908 eine Jüdin geheiratet, doch ging die Ehe bald in Brüche, weil Staufer das aus der Eye entflammende Mädchen nicht nach der, Religion seiner Frau erziehen lassen wollte. Der Vater verpflichtete fidx oaS Kind m Verpflegung und Erziehung zu übernehmen. Am 11. Juli 1963 fuhr er mit dem Kinde nach Budapest, um es angeblich dort in Pflege: zu geben. Nach feiner Rückk^r erzählte er hier, er habe das Kind in Budapest gut unlergebracht, ließ sich aber, in dir Enge getrieben, zu dem Geständnis herbei, daß er das Kind rm Flur tes Hauses Eaiget Nr. Lweggelegt halbe. Er gab an, solange in der Nahe gewartet -u haben, bis jemand das Kind an sich genommen habe. Das sechs Monate «Ate Mädchen ist bal-d darauf gestorben, da es schon früher an einer Darmerkrankung gelitten hatte. Gtaufer hatte sich außerdem wegen Betruges zu verantworten, weil er 17 Monate hindurch nach dem ÄK» deS Kindes für dieses widerrechtlich die staatliche Unterstützung bezogen hatte. Er verantwortete sich mit großer Not, die eS ihm unmöglich machte, für das Kind zu sorgen. Der Einzelrichter des StraflandesgerichteS 2, Doktor Werner, verurteilte den Angeklagten zu zwei Monaten einfachen Kerkers und das Oberlandesgericht bestätigte diese Strafe Eine bedingte Verurteilung konnte nicht zur Anwendung kommen, weil Staufer außerdem wegen ek»«« EinbruchSdiebstahkes bestraft wurde. Deretm. Borlrffge «ad Sersmamlunzea. Volkshochschule Leopoldstabt, 2. Bez.. ZivkuLgasie 4S. 7 Uhr: Korvzertmäßlge OpernaufsÄhrmdg „Figaros Hochz e i t". Komische L<per von Mogart. Karten zu S. L— bis 40 Groschen. — Zionistische Sektion Prater. Heute, 3 Uhr abends, im Heime, 2. Bez, Jungstraße 8, Vortrag von Gemeinderat Dr. Leopold PlafchkeS. — Bereinigung zionistischer Bankbeamter. Am 14. d., Cafe Arkaden, 1. Bez., Universitälsstr. 3. Vortrag O'bevprok. und Borst. Hugo Rechnitz er über „Kultusgemeinde oder VMIsgem-einde. Korreferent Wilhelm Epstein Beginn 834 Uhr abends. — Zionistische Sektion 6—8, 8. Bez^ Bennoplatz 1 a. Donnerstag, den 16. d. havb 6 Uhr abends, Vortrag Walter Markus: „Warum setzt man Po^rer-LynkeuS «in Denkmal?"; Dr. Camillo Tynd al: Rezitationen aus „Phantasien eines Realisten" und anderen Merken. — Zionistische Bezdrkssektion und Zionistische Frauengruppe Döbling. Morgen, Montag, J49 Uhr abends, Cafe Döblingerhof. IS. Bez., BillroMraße 40. Bortrag Mfr«d Weishut: „War die Aufrollung des Judenstaatsprobloms am letzten zionistischen Dekegiertentage notwendig?" fOIMilflRTSCBAfT Der zweite Zug nach Senf. SB« sich mit 200 Rilioar« Schilling schaffen ließe. Die Inhaber der Regierungsgcwalt in Oesterreich dürften sich kaum im Unklaren darüber sein, daß ihr Verhalten in der Postsparkassenäffäre, wie es durch die Verhandlungen des Untersuchungsausschusses aus dem Dunkel der Couloirgeheimnisse in das Helle Tageslicht der Öffentlichkeit gezogen wurde, nicht geeignet ist, sine Achtung zu begründen, ohne die ein Staat nicht bestehen kann. Seipel, Kienböck, S ch ü r f f und Ramek hatten von den Verfehlungen Ahrers un-d Klimesch. die der Gesamtheit einen Verlust von 110 Millionen Schilling eintrugen, frühKeit'g Kenntnis, aber sie taten nichts, um die Schuldigen zu