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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-08 · Heft 2795 (8.12.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2795 (8.12.1926)
Date
1926-12-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Äe. 2798 Wiener Morgenzettnns S. MMMr Ä, MMMH Tagesbericht. »Lag der Schreite«." Wir beginnen in unserer morgigen Ausgabe mit der Veröffentlichung einer Novelle von Leo G. Stein, welche die Vorgeschichte und die Schrecken eines Pogroms tut zaristischen Rußland zum Gegenstand hat. Nur Abel Pann in seinem Bilderzyklus „Der TrLnenkrug" und Chaim Nachinan Bialik in seinem unsterblichen Gedicht „Maßa Nremirow" haben die Schmach des Pogroms so erschütternd geschildert, wie Leo G. Stein in dieser schonungslosen Chronik. In die Form von Tagebuchblätterir einer russischen Jüdin hat der Autor seine Novelle gekleidet, die inan mit tiefster Anteilnahme liest unb die sich zu einer furchtbaren Anklage steigert. ras 8nde des Aerkulis l« Aapa«. Die japanische Negierung hat die Anbetung von Tieren untersagt. Mit diesem Verbot schwindet wieder ein Stück des alten Japan dahin. Wie stark der Tierkult in Japan verbreitet war, geht aus der Mitteilung eines japanischen Blattes hervor, das folgendes mitteilt: Während der für die Jagd auf w i ld c Hunde freigegebenen Woche waren 5600 Stück dieser Tiere erlegt worden. Für diese fand nun in Kobe eine Gedächtnisfeie r, verbunden mit Gottesdienst im Okurayanra-Pa'rk statt. Diese Feier wurde tarnt Kencho von Kobe, einem hohen Prälaten, unter Mitwirkung von dreißig buddhistijschen Priestern und in Gegenwart von Negierungsbeanrten abgehalten. Diesen Vorfall hat nun die japanische Regierung aks Anlaß zum Eingreifen benutzt und den gesäurten Tierkult kurzerhand untersagt, weil die Anbetung und Verehrung von Tieren einer modernen Kulturnation uMvürdig sei. Die vielen tausend von Altären, die dem Tierkult bisher gedient haben, sollen sämtlich abgebrochen werden, wobei die japanische Regierung jedoch auf die Schonung von Altertümern Bedacht genommen hat. Sie hat angeordnet, das; alle Stücke, wie Bütivbilder in Stein und Metall, sowie sonstige für die Entwicklung der japanischen Kunst charakteristische Arbeiten vorsichtig abmontlert werden sollen. Dürfe Reliquien, die zum größten Teil auf eine mehrhundertjährige Vergangenheit zurückblicken, sollen dann in Museen und Kunstgalerren als Wahrzeichen der japanischen alten Kunst Aufstellung finden. Bei der großen Menge des vorhandenen Materials kann man aber auch bestimmt damit rechnen, daß eine bedeutende Anzahl dieser Stücke in den Kunsthandel gelangt, so daß die Museen und Sammler des Auslandes ihren Besitz an altjapanischen Kunstrbeiten vermehren können. La» Meraner Schachturnier. Meran, 7. Dezember. Der Stand vor der moi-gl* gen vierten Runde ist folgender: Colle, Kostitsch 2.5, Canal, Grünfeld, Przeziorka, Jates 2, Grob, Spielmann, Tartakower 1.5, Patay, Saeeoni 1, Alimonda, Cakavso, Rosselli 0.5. , Süden und Sozialdemokraten. Eine jüdische Massenversammlung in Wie«. In den Olympia-Sälen fand gestern abend eine von der zionistischen Bczirkssektion Innere Stadt einberufene Massenversammlung statt, in welcher die Referenten Gemeinderat Dr. Plaschkes und Oberbaurat Stricker über das Thema „Inden und Sozialdemokraten" sprachen. Die Versammlung legte Zeugnis dafür ab, wie stark das Interesse der jMschen Bevölkerung für die aktuellen Fragen ist, die gegenwärtig die Oefsentlichkert bewegen,, und wie sehr die jüdische Wählerschaft gegen alle Versuche protestiert, über