Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2798 (11.12.1926)
- Date
- 1926-12-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, KamSkas ff. Dez-Mer IE «Sttelk Skr. SM TOIKSWIRISCHATT KrmSßigung der Diskontrate in Pole». Warschau, 10. Dezember. (Wolfs.) Die Bank von Polen hat den Diskontsatz auf 9Y2 Prozent herabgesetzt. . * Die Herabsetzung der Diskontrate in Polen ist eine Maßnahme, die die Folgerungen aus der Besserung der valutarischen und wirtschaftlichen Situation des Landes seit der Pilsudski-Revolution zieht. Die Bank von Polen Haide von allen Notenbanken bisher die höchste Bankrate und auch jetzt noch bei einem Diskontsatz von 914 Prozent, steht Polen an der Spitze aller europäischen Notenbanken, so daß die Ermäßigung um bloß ein halbes Prozent von den wirtschaftlichen Kreisen des Landes noch immer als unzulänglich befunden werden dürfte. ‘ Es ist immerhin zu verwundern, daß dieser Schritt, der nur als Anfattgeversuch zu werten ist, nicht schon früher geschahen ist. Die 'Aprilrevolution hatte zwar sofort eine Beruhigung im Lande zur Folge gehabt, aber ein besonderer G-lückstroffer ist ihr dadurch in den Schoß gefallen, daß unmittelbar darauf der englische Bergarbeiterstreik ausgebrochen Ist, der in der ganzen Welt eine Kohlenknappheit hervorrief, so daß die Länder, die früher ihre Kohle aus England bezogen, auf die polnische Kohle zurückgreifen-mußten. Polen war jener Staat, der die geänderte Kohlensituation am ehesten überblickte und sich ihr am raschesten anpaßte. Seit Mai wies die Kohlenausfuhr Polens steigende Ziffern auf und daraus resultierten steigende Deviseneingänge, die die polnische Valuta, die auch nach der Etablierung des Pilsudski-Regimes einer ungewissen Zukunft entgegensah, besser fundieren konnten, als dies je mit Hilfe finanztechnischer Maßnahmen, die nur zu oft auf die Bedürfnisse der Volkswirtschaft keine Rücksicht nehmen, hätte geschehen können. Die. polnische Handelsbilanz ist im Zuge der Kohlenkonjunktur sukzessive aus einer stark passiven eine hochaktive geworden, die hochaktive Handelsbilanz bÄkchte es aber allmählich mit sich, daß die Valutenspeklllätion in Polen — und jegliche Valutenspckulgtion richtet sich in der Regel gegen die Währung des eigenen Landes — allmählich aufhörte. Heute kann bereits gesagt werden, daß es eine Valutenspekulation dieser Art in Polen nicht mehr gibt. Der Privatdollarkprs hat sich bereits der Höhe des offiziellen Kurses von 8.99 Zloty angeglichen; fremde Zahlungsmittel werden auf den schwarzen'Börsen überhaupt nicht mehr gesucht, den reellen Bedarf kann die Bank polski ohne weiteres befriedigen und im übrigen zeigte sich im Zusammenhänge mit den Kohlenlieferungon Polens im Auslande eher Franr uni» Lira im Spiegel der Budget». Der französische F^a.w tendierte gestern et.^as schviiHec und bewegte sich nach einem Eröffnungskurs von 20.50 gegen Zürich auf dem Stande von 20.271/2 6ü 20.35. Die Mitteilung über die Annahme des Budgets pro 1927 durch die Kammer, welche mit einer großen Majorität — mit 410 Stimmen gegen 135 Stimmen der Komnrunisten und Sozialisten -— 'erfolgte, blieb auf Pie Tendenz der Devise Paris ohne -.Einfluß. Das Budget weist einen Ueberschuß auf, Einnahmen von rund 40.099 Milliarden stehen Ausgaben vor: rund 39,634 Milliarden gegenüber, ©eiltet* kenswert waren die Angaben des Berichterstatters des Finanzausschusses über den zu erwartenden A n t e i l F r a n k-- reichs an der Annuität des Dawesplanes; er bezifferte ihn mit 800 Millionen Go'dmark unter