Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2784 (27.11.1926)
- Date
- 1926-11-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 2784 Wien, Wiener Morgenzettrmg S7. November rssg Seite s Ae zionistische Arbeit in Wien. Ni« Sesprüch «it de« Präsidenten der zionistische« Landeetomttee» Sr. «oldhammer Kannen Sie schon Ä» grandieie Wixkaag des DIANA- - Auf dem letzten Dekealertentage der öfterreichifchen /Zlonisten wurde eine Reche von Besch üssen gefitzt» ivMe die straffe Reorganisation der österreichische» Zionistenschast 0c* Mckm. Um ju erf ihren, welche Längkeit das «euaiwikhlte ZionisttHe LandeSwmitee zur Ber« Mrr.tchung dieser Deßhlüsie eingeleitet habe, suchte einer unserer Mltorvetter kürzlich den Präsidenten Dr. Leo Gold Hammer auf. Dr. Goldhammer beantwortete die ihm vor- KVW-LL «V Wir halben eine Reiche von Arbeiten auf verfchle- Leiten Gsbieten zur Durchführung Mernommen. Da ist zunächst 1. Dir organisatorische Arbeit. Der Aufbau der Organisation, besonders in Wien, der schon von dem früheren Direktorium angebahnt wurde, macht erfreuliche Fortschritte. Die Stimmung der eingelnen Gruppen und ihr Verhältnis zum LandeSkoniitee ist durchaus freundlich und einer Zusammenarbeit geneigt, so daß die Atmosphäre für den organisatorischen Anifbau gegeben erscheint. Das Landeslkgmitee erachtet es vor allem flilt seine Pflicht, durch persönliche Fühlungnahme seiner Mitglieder mit den eingelnen Sektionen, Gruppen und Verbänden ständig über deren lbesondero Struktur, besondere Wünsche und Arbeiten unterrichtet zu sein. Es ist uns in der kurzen Zeit bereits gelungen, drei zionistische BegirkSsektionen in Wien wieder zu reaktivieren Das Zustandekommen einer Harmonie zwischen den vevschredeneil Gruppen der Studentenschaft ist eine Frage von wenigen Tagen. Die Jugendgruppen stchen heute in viel engerem Zusammenhang mit der Leitung der Großorganisation, als es in den letzten Jahren jemals der Fall war. 2. Kulturarbeit. Das Kulturümt des Landeskomitecrs, dessen Einsetzung der Parteitag beschlossen hat, hat ein eigenes S:lkretariat errichtet, das bereits funktioniert. Der schon lange gehegte Wunsch nach Zentralisation des V o r t r a g s w e s e n s ist nunmehr endlich verwirklicht worden. Wir haben für die wichtigsten Themen aus den Gebieten der jüdischen Geschichte, der Geschichte und Theorie dös Zionismus, d.r hebräischen und sonstigen jüdischen Literatur bereits etwa fiÜnsizig Referenten gewonnen und ein Vortragsnetz für W'en ausgearbeitet, das in drei Hauptzentren zerlegt ist; in diesen sollen den einzelnen Gruppen und Sektionen die Vortragenden zur .Verfügung stehen. Da wir der Kulturarbeit unter der Jugend das größte Augenmerk zuwenden, haben wir zwei Füihrerkutse errichtet, und §war einen Jugend-Führerkurs, der Ähnlich den Parteischulen der anderen Parteien die Heranbildung, eines zur Führung und Propaganda geeigneten Nachwuchses bezweckt, ferner ritten Führorknrs für Vorturner in Uttser-en Makkabi-T urnvereineil, der das gleiche Ziel vevfolgt, aber von dem anderen Kurs deshalb getrennt ist, weil der erstere ans sechs Monate mit täglicher längerer Arbeitszeit berechnet ist, während der Turnerkurs unter Rücksichtnahme ans die turn erische Betätigung seiner Teilnehmer sich bloß auf je einen Monat