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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-21 · Heft 2778 (21.11.1926) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2778 (21.11.1926)
Date
1926-11-21
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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M. 2778 Men, Sonntag n —— ,-n, — . - --■>, (1. Fortsetzung.) Beschneite Spinnweben. Eine. Ehegeschichte von Max Brot». Stephan hielt ein, wallte die letzten Sätze streichen. Sie schienen ihm etwas willkürlich, zornig, falsch eingehakt in den sonst sv nmmttellbar Awingrichtig aus ihm he tivovgcsipr ungenen Godanlkengang des Briefes. Doch fiel ihm in der Erregu-ng nichts ein, was seinem Gefühl an'fchmiegender enösprochen hätte. . U-oberdies hatte ja Mathilde die FÄYigEeit,. auch aus dem nur halbwahr Ausg^drückten das Mchrgemeinte herauszullefen. Er strich also nichts, begann aber remlichlkeitsihaNer einen neuen Msatz. „Das Hintenlherum ist es, was mich an Deinem Vorschlag kräM. Du begviinbest Deinen Entschluß, wieder Mir Bühne zu gehen, mit den geschäftlichen Schwierigkeiten, in die mein Unternehmen geraten ist und von denen ich Dir (mutz ich jetzt nicht Hinz nissigen: leider — leilder —) Mitteilung gamacht habe. Du sagtest gestern, daß Du es nicht mchr mitansehen könntest, wie ich mich zerplage, und datz Du Dich verpflichtet und fähig fühlst, mir zu helfen. Mir in dieser Art, gerade in dieser Art zu helfen, das heißt: mit Geld, indem Du Stargagen beziehst ustv. Ich habe nichts mehr geantwortet. Wir sind schweigend in unsere Zimmer gegangen. Geschlafen habe ich allerdings nicht. Hier nun meine Antwort: Es ist wahr, daß es mir schlechter geht, bedeutend schlechter als zu Beginn unserer Ehe. Es ist wahr, der Export le'det unter ganz ungewöhnlichen Hemmungen. Die Krise Europas, hierin wie in allem. Noch wehre ich urich, Arbeiter zu entlassen. Ich kann und will meine Leute, die schon ohnehin zwei Feierschichten in der Woche einlegen, nicht ganz aus ihrem Brot, setzen. Ein Fehler, datz ich meine Sorgen so offen, so ganz und gar vertrauensselig mit Dir diskutiert habe? Deine Bitte, alles zu wissen, was mich angcht, vielleicht allzu wörtlich nehmend? Und. wenn ich nun eben leider so bin, datz ich mich nicht verstellen kann, datz ich von Dingen, die mich bewegen, .seien es selbst Geschäftsdinge, mit Dir roden nmtz — vielleicht viel zu viel, vielleicht viel zu unbedacht —" Stephan blickte böse vor sich hin. Nur scheinbar böse, in Wahrheit gerührt — gerührt über sich sokbst, Wiener Morgenzettmrg Tränen in den Augen, La er sich seiner im Grunde so wehrlosen, so leiöenslbereiten Natur wieder einmal klar bewußt wurde. Gerade um dieser Weichheit willen tvar er sich seWft böse. Sich selbst oder der ganzen Welt? Er wußte es nicht. Ern Aufruhr ließ alle seine Gefühle birrcheinanderfahven. ,^Fch weiß, daß Du rnich rricht des Geldes ivegen geheiratet hast." Sofort streichen! Viel zu grob, ganz und gar in falsche Richtung geraten. — Er strich mit vielen Kreuz- und Querzügen, füllte über und unter den kleinen Buchstaben, wie ,,i/" und ,/r", die ganze Zeilenbreite bis zur Höhe und Tiefe der ,/h" und „g" aus, nervös sorgfältig, damit auch nicht einm-äl aus der Form des Unkenntlichgemachten die Kontur der gestrichenen Worte erraten werden könne; es gibt dieses radikale, klecksartige Durchstreichen, Las