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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-30 · Heft 2787 (30.11.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2787 (30.11.1926)
Date
1926-11-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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3eitc 6 Men, Dienstay W«rr M-r-enMuns M. NovenOer 19S6 Nr. 2787 hatte ihm ein Unbekannter in seinem Geschäft in der Praterstraße verkauft, von der er wußte, daß ste gestohlen war. Er hat für die Juwelen eine Milliarde bezahlt. -- Ztaatsnn w alt: „Wieso kommt es, daß die bei den Mittagseinbrüchen in Prag, Graz und in Zürich erbeuteten Juwelen alle gerade Ihnen zum Kaufe angeboten wurden?" — Angeklagte r: „Das war ein Zufall." — Verteidiger Dr. Sperber fragt den Angeklagten, ob er mitunter auch nichtgestohlene Sachen ge-kacht habe. Moransky antwortet, er habe von ungefähr dreißig Wienör Juwelieren und auch im D i a m a n t k l u b Waren gekauft. Dr. Sperber bemerkt, daß Moransky ein angesehenes Mitglied des DiamamMubs nmr. Die Frau Moranskys, Juliane Moransky, erzähltz sie habe ihren Mann im Jahre 1920 in Budapest kennen gelernt. Er hat sich ihr gegenüber als Ingenieur rmd Offizier ausgegeben. Kurz nach der Hochzeit wurde er in Raab verhaftet. Im Sommer 1921 ssien sie nach Wien übcrsi?delt, wo sich Mvransch ein Dclikatesslen'' geschüft kaufte. Nach dem Verkauf des Geschäftes nnd zwei Reisen nach Mailand tvurde Moransky stiller Kompagnon des Juweliers Selig mann. Im Jahre 1922 tvurde die Ehe geschieden, Frcur Moranskyerhielt eine Abfertigung von 3"> Millionen Kronen. Die dritte Angeklagte, Braut Moranskys, Valerie Hohldampf, ein ..idlich hübsches, blondes Mädchen, bekannt sich nich huldig. Sie hat Moransky durch ihren Vater kennen .lernt und ist mit ihm im Juli 1922 eein Verhältnis cingegangcn. Die Angeklagte Nimmt Moransky kräftig in Schutz. Sie hat von ihm wiederholt sehr wertvolle Geschenke erhalten, an denen sie durchaus nichts Verdächtiges gefunden haben Witt, weil Moransky ein wohlhabender Juwelier war. Bors.: Was war es mit der Billa Ln Eichgrabsr? 5— Angekl.: Dazu hat er mir das Geld gegeben. — Bors.: Woher hatte er es? — Angekl.: Wcchrscheinlich von Einbrüchen. — Vors.: Wissen Sie, daß Ihr Vatar sich einmal geäußert hat: „Mein Schlviegerfohn ist das größte Genie, bedeutender als Breitwieser"? Der Zeuge Josef Winzi, Gastwirt in Jennersdarf, gibt an, daß Moransky bei ihm Einbrüche mit einer Schadens summe von 35 Millionen Kronen verübt habe. Der Zeuge Emil H o f st ä d L e r, Juwelier m der Rotenturmstraße, hat von Moransky wiederholt Kommissionswaren übernommen. Er hat auf ihn den Eindruck eines soliden Geschäftsmannes gemacht, der auch große Sachkenntnisse besaß. Die JuwelierSwitwe Josefine Gaudie seinerzeit wegen Hehlerei verhaftet wurde, gegen die aber das' Verfahren eingestellt wurde, gibt au, sie habe von Moransky Kommissionsware übernommen und zwei Prozent vom Nutzen bekommen. Moransky hat bei ihr zweimal je 2.5 Kilogramm Gold ein geschmolzen. Von der Herkunft der Juwelen will sie keine Kennkris gehabt haben. Hierauf wurde die Verhandlung abgebrochen. Das Zeugenverhör wird heute fortgesetzt. WÄreraufruchmsgesuch des Geurraldir-ettors Fried. Generaldirektor Fried hat beim Landesgericht Wien ein Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahrens eingebracht. Die Eingabe der Verteidigung Frieds wurde dem Untersuchungsrichter übergeben, der nach entsprechender Prüfung das Wiederaufnahmsgesuch dem hiefür bestimmten Bierrichtersenat zur Entscheidung vorlegen wird. Dieser Senat wird zu entscheiden haben, ob hinreichende Gründe vorliegen, die eine Wiederaufnahme des Verfahrens rechtfertigen würden.. Jnzwsschen soll schon in der allernächsten Zen über das beim Bundeskanzleramt seit elf Monaten ruAnde Begnadigungsg-esuch Frieds die Entscheidung gefällt wevden. 