erstreckt. In dem Jugend-Wluerkurs ist die hebräische Durchbildung obligatorisch. Mit der Einrichtung beider Kurse ist bereits begonnen. Zur Konzentrierung aller am hebräischen Kulturwerk anteilnohmeuden Personen und Schichten haben wir in den Lokalitäten, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33, einen hebräischen Klub ein-gerichtet, in. welchem die Teilnehmer mindestens zweimal monatlich Gelegmhüt haben werden, ausschließlich in hebräischer Sprache sich über, alle jüdischen Problems auSzusprechen. Diese Diskussionsabende wer- Ätz« durch kurze hebräische Referate eingeleitet. 3. Jnnerpolltische Ättbeit. , Die vorher ang.-führten Arbeiten sind gerade im Hinblick darauf in Angriff genommen wonden, daß die innevpolitische Betätigung eigentlich weniger eine Frage, der jeweiligen taktischen Methoden, als vielmehr ein Problem dev organischen jüdischen Durchdringung der Individuen ist» Deshalb legen wir aus die Arbeit unter den Juden und auf die Aufklärung über alle die Regeneration des Judentums betreffenden Fragen besonderes Gewicht. Naturgemäß konzentriert sich daher unsere politische Arbeit auf die Stärkung unseres Schulwesens. Dazu gchört auch dieReformdes Religionsunterrichtes. In dieser Hinsicht haben wir bereits einen erfreulichen Erfolg m verzeichnen, der vor allem dem Wtgliede des Kulturamtes, Rabbiner Dr. Feuchtwang, zu verdanken ist, nämlich dis Einphrung des obligatorischen hebräischen ttnisrricht.es in dem Religionsunterricht der Volksschulen. Die bereits bestehenden Kindergärten und Kurse \?4%ü wir genau überwachen, organisatorisch starken und zusammenfassen. Gin Sorgenkind' bildet das hebräische Realgymnasium, fiir welches die Zionisten jetzt mehr interessiert werben müssen, um auch entsprechenden Anteil an den materiellen Kosten, die es verursacht, zu übernehmen. Die bisherige Subvention durch die jüdische KultuSgemeinde ist nicht ausreichend und das LandeSkomitee hat unsere Mandatare in der KultuSgemeinde beauftragt, eine Erhöhung dieser Sudvention zu verlangen. Ebenso haben unsere Mandatare den Auftrag, die notwendigen Schritte einzuletten, um gemäß dem Minoritätenrecht von Selten der Bundes» und Stadtverwaltung eine entsprechende Subventionierung des jüdischen Schulwesens zu erreichen. 4. Zionistische und Palästina-Arbeit. Unser Hauptaugenmerk ist auf die E r.h.ö h u u g der Einkünfte des Palästina-Aufbaufonds u n ö des Jüdischen Nationalfonds gerichtet. Das Landeskomitee nimmt an der Durchführung der S o n d e r a k t i o n anläßlich des 26jährigen Jubiläums des Keren Kajemeth aktiven Anteil. Ferner werden jetzt die Vorbereitungen für den anfangs 1927 einsetzenden Keren Hajessod-Drive getroffen, unabhängig davon auch, jedoch auch unter den Zionisten für die Erhöhung ihrer Keren Hajossod-Vttträge systematische Propaganda gemacht. Das Palästina-Amt wird soeben in orgnisator sicher Beziehung dem Landeskomitee unterstellt, so daß wir auch bei der Heranbildung der für Palästina geeigneten jungen Menschen, der Hachschara, aktiven Einfluß erhalten. Die zion-istisch-propagandistische Arbeit halten wir für die Aufgabe der einzelnen Sektionen, Gruppen und Sonderverbände, so daß das Landeskomitee eigentlich nur Initiative und Methode auzugeben hat. Die stärkeren organisatorischen Grundlagen^ die