Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2781 (24.11.1926)
- Date
- 1926-11-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2781 Men, Mittwoch Wiener Mo«gerrzeitu«rg 34. Rvve'mLer 1936 4MG o munb Groß! Er findet jetzt noch iveniger Schlaf als früher, beim jetzt hat er zum Schaden auch noch den Spott. Bühne und Kunst. %k -tznagoge Mn llarpentrar. , Aus der Geschichte der Juden der Provence. Im NovemLer des Jahres 1332 wütete in der provencalischen Stabt Carpentras eine Epidemie, von welcher ein großer Teil -er christlichen Bevölkerung hiniweggeraD wurde, während die Juden -er Stadt, ettva 300 Familien, von der Seuche fast ganz verschont blieben. Was war damals natürlicher, als daß die Mischen Bewohner beschuldigt wurden, daß sie die Seuche Lider die Christen herausbeschwoven hatten! Papst I o ih a n n, dem die Stadt Carpentras damals X-oif6ci0.cn war, willfahrte dem Wunsche der christlichen Bevöllkerung und erließ ein Dekret zur Vertrei b u n g der Jude n aus Carpentras und Konfiskation ihres Besitzes. Mittel, und obdachlos verließen die Juden die Stadt, die den meisten von ihnen die Geburtsstadt gewesen i>st. Nach denr Abzug der Juden wurde -er Wdische Friedhof zerstört, die Synagoge niedergerissen und an ihrer Stelle eine Kirche ausgebmvt. Bis zum Jahre 1343 tnitiftc kein Jude in Carpentras übernachten. In diesem Jahre holb der Nachfolger Johanns, Papst Clem ens VI., Las Vertrewungsdekret seines Vorgängers auf und derief zunächst z w ö lf j ü d i 's ch e F a m i l i e n ' nach Carpentras. Sie erhiMen die Erlaubnis, eine neue Synagoge zu errichten, die jedoch nicht größer sein dürfe, als Me ehemalige, aus deren Platz sich nunmchr die Gedächtniskirche evhoib. Auch einen Friedhof durften die Juden in der Nähe der Stadt anlogen, jedoch unter der Bedingung, daß auf ihm kein ortsfremder Jude ohne besondere Erlaubnis begraben wird. Um öar demokratische Wahlrecht in der Lemderger Mischen Gemeinde. Aus Lemderg wird uns hevichlel: Der Magistrat hat, wie scharr gonrellet, t'tc Wahlen irr die jüdische Gemeinde, die jetzt Lurch den RogrerungSlommissär Professor Dr. Aller« h a rr,d revwaltei wird, für den 5., 12. und 10. Dezenrlber d. I. ausgesrhrieiben. Da jcidoch die AuKschrevöung auf Grurrir des alten Dreiluriensystems erfolgte, hat die provisorische Ver. walbungslommisjron i»m Girwernehnren utit dem R-cgierangSkormmssär einmütig die Vornahme der Wahlen für April 1627 beantragt. Damit wellten sie ihren Entschluß auSd rücken, auf GvMtz deS veralteten, un^emolkvatischen WaWtaiutZ leine Neuwahlen mchr vorKUnehmerr. Bis zum April hofft -n.cm eine Einigung erzielen zu könnerr. Bandalksmur der -gew'Me". Wir berichteten vor kurzem, daß die Kommunisten die berühmte Kiewor Chorsynagoge in einen ArLeiterÄulb urngcwarridelt halben. Wie jetzt auö Moskau berichtet wird, haben die Mitglieder der „Jewsokgie" bei dieser U-rrrwarrdlurrg varrdalisch göhauft. Ihr Organ „Crnes" erzählt mit überschäumender Fronde, daß die Synagoge, die ein Baulunstwevk ist, im Innern völlig umgcibaut und frifch 'üenia'lt wurlde. Die Kommunisten sprengten die feuerfeste Kasse, entnahmen ihr die 'berühmte seidene Clhuppcch, die eine tunstgewerbliche SchenswÄridigleii ist, un!d verarbeiteten sie zu einem Vorhang für die in der Synagoge errichteten Klulb- ^Lihnen. Vereine. Vorträge und Versammlungen. Zionistische Jugendgruppe Leopoldftadt. Heute, 7 Uhr abends, Plenarversammlung mrt anschließendem Refemt des Herrn Dr. Z. F. F i n! e l st e i n. — Leopoldstädter BoÜshpim, 2. Bez., ZirluLgasse 48. Technische Sprechstunde. Heute 7 Uhr Ubenos beginnt Herr Ing. Karl K r o m a r eine „Technische Sprechstunde. Darin sollen die wichtigsten Fragen der modernen Technik, insbesondere des Maschinenbaues in Gemeinschaft mit den Hörern behandelt und deren Anregungen saiMmäß erörtert werdet!. — Jüdischer Verein „Nord-Ost", 2. VA, Taborstraße 21 a. Heute, 8 Uhr abends, Vortrag Prof. Dr. .Wilhelm «stein: „Die Juden in der deutschen Dichtung des 19. Jahrhunderts". Eintritt frei. Gäste willkommen. — Wiener Bet-Hamidrasch, 3. Bez., Tempelgasse 3. Heute, 6 Uhr, Lektor Dr. Gcllhaus: „Liturgie". 