Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2791 (4.12.1926)
- Date
- 1926-12-04
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 3791 (Bittt, «rnttoe «H*Mt WwgeaKfMttHö '«. 1926 ©eile 9 Hyra-sefeyte Gchl« Feinheiten. Von SarnStag, f- De« f mDer 1W8, gelten sül-g«nde abgeändertL Gchkükeutfleiten: elten u. Guillenume LS (biabc* BO) »ftw« M «.80; Waagner-Biro A.^Ä. 60 Hrshtt IW Mtirn zu S. 10 oder K 600; „Semvsrit" sO (SiSH-r 100) Mtie« K« S. 10. . Wiener Pferdemarkt. Auftrieb: <ÄePr<mchspfervo 148. Lchlnchlerpferde 116, aus dem Schlachthaus 10 unb aus der KontumaWbteilung 94. Kutschpferde 600—1200, leichte Zna- Pferde 400—1200, schwere Zugpferde LOO—1400 Per Stück. Tchlcichterpferde, Prima. —.05 vis —.96, Sekunda —46 bis —.00, Wuestvieb —.20 bis —.40 Schilling pro Kilogramm L-ebcndgswicht. Verkehr lebhaft. Wiener Börse für landwirtschaftliche Px»d»fte. Die «lilumung war gestern etwas freundlicher. Die Forderungen für Weis«jl wurden ein wenig erhöht, weshalb es zu reinem Umsatz kam. Sioggen und Hafer dlieten unperäiiüert, Mais lvar reger gefragt unp eS tarn zu $tö\pt&n Wfchltiffen. Oie. amtlichen Notierungen erfuhren keine Veränderungen. Nudapefter Getreideterminmarkt. Auf festere Kursberichte von beit ameruam'schen Börsen erhöhten sich die Preise auf dem Budapefter Terminmartte. Wairveizen 4sJlO, Kkaxzroggen ,3250. MuslÜnHsche Börsen. Berlin. Die Börse zeigte bei Mäßig belebtem Gechcistc eine feste Veranlagung. Go stiegen Farbenlwvustxie um 7 Prozent, Rheinstahl uin 4 Prozent, Rievek Montan uns 6 Prozent, Metalldank um 5 Prozent und Desjalter Gas um ß Prozent. B?t Schissahrls- und Bantastien betrügen die ÄesterungeN ebenfalls 1 bis 2 Prozent und tm Verlaufe schließlich noch eMflS Mhx. Später belebte sich das Gefchäsi in einzelnen M o n t a n lp x x t e n etwas, so namentlich sn Häpener bei einem Aufschläge von 5 Prozent. Ms hem Äolomorlte blieben bei unveränderter Nachfrage die bisherigen Sätze bestehen Auf dem Devisenmärkte setzte .Oslo seine Stesgerung um 1.30 Mark fort. — Prag Realmtionen zum Wochenschlusie führten gleich zu Beginn zu Rückgängen, doch kam es zu keinen erhoducheren Abschwächurtgen. Die rückläufige Bewegung nahm ihren Ausgang von Mucker'« ktien und griff dann auch auf die anderen Gebiete über. Die flauere Stimmung hatte auch ihren Grund in der zurückhaltenden Beurteilung der allgemeinen Wirtschaftslage eines bekannten Nationäl- Aonomen. Größere Umsätze verzeichnrten nux einzelne Gebiete und einige Cvezialrverle. während der Perkehr auf anderen Gebieten stagnierte und!m übrigen das Geschäft ganz belanglos war. Stärker rückgängig waren außer den Zuckeraktjen auch Eisen- und Kohlenalnen, während vereinzelt chemische, Maschmenüauaktien und die Werte oer Nabrungsmittelindustrie KursierhöhuNgen auswiesen. Die Festigkeit des Anlagemarktes wurde heute von einer schwächeren Stimmung abge-löst. Budapest. Die Tendenz war heute trotz der Versorgung freundlicher und schon zu Beginn stellten sich die meisten Paprene höher. Später schritt die Spekulation zu Realisationen, so daß die meisten Werte ihre anfänglichen Steigerungen cinbiißlen. Der Verkehr gestaltete sich während des ganzen Verlaufes lebhaft. Levlsenkurse. Zürich, 3. Dezember. ('Lchlußkurfe.) Paris 19.92-6 (19.61 N). London 86.14-. (05.13 K), Newport 618.87 $18.37), Belgien 72.00 {72.07*6), Italien 22.18*6 (2L.16SL), Spanien 78.7%% (78.58*6), Holland 207.31% (20725), Berlin 128.27*$ (126.25). Wien 73.13*6 (73,15), Stockholm 188.81 V£ (188.28*6), OSlo 132.25 (131L0), Kopenhagen 166L6 (168.06), Sofia 3.731/4 (3.76), Prag 16.36 (16.36), Warschau —(67.60), Budapest 0.007263*6 (0.007266), Belgrad 9.1414 (9.14*6), Athen 6.61K (6;60), Konstantinopel 2.61 % (2.5904), Bukarest 2.70 (2.70), Finnland 18.06, (18.05), Argentinien 210.75 (210.75). Prag, Z. Dezember. Amsterdam 1365.25, Berlin 806.37, »l 472.