wir jetzt in Oesterreich schaffen, werden der zionistischen Propaganda und der Stärkung der finanziellen Leistungen der Zionisten in weitem Matze dienlich sein. Es ist dGer zu erwarten, datz infolge der gesteigerten Tätigkeit und des dadurch hevvorgerusenen organisatorischen Zusammenhanges die einzelnen Zionisten ihre finanziellen Verpflichtungen der Landesorganisatiott gegenüber weit besser evstillen werden, als es bisher der Fall war. Ihr Mitarbeiter warf hier die Frage ein: „Hat das Landeskomitce zu den von Oberbaurat Robert Stricker in der „Wiener Morgenzeitung" geäußerten Bedenken gegen die Amerika-Reise des Präsidenten Weizmantt irgendwie Stellung genommen?" „Nein" — antwortete Dr. Goldhammer „das Landeskomitee hatte dazu auch keinen Anlaß, da der Delegiertentag durch seine Resolution, die die Reise Wrizmanns begrüßt, bereits die Stellungnahme des Landeskomitees vonweg bestimmt hat und Wir uns genau an die Weisungen und Beschlüsse des Delegiertentages halten. Oberbaurat Stricker hat seine Bedenken für seine Person in Ihrem Blatte geäußert. Ich persönlich hätte es^ begrüßt, wenn die Darlegungen Strickers in der Weisie Widerhall unter den Zionisten gefunden. FRANZBRANNTWEIN Jeder GESUNDE und jeder KRANKE w!«i 99 Ihnen beatttfgea, 4 ad die denkbar hatte Witknng dueh Diana-Franzbranntwein mit Menthol eriielt iHtfl. ÜBERALL ERHAfcTLICHl hätten, datz sich eine öffentliche Erörterung an sie schloß. Bisher ist dies nicht geschehen." „Me stellen Sie, Herr Präsident, sich persönlich zu diesen Darlegungen Strickers?" ,Jch betone nochmals, daß ich darüber Ihnen n u r meine rein persönliche Stellungnahme mittoile und nicht für das Landeskomitee spreche. Zur Sache bemerke ich: Wenn ich auch persönlich im wesentlichen die Argumentation Strickers bejahe, so halte ich die Form, in welcher er seine Argumente vorgobracht hat, nicht für sehr glücklich, denn die Wirkung scheint mir durch die zu stark pessimistische Färbung, die die Ausstthrungen hatten, verloren zu gehen. Weizmanns Reste hat heute nicht bloß den Zweck, die Jewish Agency zu bilden (ob dies überhaupt möglich sein wird, darüber werden wir ja in kurzer Zeit Klarbeit haben), sondern vor allem in der gegenwärtigen Palästina-Krise die Mittel hevbeizuschaffen, durch die man der Krise einigermaßen Herr werden und die ungestörte Fortführung des Palästina-Aufbauwerkes ermöglichen soll. Nach den bisherigen Erfahrungen bin ich fest davon überzeugt, datz Weizmann von den Nichtzionisten, die er als Partner Mr die Jewish" Agency sucht, das nötige Geld für die Ueberwindung der Palästina-Krise nicht in dem von ihm erhofften Ausmaß erhalten wird; aber ebenso wc Weizmann und Stvicker weiß ich, daß dioses Geld vor allem von den Ztonisteu komme» muß. Stricker selbst hat dies auch immer betont. Jetzt aber klingt seine Argumentation, derart, daß es den Anschein hat, Weizmanns Reise werde auch in diesem Punkte vergeblich sein. Dieser Pessimismus erscheint mir gewagt. Er wäre nur geeignet, eine Stinttnung der Resignation hervorzurufött und gerade - das Gegenteil von dem zu bewirken, was Stricker.selbst vor allem wlünscht: eine Intensivierung der zionistischen Aktivität. Das ist alles, lvas ich zu den Ausführungen des Dberbaurates Stricker zu sagen habe, und Um zum Ausgangspunkt