7 Uhr: Lektor Dr. Rubin: „Die Philosophie des Maimonides." Benin Titwath Jehuda, 8. Bezirk, Bennoplatz Nr. l. Heute, hall 9 lHr abetchS: Vortrag: Dr. Theodor Lehnstorfr „Was hat unsere Gesetzgebung aus der Bibel gelernt?" Anschließend geselliger Abend. — Verein der Freunde des Naturhistonschen Museumö in Me». Heute, 6 Uhr nachmittag», im Vortragssaale der Neuen Burg. Corps de Logis (beim äußeren Burgtor, Eingang. Gste-Sanmvlung) Vortrag von Kustos Dr. H. Handel-Mazzetti: „Das Edelweiß und feine Herkunft". Eintritt und Garderobe frei! Regicheitrag to Groschen. Gäste willkommen! Mutz radikaler Zionisten. Heute, hall 9 Uhr abends. Im Cafe Atlashof (1. Bez., Aspernplatz) Klubversammlung. Referat; „Zionismus und Bureaukratie" (vborvauryt Robert Stricker). Predigten in den israelitischen Gemeindetempeln. Morgen, Freitag, ftrrden bei dem mn 4 Uhr 1b beginnenden Mendgottesdienste in den nachbenanuten Gemeindetempeln Predigten statt, und zwar: 2. Bez., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald), 16. Bez., Hubevgasse 8 (Mvbiner Dr, I. M. Bach), ferner Dienstag, den 30, November 1986 (I. Chanukka-Abend), l. Bez., Seltenst''ttengaffe 4 (OberraMner Dr. tz. P. Chajes), «Samstag, den 27. November d. I., um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für hie israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und BoziMynagogon des 1., 2., 0., und 20. Bezirkes statt. govlta Furnier in der Bolkroper. Der Japaner, auf Lessen Bühnen ,Ma«dame Butterfly" bis heute kein Gaftrecht gefunden hat, stcht dem Schicksal von Puccims Cho-Gho-fan vollständig gleichgültig gegenüber. Daß sie um ihrer Liebe willen leidet, paßt so gar nicht in die Anschauung der japanischen Gesellschaft, welche in «der Literatur und Kunst das Weih als liebreiche Tochter und musterhafte Gattin preist, aber niemals als sentimentale, m der Liebe ausgehende Frau. Die Dame des Abendlandes, welche liebt und geliebt wird, ist der japanischen Kunst wesensfremd und so verlangt Cho^hp-san von einer japanischen Darstellerin gewissermaßen von vornherein eine Einzwäng ung des GefüWclbens m abendländische Formen. Frau Jovita Fnentes, eine weitgereiste japanische Sängerin, versteht sich auf derlei Kompromisse. Ihre Gefangs'kultur ist italienisch, ihre kleine, warme, in der Höhe wie in sanftem Monidlicht leuchtende Stimme ist ebenso zierlich wie ihr ganzes Miniatur- Persönchen, das kaum größer ist als ein Wiener Schulkind. In ihren farbenreichen japanischen Gewändern trippelt sie behutsam über die Bühne, das unvermeidliche steinerne Lächeln des Japaners auf dem Antlitz. So ist sie für uns die japanische ,M:tterifly", wie sich sie der den Geist des fernen Ostens mit der Seele suchende Europäer nur zu wünschen vermag. In der rührenden, rein menschlichen Schlichtheit im’b Anspruchslosigkeit, mit der sie durch alles Leid hindurchgecht, scheint sie uns Europäern vielleicht noch stilechter als Teiko Kiwa, die japanische „Butterfly" des Vorjahres, die ihr an musikalischer Kunstfertigkeit überlegen war: Ihr Partner in der gemischtsprachigen Vorstellung, Einilio Jani, ist der