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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-14 · Heft 2772 (14.11.1926) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2772 (14.11.1926)
Date
1926-11-14
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Sette 1? fH. NvvemHer!9V6 Nr. ms \ Men, Somrtog W-mer M-ese«zetttms Serichtssaal. Tolkiwlrlschafi Süßer, Die nicht existieren. Gestern wurde nach viertägiger Verhandlung der Prozeß gegen den Holzhändler Johann Eipeltauer znEnde geführt, dep-beschuldigt. war, auf Grund von gefälschten Schlägcrungsvcrirägen verschrienen KvlzMkdl«!» Vorschüsse in'-der H ö b e v v n 220.000 Sch r l li ng entlockt zu haben. Eipeltauer bat die Kauflustigen in Wälder geführt, die gar nicht-sein Eigentum warsn und hat ihnen fremde Holzbestände - verkauf. Während der Verhandlung hat sich der Angeklagte 'derart- .ausgeftihtt, daß an seiner Zurechnungsfähigkeit gczwerfelt -werden mußte. Er hat auch in.seiner Zelle .einen fingierten Selbstmordversuch unternommen. Die Psychlätcr bezeichnten Eipeltauer jedoch als psychopathisch veranlagten Lügner und Schwindler, Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten wegen des Verbrechens des Betruges zu.zwei Jahren schweren Kerkers. Das Verfahren wegen versuchten Betruges wurde ausgeschieden. milde bestrafter Rohling. Der in der AböSstratze wohnhafte GlasergöWsc. Ludwig Beyer war gestern beim Strafbczirksgerichte 1. wegen einer sehr krassen , und von besonderer G e sühlS rohcit zeigenden Mißhandlung des Privaten.Markus P r c m i lt g c r angelangt. Eines -Tages wollte P r e. min ger, ein gebrechlich es und altersschtvaches Männchon,'in dem Hause, in welchem Beyer wohnt, einen Bekannten auffuchen. Als Beyer des Preminger, der auch durch einen kleinen Spitzbart auffällt, ansichtig wurde, rief er seiner Lebensgefährtin zu: „Komm aus der Wohnung hinaus, du wirst gleich sehen, wie ich den kleinen Moritz hauen werde". Beyer ließ diesen Worten sofort die Tat folgen, indem er dem Preminger zwei wuchtige Schläge ins Gesicht versetzte, welche zur Folge.halten, daß der Mißhandelte kurze.Zeit bewußtlos war. Vor Gericht leug n ete Beyer Preminger überhaupt berührt zu haben. Mehrere Zeugen bestätigten jedoch den Inhalt der Klage. Der Richter LGR. Dr. Arie verurteilte den bereits vorbestraften Angeklagten wegen tätlicher Ehrenbeleidigung zu.fünf Tagen Arrest. Als erschwerend wurde diebesondere B r ut alrt a t in dem Vorgehen des Angeklagten angenommen, der sich ein Vergnügen daraus gemacht habe, einen alten, wehrürfen Mann zu höhnen und grundlos zu mißhandeln. Hinrichtung eines Führers der Schwarzen Hundert in Markow. In Charkow, der Hauptstadt der Ukraine, Wurde der berüchtigte antisemitische Agitator und Führer der Schwarzen Hundert im zaristischen Rußland, Oberst Glo bat sch o w,'züm Tode verurteilt und hingerichtet. Oberst Mobatsthow, ein intimer Freund der Pogromsührer Purrschkewitsch, Kruschewan und Pelakan, mit denen zusammen er im Jahre 1903 die Pogrome in Kischinetv und in-anderen Städten Rußlands organisiert hatte, war lange-'Zeit der Herausgeber des Pogromblattes „Odeßkaja Rrzina". Er überschritt von einiger Zeit auf illegale Weise Pie Gvenze nach Sowjetrußland, wo er Versuche machte, monarchistische Organisationen zu bilden und eiye antisowjetistische Spionage zu organisieren. 00000000000000000000000000000000000000 | iMode und SKunstgewerbe Jj OOOOOC /«■ dieser Rubrik erscheinen entgeltliche Anzeigen QQOOOQ- Schilder' and Schriftenmaler 6700 ANTON STEPHAN Telephon 47-8-55 — Gestandet 1874 Tests Bedienung. Prima Referenxen. Solide Preise. Wiener Spezia! - Schuhwerkstätte Noareautes * Erzeagang feinster Scbahwu.en neuester Essson Wien!!!•» Taborstraße Kr. 47 (Eingang; U.. Grelle Stedtgatgeseo Nr. 5) 6709 za beaiehtlges in . .6705 I Hins Seil liiigs UAL, II., Tümfr.« ' Gegr. 1897 Feinste Aesf&hrang Sellde Preise Ml»! »MMiliOl WIEN,ll).Salfflg.5 Hlpr£ÄT»aTrg) Illul 6704 solide Pi Preise! ATEITI ED KOrsthnermelsfer ■ 9 -9, 9 9 ab Bi 9m N., Sohmelzgasse Nr. 6 Pelzwaren Jeder Art Prima Ausführung Solide Preise JTeu eröffnet! *19 205 vamsnhut L. 