Berücksichtigung der Tatsache, .daß infolge Befriedigung der belgischen Priorität der Anteil Frankreichs von 52 auf 54.5 Prozent echöht worden sei.' Die Lira totes gestern bei einem Stande von 22.45 eine feste Grundtendenz auf. Ueber die Zukunft der Lira,bzw. über die Pläne der italienischen Reg'erung hinsichtlich einer Revalorisierung de r L i r a lag' gcsterir eine bedeutsame Kundgebung des italienischen Finanzministers B o l p i vor. Anläßlich der Beratung über die Umwandlung des Dekrets betreffend die kürzlich aufgelegte Lictorium- Anleihe (s. „Wiener Morgenzeitung" vom 17. November d. I.) in ein Gesetz, hielt Bolpi im Senat ^eine große Rede, in der er betonte, daß das abgeschlossene Budgetjahr 1926/1926 einen tatsächlichen Ueberschnß von 2338 Millionen an Stelle des in den ursprünglichen Voranschlägen vorgesehenm Betrages von 1500 Millionen außveise; die. ordentlichen Einnahmen hätten bis zum 30. Juni d. I. die Höhe von 20.475 Millionen erreicht. Dev Minister ver- Bedarf an Zlotydevlftn, welcher erst recht zu einer Konsolidierung der polnischen Währung beitrug. Aber auch im Ausland hat die Spekulation gegen den Zloty aufgehört; das geht daraus hervor, daß Geschäfte in Zlotyverzinsun'g in Wien und Berlin fast nicht mehr getätigt ^werden, daß die Sätze für den Report Warschau nur taxativ sind, all fällige Abschlüsse nur ganz sporadisch Vorkommen und ein Desagio des Zloty gegenüber dem stabilisierten Kurse als relativ unerheblich erscheinen lassen. In den letzten Tagen ist zwar wiederholt in W'.en der Versuch gemacht worden, das G: schüft in Zlotyverzinsung zu beleben, ohne -daß ihm jedoch besonderer Erfolg beschieden gewesen wäre. Die fid) nur schüchtern rührende Zlotyspeikulation operierte mit dem Argument, daß das Aufhören der Kohlenkonjunktur mit einem Nachlassen der Deviseneingänge an die Bank polski verbunden sein müsse. Es ist immerhin möglich, daß. die nur geringfügig? Ermäßigung der Bankrate sich als eine V o r s i ch t s matz rege! der zur Verteidigung des Zloty berufenen maßgebenden polnischen Faktoren darstellt, die zunächst die Wirkung dieser kleinen Ermäßigung der Diskontrate abwarten wollen, ehe sie sich zu weitergehenden Maßnahmen entschließen. Im Uebrigen war die Ermäßigung der Diskontrate schon vor einiger Zeit angekündigt' worden und man brachte sie in Verbindung mit den Bestrebungen zur polnischen Finanzverwaltung, den Ge l dw u che r zu bekämpfen. Im Zusammenhänge damit ist ein Gesetz geplant, wonach bei reinen Geldtransaktionen höchstens nur 15 Prozent-verdient werden dürfen und daß die dem Kommittenten anzurechnenden Unkosten (Provision usw.) maximal ein halbes Prozent betragen dürfen. Die Regulierung der Geldsätze mit Hilfe von Dekreten hat sich aber von jeher als ein Schlag ins Wasser erwiesen; entscheidend bleibt immer der tatsächliche Geldbedarf und die im Lande effektiv vorhandenen Geldmittel, entscheidend ist die Lage des Geldmarktes. Es ist kein Zufall, daß die polnischen maßgebenden Faktoren sich gerade jetzt zu einer Bekämpfung des Wuchers nicht nur mit Hilfe von Gesetzen, sondern mit Hilfe einer Ermäßigung des offiziellen Zinsfußes entschlossen haben, denn die allgemeine Besserung der staatsfinanziellen und volkswirtschaftlichen Lage Polens kommt -ihnen in dieser Beziehung entgegen.... wies danau,', daß die italienische Handelsbilanz sich fortschreitend bessere, und daß seit dem Monate Mai der Ueberschuß der Einfuhr gegenüber der Ausfuhr allmählich zurückgegangen sei. Die Regierung halte an dem Programm einer