gewandte, unpersönliche, jeder Situation gewachsene italienische DurchschnUtstenor. Von den heimischen Sängern wirkten Rose A t t l e r und Karl HeIIgren im Ensemble mit, welches von dem umsichtigen Kapellmeister Bruno Wolfstal an gefährlichen Klippen vorbei schließlich in den Hafen eines lebhaften Erfolges gessthrt wurde. fkb. Ans Len Theatern. Burgtheater. Morgen halb 8 Uhr „Bolpone". (Abonnement 4. Gruppe). A k a d e m i e t h e a t e r. Morgen halb 8 Mr „M a d elvn". „ , De nt sch es Bolkstheater. Samstag halb 8Uhr deutsche Uraufführung des Lustspieles „Lieb e und Sport" (Monsieur et Madame un tel).. Deutsch von Bertha Zuckert«ndl. Volks »per. Heute zweites Gastspiel der japanischen -Opernfängerin Jovita Fuentes mit ihrem Partner Emilio Jani in „Madame Butterfly".' Morgen zum ersten Male in «dieser Saison „D erTrompetervon Sükk Ingen". Kammersviele. Tie nächsten Nachtvorstellungen finden Samstag, und Sonntrg statt. Zur Aufführung gelangt des Berneuil'sche Lustspiel „Kopf oder Schrift". — TaS neue Stück von G a ls w o r tyh „D e r E r st e und der Letzte" wurde zur Ausführung erworben. Theater in der Josef st ad t. Max Reinhardt inszeniert noch vor seiner Abreise nach Arnertka, die in den ersten Dezembertagen erfosgt, die Farce „Viktoria" von W. S. Maugham, deutsch von Mimi Zoff. Fl Bücher aus aller Welt Jeder Band nur Schilling Schilling Schmucke Halblefaenb&ade auf holzfreiem Papier DOSTOJEWSKI: GflRSCHIN: TURGENJEW: STEVENSON: TOLSTOI: LOTI; MILLE: BOUTET: TSCHECHOW: GOETHE: MOZART: POMPADOUR: LIEBESNOVELLEN Die Sanfte Eine Nac^t Rudin Der Selbstmörderklub Der Pechvogel Kindheit Die Pilgerfahrt nach Omkor Das Tbtennchiff Das letzte Abenteuer Der Lehrer Reisetagebuch Briefe Briefe der Renaissance lDle kleinen Vorräte gehen bald zu Endel Bestellen Sie daher sofort bei BUCHHANDLUNG R. LÖW1T, WIEN I. ROTENTURMSTRASSE Nr. 22 III - Serichtrlaal. -er Snsammenbrnch der Mrtschaftrnntet. nehmen» der ftSvtischen Angestellten. Eine vernichtende Kritik des Buchfttchverständigen. Zu, Beginn des gestrigen siebenten Berhandlungstages gegen die leitenden Funktionäre der Winex wutt»e als Zeuge der pensionierte Baurat Ing. Emil Bernevt ttnvernommen, der vom Jahre 1919 dis 1931 Leiter der Brennstoffabteilung der Zewiwertza war. Im Jahre 1931 erhielt .er vom Bürgermeister den Auftrag, die Abteilung zu liquidieren. Dws Bermögert nmrde dann als Dsrlche« des VerEvndeS ffädtifcher Angestellter an die Winex gebucht. Der Zeuge erklärte, daß die Bilanz dieser M» teilung im Jahre 1933 mit einem Aktivum abgeschlosseir habe. — Bors.: Sie, Zeuge, ich mache Sie auftnerkfam, Sie werden sofort unten beim Untersuchungsrichter stehen Hier ist die Bilanz von Ihnen llnterschrieÜen, die ein Passivum von 685 Millionen Kronen aufweist. — Zeuge: Das ist nicht meine Schrift, das hat der Buckcha1t.°r Schiramm geschrieben. — Bors.: Aber unterschrieben haben Sie es. Es ist cnn besten, ivenn Sie sich nicht so weit auf dieses Gebiet hegeben. Der Staatsanwalt könnte sonst seine Konsequenzen ziehen. Sie Haben in Ihrer Abteilung ein sehr gutes Leben geführt. Das Passivurn hat Ihnen nicht gepaßt. Wie viel haben Sie denn von der Stadtgemeinde Gehalt bezogen? — «Zeuge: 2.4 Millionen im Monat. — Bors.: Dazu kommt noch der Winex-Gehalt von 1b Millionen, dann noch Umsatzprovisionen und eine Abfertigung von 142 Millionen, Ich kann Ihnen ,mr sagen, daß einige solcher Beamten wie Sie genügt hätten, auch das reichste Unternehmer: zugrunde zn richteru Sodann erstattete der Buchsachverständige Regrerungs-- rat Professor Sedlak sein Gutachten, das zu einer vernichtenden Kritik über die GeschästsgeÜarung