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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-22 · Heft 2779 (22.11.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2779 (22.11.1926)
Date
1926-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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* Ij p0|et1.25 groszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. i-3 oder in einerVerschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßemrerkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. I., Wollzeile 11 Mit kostversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheuho-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 aohcaklaagon boi P t o i earbftbaagen »orbohalten Bit. 2779 Me«. Montag, 22. November 1926 (16. Wlew 5687). I Preis «O q | En gla nd: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 t»ire BumSrnion: Mon. 170Lei Bulgarion.Mon.lOOLewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 6 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon; 44-0-38, 43*3-10 Ab 6 Dhr: Tel. 31-209 VN., Lerchenfelderstraßel (Druckerei Bfnva*) Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 150.693 8. siahrgang AusnaHmszuftand in Irland. Angriffe auf Kasernen. — BrrHastnnge» Im redaMoiteUen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein voraNgesetztes E gekennzeichnet. Ne Zentralbank'Wöre. En'de diojes Monates sollen die drei Kuratoren der - L-eutrakbank von ihren Stellen zuvücktreten. Sie le-gen stoch vorher einen Bericht Wer die W-utte-AMre vor. Das im Nationalrat einAUibringende Gesetz über die Regelung der AMre, resipektive Mer die Rückzahlung der Einlagen ist noch nicht fertiMestellt, und es ist deshalb noch unbekannt, in «welcher Höhe die Einlagen zurückgeizMt werden. Wie die Ävrrcspouoenz Herwei berichtet, tritt der U ntersuchu n g S a u s s ch u.ß ii üeü d i-e Z e n t r albank spätestens En«de dieser Woche zusammen,. um den Bericht der Mehrheit über-die Schlußfolgerungen aus dem Untersuchungsergebn-is eutgegeuzunehmen. Für den Fall, als dieser Bericht und die zu erwartenden Anträge der Auffassung der sozialdemokratischen Minderheit nicht entsprechen, ist auch von «dieser Seite mit einem Bericht und Anträgen zu rechnen. Heute tritt d a s K u r a t o r i u m der Zentralbank zu einer wichtigen Sitzung zusammen, in der die zur Liquidierung der Zentralbank erforderlichen Anträge gestellt und diese dann dem Finanzministerium übermittelt werden. Nach der Meinung informierter. Stellen werden die Forderungen der Einleger- Sparkassen und ähnlicher Gläubiger Poll erfüllt werden. Zu diesen gehört auch d i e K ran k e n kasseder B u n des a n g e-ste.klt e n, die in der Zentralbank noch 200.000 Schilling liegen hat und dieses «Geld deshalb nicht kündigte, weil ihr die- Einlagen seitens der Negieren g ö a r a n t i e r t wurden. Des weiteren wird sich das Kuratorium'wohl auf den Staridpunkt stellen, daß die kollektMeäragllch'en Pflichten gegenüber den 600 Angestellten per Zentralbank' erfiillt ünd «diese demgemäß die entspreche n d em A b f e r t i g u n g e n erhalten rnüssen. Es wird also für die Befriedigung all dieser Ansprüche noch die ru nde Su mm c b o n 4 0 Milli o n cn S chilling notwendig sein. Der Standpurrkt, daß der Staatsanwalt nach den gesetzlichen Bestimmungen des Bankhaf- . tungsgesetzes gegen die'Großaktionäre vorzugehen habe, wird gleichfalls zur Geltung kornmen. . . . Die Postsparkaffr. I«ur BundeÄkan«zleranr-t fand «g-estern vornrittag eine Beisprechunig der Regierung mit den Vertretern der ö st c r r e ich i s ch e n H a n d e l s -k a in m -e r n statt, die dem Poistsyavkassengesetz galt. Der Finanzminister erklärte, daß der Staat für das Defizit der. Postsp.'»