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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-21 · Heft 2778 (21.11.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2778 (21.11.1926)
Date
1926-11-21
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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A. RvvemVer 19M Nr. 2778 .."**‘ .. - ...BW»..M.n.lill.1-1. ..* .. .. .. ............ Das Buch der Zeit XITERATÜRBEILAGE DER .WIENER MORGENZEITUNG- Bücher von ReprLsentativen. Zatob WWemtmm: ,Mr Aufruhr um den Junker Ernst." (S. FiMM — Thomas Mann: „Unordnung und frühes Leid". <6. Fischer, BrrÜm) ' Minktlich zur Saison stellen sich die Bücher ein, welche die Repräsentativen in der deutscher Literaturprc^uktion sozusagen als Jahresringe ihres Schaffens ansetzen, — vielleicht um sich zu bestätigen? So ist auch das jährliche Buch von Jakob Wassermann so selbstverständlich, wie etwa das Erscheinen des großen Wagens am Nachthinnnel. Der diesjährige Wassermann „Der Aufruhr um den Junker Ernst" ist eine Erzählung aus der Reformationszeit und kann als ein ins Historische rückprojezierter „Christian Wahnschaffe" definiert werden. Der Mensch der Phantasie, ein halbes Kind noch, macht seiner lichtgeborenen Begabung die Welt der Finsternis untertänig und pie Kinder, in denen das Licht der Welt am hellsten strahlt,' entreißen ihn im MfrUhr den dunklen Gewalten, die ihn, dem Lichtbringer, des Bündnisses mit Luzifer zeihen und als Ketzer hinopfern wollen. Mit der vielseitigen artistischen Gewandtheit, die Wassermann auszeichnet, dreht und wendet er seit dem viel umstrittenen Caspar Hauser-Roman inaner wieder dasselbe Problem Und laßt es, bald von der, bald von jener Seite beleuchtet, wie einen Stein in der Sonne funkeln. Immer wieder aber ist das Licht, das so entsteht, kal? und geradezu ermüdend. (In einer seiner Geschichten „Das Gold von Caxawalea" bricht Wärme durch Und etwas wie wohlige Flamme, ccher sie kommt, so sagt man, von fremdem Feuer). Der „Aufruhr um'den 'Junker 'Ernst" ist eines jener'Bücher, die, wie säst alles hon Wassermann, bis zuv Ueberspannung anziehen, aber nie aufrühren; es ist als hätte ihnen übermäßige KluMeit das Letzte, den Sinn ialles echten Schaffens versagt. Bon äHnlichem Zwiespalt Umwittert, ist der andere Repräsentative der deutschen Erzählung, Thomas Mann, der nach dem Massig getürmten „Zanberberg" sich jetzt mit einer Novelle „Unordnung Und frühes Leid" einstellt, die eigentlich —. der Dichter kehrt zu dieser Gattung immer wieder Zurück — ein häusliches Idyll genannt werden kann, freilich eines Up to date. Wie Mann immer wohlerwogene Distanz Up io date ist. Thomas Mann ist entschieden heute der souveränste Schilde rer unter den deutschen Erzählern. /Es gibt keine Lustbewegung, kein Nervenzittern, kein Stemchenrollen, das ferne. SchiLerung nicht einzusangen vermöchte. Könnte da jemand mehr prädestiniert sein, die Welt von heute, eine Welt der Nerven, wiederzugeben als Thomas SDfemt? Und. doch feM wieder etwas „Achtes"; vielleicht das, was die Gestaltung zur Gestalt macht. Denn Gestalt wird künstlerisch erst durch Bindung des Individuums an die Gesamtheit, losgelöst von ihr bleibt jenes, sei es künstlerisch iwch so intensiv veranschaulicht, immer etwas wie Schemen. Vielleicht Mann ohne Schatten, Golem ohne Schem. Diese magische Formel des Schaffens fehlt der Hand des stärksten Schilderers in der deutschen Erzählungskunst, fehlt auch seinem Familienidyll, das in so