systematischen Herabsetzung des Notenumlaufes fest und erachte den in der Revalorisierung erzielten Fortschritt für befriedigend, um so mehr als zu diesem Zwecke irgend eine Intervention des Schatzamtes weder in Italien, noch im'Ausland stattgefunden hätte. Zur Lictoriums-Anleihe übergehend, bezeichnet der Fmanzminister die Konsolidierung der schwebenden Schuld als ein Mittel der Sicherstellung der Wahrung und erklärte, daß die Anleihe zur Verbesserung der Volkswirtschaft verwendet werden solle. Die Lictoriums-Anleihe habe den Zweck, den Kredit nicht durch künstliches Geld, sondern mit Hilfe des im Lande befindlichen unproduktiven Geldes zu alimentieren. Aus dieser Erklärung Volvis geht hervor, daß die italienische Finanzverwaltung genau so wie Poincare sich noch mit weiteren Plänen einer Erhöhung der Valuta trage V.nd noch nicht an eine Stabilisierung im gegenwärtigen Augenblicke denken kann. Lee Kampf um dar Rerttauische Rohöl. San Antonio (Texas), IO. Dezember. (Reuter.) Ein hiesiges Blatt verWentlicht eine Erklärung des ersten Beraters einer bedeutenden amerikanischen Petroleumgesellschaft, wonach alle Petroleumgesellschaften in Mexiko sich den neuen Gesetzen über das Eigentum in den Petroleizmgebieten unterwerfen werden. * In den letzten Wochen wurde in der amerikanischen Presse ein heftiger Feldzug gegen die mexikanische Regierung geführt, der damit begründet wurde, daß daS kürzlich erlassene Gesetz über die Abgaben der Petroleumgesellsichaften für diese alvz>u ruinös sei und «ß ihnen die Erfüllung ihrer wirtschaftlichen Äufgäbbil unmöglich mache. Die Petroleumgesellschaften, die überwiegend amerikanisches Kapital repräsentieren, juchten dieses Gesetz gewissermaßen zu sabotieren, indem sie neue Bohrungen nicht mehr Vornahmen. In der amerikanischen Presse wurde ferner darüber geklagt, daß die Rohölausbeute Mexikos stark zurückgegangen sei, was als eine Gefährdung der amerikanischen Interessen bezeichnet wurde, da Amerika ans den Petroleumbezug aus Mexiko angewiesen sei, und es wurde daraus die Schlußfolgerung abgeleitet, daß die mexikanische Regierung das Abgabengesetz einer einschneidenden Revision unterziehen müsse. Die Pressekampagne gegen die mexikanische Regierung fiel zeitlich mit der Kampagne der ultramontan orientierten Kreise gegen die mexikanische Kirchenpolitik zusammen, so daß man die Regierung der Union beschuldigte, sie wolle die infolge des Kirchenstreites entstandenen Schwierigkeiten Mexikos ausnützen, um für sich aus dem Titel des Petroleumgesetzes Sondervorteile zu erringen und ihre kapitalistische Präpotenz über das benachbarte Land auszudehnen. Die mexikanische Regierung konnte sich gegen die Preßkampagne nur durch Vorlage von Ziffern wehren, die .den Nachweis zu erbringen suchten, daß der Rückgang der Rohölausbrute Mexikos keineswegs so erheblich sei, wie er in der amerikanischen Presse geschildert werde; sie verwies ferner darauf, daß die Steuern, die sie den Petroleumgesellschaften zumute, keineswegs so groß seien, um ihnen die geschäftliche Prosperität vorzuenthalten. Eine in amerikanischen Zeitungen veröffentlichte Kundgebung, die auch von mehreren ehemaligen Staatssekretären unterzeichnet war und in der dem amerikanischen Publikum empföhlen wuvde, seinen Bedarf wolöglich mit einheimischem Rohöl zu decken, war übrigens geeignet, die Behauptung, daß ein Rückgang der mexikanischen Rohölausbeute den amerikanischen Konsum schädige, gründlichst zu widerlegend Die oben veröffentlichte Erklärung einer bedeutenden amerikanischen