1 Ein strenges Urteil gegen eine jüdische . Redaktrice. Aus i Wilna wird uns gemeldet: Vor dem hiesigen Kreisgericht fand « die Verhandlung gegen die veranttvortliche Redaktrice des „Unzer Tog", Frau Sara Rajzin, statt, die vom Geistlichen Adolf Sniezko aus Wilcjka bei Wilna der Verleumdung angeklagt wurde. Im „Unzer Tog" erschien eine Nachricht, durch oie sich der Geistliche beleidigt fühlte. Obwohl die Angeklagte erklärte, baf? sie von der Notiz gar nichts wußte, und der Reporter, der sie gebracht hatte, entlasten wurde, lautete das Urteil auf vier Monate Kerker und 1000 Zloty Geldstrafe. Gegen das unerhörte Urteil hat die Verteidigung der Redaktrice Berufung eingelegt. Ungarisch« Jnstizkomödie. Dw seinerzeit gemeldet wurde, wurde der inzwqchen verstorbene demokratische Abgeordnete vom Schicksal verfolgt. An dem Tage, cm den: es ihr nach fünf Monate lang vergeblich angotvandten Ikkerre-gungsküvsten mrdlich gelungen ist. die Refunbierung der für di« Zentralbank verausgabten Kassenreserven zu erlangen, wird offiziell gemM>et, daß ein ihr gleichfalls nahostehendes bedeutendes Provinginstitut, di«e KSrtnerbank, m den Ausgleich getreten ist. Die Kärntnevbanik hatte eine zeitlang mit der ZentraDant rivalisiert. Sie war das Bank- Zentrum für das Land Kärnten und hatte sich auch in Geschäften in der BundeshaupüstaL-t versucht, wo sie es als einige Pvovingbank zu einer Filiale brachte. Durch die Protektion der Mehrheit avancierte jedoch die Zentralbank fast zu einer Großbank. Aber diese Protektion kam der Zentralbank teuer zu stehen, da sie gezwungen wurde, die verkrachten Banken von Burefch uvss? Rinte len zu sanieren. Sie hat sich dabei selbst zu Tode saniert und dies mußte natürlich irgendwie gutgemacht werden. Das geschah, indem man ihr Stenergelder im Betrage von 68,6 Millionen Schilling zur Verfügung stellte, die der Staat allerdings aus. vie Dauer nicht entbehren konnte, weshavb die gegenwärtige Regierung es mit allen Mitteln anstvebte und es schließlich durchsetzte, daß die Finanzinfftitute ihr das Geld ersetzen. Das geschieht^ im Wege einer den Danken unv Sparkassen sowie den Pri- , vakbaiÄierS auferlegten Abgabe avf die Bucheinlagen im Betrage von 4L Prozent, wobei sogar van der voKswirtschaftlichen Notwendigkeit, den Zustrom ausländischen Kapitals nach Oesterreich zu fördern, abgesehen wird uriü auch die ausländischen Guthabungon bei ven Instituten in die mit Recht sogenannte Rintelen-Buresch-Wutte-Steuer mnbegogen werden. Nicht genug damit, sieht das gestern beschloffene Gesetz auch noch eine zwangsweise Unterbringung der Obligationen des GarantiefsndS bei den Banken, Sparkaffen und Privatbankiers vor, für den Fall nämlich, daß die freiwillig gegebene Anleihe nicht zustande kommen sollte; der Finanzminister wurde ermächtigt, die Institute zu zwingen, die Obligationen des Garantiefonds gegen Barauszahlung zu übernehmen. Die erste Anleihe seit 1928, da die gegenwärtige Regierung Oesterreichs unter die Finanzkontrolle gestellt wurde, ist eine Zwangsanleihe, und noch dazu eine solche, die nicht für produktive Zwecke, sondern für den Ersatz von allerlei Spielvetlusten ausgenommen wird. Unter dem Regime des D r. Bazsonyi in Budapest anfangs dieses Jahres von Franz Gyulai-Molnar nnd Ladislaus Bannay auf offener Straße insultiert. Tags darauf erschien in dem Rastenschützlerorgan „Szozat", das seither sein Erscheinen eingestellt hat, eine Erzählung über den Vorfall. Wegen dieses Artikels wurde Gyulai-Molnar in erster Instanz wegen Verbrechens der Aufreizung gegen eine Konfession zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Die Königliche Tafel sprach jetzt, wie aus Budapest gemeldet wird, den Arrgellagten, der die Abfassung