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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-17 · Heft 2774 (17.11.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2774 (17.11.1926)
Date
1926-11-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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| Polen i^Sgfoszy | Wien: Zum Abholen in der (Expedition, II., Taborstr. 1-3 oder in einerVcrschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßonverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 6 Schilling Tschecho-r Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon, Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 Nachzslil«agen bei Preiset h 4 b engen rorhobaiten Nr. 8774 —Wiener Morgenzemmg I LEV s j England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Dirc Rumänien: Mon.l70Lei Rulgaricn:Mon.lOOLewa. S c hw o i z und das übrige Ansland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 48-3-19 Ab 6 Uhr: Tel. 31-209 VII., Lfirchenfeldersträßo 1 (Druckerei „fnva“) Wien. Mittwoch. 17. November 198« (11. Kislew 3687). Oesterrei chisehes Pöstsparkassenkontc Nr. 150.693 8. Mitanna Ae Auflösung der ungarischen Ratiomlversammlung. Zusammentritt der zwei Kammern am 88. Fönner 1927. Budapest, 16. 2tovember. Die ungarische Nationalversarnml>ung, dm seit dem 16. Juni 1922 tagte, nmrde Heute durch D e k r e t des R e'.i ch s v e r w es e t § aufgelöst. Der neue aus zwei Äpmmevn zusammengesetzte Reichstag wird zugleich für den 25. Kämrer 1927 einbevufen. Mach Verlesung des Dekrets Lemdnstvierten Die Sozialdemokraten lebhaft für das allgemeine, gleiche und gcheime Wahlrecht. MmsterpräWent Graf Bethleu tvifft alle Vorbereitungen, um Der Regierungspartei Lek den Wahlen die breiteste Basis zu schaffen. So verhandelte er heute vormittag sowohl mit , den Rasseuschützlern wie mit den Führern der gemäßigten liberalen Opposition, um diese beiden Parteigruppen für ein gemeinsames Vorgehen mit der Einheitspartei zu giwinnen. Tatsächlich kam zwischen Bethlen und Güm'bös ein Wahl-Pakt zustande, demzu-- folge die Regierungspartei in jenen Wahlbezirken, ,wo R a s s e n s ch ü tz l e r kandidieren, karren offiziellen WlahlwDvber aufstellen wird. So wirh in Keeskemet der berüchtigte Mörder von Grpovany, Ivan Hefjas unangefochten kandMeren. ' - Noch leichteres Spr^l hakte . Miwrsttzrprosident -mit Wbviel U g i o n und ' dem 'M:delsminister jte. D. Baron Josef S z t e r e n y i, den Wdens Führern der sogenannten „rechtsliberalen" Opposition. Bethlen bewog diese beiden Abgeordneten, mit il- . - .i \n Regierungspartei emtzutretm, nwwii Ugron und Szteromn. im'Jnteresse ihrer Mandate, e i n " > .den waren. Die Regierungspartei macht ivr1 gemeinsame Sache sowohl mit den rechtsoppogilonellsn Rastenschützlern wie mit einem Teil der linken, Opposition, so daß als eigentliche Opposition für die Regierung, abgesehen von den Sozialdemokraten, nur noch die L eg it imisten und die Linksdemokraten An Frage kommen. Ministerpräsident Graf Bethlen zieht , die gegebenen Konsequenzen aus dieser. Sachlage, indem er die schärfsten Kampfmittel m . Wahlkampf gegen die Legitimisten «inesteUs, gegen die vereinigte linke Opposition andererseits, anzuwenden beabsichtigt. Die Wahlparole der Regierung ist, laut „Esti Kurir": Ausrottung der Legrtinristen und der LinkSdemökraten. Die lügitimrstvschen Wbgieordneten Grals Julius And r ais s y., Markgraf Georg Pa 11 a to ii eint und Stefan von Rakovszky dürfen Unter keinen Umständen . ein Mandat im neuen Abgeordnetenhaus erhalten. Um RakovMy um sein sonst sicheres Mandat zu bringen, wird Ministerpräsident Graf Bethlen nM nur in o d m e z ö v a s a.r h e l y und in D e bree z i n, sondern auch in Szeeseny, donr v Wahlbezirk Rakodszkys, kandidieren und Hm das Mandat entreißen. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Kursänderung in Frankreich? Poineare sucht den Konflikt mit der Linkem Paris, 16. November. Der-Premierminister im Kabinett Poineare, Louis Marin, der als Vertreter der etwa 100 Mann starken republikanischen Union in der Regierung sitzt, hat — offenbar inspiriert — am letzten Samstag auf einem Bankett des Rechtsblocks eine Rede gehalten, in der er die Parteien der bürgerlichen Linken und ihre Führer in unerhörter Weise angrisf und beschimpft. Er bezeichnet«: die Äera des Linkskartetts als ein Regime niedrigster Verworfenheit und'gebrauchte über die Politik H erriots, Painleves und Caillaux' geradezu unflätige Ausdrücke. Ferner sprach Marin von der Niedertracht der Verwaltung und der Schädlichkeit der Methoden unter . dem Kartell und behauptete von der r a d i k a l so z r a l e n Part c i, daß sie sich mit ewiger Schm ach vor der Geschichte bedeckt habe. Diese Eskapade Marins hat den Burgfrieden, der im Juli zur ' Rettung deö französischen Franken geschlossen wurde ünd den: Kabinett Poineare bisher die Existenzmöglichkeit gegeben hat, empfindlich gestört. Die Blätter der Linken fordern den Rücktritt Marins. Die'Radikalsozialen wollen durch den Deputierten Hulin die Regierung über den Vorfall interpellieren. Der Ministerrat trat heute v jufrtimitert, um über die durch Marins Rede geschaffene Situation zu beraten. Wie verlautet, wird Ministerpräsidew P o i n c a r c, falls der Deputierte Hulin «uf der Verhandlung seiner Interpellation bestehen sollte, in der Kammersitzung eine gestern vor'mitLags vom Kabinett einmütig festgesetzte. Erklärung verlesen, die. nach Mitteilungen, des -,Teurps" besagen wird/ jeder Minister, in Poincares Kabinett habe seine vollkommene Meilt u it g s f rc s h ei t behalten. Wenn irgendein Minister aus Parteirücksichten sich" 'über besondere Fälle - ausgesprochen habe, tue er es auf. seine eigene^ Verantwortung, da nur der. Premierminister das Recht habe, im Namen der.Regierung Erklärungen abzugeben. Es scheint demnach, daß Poineare seinen Pensionennt inister d e ck c n will, was den' Konflikt zu vollem Ausbruch bringen dürfte. Poineare scheint diesen Konflikt' zu wünschen, uin.d e n R n ck n a ch rechts deutlich dnrchfühpen zu können. * Dp Interpellation Hul'm vertagt. In der i)eutigcn Kammcrsitzung, in der die Budgetdebatte fortgesetzt , wurde, ersuchte Ministerpräsident Poincare, die von Hulin eingebrachte Interpellation zu vertagen, indem er aush'ihrtc: „Diisse Regierung ist gebildet worden, um das dringende Werl?,der finanziellen Wiederaufrichtung durchzuführen und sie besteht aus Mitgliedern verschiedener politischer -Orientierungen. Eine Regierungskrise in diesem , Augenblick hätte unberechenbare Folgen. Die Regierung appelliert an alle Republikaner dieser Kammer und fordert 'sie auf,.in die Zukunft zu blicken und nicht in die' Vergangenheit und mit ihr an dem Werke zusammenzuarbeiten, von dein der Wohlstand Frankreichs abhängt." Die Kammer willfahrte dem Wunsche des Ministerpräsidenten und vertagte sie auf nwrgen, lvo sie über das Budget abstimmen wird. Lös Abflauen des englischen Kohleustreikr. London,. 16. November. Nach, dem Amtlichen Britischen Fnkdiuenst lassen.die in den Bergwerksbezirken bereits abgegebenen Stimmen keinen Zweifel mehr darüber zu, daß. der Kohlenstreik Ende dieser Woche mit der Annahme des von der Regierung zur Regelung der Frage vorgeschlageneu Planes sein. Ende sln'den wird. Dies kommt auch dadurch zum Ausdruck, daß schon jetzt eine a u ß e r g e w ö.h n li ch.gr o ß e Z a h l von Streikenden zur Arb eit zurückkeh rte. In. der vergangenen Woche tmrrdeu nahezu eineinhalb Mllionen Tonnen Kohle gefördert. Me BMerbnnUommiffion sflr aelstige Snsnmmenarbett. Paris, 16. Novencher. Bei der gestrigen. Tagung der Bölkerbundkommission für geistige Zu sammena.rb.eit, hie in Paris stattfand, wurde, wie . schon im Frühjahre wieder der österreichische Delegierte und . ehemalige Botschafter Mensdorff zum 'Präsidende.