entfernen und zur Derantwortung zu ziehen; sie wußten, daß Arges begangen worden sei, aber sie schwiegen, aus Angst, der Partei, der sie angehören, könnte daraus ein Schaden erwachsen rmd so ist es klar erwiesen, daß sie das Staatsinteresse dem Parteintereffe unterordneten. Wenn künftig Seipel noch einmal im Namen der ewigen Moralgebote die Unterordnung des Einzelwillens unter den Gesamtwillen preisen sollte, so wird man ihn billig fragen dürfen, ob hinter dem Staatswillen sich nicht partikuläre Gewalten verbergen, für die das öffentliche Wohl nur als Vorspann mißbraucht werde. Wer wird es künftig dem zum Opfer Augerufenen verargen können, wenn er Zweifel hegen wird, ob sein Opfer nicht wieder einmal dazu verwendet werden soll, die Gesetze zu brechen, den Bruch der Gesetze demjenigen gtt erleichtern, der dazu berufen war, ihr Vollstrecker zu sein? Die Schuld Seipels und Ksittböcks ist vom Standpunkte der Moraltheologie, deren Lehren ihnen angeblich Wegweiser durch das Labyrinth des Irdischen sind, noch größer als diejenige AhrerS und RamekS. Als Ahrer durch seinen Postspqrkasfevertrag staatliche Gelder via Bose! an die ausländische Union Trust A.-G. preisgab, war er Mitinhaber der Regierungsgewalt; er nützte sein Amt, so wie er es verstand und wie er es tun zu dürfen glaubte, aus. nachdem er sich die unerläßliche Unterschrift Gchürffs verschafft hatte. War diese Unterschrift erschlichen, so mochten Schürff und Ramek den Skandal scheuen und es im Interesse der Staatsautorität fahr zweckmäßiger halten, daß der Öffentlichkeit nicht das. Schauspiel geboten werde, wie die Inhaber der höchsten Regierungsgewatt einander i« den Haareid liegen. Aber Seipel und Kienböck waren zu jener Zeit Privatleute und an solche Rücksichten nicht gebunden, wie die aktiven Minister. Seipel und Kienböck war von Ramek das Schiedsrichteramt über seinen Konflikt mit Ahrer übertragen worden. War dies nun in einem Fall, wo es um eine Steigerung der staatlichen Verpflichtungen um 630 Milliarden ging, ihre einzige Aufgabe, darauf zu achten, daß sich zwei christlichsoziale Minister vertragen, Bosel seine 260 Milliarden zu schenken, und überdies noch dem Staat eine Schuldenlast von 280 Milliarden aufzuhalsen, damit die Genfer Union Trust A.-G. an Basel ihr Geld nicht ebenso verliere, wie die Postsparkasse an ihm ihr Geld verlor. Es war weder Erfüllung der staatsbürgerlichen noch der schiedsrichterlichen Pflicht, wenn die Intervention Seipels auf das Resultat hinauslief, „aber, liebe Freunde, wer wird sich streiten, — wegen paar Millionen Dollar". Dem Genfer Trust wurde dadurch allerdings die Sorge um die paar Millionen Dollar abgenommen und lsiefür der österreichische Staat belastet. So tat denn Seipel, was er schon einmal getan: Er führte Oesterreich zum zweiten Male nach Genf. Das erste Mal — das war im September 1932 — hatte er es dem Genf des Völkerbundes überantwortet. Das trug Oesterreich eine Anleihe von 660 Millionen Goldkronen ein und Seipel rechnet sich diese Führung nach Genf als Ruhmestat an. Und so wird man eS ihm auch zurechnen, daß er —- es war im September 1926 Oesterreich via Bofel-Ahrer wieder nach Genf Ohren ließ, aber