Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2781 (24.11.1926)
- Date
- 1926-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Polen :35gf0S2y j 1 PfclsgOgl Wien: Zum Abholen in der Expedition, Ile, Taborstr. 1-6 oder in einerVefschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkanf in Wien durch die Kotporteure der Firma Goldschmied. I., Wolheile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho* Slowakei! Mon.K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Pres. 35 N«cb*a hlttncroa bot Pt »toerhÖUttnjren fotbohalten Wiener orgenzeilung En g 1 an d: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatf. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bnlgarien:Mon.lOOLeWa. Schwein und das übrige Ausland monatlich Pres. 6 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. I Telephon: 44-0-98, 48-3-19 Ab 6 Uhr : Tel. 31-209 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „fnta*) Oesterreichisches Fostsparkassenkonto Nr, 160.683 Rr. 2781 Me«, Mittwoch, 24, November 1826 (18. Airlew 5687). 8. Jahrgang Me deutsche« Sftgrenzen. Sensatiouelle ßrkliirungen des deuifche« Außenministers Berlin, 23. November. In der heutigen Sitzung des Reichstages kam der Antrag der Völkischen und Kommunisten auf Kündigung der Locarno vertrage zur Behandlung, der zu einer größeren außenpolitischen Debatte führte. Bei dieser ergriff auch der Reichsaußenminister Stresemann das Wort zu einer längeren Rede, in der er auf die Anwürse der oppositionellen Parteiredner antwortete. Bemerkenswert in den Darlegungen Stresemanns sind seine Ausführungen über. die deutschen Ostgrenzen. Cr sagte u. a.: „In der Ablehnung einer dauernde» Garantie der deutschen Ostgrenzen gibt es in Deutschland keinen Parteiunterschied. Eine solche Zumutung ist von amtlicher französischer Seite auch niemals an uns gestellt worden. Bei dem Umfange der Fragen, die zur Verhandlung standen, kann niemand erwarten, daß acht Wochen nach dem Gespräch von Thoiry schon die Resultate vorgelegt werden können." Am Schluß seiner Rede betonte Dr. Stresemann die Notwendigkeit, auf der Forderung der allgemeinen Abrüstung zu -bestehen, und sagte dann: „Nachdem die baldige Räumung der besetzten Gebiett ein aktuelles Problem geworden ist, muß anch die Lösung dafür gefunden werden. Der deutsch-französische Ausgleich, die Festigung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland ist der'Angelpunkt der Konsolidierung Europas. Diese gemeinsame Aufgabe kann jedoch nicht gelöst werden, solange nicht die trennende Schranke, die Besetzung deutschen Gebietes beseitigt ist." Im redaktiottellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Verschärfung im englischen KohlenlonfHft. Die Regierung zi^ht deu SchedSgerichtSvorschlag zurück. London, 23. November (Reuter). I» offiziellen Kreisen wird erklärt, die Regierung habe beschlossen, den Plan der Schaffung eines nationalen Berufungsgerichtes für die Kohlenindustrie aufzugeben. * Die Einsetzung eines solchen Schiedsgerichtes für die Kohlenin'dustrie war der Hauptpunkt des Kompromisses zwischen der englischen Regierung und'Exekutive der Bergarbeiter für die Beilegung des Streiks. Da nun das Kompromiß von einer, wenn auch nur schwachen Mehrheit der Streikenden verworfen wurde, will sich die Regierung für die weiteren Verhandlungen mit den Bergarbeitern scheinbar' freie'Hand schaffen, um auf die F r e i La g-wieder zusammmtretende Konferenz der Bergarbeiterde l eg i e r t e n einen Druck auszuüben. Sie rechnet hiebei auch mit der stetig wachsenden Zahl der A r b e i t's w i l - ligen und mit der dadurch möglichen Sprengung des Bergarberterverbandes. Verlängerung des Ausnahmezustandes. 