unseres Gespräches, den Arbeiten des Zionistischen Landeskomitees, zurückzukehren, möchte ich bemerken: Die Intensivierung der zionistischen Aktivität in Oesterreich zu erreichen, nift bas wichtigste Ziel, das sich das gegenwärtige Landeskomitee gesteckt /hak. Es find gute Ansätze dazu vorhanden, daß es erreicht werde. Die gemeinsame Arbeit aller Zionisten wird dazu viel, eigentlich alles beitragen. Wir brauchen sie und rufen sie täglich auf." 1 * 1 JÜDISCHE WEIT | * \ Seri« vrl den Mkaner«. Gin Mtitä in Mire. Der Rcmchwärcnhändler Vernarb Mn rau aus Chile kam vor kurzem in geschäftlichen Angelegenheiten nach den Bereinigten Staaten mid erzählt in einem amerikanisch-jüdischen Blatt das'folgende Erlebnis: . Auf meinen Fahrten in den enttegensten 'Winkeln von Chile MM ich eiyM in einem 'Mneu ISöcf im Norden Hey Chile-Republik übernachten. Ich wüßte, daß dieses kleine Dorf mit dem Namen Fakhat ausschließlich von Indio'- N-M bewohnt wird. Ich spazierte durch die stillen chen dos Dorfes, wenn man diese Durchgänge Gassen nennaw darf, als ich plötzlich einen bekannten jüdischen Sang hörte. Nein Herz begann lauter zu klopfen, ich glaubte, zn träumen. Aber bald konnte ich ganz deutlich die mir so vertrauten Worte „Lecho dodi" Ulsnehmen. Ich loottte meinen Ohren nicht trauen. Ist es Wirklichkeit oder bloß ein Werk meiner echitztewPhantasie? MeV mm! Ich hörte ganz klares sind die gut bekannten!lhebraischen Worte und die altbekannte Sangesweise des „Lechö dodi". Ich tvarf einen Blick in das Innere des Häuschens, MtS welchem dev Gosang aus die Äassa gedrungen war mch ich sehe Achter auf dem Tisch Sabbatlichter. Habe ich Mich etwa in ein kleines Mdtcherr der alten Heimat verirrt oder befinde ich mich irr einenr Ortwo, sich die zehn Wunne aufhalten? Ich klopfte an und trat' Nr dass Hains ein. Cüw 'echte, unverfälschte Indianerin mit einigen kleinen Kindern:, würzige Indianer kamen mir entgegen. Jetzt begriff ich die Situation noch weniger. Doch bald stand vov mir ein heimisches jüdisches Gesicht, ein junger "Jude Vow'dem 'TWus', lvie ich ihm in Galizien und Polen oft 'begegnet bin ein bleiches Gesicht mit Mi tiefen schwarM Angen, echt jüdischen Äugen. Mit einem Lächeln begrüßte er mich mit dem altgewohnten Scholem Älejchem. Gr war nicht weniger Überrascht als ich. Auch er war nicht darauf gefaßt, in diesem entlegenen Jndianerborf einem Juden Kr begegnen. In de« Stube war alles sabbatltch wie in einem ftvmmen jüdischen Haus. Rein, fein säuberlich und auf denk Tisch brannten Gabbatlichtsr. Nach dem Nachtmahr erzählte mir mein Gastgeber die folgende Geschichte r Vor vier Zähren kam er ans Polen nach Chile, rvo er sich anfangs einsam und verlassen fühlte. Kr der ersten Zeit litt er auch Hunger und Not, da er wegen Hnkenntnis der Sprache nichts beginnen Mute. Aktt Hilfe eines lleineu. Betrages, den ihm Verwandte aus der alten Heimat geschickt hatten, kaufte er etwas Ware Und begann damit zu hausieren. Er sirhr von Dorf zu Dorf zu den Spaniern, und Jndianettt, beneit er seine Ware verkmrfte Und erhielt sich kümmerlich. Als er in dieses Dorf kam, verliebt« sich in ihn ein junges JndianerrMchen, dasselbe, welches heute sein Weih ist. Sie ftrm ihm mit großer Freund-, lichtest und Liebe entgegen Hch bat Gr stWNdiM M MWWWWDWMWWWich jMMWW