- kasse von 110 Millionen «Schilling Aufkommen müjfe, wesihM kein Einleger und kein G'läubiaer gefährdet sei. Die .Handelskarnmernvertreter sprachen sich gegen eine allzuweitigchenide Einschränkung des learttmen Wirkungskreises der Postsparkasse aus. Rnbinftein führt im Berliner Schachturnier. Grünfeld von List geschlagen. Berlin, 21. November. (Wolfs.) In der fünften Runde deS Internationalen Schachturniers gab es kurz vor Beginn der Pause eine Sensation. Grüufeld, der in einem Dameilbaueruspiel gegen List ein. feines Positionsspiel ge- -zeigt, hatte, übersah eine raffinierte Falle feines Gegners, der ein Springeropfer brachte und Gri'mfeld in ein Atattnetz zwang. Die Partie von Holthausen und Eolle nahm einen ruhigen Verlauf. Sie wurde vorzeitig wegen Unwohlseins Eolles abgebrochen. Eine Partie von.großem.Stil spielte N u b i n st e i n gegen Johner. Durch feinstes Positionsspiel erlangte er die Initiative und brach, mit gewaltigem. Angriff durch, wodurch'er das Spiel gewann.' Der Stand im Berliner Schachturnier ist, folgender: Nubinstein 4, Grünfeld 3, Lift %y2 (2 Hängepartien), Johner 2 (1 Hängepartie), Vogoljubow V/2 (2 Hängepartien). Mörgeil spielfrei. Dienstag Hängepartien. Großsükft und Lederprinreffin. Paris, 22. Novencker. In B i a r ritz hat gestern die kirchliche Trauung des'.russischen Großfürsten, Dimitri mit der Tochter des amerikanWen Lederkönigs E m e r y jn der russischen Kirche . stattgefunden. Miß Emery war vorher zum orthodoxen Glauben übergetreten. London, 28, Novomber. Die irilsche Regierung hat wegen der Angriffe der Rsp.ublikaner auf Kasernen rmd wegen der Attentate a us Poll iz isten lden A«snahmszustand erklärt. Die Kam me r und der S-e«n <A sind für Mittwoch einberusen. Es sind bereits 20 Verhaftungen vorgenmnmen worden, doch befindet sich Lein Führer der Sinnfein-Gewegung unter den Verhafteten. Die republikanische Armee. Dublin, 22. November. Die Zahl der hier Verhafteten ist aus 30 gestiegen. Die Polizei 'hat Mei repuNlikanische Zeitungen in Dublin eingestellt. Eine vou oiesen verösfentlichte gestern ein Kommunique des „Hauptquartiers der r e p u b il i k a n i s.ch e n A rm e e". In der Graffchaft Me a tch ist ein großes Maffen-laiger entdeckt worden. Abgeordneter Breitschrid verunglückt. Berlin, 31. November. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dp. Breit sch e i d hat «beim Ernsteigen in einen noch nicht stillsto'henden Zug enven Bruch des rechten Oberarms - erlitten. Masartzks Reife verschoben- Prag, 22. November. Nie die osifiziöse „CeSka ^SlMbuAka.^spMÄa"- miel'def, -Grrde! die. Mise .dB Prä'sidenterr'MasäryL nach ^Äeghipten 'ärt,f 'Unbestimmt« Zeit'verschoben. Me Borgünge in Griechenland. London, 22. 'November. Aus Athen wird gemeldet, daß die BeistrLbungen zur Bildung einer Koalitionsregierung göscheitert sind. Auf Ersuchen des Präsidenten K o n d u r i o t i s hat K a f a n d a r i s die Bildung der neben Negierung übernommen. Er wird dabei von dem Royalisten Metaxas unterstützt, der jedoch die Bedingung stellt, daß den Offizieren verboten werde, sich mit Poli.tiik zu böschästigen. Me Wiederwahl des Prüfidenten Saües gesichert. London, 22. November. Der inexikanische Senat hat einstimmig die A e n d e r n n g d e r B e r s a s s u n g angenommen, wonach die WrederwaU des Präsidenten möglich ist. Auf diese Weise.ist der Weg zur Wiederwahl des Präsidenten Ca lil e s geebnet. Mexitanische Kommunisten. Washington, 22. November. Aus Managua wird gemeldet, daß «der Präsident von Nicaragua, D i a z, die Regierung der Vereinigten Staaten um die Entsendung einer Militär m i s >s i v n ersucht hat, um eine Biüvgerivache auszubilden. Die Behauptung, der Regierung, daß die Bewegung von Mexiko geleitet wird, wird in amenEanischen politischen Kreisen nicht geiglaubt, obwoihl man es für. möglich Mt, daß gewisse mexikanische Kommurr i st e n arr dem Aufftand beteiligt sind. Mall eMürt, daß die mexikanische Negierung mit der Niederschilaglmg des Anifftandes >des Generals.H u.c rta genug m tun habe. -- . . ' ' ' 8W»-mNSV— Ranfhandel mit Streikvosten. Graz, 22. Ssovember. Die Arbeiter der Grazer Lederindustrie befinden sich seit längerer Zeit im Streik. Als gestern nach 10 Uhr abends der MaWnenmeistor -S k e r b i n e k der Lederfabrik Steiner in der KLröisistvaße seine der Fabrik gegenüberliegende Wohimng aufsuchen wollte, ilvurde er . v o n S t r e i k p o ft e n ü b o rfa li e n und zu Boden geschlagen. Sk e rb inek gab einen Revoilverschuß ab und verletzte da*: durch den 23jährigen Mechaniker Rüddlf Kohlhauser; lebensgefah.rlich. Der Täter Wchtete in seine Wohnung und schloß sich! dort ein. -10 bis 50 Leute wollten das Haus Wivmen und schlugen s ämbilüche Fe n » sierscheiben des Hanfes ein. Ein