mit dem Vernichten richtig Ernst macht, neben einem viel nobleren, eigentlich chrlicheren Verfahren, das durch die ungültigen Worte einfach nur einen oder zwei Striche zieht und sie damit dem Partner als immerhin noch lesbar, wenn auch überholt präsentiert. „Das Furchtbare unserer Zeit", begann er vom anderen Zipfel aus, es kann alles in Geld ausgedrückt werden! Zumindest gibt es, vorsichtiger und daher ätzender ausg-edrückt, einen entscheidenden Geldanteil an allen:. Ich brauche Dich nicht zu erinnern, wie wir beide von Äufang an uns bemüht haben, dem Geld gegenüber als der Hauptmacht dieses grausamen Erdentrei'bens eine klape, ehrliche Stellung einNunehmen. Es ist ja seltsam, daß alles so verlogen ist, was vom Geld gesprochen und geschrieben wird. Ein aufrichtiges Wort kann man über alles Höven, . Wer die heikelsten Mitzstände; über das Geld niemals. Vielleicht wird gerade deshalb, weil tatsächlich nahezu alle Gefühle! unter die Herrschaft des Geldes geraten sind — das „nahezu" ist das wichtigste Wort diches Satzes —> vielleicht wird gerade deshalb von Geld entweder in moral-philiströser Uebertreibung, die nichts erfaßt und niemandem wchtut, oder zynisch bagatellisierend geredet.. Es fehlt die vorsichtige, daher um so ätzendere Formel. (Ich sage immerfort dasselbe, verzeih'!) Da,4mr5 noch immer mit dem Standpunkt der Bolksichüllesebücher operiert, daß Reichtum geradezu rwgMcklich macht. Kanitverstan —- und so, mit mehr oder weniger SeWstirorsie. Selbst im Drama eines ganz 21. November 1906 Sökde W Modernen (Du sichst, ich nchme die Beispiele schon ans der Sphäre, der Du wieder zustrevst) sahen wir einen BmÄkassier Unterschlagungen bogchen und die ganze Zeit über mit diesem Geld nichts als Nieten, Blamagen einhandeln. Also nicht viel anders als die alte DEsschuK- Moral, nur in neuer, äußerlich gestraffter A-usmmHung. — Aber das Dämonische ist ja, daß man durch Geld wirklich und wahrhaftig glücklich werden kann — nämlich in gewissen, sehr genau gezogenen Grenzen — falls nur noch einige andere Vorbedingungen für Mick -da stick» (wozu eben die Verfolgung durch Palmer, wie im Falle unseres dramatischen Bankkassiers, durchaus nicht gehört). Eine dieser Vorbedingungen: man mich nur überhaupt fähiF sein, GWck zur empfinden — {jcfautb, jung, dankbar für alles Schöne, Luft und Licht. Aber ist man das — dann, ja gerade dann kommt es sehr darauf an: ob man Mangel leidet oder ob man Geld hat. Geld kann zu Lebenslust, Freude, ja zu Güte -und Enthusiasmus werden. Das ist das Entscheidende. Geld geht seiner Substanz nach nicht bloß in Fressen und Sausen über — auch in Enthusiasmus, in reinste Begeisterung. Warum die Augen vor dieser Wahrheit schließen? Sie ist schwer und sie hat etwas sehr Häßliches an sich. An ihr selbst haftet etwas vom Zwang, ich möchte sagen: von der Schwerkraft des Geldes — schwer, schwer, ich mochte das Wort hundertmal hintereinander hrnschrerben — Schwere ist geradezu die Prägung, die unserem ganzen Dasein aufgedrückt ist. Man soll cs wissen. Man darf es nicht ableugnen wollen, mit Bolksschulsentenzen. Aber gerade dann darf man auch die Grenzen dieser Erkenntnis erkennen. Es gibt Geld, ungeheuer» fast allmächtig. Mer Nicht-Gell» gibt es doch auch noch. Unsere Liebe gab es, gibt es noch. Für mich die einzige Ausnahme innerhalb dieser Wüste von Schwere, die uns umgibt. Meine Fabrik unten — Schwere. Der ganze abnormale ' WirtschastÄampf der Nachkriegszeit — Schwere. Der Tod meines Vaters, die Ueberncchme der Arbeit hier, ganz plötzlich für mich, yerausgeriffen aus meinen Studien (et ego in Berlin, darf ich ja sagen) — Schwere, Schwere. Und nur Dich habe ich als einziges Gegengewicht — nein, wie selbst in unserer Sprache immerfort von Schwerem die Rede ist — nicht als Gegengewicht, als Gegenflug, als Aufstieg in die unbeschwerte Licht- und Heiterkeitsgone der Seele gehabt. Sieh nur, Mirl, gerade das ist es, was mich gestern so fürchterlich gepackt hat: daß Du plötzlich Geld auch in unsere Liebe einmengst. — (Fortsetzung folgt.) Redaktion u. Administration: Wien, I., Kärntnerstr. 28 Nr. 34 Wien, - '»-Jahrgang Ausweis Ar. i. Summe der Eingangs vom 1. bis 16. November 2874J.9 S. Summe der Eingänge von,Nosch Halschnah 6667 18.066.68 S. Spezifikation der Eingänge nach Bezrcken und Gruppen geordnet. 1. Bezirke: . Zentrale 1066.07, 1. Bezirk 34.—, 2. Bezirk 36.67, Prater 100.53, Arlbeitsgemeinschaf t des KM. Prater 80.06, 6.—8. Bezirk 7.—. 9. Bezirk 103.60, 12.—16. Bezirk 30—, 16.—17. Bezirk 288.50, 19. Bezirk 98.01, 20. Bezirk 38.—, 21. Bezirk 114.25 Schilling. 2. Gruppen und Vereine. Z. M. V. HaSmonäa 10.50, Arbeitsgruppe S1-einklein 10.—, Mau-Weiß 120.26, Bund jüdischer Jungiwanderer 13.68, Zion. Frawenorganisation 103.—, Hochalug 62.34, Hilachduth 30.60, Hitachdutlh-HiMend 26.—, Kulturgruppe 20 24.70, Mirjam 42.60, Tchelech Lawan 32.96 Schilling. 3. Provinz. Bruck a. d. Leitha 6.—, Klagensurt 10.—, Mödling SW.—, PerchtMstorf 21.—, Villach 72.— Schilling. Büchsen: 73247 Schilling. Zentrale: durch Frl. Iba Schön Büchse Sa^tomoi: Schön 11.67, Friedlich Grübel 20.—, durch StelnMein Karoline Schwarz 10, durch Hand GoLsand 34.66, durch Saul Weinreb 8.60; 2. Bezirk: Heuer 6.—, Dr. Fleischmann 6.67; 9. Bezirk: Dr. S. PlctscksteS 6.91, Anna Läw 26.60, Karl (Betty) Weiß 6.10, Berthold Langer 6.60; 10. Bezirk: Isidor Klinger 6.—, Guista Jnfeld 12.70, Dr. Karl Neumann 6.—, Dr. Benjamin Dollar 6.S6, Friedrich Lachs 6.—, Nolsa Steiner 6.82, Samuel ' Kohn 6.04, Dr. A. Lustig 8.—, Gmil Mandl 6.—, Simon Insel 6.00; 19. Bezirk: K. Wölmuth 6.—, Norbert Stiatzny 6.—, Dr. Max Msenzweig 8.80, Dir. Heller 16.36, Adolf Marke 7.18, Hans Fischer 8.— Schilling. Allgemeine Spenden 183.46 Schilling. Josef Hirsch 34.—. durch Gerschvn Wittlin Spende der P. I. D. C. für Freigabe des Zimmers des Herrn Mttlln pro November 2V.—, durch Samuel Kretschmer Spende vom Erllös au: Parteitag 7.—, Dr. Benno Schwöner Spende 10.—. Dr. Oskar Nsugebauer für Vermittlungsgebühr 16.—, Doktor Sternschutz, Grotz-EnzerSdorf, Dunamblock 16.—, durch Doktor Tartakvwer Ing. March Spende 7.—, Bvuck a.- d. Leitha M. Bergmann 6.—, Mäaenfurt Simon Neinisch 10.—, Perch« tol-dsbors Dr. Gottllieb Stern Dunamblock 21.—, Vevsichevung 600.— Schilling. Bäume: 27.— Schilling. Dr. Kurt Grunwalh 1 Baum a. N. Oskar und Anni Hirschfeld anl. ihrer Vermählung 9.—, Zion. Frauenorgam» sation spendet anl. des Geburtstages der Frau Erna Patak 2 Bäume — 18.— Schilling. } Tempelspenden: 1069.39 Schilling. Durch isr. Knltusgameinde Totupchsipenben 376.94 Schill.; Neder Ignaz Thumin im Blindeninstitut 6.—, TempölWenden Bech-JIsrae'l A.—. N. Spiva 6.—. Julius Aräb^ 8.—, Ignaz Wolf 6.—, Eisig Torzcyner 9.—, durch Schmiedt «und Heller von Beth-Jizchak Thorasipenden 31.60, Kaavothsammlüng 9.70, Rüder Michael Hauser 6.