Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2791 (4.12.1926)
- Date
- 1926-12-04
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2791 Men, Samstag Wiener Msrgerrzettung 1. Dezember 1926 Leite 7 IP Die 1 M Wefke des großen 1 m MllW Mämtt'i Tagen! m m znm erstenmal billig m in der Bücherschwemme der 111 m BUCHH \NDLUNG ß. LÖWIT WIEN I., JROTENTÜEMSTRASSE 22 Gesamtausgabe, 8 Bände, Halbleinen 1 . » 1 , in Kassette S 20*— Gesamtausgabe, 8 Bände, Halbleder in Kassette 8 32*— I m 1 EINZELBÄNDE IN HALBLEDER: Der zunehmende Mond . . . 8 3*— ■ 1 Die Nacht der Erfüllung. . 8 3'— Gitanjali .8 3'— Das Heim und die Welt . . 8 4'— m Hungrige Steine.. 8 4 — iii . Lebenserinnerungen . . . 8 4*— 1 ü Einmalige Gelegenheit!! ■ i iu _T---,-r----- » E.9J Gerichtssaal. Vevierknspettor Ireschrrs Umgang mit Faden. Am 26. August, gezet: 8 Uhr <rber:ds, tvurde Lrim Get:- darmeriekommcmdo in Fi sch amen d gemeldet, daß auf der Reichsstraße von Maria-E'lend ein junger Mann überfallen 'und cnrschnnLnd schwer verletzt wurde. Ein Posten begab sich sofort an die bezeichuete S-ellie und fand dort,Pen 37jäHr:gen, in Wim woh hasten Kaufmann Chain: Eichel bewußtlVs liegen. Eichel wurde gelabt und auf das Gewdannerieko'mmando gebracht, wo er erzählte, daß chn plötzlich jemand von. rückwärts mit eurem spitzen Gegenstand einen Schlag auf dm Kopf gegeben habe. Er habe noch gespürt, wie Mi ihm die Brieftasche mit denn -Inhalt von MlSchillmg aus der- Tasche nehme und sei dann in Bewußtlosigkeit verfallen. Bei der Gendarmerie neigte, man zur Annahme, baß Chaim Eichel den Raubaufall nur . sin giert habe. Das Gendai'meriekvmmando versendete an mehrere Zeitungen einen Bericht, in welchem dieser Vermutung Ausdruck gegeben und in welchen: behauptet wurde, daß gegen Eichel beim Bezirksgericht Schwechat ein Verfahren wegen Kreditbetmges und wegen Fa schme.'bung anhängig sei. . Eichel machte sofort nach dem Ueberfall eine Eingabe an das Landesgendarmeriekommando in-Wien, in welchem er dm Raubaufall schilderte Und eine Reihe schwerer Beschuldigungerc gegen den Gendarnrerkeinspektor Robert Drescher erhob. In dieser Eingabe, die das Substrat einer Ehrenbeleidigungskl age des Gendarmen g gen Eichel bidet. hat'.e der Beschwerdeführer erklärt, daß Nevierinspekpr D.nshec sofort, a/s Eichel.seinen Ramm und seinen.Geburtsort Br odh nannte, gesagt habe: Was erzählet: Sie. da für Schmäh, Sie Scnvjud? Weiters soll der Gendarm gesagt haben: Schon wieder ein polnischer Saujud, da tue rden wir Scherereien haben und die ganze Nachtarbeiten können. Am. Tage nach dem Ranbausall soll Drescher auf den: Gendamrerielommando ihn tmedar mit Schünpstvorten belegt und .ihn, als er sich derartige Be-' schimpfungen verbat, einen heftigen Stoß in den Magen versetzt haben. >Jn der Klage des Äepdarnret: wird hervorgehoben, daß die Angaben des Eichet ü'z'üg'ich des RauvanfalPs sintert sein mußten, tveil die Strcifnngen nach feen nrutmaßlicheu Tätern ergebnislos blieben. In der gestert: vor dem Landes-' gerichtsrat Dr. Be ne sch stattgefundenm Vorhand uni erwarte der Beschuldigte, daß ge.en de» Fnftek or Drescher beim Bezirksgericht Schwechat ein Verfahret: wegen wörtlicher und tätlicher Belcidigutlg anhängig sei. Er behauptete strikte, daß alle Beschuldigungen gegen: den Gendartnen a::f Wahrheit beruhen und daß der Po'izükommissär in Fischamend auf den: Büvgermeisteranite erkürt habe, daß Drescher schon wiederholt Leute mißhandelt habe. Der Richter vertagte zur Durchführung der angebotmen