ihre Stimmungen hinwegzugehen und sie als jdas rechtlose Mitläufertum einer Partei zu bagatellisieren. Die Referenten setzten sich mit den a n t i s e m itischen Tendenzen, die heute in der oste rrerchischen Sozialdemokratie herrschen kritisch auseinander, was eine von Mitgliedern der Poale Zion bestrittene, stellenweise schr lebhaft geführte Debatte zur Folge' hatte. Im Laufe dieser Debatte wurde gegen die Zionisten der Vorwurf erhoben, daß sie den Kainpf gegen die rote Assimilation nur als Vorwand benützen, um die Interessen des Kapitales gegen die Arbeiterschaft zu vertreten und daß die „Wiener Morgenzeitung" in diesem Kampfe Schützenhilfe leiste. Gemeinderat Dr. Plaschkes wies alle diese V e r l e u m d u n g e n, die ein Gegenstück zu den jüngsten Lügen der „A r b e i t e r - Z eit u n g" bilden, -mit der gebührenden Entschiedenheit zurück. Er erklärte, daß die gegenwärtige sozialdemokratische Politik einerseits wegen ihrer antisemitischen Färbung und andererseits wegen ihrer wirtschaftlichen Tendenzen, an deren Folgen ebenso die Arbeiter und Angestellten, wie die Unternehmer zu leiden haben, bekämpft werden müsse. Wir werdenüber den Verlauf der Mir irckwessanten Vei-sammlung noch belichten. Sie KNktuZsemeiRde Klagenkurt «Ad Sie jüdische» Iurchwanaerer. Dia „Wiener Morgenzeitung" hat int September ’b. I. unter dem Titel ,ß i n e traurige Maß - n a h in e der K u l t u s g e m e i n d e Klagenf n r t" berichtet, daß diese Knltnsgemeinde den trau-' eigen Mut gesunden hat, Negierungsmaßnahmen gegen arme jüdische Durchreisende zu fordern. Wir veröffentlichten damals auch eine Zuschrift des Triester Palästina-Amtes an die Klagenfurter israelitische Kultusgemeinde, in welchem dieses Palästina-Amt auf die unabsehbaren Folgen hinwies, wenn andere jüdische Gemeinden sich an diesem bedauerlichen Vorgang einer Kultusgemeinde ein Beispiel nehmen würden. Unsere Publikation übte in der Oeffentlichkeit tiefe Wirkung. Namens der Kuttus-gemeinde Klagenfurt sprach bei uns damals -ein Mitglied des dortigen KuftnsvorstandeZ vor Megillath — Anttochw. Wir berichteten in der letzte Sonntagsttummer Wer den bei den sephardischen Inden herrschenden Gebrauch, auch am Gharnckah eine , Megillath zu leisen. Wir veröffentlichen hier die deutsche Ueöersetzung der Megillath n-ach der Bearbeitung von I. H. Lowenstein. 1. Es War kn der Zeit des An'tiochus, Königs von Griechenland, welcher viele Staaten eroberte, ihre Königreiche und Festungen zerstörte, ihre Paläste in Feuer aufgehen ließ, die Gofangenen in schwerer .Haft hielt und am Meere eine ricssngroße Stadt, eine Restdeng mit einem königlichen Schloß erbaute; die nannte er nach seinem Namen „Antiochia" und diesen Namen trägt sie bis auf den heutigen Tag. Im dreiundzwanzigsten Jahre seiner Herrschaft, d. h. im Jahre Mekhundert und dreizehn nach der Erbauung des zweiten Heiligtums, ging Antiochus daran, Gottes Volk zu bedrücken. Er berief alle seine Großen und Diener zusammen und erklärte ihnen: „Ihr wisset doch, daß die Juden, die unter unsere Herrschaft geraten sind, unsere Befehle nicht erfüllen, unserem Gott nicht dienen wollen und nur auf eine Krise des Staates und der Regierung lauern. ... Es ist eine Schande für die Regierung, dies weiter zuzülassen. Deshalb rüstet euch, greifet sie an, bezwinget sie und verbietet ihnen die Erfüllung der drei Hauptgebote: Sabbat, Beschnetdung und die gottesdienstlichen Opfer." Diese Worte des Königs fanden bei den Fürsten und Dienern wohlgefällige Aufnahme. 