'Innenminister'-I o y usom'-Ha-ck s erklärte lin Mtvrhaus, die' Regierung - beabsichtige,- amAreitag denrParlament vorzuschlagen, die' Fv Nt fb'Hmn"ä''^s''Ä''n-KU'äh m e z ust a n des über Dezember hinaus zu beschließen, da gegenwärtig von drei ^Grubenarbeitern in England nur einer zur Arbeit zurückgekehrt sei.. Das Grubcndepartement teilt mit, daß heute 410.500 Arbeiter in die Gruben eingefahren seien, um 20.000 mehr als gestern. Wedgwood über die Aufgaben der britischen Mandatrderwaüung. Jerusalem, 23. November. In. einem Gespräch des Tvlonet Wedgivood mit einem Vertreter der Palästina Korrspondeuz erklärte der englische Politiker: Die Ausgabe, der britischen Administration ist, dafür zu arbeiten, daß sie selbst sich zurück,stehen kan«. Sie sollte dafür sorgen, Palästina M einem autonomen jüdischen Gebiet im MMmen des britischen Reich,es M Machen. Bezüglich der arabischen Opposition sagte Coloneü Wedgwood: „Ich sehe nicht das geringste Anzeichen dafür, daß die Fellachen gegen die jüdische Einwanderung sind. Ihr einziger Wunsch scheint zu sein, Englisch zu lernen und auf das N iv eau der I übtu zu kommen."; Auf der Abschiedsfeier zu Ehren Wedgwoods und seiner Gemahlin in Tel-Awiw überreichte Herr Ussischkin im Namen des jüdischen Nationalfonds das Diplom über ihre Eintragung in das Goldene Buch durch ihre 'Freunde Und Verehrer in Palästina. Col. Kisch übergab Frau Wedgwood als Andenken an ihren Besuch irr Palästin a das -Buch R'Uth in einer künstlerisch' ausgestatteten Rolle. Ae britische Rekchskonferenr beendet. London, 23, November. Heute nachmittags fand die SchlüUitzung der britischen Reichskon-fereng statt,, die genau fünf Wochen gedauert hat. Als einer der letzten, jedoch wichtigsten Berichte wird der Bericht über die Reichlsverteid'tgung herausgegÄben. Die meisten Zeitungen in Irlands Kanada, Australien und Südafrika sind mit dem Bericht über die Regelung der Beziehungen Mischen dem Mutterlande und den Dominions einverstanden. Es wi-vd betont, daß der Bericht einen Zustand anerkenne, der bereits tatsächlich durch die - Konferenzen, von Versailles, Washington und Genf geschafifen' worden' fei. Wilhelm geht e, best«. Amsterdam, 33. November. Ueher die Erkrankung des ehemaligen dentischen Kaisers wird aus Do>orn gemeldet, daß heute vormittags eine merkliche Besse r u n g eingetreten sei. Die fieberattigen Symptome, die" gestern' npch wahvzunchmen waren, seien heute nicht uicihr aufgetreten. Sollte die Besserung anhasten, kann damit gerechnet werden, daß der Patient binnen kurzem das Bett wieder v e r I a s s e n kann. Dar erste Lodesopjer de« migarlsche« Wahlkampfes. Budapest, 23. November. Der Wahlkampf in Ungarn hat heute, rvenn auch nur durch einen Unfall, sein erstes Todesopfer gefolgert. Im Wahlbezirke Tartzal über-' fuhr das Auto des ofsizMen RegieryngskaHidateü Baron "Mrdinand MarllotUndräfi rk dem Augenblick, als der Mann sich bückte, um einen Wahlzettel von der Straße, auszuklaubcm. Der Unglückliche war auf der Stellt; tot. Bom Numerus clausus wird Sicht «ehr gesprochen. Budapest, 28. November. Es scheint, daß Graf Bekhlen nach der niederschm-etterniden Wirkung, die seine vorwöchige Rede über den Numerus clausus geübt hat, an. seine Parteimitglieder die Parole ausgab, ttn den ' WÄHlerversammlungen das-heikle Thema vom Numerus clausus nichtmehr zu bepülhren. Am letzten Sonntag., dem ersten der Mahlkampagne, hielten außer dem Grafen B etlhI e n, der in Kecskemet zusammen mit H e j j a s und F r a n c i a -K i ß sprach, Kultusminister Gras Kuno Kl -ebelsber g in Szegedin, Finanzminister Bud, Innenminister Seitovszky und Handelsminister Hermann in ihren Bezirken Programmreden, aber keiner der fünf Minister, die sich sonst mit allen möglichen.aktuellen Problemen befaßten, berührte auch nur mit einem Wort die Frage des Schandgesetzes bom Numerus clausus. Selbst der Führer der sogenannten liberalen Fraktion der Regierungsipartei, der durch das Versprechen einer Milderung des Gesetzes die Juden dem Grafen Bethlen Wtveiben wollte, hütete sich, vor seinen Wählern im. Budopester neunten Bezirk das' heikle Thema