großes Wacheaufgebot hielt die Menge von weiteren Gewalttaten zurück und v e -r ha if t^ t e Skerbineik. Selbftmorvversnch einer Shepaares. Durch den HuuÄ gerettet. In einer Wohnung in der Piarisiengasse M, hat Sonntag das Ghelpaar, der 4?jährige BuMallsr Jgnaz-Rofenberg und seine GaMn Wiktor ia,-dem Leben durch Lertchtgas ein Ende zu - machen versucht- Die Rettung verdankt das Ehepaar eigentlich >dem Hunde. Ignaz Roisenberg war wegen geschüftlicher Differenzen lsbensÄberdrüssig geworden, und hatte seine Frau zu einem gemeinsamen Selbstmord überredet. Vorher hatten die beiden Abschiedsbriefe geschrieben, die sie «gestern vormittags in «den Postkasten geworfen hatten. Darunter befand sich auch ein an das Polizeikommissarlat Josefftadt gerichtetes «Schreiben, das die Mitteilung von dem .gemeinsamen Selbstmorde enthielt, und dem die Schl'üssekl zur Wohnung beigelegt waren. Gestern nachmittags begaben sich beide im 'Kabinett ihrer Wiolhmmg zu Bett, nach dem der Mann vorher den Hahn de>s Ga-sofe.ns geöffnet hatte. Im Bette liegend, erwartete sie den Tod. Bei dem Manne tmt schon nach einiger Zeit eine Bewußtseinsstörung mtf, er begann zu röcheln, und derim Zimmer abwesende H u n d wurde .dadurch beunruhigt, und sprang wrnfeLnN und heulend auf. da's Beit des Mannes. D-aduxch war in der Frau -wieder der Lebenswille erwacht und sie, deren Bewußtsein-noch nicht gestört war, sprang aus dem Bette, eilte auf den Gang und ries einen Nachbar herbei. Dieser schloß vor allem den Gashahn, öffnete das -Fenster, verständigte die Rettuugisgesellschcvst, und von dieis-er wurde das Ehspaar nach erfolgter erster Hiffelefftung in das Allgemeine Krankenhaus gebracht. - Die Anzeige von dem versuchten SeVftmord des .Ehepaares.wurde dem Polizeikonnnissarlat Josefftadt erstattet, nrrd das Ehepaar wurde im Spita'le eindernonmren. Beide waren noch sehr benommen. Der Mann gab an, das er bei einer Firma in der Innern Stadt seit 24 Jahrm als Buchhalter «beschäftigt war, von ' seinem Ehef aber plötzlich eine andere Dienstesverwen-- dung estMten hat, die ihm -nicht zusagte. Ms er darüber Beschwerde echob, soll ihm sein Chef eMärt haben, daß e r s i ch .um einen ander en P o sttem uans e H eu k ö. n n-e, ^verrn es ihm nicht behagei Nichts als hie Tochttr. Bor dem Lande^erichtsrat Dr. Wie gelangte Samstag ein Prozeß wegen Verführung unter Zusage der Ehe gegen den abgiLauten-Bankbeamten Msrsd B. zum Mschluß. Der Angeklagte hatte d-mch einen Heiratsvermittler die Anzeigerin Amalie W. kennen gelernt and sich mit ihr nach kurzer Bekanntschaft' verlobt. Vor der Berlo- «vung wupde festgesetzt, daß die Eltern der Braut der Tochter als Mitgift das von ihnen betriebene LebensnstttslgeschSft und überdies einen Barbetrag von 20 Millionen Kronen dem Bräuttgam vor der Hochzeit aussolgen sollten. Während des Brautstandes kam es zwischen den Verlobten Wer Drängen des Bräutigams zu intimen Beziehungen, die nicht ohne Folgen -blieben. Bald darauf erhielten die Eltern der Anzeigerrn vom Beschickdiytmr einen Brief, in welchem er mitteklte, daß er die Verlobung mit der Tochter auflöse. Darmlshin erstattete die Braut die eingangs erwähnte Anzeige^ In der ersten Verhandkmg erklärte der Beschuldigte, daß er die. feste Absicht gehabt hatte, die Anzeigerrn zu heiraten. Er sei jedoch von einer Ehe zurückgetreten, weil die Eltern des Mädchens die vereinbarten matevieelln Bedingungen nicht einhalten und ihm in die Ehe nichts als ihre Tochter mit» geben wollten. Der Richter legte dem Angeklagten nahe, sein Ehevevsprechen einzulösem-, doch lehnte dieser ab, weil er eine erzwungene Ehe mit seinen Gefühlen für nicht vereinbar hickt. Die Anzeigerin, als Zeugin vernommen, g<ch an, daß ihre Morn jederzeit bereit waren und noch bereit sind, ihre Versprechungen bezüglich der Mitgift einzuhdlten. Der Richter verurteilte den Beschuldigten bedingt z» 14 Tage« strengen Arrestes. In der Urteilsbegründung führte er aus, daß der Angeklagte keinen stichhaltigen Grund hatte, einseitig von dem Ehcversprechen zurückzutreten, und daß der UmstaW, daß vielleicht an der Mitgift, die ihm versprochen wurde, etwas HM, .Hm nicht berechtige, das EheveMr.echen nicht, zu erMken. \

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