Beweisanträge die Verhandlung. Für Stveiiigkektetl unter Zionisten ist das Partei- Bericht da! Zwei Miltglieder des Ausschusses der zionistischen BeziMektton Leopoldstadt.waren in einer Ausschußsitzung in Streit geraten und einer hatte den anderen beleidigt. Merkwürdigerweise trug der Beleidigte die Sache vor das Strafgericht, ‘ sstiatt das Pa'rtelgericht anzurufen, das wie in jeder Partoioraatrisation auch in der zionistischen besteA. Der Richter, LGR. Dr. Arie, vor den die Angelegenheit in der vorigen Woche gelangte, beschloß die Verhandlung zur Einvernahme eines« Zeugen zu vertage.tr. Wir sindin es verwunderlich, daß ein Zionist den ihn: durch das Parteistatut vorgeschrtebenen Weg verläßt. x Verein«, Vorttikge «ad Versammlungen. Ausstellung „Die Frau von heute", 8. Bez., Alserstr. 23. Halb 11 Uhr vormittags: „Färben im Haushalt", Frau Prof. Uvbrich.- 8 Uhr: „Der gutgedeckte Tisch", ein kurzer Servierkutsl 4 Uhr: „Der Beruf der Mutter", Dr.'Rödä Feri. 5 Uhr: „Die Frau von beute und das Hauspersonal", Dr. Mela Pappenheim. — Jüdisch-akademischer Philosophenverei«. Der in der Generalversammlung vom 20. November 1926 gewählte Ausschuß für das Winter-Semester 1926/1927 besteht aus folgenden Herren: Präsidium: Jakob Melzer, Dr. Maim Benrstein, L. Rosenberg; der übrige Ausschuß: Adler, Babad, Fränkel, frommer, Geller, Katz, Kohlberg, Leibsohn, Frl. Zentner. — eopoldstadter Bolksheim, 2. Bez., ZirkuMaffe 48. 7 Uhr: Doktor Edwin Zellwcker: Das gute Buch. Was sollen wir leien? Was sollen wir schenken? Eintritt frei. — Zionistische Bezirkssektion Alsergrund. Montag, 6. Dezember, Cafe City, 9. Bez., Porzellangasse 1, Makkabaerfeier bei freiem Eintritt. Festrede Dr. Schalit. Beginn Md Uhr. — Verein Oestetr. Chemiker. Heute, 18 Uhr, Hörsaal 7, 4. Bez., Karlsplatz 13, Vollversammlung. Vortrag Prof. Dr. Hermann Suida: „Die techn. Gewinnung konzentrierter Essigsäure" (mit Lichtbildern). — Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsaemeinschaft Anitba Müller,' 2. Bez. Untere Augartenstraße 36. Während der Chanukahwoche entfallen die Könne riatiousabende des Hcln',ilsch''ii Jugendklubs. Heute, 6 Uhr abends, Chanukahseier des jud:scheu Realgymnasium, 2. Klaffe. — Toyndecrhalle, 20. Bez., Denisgaste 33. Heute Samstag, 7 Uhr abends, Konzert mit reichhaltigem Programm. — Brith Ha-Zosim. Heute, 6—8 Uhr Hebräisch-Kurse. Abends, 8 Uhr, Vortrag Chaim Fränkel über „Mendelsohn und unsere Zeit" mit Diskussion. — Der Pfadfinderbund „Zirenu" veranstaltet Sonntag, den 5». d. M., eine Chanukabfeier unter freiem Himmel in den Siovringer Steinbrüchen. Güster versammeln sich Punkt 'A4 Uhr bei der Endstation des 39er Wagens in Sievering, wo sie van Führern (mit blan-weißen Armschleisen) erwartet werden. — Zionistische Jugendgruppe Leopoldstadt, 2. Bez., Zirkusgaffe 33. Heute um 7 Uhr Chanukahfeier. Festredner Dr. Isidor Klaber. Eintritt frei. Sternabend aus dem Sommerheidemveg. Heute, Samstag, halb 8 Uhr Versammlung in Pötzleinsdorf, Ende der 41er-Linie. Schluß 9 Uhr. Vortrag Professor Tomas. E Eine Akademie mit Modeschau veranstalten die zionistischen Franengruppen 18/19, Montag, den 6. d. M., 8 Uhr abends, im Restaurant Türkenschanzpark, zugunsten des Keren Kajemeth. Karten bei den Komitccdamen; Kartenvormerkungen im Bureau des Keren Kajemeth, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, Tel. 77485, 77436. Volkswirtschaft. Eine bedeutsame Aktion der Reichsbank. Erleichterungen im Seldverkehre. — Sin Abkommen mit den mitteleuropffffche« Notenbanken. — Schaffung