—, Zürich 658,37. Oslo .86460, Kopenhagen , London 164.4750, Nkadriv 616.60, Mailand 145.8250, Newyyrk Kabel 38.95, Paris 129.20. Stockholm 608.60. Belgrad 59.96, Bl dopest 4.7925. Bukarest 17.96, Konstantinopel 17.20, Sofia 24.6Y, Warschau.377.—, Wien 479.—, Belgrad, 6. Dezemtber. Paris 814.60, London 276.20, NMhvrk 56.63, Mailand 243.—. Pxag 168-10, Wien 798.60, '0,079960, Berlin 1848.^, Genf 1094,•—, Bukarest Warschau, 3. Dezember. Belgien 126.18, London 48.58, Newport 893.—, Paris 34.10, Schweiz 178J57, Prag 26.66, Wien 126.63, Jta'ien 38.58. Budstpest, 8. Dezember. Auusbeokarn 28600, Belgrad 1266.—. Berlin 10967, Bukarest 876,--, Brüssel 6616.--. Kopenhagen 18965. Oslo 19240. London 346760, Mailand 3037. Newyork 71800. Paris 2707. Prag 8111.50, Sofia Sitz.—, Stockholm 10016, Warschau 7840, Wien 10064, Zürich 18768. KachdruN verboten. «, AoltsttzunS- Ane Rubel von heut'. Novelle von Kmt Münzov. „Pllli, Althaus l Daß ist nicht schön. Sie entwerten mein Herz. Arie der Mhor, dex Empfängex macht & zum Almosey." Lina stantz vor der Znv nnd horchte. Nie horchte immer. Sie liebte den Blonden mit der HilftosiMit und Wildheit eines Tieres. Sie weinte Nächte hindurch. Nabel kam heraus. Lina umkrallt ihren Arm, dessen Schönheit ihren Flntzern weh tar. .„Küsse ihn doch)" zischte fit, ,Mm er dich lieht, mG W dm glücklich!" So maßlos lichte sh ihn. Vs war ihr erst kurz bewußt; sie' hatte immer geraubt, ihn zu hassen, Nahet schüttelte sie ah. Ihr ekelte vor der SchlvHer. Setten sprach-ihr Herz. Wenn es sprach, handelte es sich um Entschiedenes, Extremes. Als Nahe! f% das Gymnasium geprüft wurde, wären ihre Kenntnisse so, daß sie. etwas über siebzehn Jahre, in die Oberprima kam. An diesem Tage war sie zum er^snmal glücklich. Sie küßte Rudolf Althaus, hestiH, ungeschickt, auf seinen kühlen, schmalen Mund. Er preßte sie. an sich, fl* schrie auf. UW vpr Schmerz. Eine Empfindung war lßr durch den Leih geschossen, furchtbar süß, wunderbar grauenvoll. Als hätte ihre Seele sich gebäumt» Uber es war nm, daß die junge Nahes den Mann erkannt hatte . . . i i '.Tsarseg y ftwgf.—* 1 B-«e - Pelze. Das Rassische Larch der Strickbetteidung ist England, dessen feuchtes, rasch weWlndes Klima von den dort Geborenen selbst oft schwer vertragen wich, Man erkannte daher schon frühzeitig den Wert leichter) warmer, aber sehr poröser Kleidung. Die Idee des gestrigen Gewandes überhaupt ist das Produkt einer praktischen, allen modernen Hygienikern wohlbekannten Erwägung; nämlich eine Umhüllung zu schaffen, die der Lust ungehinderten Zutritt zum Körper getvShxt und die doch bei rauher Witterung die Empiiyduttg behaglicher Wärme verleiht. Lange Zeit hindurch gab sS für dieses Problem nur eine Lösung: die wollene Unterkleidung, die man direst am Körper trug. Erst der Krieg mit feinem fürchtch'lichen Materialmangel hat da Wandel geschaffen utti> eine neue Industrie kreiert. Denn der menschtche Ersindungsgeist wird am meisten durch Notlage befeuert, und einer besoilders drückenden .eMprang die Idee, hier in Oesterreich, rpo Wollstoffe fast nicht mehr existierten, aus gestrichen bunter Schafwolle Kleidungsstücke herzustellen, die nicht nur Nützlich, sondexn auch h ü b j ch wären. Das Modestrickgewerbe ist tatsächlich rein österreichischen Ursprungs urch heute eine unserer wichtigsten Industrien. An Crfindungsreichtum und Anpassungsfähigkeit an die herrschende Mcherichtung ist unsere heimische .Erzeugung tatschhlich der anderer Länder turnrhoch überlegen. Es scheint geradezu unglaublich,. was mit Kombinationsgabe und Stilgefühl aus einer Strickmaschine herauszuholen ist. Da sind beispielßrveise die vielen me isten Modelle in Kleidern, Westen und Blusen, die durch einen Stress Pom hellsten zum dunkelsten Ton einer Modefarbe ombriert, ein apartes Gepräge erhalten und die durch verschiedenartige Placierung dieses Streifmuflers (entweder als HÜstpasse und Etagen oder als Rock und Krawatte) stets 1 SlEoffM-der Al-bert Matz-ner l. Kohlmeffergafle Nr. 8 I., Neuer Mattt 9 IV« Wtedn Lauptstr. 8 IN., Landstr. Laupistr. 3 Thattastr. >7 neu variiert erscheinen. Oder wie neu und doch tadellos sportinäßig wirkt eine ganz klein karierte Muse, deren einzigen Schnmck eine anderssärbige, wollene Krawatte bildet, die durch den , schlauchaxtigen Stehkragen gezogen wird. — Die Zeit des naßkalten Wetters, der Schnupfen- und Rheumaorgien ist angebrochen, und es gibt keinen besseren Schutz gegen die Wetterunbilden, als tüchtige Abhärtung in “ freier Luft, und dazu braucht man die poröse, doch warme Wollkleidung. Das ideale Ueberkleid des Winters ist und bleibt natürlich der Pelz. Früher tmg ihn auch die Dame als Futter des Tuchmantels, aber davon ist man jetzt so ziemlich abgekommen. Denn ersterrs sieht man ihn nicht, dafür macht er aber dick, und dies zweite ist ausschlaggebend. Also Sieg des „sichtbaren" Pelzmantels auf allen Linien. Allerdings, ein scharfer Konkurrent erwächst ihm Heuer im fuchs verbrämten Zibelinmantel, der Favorit werden zu wollen scheint. Wie denn überhaupt der -.»>>7-. >7——-------...- FelzhausBlattMsytfR Billigste Preise - Lyllckp Bedienung Bequeme Teileafiliingen -- Eigene Reparaturwerkstätte schöne Fuchs, blau, blaufilbern, Goldkreuz oder Alaska alS Kollier wieder äußerst geschätzt ist. Grete Oberländer^ Modeschau. Die Einführung, bei Tee und Musik schöne Mädchen in schönen Kleidern ausmarschieren zu slasscn, ist aus Paris nach allen Modezentten der Erde verbreitet worden. Es ist dies eine Angelegenheit, die allen Beteiligten Nutzen bringt. Die ann-esenden Damen blättern gleichsmn zwei Stunden lang in emem lebendigen Journal; die mitgekommenen Herren sehen naturgemäß mehr aus den schönen Inhalt der Attrappen; das macht sie dafür den Wünschen ihrer Damen ieichter gefügig, tvas wiederum in der Absicht der Veranstalter gelegen war. Für die kleinen, großgewachsenen Alannequins dagegen ist der Modetev das gleiche wie für den Schauspieler die Premiere. Bei der Vorführung im großen Nahmen fühlen sie sich als Künstlerinnen (was übrigens ein Richte-/"euch auch einmal bestätigte). Und wenn schließlich ein uobeunternehmen großzügig genug ist, seine Einnahmen aus solcher Veranstaltung ungeschmälert einem guten Zwecke zuzuführen, dann wich es einfach Pflicht jedes Ehegatten, seine Frau — und war's auch bloß aus ethischen Gründen — dahin zu begletten. Am kommenden Mittwoch wird im Großen Konzerthaussaale eine Modeveranstaltung ganz großen