an das Genf der Comptoir d'TSeompte, der Union Trust und des Herrn Joffua, der sein Geld an Bosel nicht verlieren durfte. Nach der Tragödie das Satirspi-el, nach der hohen Staatsaktion der Sanierung Oesterreichs mit Hilfe des Völkerbundes, die Komödie der Sanierung Basel- Jossuas mit Hilfe Oesterreichs. Dieses, von Herrn Seipel in offizieller und nichtoffizieller Mission sanierte Oesterreich hat sich im Laufe von vier Jahren eine Ausgabe von 110 Millionen Schilling — Post: Spielverluste der Postsparkasse — und 90 Millionen Schilling — Post: Spielverluste der Zentralbank — geleistet, zusantmen 200 Millionen Schilling, die die Großmannssucht seiner Machthaber ans dem Staatssäckel vepgpttdÄ hat. Aufkonrmen hiefür werden aber nicht sie, sondern önS von ihnen in den Bankerott himinregierte BoSk, M dessen Aufklärung nun folgende Betrachtung darüber, was man mit 20V Mllione« Schilling Mss jWe unternehmen können, angcstellt werden. Der Nettoerlös der Volkerbnnöanlei he von 660 Millionen Goldkronen oder 936 Mcklionan Schilling, die Dr. Seipels erster Zug nach Genf eingetragen hat, belief sich (nach Abzug der englischfranzöfischen und tschechoslowakischen Kreditvorschüsse, der nicht in Anspruch genommenen Schweizer Tranche von 27.4 Millionen Schilling und der im Ausland ah Garantiedepot stir den Anleihedienst belassenen 81L Millionen Schilling) auf 856 Millionen .Schilling. Der Zinsendienft der Völkerbundanleihe kostet jährlich zirka 112 Millionen Schilling. Mit dem bei der Zentralbank und Postsparkasse verlorenen Millionen könnte man also fast zwei Jahre lang den Dienst der BSKwbmrdau» leihe besorgen, ohne daß eS nötig wäre, für die Austvingsma bäsfvr Summe das Budget zu belasten. Mit 200 Millionen könnte man aber <mch ' fast ein Viertel der Bölkerbuntzanleihe tilge«. und da wäre es sehr wohltätig gewesen, viel WMtätiger, als dem Herrn Joffua zu seinem Gelds zu verhelfen, denn die Tilgung um ein Viertel würde ein Zi nsen erfparn is von jährlich 28 Millionen Schilling bedeuten und um so vieles würde sich der Steuerzuschlag, den die österreichische Bevölkerung auf sich nehmen mutz, um das Budget auszugleichen, ermäßigen. Um ein Viertel die Steuerlast erleichtern, das hieße um so viel die Konsumrkrast des Landes heben, die Produktion bekäme neue Anregung, die Arbeitslosigkeit würde sinken, Licht und Schaffensfreude würden in Oesterreich einziehen. Das hätte sein können, wenn die Völkerbundanleihe von den Regierenden Oesterreichs nicht eben zu fast einem Viertel dazu verwendet worden wäre, um Bosel-Klimesch-- Buresch-Rintelen Kapital zum Börsenstüel zur DersAgung zu stellen. Mit 200 Millionen Schilling, wenn sie nicht dem amtlichen Spielteufel hingeworfen worden wärm, konnte man die alte« Schulde« valorifieren und man brauchte sich nicht jetzt auf solche. Rkchche« einzulassen. wie die Üeberstempelung der Renten auf Schillinge nach dem Schlüssel von 10.000 (gute alte) Kronen 1 Schilling; man brauchte sich nicht „Sorgen" um den „optischen Eindruck" im Auslände M machen, wenn die Renten nach der Einführung der Schillingnotienmg weiterhin pro 60 Guldou d. i tzvo

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