der Winex wurde. Der Sachverständige erklärte, ihm sei die Arbeit deshalb so ersch'ivert rvorden, weil fast gar keine Originalbelege vorhanden waren. Auch Hai das Hauptbuch für das zweite Semester .1924 gefehlt. Das Gutachter: behandelt eingehend die RechmrngsabfckMsss der Winex, verrverst darauf, daß dem Eigenkapital von 17 Millionen Kronen Verbindlichkeiten von 36.661 Million«: gegnrüberftanden, und bemerkt: Dieses Verhältnis zeigt selbst dein Bilanzunkundigen die Unhaltbarkeit der Winex Ende 1923. Die damals aufgestMen und gmehmigtev RachnnngsabMÄssc entsprachen durchaus nijcht den Tat-- ßmhen. Der Reinverlüst stieg im. Jahre 1924 um 11.413 Millionen auf 16.836 Millionen Kronen. Die Winex war also bereits Ende 1925 überschuldet und zah-> lungsunfähig. Dessenungeachtet hat dis Geschäftsführung durch leichtfertig beanspruchte Kredite in unverantwortlicher Weise durch Vermehrung der Filialen und durch Gründung rreuer Betriebe und Beteiligung an verschiedenen von vornherein als faul zu erkennenden Unternehmungen einen Umfang angenomm«:, der in den Zeiten d«r stabilen Währung zum sicheren Zusammenbruch führen mußte. Die Führung dör Geschäfte war ausgesprochen unrationell, in viäen Fällen sogar leichtfertig.. Die Geschäftsführung hat «s vvrgezogen, statt aus der Zahlungsunfähigkeit die Konsequenzen zu. ziehen, die notorische Ueberschuldung zu vertuschen. Die Rechnungsabschlüsse enthalten glatte, lediglich von Kridataren geübte .BllanMkßchungen. Die Verhandlung wurde um halb 4 Uhr abgebrochen. Heute wird das Beweisverfahre:: geschlossm:. .Morgen fbT* gen die Plädoyers. Muß ein Kaufmann die Verordnungen besser renne« als ein Oberundesgerichtsrat? Der Kaufmann Max Graf wurde vom Magistrat nach dem Verwaltungsstrafgesetz zu einer Geldstrafe von 800 «Schilling oder einem Monat Arrest verurteilt, weil er entgegen der Ministerialverord-- nung vom Jahre ISIS seine Wohnung in der Negerko-, Sasse in ein Bureau umwandelnwollte und weil er den Nachweis für seine Behauptung, daß er diese Ministerialverordnung nicht kannte, nicht erÄracht habe. Bet der gestern über d:e Beschwerde des Verurteilten vor dem VerwaltungsgerichtSlsvf stattgefundenen 'Verhandlung verwies der BesiMrdÄiertreter D-r. Spitzer daraus, daß auch der Vermieter der Wohnung, der Miteigentmner unv. tausverwalter, Oberlandesgerichtsrat Dr. Sieber die erordnung nicht kannte, da er zweifellos sonst den Mieter auf sie aufmerksam gemacht hätte. Mn Kaufmann könne aber nicht verpflichtet werden, die Verordnungen bester zu kennen att ein gelehrter Richter. In der heutigen Zeit, wo eine Verordnung die andere aufheor, könne ein Bundesbürger unmöglich jede alte verschollene Verordnung kennen, Ter Be:waltungSaertd)tShvf wies dieBeschwerde ab, weil bei her notorischen Wohnungsnot der Beschwerde- Mrer sich Vorhalten mußte, daß die Umwandluyg einer Wohnung in ein Gefchäftslokäl nicht ohne weiteres zu>- lässig sein könne. Die Liquidierung de» Wöllersdorfer «Dkandakes, Gene-» raldirektor JoM T r e b t t f ch, Hessen fünsMriger Vertrag als leitender Ges von Wöllersdors plötzlich gekündigt worden war, hat beim Zivillandesgerichte eine Klage auf Feststellung der Ntchtberechtigung dieser Entlastung und Mlung der seit seiner Entlastung küNigen Bezüge in devGesamthöhe von 60.000 S. Bei der gestrigen Verhandlung erkürten nun beide Parteienvertreter, daß ein Vergleich in diesem Proteste, über dessen JrWalt ste sich nicht äußerten, als perfekt anzusehen sei und nur noch der Genehmigung einer maßgebende» Grelle bedürfe .Der Vorsitzende beschloß, die Verhandlung zur Anvemumung einer Vergleichstagfahrt zu eMreckem