jenes Artikels bestritt, mit der Begründung frei, daß heute nicht mehr festgestellt werden könne, ob Gyulai-Molnar tatsächlich der Verfasser des inkriminierten Artikels war. gegenwärtigen Finanzministers und unter dem von seinem Ministerium aus gelieferten Stichwort hatte sich im Jahre 1923 jenes Börsentreiben entwickelt, das man mit dem Namen „Aufwertungshausse" bezeichnete. Roch ist jene sonderbare Eryöhung der Effektenumsatzsteuer nicht vergessen, die damit begründet wurde, daß der Fiskus dabei auch verdienen müsse. Das damals aufgerichtete gedankliche System ist genau so zu» sammengebrochen, wie zwei Jahre später die Zentralbank der deutschen Sparkassen. Wenn nun infolge dieser „weitsichtigen" Finanzpolitik eine Zwangssteuer auf alle Spareinlagen gelegt wird, und die Sparer 15 Jahre lang an dieser Rintelen- Buresch-Wutte-Steuer zu tragen haben werden, wenn die Banken, Sparkassen und Privalbankiers gezwungen werdet», Obligationen zu übernehmen, die sie mit ihrer eigenen Abgabe zu verzinsen, und zu tilgen haben wcroen, so ist es für sie ein geringer Trost, daß, wie Dr. Kienböck sagte, es sich dabei iricht um eine Anleihe des Staates, sondern um eine Anleihe eines durch eine besondere Kommission unter Teiluahnre von Interessenten verwalteten Fonds handelt. Die Abgabe, die unter dem Titel eines Fonds zu leisten ist, wird dadurch für den Besteuerten nicht leichter, ob er den Tribut unter diesem oder jenem Titel zu entrichten hat. Herr Dr. Kienböck hätte allerdings mit einer solchen Versüßung der bitteren Pille etwas vorsichtiger sein müssen. Schmählicher konnte -er Staatskredit nicht heruutergewirtschaftct werden, als wenn man sich gezwungen sieht, für den Staat irgend einen erst zu schaffenden Fonds vorzuschieben. In der Debatte über die Vorlage tvurde auch daran erinnert, daß in die Zentralbank Postsparkassegelder gesteckt wurden, die verloren gegangen sind. Die Regierung, die ihre Refundierungsgelder für die Zentralbank erreicht hat, mag mit Befriedigung konstatieren, daß sie die eine Sorge losgeworden ist. Das Problem der Postsparkasse und der dort verspekulierten Gelder ist durch die Bereinigung der Zentralbaukasfäre gewiß nicht erledigt. Die nächsten Tage werden lehren, ob man gewillt ist, über die Postsparkassenaffäre das Gras wachsen zu lassen. zahlungselnstelluug der Kiirntuekbauk. Die Kärtttnerbänk in Klagenfurt hat am Sonntag ihre Schalter geschlossen nnd um die Eröffnung des Ausgleichsverfahrens ang:fucht. In einein von der Direktion der Kärntnerbank in den Klagenfurter Blättern oeooeeaeeeaeaaseeoeeeeoeaetMMeeaooaaeoaeaaaoee«« aeaeeqaseaeeeaeeeeflaeaoosoaeafr Volkswirtschaft. Sie Rintelen-Buresch-Wutte-Steuer. Sie erste Anleihe seit dem BölkerbuMrrdit — eine zwanzsanleihe- Die gegenwärtige Regierungsmehrheit wiro entschieden (8. Fortsetzung.) Beschnette Spinnwebe». Äne Ehegeschichtc von Map Brod. Und eine Reihe anderer Gostalten sog ' vorbei. Puck, der Gsiist,' der sich lachend auif die Schenkel schlägt — und die blasse Maria Stuart, aufbrausend zu unbesonnener Wut — und dann irgend etwas von Strindberg. Stephan aber sah nur Mathilde, .ihre Bewegungen von einem Reichtum, der ihm völlig treu war, trotz zweijährigen Zusammenlebens, 'ihr. von Schmerzen verwandeltes Gesicht, vom AuMang edler Worte umhallt. Ist etwa auch dies Geist — meinte er zagend — schaffender Segen, wie er ihn bisher nur in Erfindungen, in seinem guten. Studium hatte scheu wollen? Dann war ja Mathilde und ihre Schauspielerei ihm näher als er geglaM. Eine strahlende Freude ■ über kam ihn bei diesem Gedanken. Und plötzlich war die Terrakottcvfarbe ihres -in vielfachen Windungen aufleuchtenden, von ihren Bühnens'tguren wie im Tan; hin und her geschwentten Kleides Kr ihn: die uralte Farbe der Venus, das Braunrot mit dem gelben Blick, das SafrangÄvand der Eos, das Auflohen aller Leidenschaften und Wundermythen. 