Petroleumgcsellschaft läßt darauf schließen,'daß der wirtschaftliche Friede zwischen Amerika unh Mexiko -demnächst eingeleitet werden dürfte. ' - Das österreichische Wirtschaftsjahr 1926 und seine Auswirkung. Diesen Titel trägt ein Vortrag, den Direktor' Doktor Berthold Sprung am 18. d., um halb 7 Uhr abends,, in der österreichischen Leogesellschast, Wien, 1. Bez., Erzbischöfliches Palais halten wird. Verhandlungen über den Beitritt Oesterreichs zum Stahlkartell. Aus P a r i s, 10. Dezember, wird telegraphiert: Die internationale Rohstahlgemeinschaft hat -in Wer heutigen Sitzung für das erste Vierteljahr 1927 eine Herabsetzung-des gegenwärtigen Produktionsprogramms am. 1,500.000 Tonnen be-, schlössen. Die Verhandlungen wegen Anschlusses an das Stählkartell'- wurden im Laufe des heutigen Tagesnicht nur mit den tschechoslowakischen, sondern auch mit den österreichischen und u n ga r i sche n Werken'geführt. Die'Beratungen nehmen einen günstigen Verlauf. . Gläubigeroersammlung der Kärntner Bank. Gestern abends fand in Klagensurt eine vom.Oesterveichischen Wirtschaftsverein einberufene Gläubigerversammlung der Kärntner Bank statt, .in der nach Berichterstattung über die. Ursachen des Zusammenbruches beschlossen wurde, die Vertretung der Forderungen der kleinen Gläubiger dem von den Klagenfurter wirtschaftlichen Körperschaften gebildeten Kroditorenverein zu übergeben. Eine kommerzielle Studienreise nach Rußland. In der am 7. Deze-mber 1626 'in der ruffischen Sektion des 'Handels- ' museums abgehaltenen Sitzung forderte deren Präsident, Kommerzialrat Eugen Koppstein, zur Teilnahme' an einer von der Sektion veranstalteten Reise nach Rußland .auf. Die Reife dürfte mit Rücksicht auf die Wiener Frühjahrsmesse wahrscheinlich für Anfang Februar festgesetzt werden. Rechtsanwalt Dr. Cm glämder verwies auf die Vorteile eines Handelsvertrages mit Rußland hin und forderte dse Sektion ans, -den Abschluß eines dem deutschen Ähnlichen ‘r Vertrages bei der österreichischen Regierung durchzusetzen. Die Diskussion über diese Frage wurde auf eine andere Sitzung verschoben. Verlängerung der Fusjonsbegünstigung. Mit 31. d. M. läuft di« Geltungsdauer des FusionsbegünstigungSgosetzes ab. Um nun schwächeren Betrieben — es handät sich nicht nur^ um Banwetriebe — durch Steuern- und Gebührenbegünstigungem die Zusammenlegung zu erleichtern, erscheint die Verlängerung dieses Gesetzes notwendig. Gestern wurde im Nationalrat vom Abgeordneten K l i m a n n ein Antrag eingebracht, mit dem die Regierung beauftragt wird, dem Nationalrat ehestens einen Gesetzentwurf' betreffend die Verlängerung des FusionSbegünstrgüngLg e f e tz e s vorzul-egen. Namens der HandelKanrmer sprachen geistern Kammerpräsident Tilgner. Vizepräsident Bimzl und Kammersekretar Professor Dr. Misos beim .Finanzminister Dr. Kienböck vor, um den Antrag.der Kammer auf Verlängerung der geltenden Steuer- und Gebüh re nb egün st ig u nge n für Fusionen auf unbefristete Zeit, zumindest aber auf mehrere Jahre, vorzubringem. Finanz-minister Dr. Kienböck erklärt«, daß die Regierung voraussichtlich schon heut« im Nationalrat eine diesbezüglich« Bor lag« einzubringen gedenke. Einer Verlängerung auf mehr als ein Jahr könne, er jedoch nicht das Wort reden, da es sich um eine Verfügung handle, die mit dem-. System unseres Personalftenörgesetzos nicht gut vereinbar sei. * 1. Sein diesjähriges Selbstkontingent 2. Die Aufstellung von 10 neuen Keren Kajemeth-Büchseb 3. Die Beteiligung an derMassenadresse a. d. Keren Kajemeth