einer inneren Anleihemartter. Golddiskontbank erläßt herrte ein Ausschreiben, Wir haben vor oinigen Wochen im Zusammenhänge mit der deutschen Börfenhansse darauf hingewiesen, daß der Präisident der Reichsbank Dr. Schacht die Hausse, die zum größten Teile durch den Zufluß ausländ Wer Gelder eingekeitet und aufrechterhalten wurde, ungerne sah, wie er denn überhaupt gegen eine wachsende Verschuldung -der deutschen Privatwirtschaft an das Ausland schon vorher seine warnende Stimme erhoben und den deutschen Gemeinden nahegelegt hatte., ihren Finanzbedarf ausschließlich mit Hibfe von inneren Anleihen zu decken. Gestern fand nun, wie. aus Berlin telegraphiert wird, eine Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank statt, in der Dr. Schacht eingehend referierte und woraus Beschlüsse hervorgegangen sind, die den Zweck haben, der Reichsbank eine beherrschende Stellung auf dem Geldmärkte durch mannigfache Erleichterungen im Geldverkehre, zu denen auch die Golddiskontbank herangezogen wurde, zu verschaffen und die Placierung von Hypothekarschuldscheinen ohne Inanspruchnahme von Auslandskrediten .zu ermöglichen. Die Reichsbank richtet, um alle vorhandenen Geldquellen Für die Wirtschaft in allen Teilen des Reiches gu erschließen, den telegraphischen Giroverkehr «in. Hiedurch wird es möglich sein, Ueberweisungen von Geldbeträgen von Berlin zur Provinz und umgekehrt sowie zwischen zwei Provinzplätzen auf Grund der drahtlichen Anweisung so 'beschleunigt auszüfiihren, daß der auswärtige Empfänger noch "a m g l ei ch«n Tage über den Betrag perfügen kann. Der Dermin für das Inkrafttreten der Einrichtung wird noch bekanntgegeben werden. Ferner hat. die Reichsbank zunächst' mit den Notenbanken in Oesterreich, der Tschechoslowakei und Ungarn ein Abkommen getroffen, wodurch die Giroeinvichtungen der beteiligten Bankeck, die bisher nur der Erleichterung des inländischen Zahlungsverkehres dienten, für intern a t i o n a l e Z a h l u n g e n nutzbar gemacht werdem Ferner hat sich die Reichsbank zu einer weiteren Aktion entschlossen, damit die am kurzfristigen Geldmärkte in verhältnismäßig großem Ausmaße vorhandenen Beträge organisch verwendet werden. Die rn welchem sie aus sie selbst lautende Sola-Wechsel mit drei Monate Laufzeit und zwar zunächst im Gesamtbeträge von 100 Millionen Reichsmark, fällig am 14. März 1927, zum Kaufe an bietet, indem sie zu Geboten auf diese Sola-Wechsel auffordert. Die Wechsel sind bei der Reichsbank zu den jeweiligen offiziellen Sätzet:. disko n t - und l o m b a r dfähig. Von den gemachten Geboten werden diejenigen mit den niedrigsten Diskontsätzen angenommen. Dir Golddiskontbank kann aber die Gebote ganz oder teilweise unberücksichtigt lassen. Zahlung und Abnahme kann statt in Berlin auch bei einer mit Kasfeneinrichtungen versehenen Reichsbank-Anstalt geschehen. Die Reichsbank glaubt, daß auf diese Weise'für ' . die Finanzierung der siebenprozentigen Hypothekar- . schuldsche'me zurzeit auf die Inanspruchnahme von Auslandskrediten verzichtet und der inländische Geldmarkt für diese wie eventuell für weitere Aktionen zur Erleichterung des Kapitalsmarktes herangezogen werden kann. In Zusammenhang mit der bezeichneten Aktion wird die Golddiskontbank monatliche Ausweise veröffentlichen. Der Giroverkehr Mischen der Oefterreichischeu Na ionalbank und der Dentschen Reichsbank. Heber das Abkommen mit der Reichishank wird von der Ossterreichischen NationalbaE verlautbart: Firmen, welche in Deutschland