anzüschneiden. Der Mische Abgeordnete Paul S a n d o r hatte also recht, als er nach der ominösen Rede BetMens feststellte, daß eine Aufhebung des Numerus clausus jede Aussicht aus VerwiMichung verloren 'habe. Die Araber «ad die unterbrochene Wische Sinwauderssg. JMrsalem, 26. November. Der ,^Haavetz" meldet aus Haifa: „Es erscheint paradox, aber es ist Tatsache, daß ein großer Teil der Effendis her Stadt- Haifa, und darunter seM. die national-gesinnten, die dauernd vor der z i o n i ft i s ch e n - G e f a h r warnen,, heute um eine große zionistische Einwanderung beten und mit Ungeduld das Kommen jüdischer Kapitalisten vom Auslände erwarten. Der Grund liegt sehr' einfach. In den letzten Bahren großer Einwanderung kauften viele der Effendis von den Fellachen der Umgebung Haifas zu hohen Preisen Böden zu spekulativen Zwecken, um sie dann mit gutem Nutzen an Juden zu verkaufen. In älhMch schwieriger Lage wie diese befindet sich auch ein großer Teil der arabischen. Hausbesitzer, die aus Rechnung der kommenden Mischen Einwanderer Mietshäuser gebaut haben." Sroße Mehrheit wr Svehla. Prag, 23. November. Bei der Abstimmung über den Antrag des deutschen Sozialdemokraten Czech, über den Staätsvoranschlag zur Tagesordnung überzugehen, erhielt die Regierung eine unerw ar tet große Me h rh eit,! nämlich 137' gegen 80 Stimmen. Nicht nur die Regierungsparteien, sondern auch die S l o ftp a L e n und die in Oppo- ^sitM' befindlichen tschechischen NätivnälsWalisten hatten ' gegen den Antrag gestimmt. . . Ein weiterer Antrag, den Ministerpräsidenten Sveh La zur..B!errchlerstattung iG . der Kos b u r g - A n ge l e g e n h ei t aufzufordern, / wurde von der Mehrheit a ö g e l e h n t. Die Deutschnationalen und die Kommunisten wie überhaupt die Oppositionsparteien bestritten allerdings das Abstimmungsergebnis.' Ler Megrmileihebetrug m Ser Lschechoslowakei. Auslieserungsbegiehren gegen einen nationalsozialistischen Senator. Prag, 23. November. Den „Narodni Lisch" zufolge wird an kompetenter Stelle versichert, daß der durch die Einfuhr von. österreichischer Kriegsanleihe der Staatskasse erwachsene' Schaden 154 M i l l i o n e n K r o n e n betrage. Wie „Närod" meldet, ist G r o h, der Komplice Saldos, in die S ch w e i z gefluchte t. Pas Blatt behaup- I tet weiter, daß der Rechtsvertreter Grohs das Justizministerium um f reih es Gelei tefür seinen Klienten ersucht habe. Groh besitze Originaldokumente, welche eine Reihe von Personen und Institutionen kompromittieren sollen. Wie der „28. Rijen" erfährt, hat der Untersuchungsrichter um die Auslieferung des n a M onalsoz i a l i - st i s ch e n Senators S o l e ersucht, der durch mehrere beschlagnahmte Briefe kompromittiert sei. Sole ist auch Generalsekretär der nationalsozialistischen Partei. Das Blatt behauptet weiter, daß auch der Z e n t r a lvollzugsa-üsschuß der Nationalsozialisten Summen aus dem Kriegsanleiheschwindel echalw" habe. bin Rlesesprozeß gegen Kommunisten. Warschau, 23. November. In Wladimir-Woltzns k>i hat ein Monsterprozeß gegen 161 Angeklagte begonnen, die des Hochverrates angeklagt sind. Da alle verfügbaren Gerichtssäle für die Durchführung dieses Prozesses zu klein sind,, findet die BerhaMung in einem Theatersaal statt.. Es handelt sich um die Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes in der Westukraina, der am 1 April 1925 zum Ausbruch gebracht tvexden sollte. Die Aufständischen wollten gemäß der Anllageschrift Ostgalizien, ' Wolhynien, Chelm, Polesie und Podlasie an die Ukraina anschließen und die Sowjetverfassung einführen. Der erste Tag der Verhandlung, die auf zwei Monate berechnet ist, rvar mit der Aufnahme der Generalien der Angeklagten ausgefüllt. Der zweite und dritte Verhandlungstag lvar der Verlesung und Vereidigung der Zeugen, deren erste Gruppe allein 500 bettägt, gewidmet. Die zweite Gruppe ist erst für den 8. Dt'zember geladen.