« der Sitzung gewählt- Kn Kompromib im polnischen PreffelanflM. Warschau, 16. Novemberi Das vorläufige Kompromiß im Konflikt zwischen, der Regierung Pilfudski und dem Landtag über das Pressedekret ist ge-, funden worden. Unter der schweigenden Zustimmung.des Hauses veranlaßte Sejmmarschall Ratay -die Ueberweisung des Dekrets an den Berfaffungsausschuß. Es bietet sich jetzt der Regierung durch MchtvorleZung des so vielfach angefochtenen Prcsscdekrets die Gelegenheit, einen ehrenvollen Rückzug anzutreten. Der Dlrettor des »flesle Aovo" verhaftet. Die Kriegsanleihemachination der tschechischen natiomrlsozialistschen Partoi. Prag, 16. Stovsmibör. Gin Z'Ui'a'MmerMn-ge nrrt den Enthüllungen des MontagVlattes ,/Loch", daß der Staat durch Krieg-sanleihemachinatlonerr der nationacksoizralistislchen Partei nw 20 Millionen Kronen geschädigt worden sei, wurde heute der Direk-tor des nationalsoziallstiischen Hauptovgans „Ceske Slovo", Jarosilav Salda,'vevhaftet. Motivitiert wird die Verhaftung damit, daß ein gewisser G'roh im Jalhre 1922 größere Beträge von Kriegsanleihe 'bei der nationalsozialistischen Vovschußöasse in Odevftrvt zum Umtausch gegen Vierte Staatsanleihe ans.den. Namen -eurer nationalsozi-aliftischen' Konsumgenössen'schaft atrgemeldet habe, obwohl die Kriegsanleihe , fingiert war. Die Vorschutzkasse, deren Vorstand Salda ist, habe den Uurtansch vorgenommen imd dadurch den Staat um große Betrüge ges ch äd'igt. General Averesm — Herzog von Stallen. Bukarest, 16. Novencker. Der „Cuvantul" bringt die Nachricht, daß Ministerpräsident General A v e r e S c n von dem König von Italien - ein Schreiben erhalten hat, in Ivelcher dieser dem' General mitteilt, daß er ihm den Titel eines!Herzvgs von Italien verliehen habe. Bekanntlich wird der Besitzer dieses Titels als Vetter des Königs betrachtet und erfreut sich aller Rechte eines Mitgliedes des königlichen Hauses. «n SlsenbalnmnW kn RumSnie«. Bukarest, 16. Novernber. (Orient-Radio.) In der Station F a r a c a n i bei Maresisti ist ein Per s o n e n z u g. Nrit einent L a stz ug z u sa m m e n gestv ß en. Drei Lokomotiven und mehrere Waggons wurden zertrtchtmert, 20 Perso nen verle-tzl. Der Widersinn der amerftanWen Mnwanderungsaesetze- New-Iork, 16. November. Zu welchem Wt'd^ rs i u n das verworrene amerikanische Einwan-d-evungsges-etz zu führen vermag,' zeigt der Fall eines jungen Mädchens, das nach NÄv-Iork.gekomimetr war, um nrit einem - amerÄanifchen Bürger d'ie Ehe zu schließen. Bei der - Landung wurde sie jedoch angehalten >nnd zur Deportation verurteilt. Bei der Beruftungsverhandlung erklärte der Bräutigamdaß er uvslprünglich die Slblsicht gehabt habe, seine Braut in. Europa zu heiraten, doch hätten ihn seine Geschäfte verhindert, die Europareise zu unternehmen, weshalb er sie nach Amerika kommen ließ. Das ■ EinwanderungSdepartement m Washington als Berufungsbchövde fällte das Urteil, daß das Mädchen jetzt behufs EhöWrehung ins Land gelassen werde, nach der Trauung jed och d-as Land.de-rlass en miülss e, um dann aus Europa als d-ne Gattin eines amerAamschen Bürgers wieder wach A m e ri km z-u sah r e.n, ohne ein Hindernis zu befiirchten. zadravetz ln Jerusalem. — Budapest, 16. S^ovcncher. Im Zusamnrenhang mit' den bevorstehenden Parkinrentswählen brachten einige Blätter die Mitteiln-ng, -daß der berüchtigte FelWrschoif Stefan Zadravetz, der auch in der Franken- Wscheralsfäre eine klägliche Rolle gespielt hat, für die Na>t io na l Versammlung kan d id-i er an werde. De-ni gegenüber erfährt der „Reggel" aus iKreifea des holhen ungarischetl Klerus, daß Zaidravetz infolge höheren Verbots im öffentlichen Leben keine Rolle spielen dürfe. Da er seines Anrtes als Foldbischof enthoben und verpflichtet würde, als em-sacher Mönch zn leben. Zadravetz ist schoir vor inehreren Wochen aus Ungarn abgereisi und befindet W gegenwärtig i-n Jerusalem, wo er eine Pönitenz durchmachen muß. In Jevllsaletm wird sich -Zadravetz einige Wiochen aushalten und dann als Missionär, nach de m O r:i erot gchen. Angeblich wist der .gefährlichste Hetzbisichost dm daß System der Rassenschützler -heivvorzubvingen vermochte, den Bevspch machen,, in Palästina und dem übrigm Orient seine S^is-if4orn.s-Päch:i.g;k-e'.'dt.'U?mi.e-r den B-m-d-e-n: Mübeu.

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