Stils stattfinden. Nach einer kleinen Vorschau über die Borftthrungsobjette ( die genähten wie die gewachsenen) läßt sich mit Bestimmtheit sagen, daß alle Beteiligten auf ihre Rechnungen kommen werden! NODEM-PALAIS JULIUS KRUPNIK VII., Kfliiserstraße 111, 113, 115 -2SI Gröfltei Spezialhaus Oesterreichs WM»» Zur selben Zeit hatte Papa Reich eine Mahnung in der Bleibtren'straßs gekauft, acht Zimmer,-komplett einHsrichllst. Es gab ein GhiPPendale-iM-eksezimmer, einen Sasyn" Louis &VI,, ein HerxenzimMx im Florentiner Stil, das Billardzimmer stammte von Bruno Paul, das Schlafzimmer aus dm Wiemr WeMältm. An den Wänden hingen funkelnde Kopien nach Italienern nO Maniexn, es gab einen Sivb-rckasten M achtzehn Personen, gezeichnet Meß mit Krone und B. p. R., Tisch- und Bettwäsche mit Wappen. Herr Reich kaufte einen fast neuen Mercedes-Wagen, nahm Monnemen-ts für die yper und Schaufpiel'haus, es wvrds eine Köchin, ein Stubenmädchen und ein junger Diener engagiert. Schmul Reich hatte von heute auf morgen den „Pli", weg: indem er Geld gewann, verstand er seine Anwendung. Er sprach noch Jargon, aber die OffiAieve, die ihm Auto und -Silber verkauften, lächelten nicht. Bor zehn Jahren hätten sie einen Schmu! hinaus-perfen lassen, heut' gaben sie ihm den letzten Cognae und die Hand, das Erbsttb^r und die Allüren. Denn die Witwe eines hohen Militärs wurde engagiert, um das Haus zu leiten. Sie ward sugleich-verpflichtet, ihre Freunde und Bekannten einzuladen natürlich an Schmuls Tisch, an dem er pMdiert«. Sg wurde sch'.-ll er eS, der einlnd, und nach wenigen Monaten verkehrte im Haufe Reich Adel, Militär, gutes Bürgertum, Film, Theater. Dieses letzte hatte man seM gefunden und eMorden, erst durch Engagements für die Soireen, allmählich kam man, ohne bezahlt zu werden. Schmu! Reich hatte GeschäftSdeziehungen zu Baick und Hndustriß. Schließlich kamen der KurOvftendam-m, die Bismarckstrahe nach der Ble-chtreustraße^ Und das Neujahr 1921 wurde achtzig Personen hoch gefeiert. * Bier Wochen später tauschte man die Wohnung und bezog -wälf Zimmer am Reichsikanglerplatz, d.er Speisesaa! maß znHlf Meter zu acht, die Diele zehn zu sieben. Eine Wendeltrepipe aus dem siebzehnten Jahrhundert, englisches Kunsthgndwevk, führte auf den gedeckten Dachgarten, auf dem es einen Tennisplatz, ein Bassin mit exotischen Fischen und Lotos (das Wasser war gewärmt) und Pergolen von japanischen Rosen gab. Madame Reich bekam ihr eigenes Auto, und Lina, die rückständig war, eine Viktoria mit Klvei ApftlschimMln. Pas Personal bestand aus fünf Personen, abgesehen von Frau von Bentheim, dex Oberstenwitwe, die noch immer Allüren lehrte unh Stil schuf. Gchmul Reich hatte ein Mro in dex Jägerstraße und machte weitverzweigte Geschäfte. Noch immer verdiente er von heut' aus morgen Vermögen, war aber kl-ug und legte sich einen Fonds an. Min Umsturz mehr vermochte ihm etwas anzuhaben. Damals stand Rahel vor dem Examen, sie sollte das'Gymnasium, absolvieren. Noch imnrer lebte Rudolf Althaus bei ihnen, Schmal Reich hatte ihm die Betei' ligung an einem Buchladen ermöglicht. Schmal war für Geschäft, nicht für Gelehrsamkeit, er wollte nicht, daß Althaus studierte. Bücher zwar nannte er kaum Geschäft, es war ja keines damit zu machen. Aber Mhel bat für ihren Lehrer. WaS gab es, das MN Rahel abschilagen konnte? (Fortsetzung folgt.) 004853234823484823022323534853534853532353535323530023232323484823482348530000235353