2. Hierauf stattete König Antiochus seinen F-etdnmrschall Ni'kanor mit einer großen und nlächtigen Armee aus. Ni'kanor bezwang Jerusalem und verbot ihren Bewohnern die Einhaltung der drei Gebote: Sabbat, Beschneidung und gottesdienstliche Opfer. Da die Juden die Befehls nicht befolgten, ließ er unter ihnen ein furchtbares Gemetzel vollführen. Einer feiner hohen Kriegsleute übersiel die Tochter des Hohepriefters Matisjahu ben Jochanan, welche die Braut eines Mannes aus der Familie der Hasmonäer war, schleifte sie an den Haaren durch den Saal, warf iw auf eine Thorarolle, die er vorher ausgebreitet hatte, und peinigte und schändete sic vor den Augen ihres Verlobten. Und die Griechen stellten aus Rache einen Götzenaltar im Heiligtum auf, wo die Schechinah ihren Sitz haben sollte. Und "auf diesem heiligen Platz stachen sie ein Schwein ab und brachten sein Blut in die heilige Halle, die Asarab. 3. Als Juda, der Erstgeborene!des Hohepriefters . Matisjahu, von den Schandtaten der Griechen erfuhr, '.vard er von Zorn und Kränkung erfüllt und sann darüber nach, was zu tun sei. Er nahm ein großes Schwert, verbarg es unter seinem Gewand, kam vor das Tor des Palastes des Nikanor und bat den Torwächter, Nikanor zu melden, daß Juda, der Sohn des Matisjahu, vor ihm erscheinen wolle. Der Torwächter erstattete Ni'kanor die Meldung und dieser befahl, Juda vorznlassen. Nachdem Juda eingetreten war, fragte ihn Nikanor: „Hast auch du dich gegen mich und meinen großen König aufgelehnt?" Und Juda antwortete: ,/Es ist wahr. Ich bekenne mein Verbrechen, und nun bin ich ganz allein zu dir gekommen, tu' mit mir, was dir beliebt!" Und Nikanor erwiderte: „Weil du so gehandelt und allein gekommen bist, begnadige ich dich und du sollst nid$ getötet werden: du mutzt jedoch die Prüfung der Treue und Ergebenheit bestehen. Du bekommst ein Schwein; das mußt du mit eigenen Händen auf den Altar legen, den ich in euerem Heiligtum aufgestellt habe. So du meinem Wunsche willfahrst, will ich dein Verbrechen verzeihen und dich überdies in ein königliches Gewand kleiden. Auch sollst du auf königlichem Roß durch die Straßen der Stadt reiten und alle Menschen sollen dir Lobgesänge Vorsingen, wie sie einem der größten Staatsmänner geziemen." Darauf antwortete Juda: „Mein Herr, du weißt, daß die Juden sehr verbittert sind; täte ich in ihrem Gotteshaus, was du verlangst, so würden sie mich steinigen. Du hast doch hier deinen Altar, hier will ich in deiner Gegenwart ein Schwein opfern, doch möge mein Herr befehlen, daß alle Anwesenden den Matz verlassen, denn ich befürchte, daß sie meine Tat den Juden verraten könnten." &)OOOOOOOCXX>OQQQGaOOO(nOQOOOS>OOOOOOOOt> LSwenfranzbranniwoIrt mit Menthol durch tägliche Benützung verhütet viele Krankheiten, beugen Sie vor und benützen Sie ihn! sd.««..*. Jeberall erhältlich. OOOOOOOOOOOOOOOOOCXSOOOOOCOOOOOOOQOOOOO und suchte das bedauerliche Einschreiten der Gemeinde bei der Regierung zu rechtfertigen. Wir tvaren nicht in der Lage, "die fragwürdige Rechtfertigung für einen Vorgang anzuerkennen, der durch die Anzeige bei der Regierungsbehörde eine Jndensperre an der Grenze und einen scharfen Ukas des österreichischen Konsulates in Triest bezweckte. Mit umso größerer Genugtuung veröffentlichen wir das nachstehende Schreiben des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Klagenfurt, dem wir schon deshalb nichts hinzuzufügen haben, weil der Urheber jener Alnznge an die Negiernngsbehörde in der Zwischenzeit die einzig mögliche Folgerung aus seiner Handlungsweise gezogen hat, indem er seine jüdischen Ehrenstellen in der Gen''""'d? znrücklegte. Das