bewunderungswürÄger Weise alle, wirklich alle seelischen Züge der — das Wort ist nicht zu vermeiderr — Mittelstcmdssamilie von heute zusammenträgt. Und der Mgescmg, das frühe Leid des kleinen Mädchens, das aus dem Ewkgkeitsempftnden der Liebe kommen soll, wirkt — vielleicht aus dem früher erwähnten fundamentalen Defekt — überraschend und ein wenig Unmotiviert. Doch die Nachbildung diests halben Tages im Familienleben, seine Umbildung zu einer Buchseite DIE GESCHICHTE UNSERER WEIT H. G. WELLS Wells sieht die Weltgeschichte als Ganzes von Erd- und Menschheitsentwicklung. Entgegen dev Doktrin von einer Vergreisung der Welt sieht der berühmte englische Romancier den Menschen erst in seinem Jünglingsalter stehen und betrachtet die bisherige Geschichte als Vorspiel einer ungeheuren Evolution, Dünndruckausgabe in Taschenformat Poppband S , Ganzleinenband S , Ganzlederband S 2 PAUL ZSOLNAY VERLAG des Lebens ist von artistischer Meisterschaft. Thonras Mann hat ein Romanfragment „Der Hochstapler Felix Krull" Ediert, das, rein auf Schilderung gestellt, vielleicht höher zu werten ist) als seine 'dickbändigsten 'Bücher; 'das Fstnnlien- Idyll, das er jetzt geschaffen hat, ist diesem Krull-Fragment an die Seite zu stellen; es ist Muster und ist doch — Fragment. ' S. S. NEUERSCHEINUNGEN. Anion Bruckner als Briefschreiber. Kontrapunkt ist nicht Genialität, sondern nur Mittel zum. Zweck." Selbst die gering fügigsten Lebensäußerungen großer Künstler können Aufschlüsse über inneres Werden geben Und biographische Lücken anssüllen. Anton Bruckner, dessen Lüben ohne sichtbare Stürme verlief, macht hierin keine Ausnahme. Seine Briefe (Anton B r ü ck n e r,'Gesammelte Briefe, gesanimett und herausgegeben von Franz Gräslinger und Max Auer, 2 Bde., Verlag Gustav Bosse, Regensburg) beweisen es aufs Neue. Geist im literarischen Sinne, die Umgrenzung eines Weltbildes, psychologisch wertvolles Material werden tvir in ihnen vergebens suchen. Älber was in ihnen dokumentarischen Wert besitzt, ist die Bestätigung seiner Wesensart, wie sie von Zeitgenossen geschildert wird, die Wiederholung von Beispielen seiner Naivität und seines kindlichen Enthusiasmus, der seinem religiösen Gemüt entspringt. Der Sängerknabe, der Unterlehrer, der Professor, der unerkannte Komponist — auf allen Lebensstufen, in allen Sphären seiner Karriere bleibt Anton Brückner seinem Wesen treu, die Mischung von Gtottesfurcht und Heimatsgefühl hat die Ausdrucksmittel der 'Musik, nicht der 'Sprache verwendet, so daß seine Briefe nur einen geringen Aufschluß 'über seine Kunst geben. Was Bruckner in seinen Briefen „autobiographisch" Interessantes überliefert, ist die wenig bekannte Tatsache, daß er sich nach Vollendung der 9. Symphonie mit der Absicht trug, eine Oper zu schreiben, wie er näher ausführt, eine Oper a la Lohengrin,. romantisch, religiös-mysteriös, .also auf der Linie seiner Messen, die ja seinen Namen begründet haben. Und was inmrer wieder ans Tageslicht kommt, ist seine Gesellschastsfremdheit, der Kampf mit dem Alltag, Wünsche und Bitten, häusliche Sorgen und ein Stück rührendster, unbeholfenster Liebe. Immerhin aber bieten seine Briefe an Dirigenten (Nikisch, Mottl, Levi, Dchs, Lötve, Schalk, Weingartner), an Literaten (Heyse, Nohl, Wolzogen), an Komponisten (Gustav Mahler, Hugo Wolf), .an Freunde, Förderer, Lehrer, Mäzene ein weites Tatsachenfeld für seine Wertung und Menschlichkeitseinstellung. Da bisher nur wenige Briese Bruckners bekannt waren, wird die vorliegende zweibändige Sammlung Forschern und Freunden des Menschen Anton Bruckner willkommen sein. o. r. Knut Hamsun: „Der wilde Chor". (I. M. Spaeth-Verlag, Berlin.