—, durch isr. Knldusgemeinde Tempotspenden (16. Bezirk) 30.—, durch isr. Kultus- V tzemeinde Tompelspenden (16. Bezwk) ^.60, DornpMrenden Minsan (Sektion 20) 8.—, durch isr. K tusgemeinde Tempülispenden (31. Bezirk) 111.26; Mödling: Tempelspenden Oktober 212.—, Komm.-Rat Markus 20.—. Phil. Kantor 10.—, Wilhotm Löb 10.—, Äliustverber 80.— Schilling. Goldbuch: 93.60 Schilling. Sophie Dartalkower für Legat Nathan Dartakower 26.— sowie eine Aktie über 2 Pfund nnb Coupons im GegeMverte von 68.60 Schilling. Sammlmvgvn bei Farmiltenfeievlichkoiten: 208.93 Schilling. Durch Arjeh Felldmann und Frau Bamneilster Sammlung bei Hochzeit Pohorylles-Quetsch 39.88, durch Frau Sali Scherzer Smnmbung bei Hochzeit Leitelbaum-Hauser 66.—: Brautpaar 10.—, Hauser 10.—, Sophie Zimmer 6.—, unleserlich 5.—, durch Frau Sali Scherzer Samml-u:^ bei Brikh MAah Kruh 22.—: I. Karoli 6,—, Kulturgruppe 20 Sammlung Lei Hochzeit Kohn-Gold 24.70; Mllach: Sammlung anl. der Bar Mizwah in der Familie des Herrn Jakob Schaier Magensurt 72.—, Isidor Weinreb 5.—, Osias Filschbach 5.—, Max Fvicdländer 8.—, Simon Friedländer 6.—, 'Jonas Fisch- Lwch 5.—, Jäkvb Schmer 10.— Schilling, diverse. Sammlungen bei Veranstaltungen: 89.04 Schilling. Sainmliung bei Vortrag Dr. Tartakower i>m 19. Bezirk 6.—, Sammlung bei Akademie des Hechaluz 17.69, durch Leo Chometh 7.—, durch den HechaLuz 1069.—, Sammlung bei Meeting am 12./11. durch Hitachduth-Jugend 23.—, durch Mirjam Dimchailh Dhorasamimlung 38.96, durch Mce Stein Samiml'ung bei Herzl's Grabgang 10.— Schilling. Mitteilungen der Rabattsüktion des Keoen Kajenreth. Nachstehend veröffentlichen wir die in der Zwischenzeit sich der Rabattsektion des Keren Kujon:eth ,angeischiloFenen Firmen: Tiller A.--G., 7. Bez., MarttchMferstratze 28, BMeidumtzShaus; Mexander Alexandrowicz, Felix Braun, 18. Bezirk, Schulgasse 1, Rudio-SpeziaUhaus; Samuel Zygmarm, 1. Bez., Adlergaffe 10, Pelzwaren, Hüte; Mefchulim Gebürer, 20. B-, Dvesdnevstratze 132,' Hausu. Küchengeräte; MenDÄ Friedmann, Kerzenfäbvik „Menorah", 1. Bez., Hohenistaufeüg. 17, von den mit der Banderole des Keren Kajometh versehener: Kerzenpaketen erhält der Keren Kajometh einen Bewag. Firmen, die blauwe-itze Zünder vertvelbvn-. Heller, 1. Bez., Conoordiaplatz 6, Spezerei; Nallhan Deutsch, 1. Bez., Köllnerhofgaffe 6, Trafik; Im Hause der Arbeiterbank, 2. Bez^ Praterstr. 8, Tvasik; M. Jäckel, 2. Bez., Novaragasse 26, Spegereigüschaft; 6. Bez., Webgasse 4, TrasÄ; 6. Bez., Mariahilserstratze 96, Tras^l; Nathan Löwinyer, 6. Bez., Stumpevgasse 62, Parfümerie und Seifen- 7. Bog., Mariahilserstratze 100, Trvsik; 8.' Bez., Laudongaffe 64, Trafik; Langsam, 9. Bez.. Durngaffe 16, DÄKateffem; Johann Polt, 16. Bez., Schelhammergaffe 6. Ins IN II Hans das OM >0 Blatt Unser innigstgefiebter Josef Oczeret Baumeister ist am 19. November 1926 morgens, im 69. Lebensjahre, nach langem schweren Leiden, verschieden, Das Begräbnis findet am 21. November 1926, um halb 12 Uhr vormittags, vom Zentralfriedhof (III, Tor) aus statt. Rosa Ocseret» als Gattin OtHDe Oczeret, Irma Stein, Hilel Stein, Clcilie Waldmann, Dr. Israel Weidmann, Ing. Berthold Oczeret, als Schwiegerkinder Emil Oczeret, als Kinder Hanl Ginsberg, als Schwester Nina Qezeret, Stanislaus Oczeret, Renee Stein, als Bnkel K i

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