Schreiben lautet: Israelitische Kultusgemeinde Klagenfurt. Z. m. An die Redaktion der „Wiener MorgenzMuugr:, Wien. ueber die in Ihrem geschätzten (Nr. 2710) Blatte vom 8. September d. I. erschienene Notiz: ,Traurige Maßnahmen der Kultusgemeinde in Klagenfurt", sieht sich nunmehr die gefertigte Kultusaemeinde veranlaßt, folgende^ Erklärung abzuaeben, mit der Bitte, dieselbe in Ihrem geschätzten Blatte aufnehmen zu wollen. Der Kultusrat der Kultusgemeinde Klagenfurt legt besonderen Wert darauf, festzustellen, daß die seinerzeit bei der Kärntner Landesregierung erfolgte Maßnahme gegen durchreisende mittellose Zumauderer von einer Einzelperson und zwar vom damaligen Präses-Stellvertreter, welcher infolge Abwesenheit des Ku'ltuspräsioenten (Präses Max Stößl weilte zu dieser Zeit zum Kurgebrauche in Karlsbad) auch das Armenwesen über hatte, in die Wege geleitet wurde. Der Kultusrar hat von dieser Maßnahme erst durch eine Zuschrift des Palästina-Amtes Triest Kenntnis erhalten und hat diese Nachricht im Kreise aller unserer und gerade in punkto Armemvesen stets opferwilligen Gemein-demitglieder als auch im Kultusrate tiefste Bestürzung und' Beschämung hervorgerufen. In Konleguenz dieses Vorfalles hat der betreffende Präses-Stellvertreter seine Stelle als Kultus- und Armenrat zmi'-ckaelegt. Hochachtungsvoll Israelitische Kultusgemen Der Präses Klagsnsur:,!. 1926. v Nikanor befahl seinen Leuten, sich zu entfernen, und als Inda sah, baß keiner außer ihnen beiden mehr im Palast sei, wandte er seinen Blick in die Höhe und .sprach: „Stärke und kräftige mich, o Gatts In deinem Namen und für deine Ehre!" ■ Und er zog das Schwert hervor, stieß es Nikanor in den Leib und floh auf die Straße. Mit übermenschlicher Stimme schrie er: „Wer mit Gott ist, ist mit mir!" Und es schlossen sich ihm die jüdischen Helden an, denen er zugerufen hatte: „Verfolget eure Feinde, vernichtet sie, ich habe ihren Marschall getötet!" Und die heldenmütigen Juden schlugen an diesem Tage eine furchtbare Schlacht mit den Truppen Nikanors und vernichteten sie bis auf den letzten Mann. Die Zahl der Gefallenen betrug 7772 außer jenen, die durch das Schwert des Freundes gefallen waren. Von diesem Tage an wurde Juda „Makkabi" (eine Abkürzung des Losungswortes Judas: Mi kamocha baelim adonaj, iE ist dir gleich unter den Göttern, o Ewiger) genannt. 4. , Ms die Nachricht von der Ermordung seines Feld« marschalls zu Antiochus kam, war er sehr niedergeschlagen und berief den Bösowicht Bugaris als Marschall an Stelle des von Juda getöteten Nikanor. Und Antiochus sprach zu ihm: . „Du weißt, was die Juden getan haben. Meine Truppen haben sie niedergemacht, mein Lager geplündert, jetzt ziehe gegen sie und bedrücke sie." Und Bugaris sammelte eine große Armee, zog nach Jerusalem, richtete dort ein großes Blutbad an und verschärfte noch mehr bas Verbot von Sabbat, Mttah und Chodesch. Eines Tages kamen Diener des Bugaris zu ihrem Herrn und erzählten, daß sie einen dabei betreten hätten, als er sein Kind beschneiden ließ. Da befahl Bugaris, den Mann, seine Frau und das beschnittene, Kind vor ihn zu bringen; und alle drei wurden öffentlich auf der Straße gehängt. Eine Frau, die nach des Mannes Tod einen Sohn geboren hatte, den sie am achten Tage beschneiden lassen sollte, stieg auf eine hohe Ringmauer, warf mit dem Rufe: „Meldet dem Bösewicht Bugaris, daß wir den göttlichen Bund nicht verraten werden!" ihr Kind in die Tiefe und sprang selbst ihrem Kinde Wch. Beide stachen zu gleiche M- «

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