- Hamsuns schönste Gedichte sind unzweifelhaft in Prosa geschrieben worden. „Pan" z. B. ist eine lange Reihe von Gedichtsperlen in Prosa, „Mysterien", ein Roman, wie er dichterischer uich: gedacht werden kann. .Der Bersband, den jetzt der I. M. Spaeth-Derlag in Berlin herausgegeben hat, offenbart als Ganzes unzweifelhaft die lhnsche Empfindsamkeit und Tiefe des Hamsunschen Geistes, die Versform ist aber der Empfindung nicht immer ganz gewachsen. Vielleicht trägt daran zum Teil die deuHche Uebertragung von Heinrich Goeoeb die Schuld, da sie rhthnrisch manchmal einiges zu wünschen übrig läßt. Dort, wo die Lyttk Hamsuns erzählend wird (wie im Zyklus: „Alraune" oder „Martha Rund", auch „Fievergedichte"), ist sie auch am schönsten seiner Poesie, die er, wie er selbst angtvt, meist im Dunkeln bei Nacht oder am Rücken liegend im Walde schtteb, ist „Pan", der Zugreifer und Philosoph in einem Symbol. Die JtensiKt des Gefühls, des Erlebnisses überwindet auch die Blässe der Form. .l. th. VON BÜCHERN, DICHTERN UND VERLEGERN. Die Rudyard Kipling-Reihe des Paul List-Verlages ist um einen wetteren Band gefördett, der den Titel führt „In Schwarz Ünv/Meitz". In diesen, bisher zum größten Teil noch mükbersetzten Erzählungen Kiplings wird der alte, merkwürdig erregende Gegensatz indischen und europäischen Wesens lebend und humorsprühend hevausbeschworen. Ein Roman aus dem. Leben der fephavdisthen Juden ist weben in fvanzöfMer Sprache in Paris erschienen. Sein Verfasser Ä. CH.Nawon, ist ein in Konstanttnop-el gebürtiger sephardischer Jude und schildert das Leben seiner Volksgenossen in Konstantinopel. Das Buch „Josef Perez" betitelt, orin Mt anziehende Schilderungen, ist aber allzu reichlich mit Bildungstendenz vom Schlage der „Alliance Jsraeltte" durchsetzt. RaiM MoseS Zaceuto, eine der markantesten Erscheinungen des jüdischen Geisteslebens, Verfasser mehrerer kaboalistischer, Machischer und anderer Werre, sowie hebräischer Dramen, ist von A. Apfelbaum zum Gegenstand einer Worischen Monographie gemacht worden; die soeben im Lemberger Verlag „Snunir" erschienene Schttst gibt über die Persönlichkeit und das geistige Schaffen des Rabbi Zaccuto, der von 1628 bis 1697 lebte und als Rabbiner in Venedig und Mantua wirkte, reichen Aufschluß. Besonderes Interesse wendet der Verfasser den Studienjahren zu, die Zaceuto in Amsterdam als Schüler derselben Lshrer, wie sie Spinoza hatte, verbrachte. Diese Moitographie Apfelbaums reiht sich zwei früheren Werken dieser LÄrt, über Jehuda Moskati und E. Figo, gut an. O. F. Hans Reimanns amüsante Zeitschrift „Das Stachelschwein" ist jetzt in den Verlag „T-re Schmiede" übergeganaen und soll dort unter Mitwirkung wertvoller Vertreter der ernsteren Literatur zu einer literarischen Revue großen Stils ausgestaltet werden. Ein Werk Semiroty schel erew Sabath ist bei Oberkantor S. Rosenbaum, Fiume (Italien) erschienen. Das (Buch enthält 42 Gesänge, in alter Weise geschrieben, für Ehor, Solo und Orgelbegleitung, ferner zionistische Lieder, begutachtet von Kantoren und italienischen Musiken:. Das Werk ist beim Antor in Fiume, Via Milano 8, erhältlich. BÜCHEREINLAUF. JuliuS Bali: Die Chronik des Deutlichen Dramas. Verlag Ocsterhüld u. Co., Berlin. Marie Luise Becker:' Brarchherd Paris. Roman. Verlag May Sehifert, DreÄden Nr. 16.' Philipp Berges: Wunder der Erde. (Reisetage in fernen Breiten.) Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Anton Bruckner: Gesammelte Briese. 2 Wände. (1. Folge, herausgegciben von' F. Gräslinger, Neue Folge von Max Auer.) Gustav Bosse, Verlag, Negensburg. Artur Brausewetter: Und hätte der Liebe nicht. Roman. Bevgftadt-Verlag, Breslau. Joseph Conrad: Irgend. Verlag S. Fischer, Berlin. Joseph Conrad: Der Geheimagent. Roman. Verlag S. Fischer, Berlin. . Joseph Conrad: Spiel des Zufalls. Roman. Verlag S. Fischer, Berlin. ' . Paul Ernst: Der Schatz im 'Morgendrotstal. Roman. Horen-Berlag, Berlin. Hermann von Foller: Unter Javas Sonne. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Otto W. Gail: Der Stein vorn Mond. Roman. Bergstadt-Verlag, Breslau., Jaroslav Hasel: Die Abenteuer des braven Soldaten Schweft während des Weltkrieges. Verlag Adolf Synek, Prag. Klara Hofer: Sonja Kowaleiwslkt). (Die Geschichte einer geistigen Frau.) I. G. Gotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart. Viktor von Kohlenegg: Der Gast auf Juchhee. Roman. I. G. Gotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin. ' N. Ljeskvw: Die Domherren.^ Romane 'der 'Weltliteratur. Verlag Hesse u. Becker, Leipzig. Karl Lieblich: Das proletarische Brautpaar? Verlag Eugen Drederichs, Jeny. Thomas Mann: Unordn-ung und frühes Leid. Verlag <S. Fischer, Berlin. Karin Michaelis: Die sieden Schwestern. Roman. Verlag Gustav Kiepenheuer, -Potsdam. Karin Michaelis: Mekke Trap. Roman. Verlag Gustav Kiepenheuer, Potsdani. Karin Michaelis: Das Mädchen mit den Scherben (Gunhilds Kindheit). Roman. Verlag Gustav Kievenheuer» PötÄdaur. , Hendrik de Man: Die Intellektuellen und der Sozialismus. Verlag Eugen Dieberichs, Jena. Rosa Mayrcder: Aslkese und Eroki'k. Verlag Eugen Diederichs, Jena. Victor Meher-Eckhardt: Die Gemme. Novellen. Verlag Eugen Diederichs, Jena. Alfred Neumann: Der TousÄ. Noman. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart. Klara Ratzka: Das Bekenntnis. Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, -Stuttgart. Dr. Han8 Riehl: Der St. Stephansdom in Wien. (Die Kunst dem Volke, Nr. 61/62.) Herausgegeben von der Mge- ■ meinen VereiniWng für christliche Kunst, München. Romantische Naturphilosophie. (lAusgewählt von Christoph Bernoulli und Hans Kern.) Verlag Eugen Diederichs, Jena. Jakob Wassermann': Der Aufruhr um den Junker Ernst. Verlag S. Fischer, Berilin. STEFAN ZWEIG VOLPONE Eine lieblose E^omödie frei bearbeitet nach Ben Jonson. Mit Bildern von Aubrey Beardsley. Stephan Zweig hat die unsterbliche SKomödie SBen Sfonsons, de* Zeitgenossen und Slivalen Shakespeares, in eine völlig neue &orm gegossen. 3m SKiitelpunkt steht tyolpone, der betrogene Zeträger, der sich an der Wut der von ihm geprellten {Erbschleicher weidet,, bis er selbst von seinem lustigen Ziener um 3Cab und Qut gebracht wird. ARNOLD ZWEIG DER SPIEGEL DES GROSSEN KAISERS 3>ie mittelalterliche Welt ersteht in farbenprächtigen Zildern vor unseren Sftugen, abendländisches und morgenländisches Wesen kreuzen sich in Zalermo am Stofe des Staufenkaisers Friedrich II. fjn die gesicherte lAtmosphäre des Siofhaltes zündet wie ein Zliizstrahl die magisehe Offenbarung des furchtbaren Gndes der SHohenstaufen : und uls grandiose ‘Vitfon erscheint da* Zild der europäischen Verwüstung durch den Weltkrieg. Jeder Band r Kart. 1.50 Rm. Leinen 2.50 Bin« Halbleder 8.50 Bm. GUSTA V HtBPBNHEUEH VERLAG POTSDAM.

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