'O Geist, nimmermüder, schöpferischer, nner, schöpsiich in neuer Form und Lust — die dumpfe Natur bleibt dir nicht stumm untd unveränderlich — sie jauchzt dir entgegen, gar nicht, mehr langweilig, und ergibt sich deiner glutvollen Bewegung. Da kehrte ihm mit einemmal die Zuversicht zurück, die ihm so lange fern geblichen war. RLMHaft, wie sie gegangen, war sie wieder da Jftm bitte ich noch um das eine", sagte Unstrut. „Nur die sechs Zeiten: ,Jch gab' was drurn, tvenn ich nur wützt' . . Das ist nun wieder ein unerlaubter Trick,'dachte Stephan; jetzt aber schon mehr beluistigt als empört, denn die kll'hle^Geschäftsmäßiglkeit schien seinem Gefühlssturm gegermber geradezu lächerlich. — Ein Trick von ihm! Er weiß, wie es zu sagen ist, und sagt ihr's nicht, gibt ihr Rätsel auf und wartet, ob sie's errät. „Mach' dir nichts daraus", sagte er eine Stunde später zu ferner Frau. Nach einem Peinlichen Zeitraum, , in dem Herr von Unstrut in seiner BurearckajAe ihnen ausführfjch dargestellt hatte, warum er Mathilde nicht Vvrlpflichten könne, da er eine „ähnliche Dame" bereits im Ensemble habe. Aelinlich? Mathilden ähnlich? Da war noch manches Komische vorgekommen. Aber vielleicht gehört gerade dieses Wirre, dieses Einander-Mißverstehen und Durcheinanderrufen mit zur BielfältigLeit und zur schaffenden Formfreude des Geistes, der sich in bigarren Kreuztmgen gar nicht genug tun kann. Und all diese Verwirrung ist nur Humus für neue Plantagen des Geistes — nran darf also dem Dung nicht böse sein, niemals, auch wenn er übel riecht. — Im Vovraum am Bü'hnentürl angelangt, wies Stephan seine Frau auf die Anschlagtafel 'hin: „Da schau — Einhelserin!" Dann gingen sie durch einen unbekannten, beschneiten Park. Wie wir da abziehen — dachte er — es sieht . doch traurig aus! Vielleicht auch nur, weil es so kalt ist und wir beide so vsrmmnmt und im Wind gebückt davonmarschieren? — Dabei war ihm gar nicht etwa traurig zu Mute. Aber er war doch froh, als ihm ganz plötzlich der Brief, von Reinhardt einifiel, den er in der Tasche trug. „Du, jetzt Hab' ich aber eine Überraschung sür dich, Mrl? Sie unterbrach: „Du hättest nur nicht immer mitspielen sollen." Aber ich war doch garrz ruhig — in rnemem Eckerl." „Das glaubst d ris. Aber dir hast mir ja immerfovt den Takt gegeben." ,^ab' ich gar nicht bemerkt." ' „Aber die Herren haben es bernerkt — und gelacht haben sie darüber, daß du dich so aufgeregt 'hast." Etwas ärgerlich fiel er ein: ,^st mir egal. Hör' ' jetzt lieber die Ueberraschung . . ." „Nein, laß erst mich zu Ende reden. Mich hat's nämlich gesreut, daß du so mitgogangen bist. Obwohl du ja neulich so viel gegen Kameradschaft geredet hast und jetzt beim ersten Mal, wo du mich hörst . . ,^st ja alles vorbei," rief er, „der ganze Alpdruck. Und daß du's weißt — du bist von Reinhardt engagiert. Den Kontrakt habe ich in der Tasche. Das ist die Ueborxaschung. Da können wir also wirklich den Mann in seiner .Kajüte ruhig reden lassen, was er will. — Den Kontrakt habe ich schon längst, ich Hab' dir ihn nur nicht gehen wollen — weil . . . weil . . . aber jetzt ist ja alles anders. Jetzt sch' ich alles anders. Ich weiß selbst nicht, lvarum. Aber du — du staunst ja gar nicht?" Sie blieb sichen, sah unentwegt aus den ruhigen, gmuen Augen, in denen die Lichtpünktchen blitzten: „Sehr einfach: Weil ich es längst gewrlßt habe." „Längst gewußt?" tßLm Morgen damals kam gileichzeitig «der Brich vom Agenten an mich, mit der Abschrift des Kontraktes. — Und den anderen Brief, kW von Reinhardt, habe ich auch gesehen und absichtlich in deiner Post gelassen. Ich dachte nämlich zuerst, daß er dich freuen wl>vd . : Schluß folgte

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