bei der Reichsbank ein Girokonto besitzen, sollen gegen Reichsmark Schillinge an die Girokontoinhaber bei der Qesterveichischen Nationalbank und zwar auch im direkten Verkehr zwischen den Zweiganstalten der beiden Noteninstitute überweisen können. Dieser Verkehr wird sobald als möglich ausgenommen werden. Die Deutsche Reichsbank hat im Hinblick auf die große Zahl ihrer Girokontoinhaber besondere U e b e r t r a g u n g s s ch e ck s für d i ese n Verkechv eingeführt, lvährend die Oesterreichische Nationalbank vorläufig ihren bisherigen Modus beibehält, wonach Gutschriften in Mark auf Girokonti beider Reichsbank oder deren Nebenstellen sowohl von Girokontoinhabern der Oesterreichischen Nationalbank als auch bött anderen Personen bewerkstelligt werden können. ' Ae Snteroationale Koaserenr der Produktenbörsen in Me«. Anglekchuttg der Ufattcen und gegenseitige Rechtshilfe. Auf Grund einer Eitckaduttg der Leitung der Wiener Börse für landwirtschaftliche Prodtlkte faiw in der: letzten zwei Tagen im Sitzungssaale der Wietler Produktetibärse unter Vorsitz'des Präsidenten Hügo Hauser eine gen:emschastliche Beraunlg der Delegierten der landwirtschaftlichen Börsen von Prag, Budapest, Zagreb, Bratislava, Belgrad, Brüm:, Olmütz, Novisad, Sombor, Linz, Graz, statt, bei welcher über folgende wirtschaftliche Angelegenheitet: eine Einigung erzielt wurde; Die 1-Liter-Getreidenvrmalwage wird übereinstinmiend a"s das zur Gewichts'estft.llung allein geeignete Wiegennttel anerkannt. Für Gerste nt:d Hafer kommt ausschließlich die it: Deutschland zur Eichtmg zugelassene Branersche Gläswage 'in Betracht. Die Art urü> Weise der a nr tl: ch e n Musterziehüng ist in der: Tlsancei: 'der einzelnen Börsen festznlegett. Die diesbezüglichen Bestimtttut:gen iit dem neuen Usancenentwurf der Börse für landwirtschastliche Produkte in Wiet: tvecken zustinunend zur Kenntnis genommen. Es ist ferner in allen Usancen obligatorisch festznlegett, daß von jeder als Eltcheit geltenden Getveidemenge je ein ^Kilogramm-Muster Leizustellen ist. Liegt nur ein pertisenmster vor, so ist der von dev einen Börse ernrittelte Getvichtsbefund mit det: übrigen festgestelltet: QUalitätsmätugeln der anderen mit dem gleichet: Fäll befaßten Börse über Antrag eitler der beiden Parteien mitznteilen. Der Antrag, cs sollen ohne Rücksicht ans die vereitckarte ^chiedsgerichtskonrpetenz, Getmchtsermittlnngen mich durch eine andere, als die konrpetente, jedoch inländische Börse für der: Streitfall Geltutrg haben, wird als zulässig erkannt'. Die Ausdehnung dieser Begütrstigung auch auf ausländische- Börien wird als twch nicht spruchreif erkmuck. . Die Börsen sollet: die Fiuanzbehördet: ihrer Heinratsländer bestimmen, Ms'ätchi'che Mustersendungen bis zu 5' Kilogramm, welche an Börsetrsekretariate adressiert werden, ohne Zollmanipnlation ihren Adressaiet: züzuführen. D:sziplinarerkent:tn:sse gegen eigene Mitglieder, die gegenüber einem ausländischet: Kontrahenten sich des Verstoßes gegen Treu und Glaubet: schtckdig getnacht habeir, sollen der Börsenleitung der betref'endet: Anslandsbörse be- . katlntgegeben toep en. B r'entnit^lr der, welche einet: ausländischen, tveget: tt:at:geltwer Reziprozität nicht vollstreckbaven Schiedsspruch nicht erfül'en, sind dev betreffenden Börse'behufs disziplinärei: Eit:schreitens attzUzeige». 'Mr die Recht s h i l f e u::d die reziproke Vollstreckbarkeit der börsenschiedsgerichtliche:: Urteile in alten Ländert: Men sich alle Börsen tatkräftig^ Ut:setzen. »* 428