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Basel hat eben Größeres vollbracht als Castiglioni! Bosel ist es gelungen, ein staatliches Institut von ruhmvoller Vergangenheit in die Dienste seiner Effekten- und Devisenspekulationen zu stellen. Er, der Kommittent der Postsparkassa, hatte willfährige Helfer in den verantwortlichen Funktionären des Institutes, die als beeidete, vom Staate besoldete Beamte zu einer sorgfältigen Gebarung mit den ihnen anvertrauten öffentlichen Geldern verpflWet waren. Als sie Krchtt über Kredit zugunsten der Bofelspekulationen häuften, mußten sie sich bewußt sein, daß sie nicht nur ehre Ähfugnisse überschritten, sorrdern das Jnstttut weit über die Grenzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit engagierten. Taten Klimesch und Schuster dies auf eigene Verantwortung oder haben fie die BewUligung ihrer vorgefttztrn Minister eiugehott? Diese Frage ist. schon eimnal gestellt worden, als man noch keine Maße Ahnung von -. dem an der Postsparkassa verübten Raube hatte und lediglich von der letzten noch schwebenden Boseltransaktion der Lombardierung der Unionbank-, Veitscher- Magnesit-- und Laurahütte-Aktien - ecftlhr. Die Antwort des Fi n a n z m i n i ste rs lautete: Er weiß von nichts. Die Antwort.des HändeIZministers lautete: Er weih von nichts. Die Antwort des P r ä s i d e n t e n d e r N a t i o n a lbank lautete: Er werde sprachen, sobald er Mt der Ueberprüfung des Status der ’ Postsparkassa und ihrer Geschäfte fertig fein werde. Dieser Status liegt nun vor und hüllt ein grauenvolles Bild darüber,' wie die Postsparkassa fettig gemacht wurde. 7,965.000 Schilling kostete die Sanierung verkrachttr politischer Banken für Rechnung der Postsparkassa. Man weiß, daß politische Gefälligkeiten Geld kosten, wenn es gilt, kompromittierte, im öffentlichen. Leben stehende Persönlichkeiten vor .dem Kriminal zu bewahren. Diese Gefälligkeiten löschten der Postsparkassa die Hälfte ihres feinerzett mit zirka 15 Millionen Schilling angegebenen Berwaltungsvermögens, aber es war doch mur ein verhältnismäßig bescheidener Betrag im. BergMch zu den Engagements, an dere.n Ende der Verlust von 110 Millionen Schilling stehtl - Das Belehnungsgeschäft der Postsparkassa mit Basel begann im September 1922 und belief sich bis Ende des Jahres auf 19 Millionen Shilling. Es war scheinbar ein . iwcmales Loinbardierungsgeschäft, bei dem ein entsprechender Einschuß von Bosel verlangt wurde, ^ür Aktien, an denen damals noch-keine Verluste hasteten. Wie kam es aber, datz Boftl die Verbindung mit Pier, ' Postsparkassa gerade rm Jahre 1923 und gerade unter der lNegirrung der Sanierungsattion erweitern konnte? In diesem ersten Jahre der Sanierung hat Bosel seinen Kredit bei der. Postsparkassa auf mehr als. das Dreifache, auf 58,8 Millionen Schilling, zu steigern gewußt. Die' Leiter der Postsparkassa mußten sich Mvnßt sei«, haß Aktien in solch großen Mengen überhaupt nicht verkäuflich sein Wunen. Haben sie dies der Regierung gemeldet? - Havan Dr. Seipel und Dr. 5ttenbSck und Dr. Schürff von dMn VeletzMrngSseschäst ^toas gewußt oder nicht? Ihr Wort sei ja, ja oder acht, Min, aües andere iwäre von Uebel. Ist aper das BekchnnrWgeMst nicht gemeldet worden und wußten sie nicht was sich. hi.ptQL ihvom! Rücken abspielte, so fragen wir: ' . > Wird der Rechnungsabschluß der Poftsparkassa von niemand archer dem Obersten RechtzmngShvf über- Hat sich die Regierung nicht verartlaßt geschen, den, Rechnungsabschluß der Postsparkassa zu überprüfen, als diese mit Geldauforderungen an sie hemntmt? AIS die Letter der Postsparkassa zum erste» Male die Bereitstellung einer Kassenaushiffe von 30 MAionen Schilling verlaiWen, wvnrtt begründoiien sie diese Forderung? Dr. Kienböck tat der Postsparkassa 30 Millionen Schil" ltng aus den. BMrbunhkvchtten zur ^rfügung - gesteltt, obwohl in dem PosssparMsaverkehr keine Gelder abge- MW Wie erklärte er sich dttsen Geldbedarf, oder war er gar nicht neugierig, den Grund zu erfahren, und warum war er nicht neugierig? Zpn Jahre 1924 hat Bosel sein Belehnungsgeschäst mit der Postsparkassa noch wett über das Ausmaß des Jahres 1923 — auf 89 Millionen Schilling — erweitert Wurdr darüber km Mmisterrat referiert? Wwdc darüber im striftlichsozialen Parteivorstand reff' ' rt? Und wurde bei diesem Anlaß von dem 43-MilUonen-Schitting-Derlust gesprochen, der sich für die Postsparkassa aus dem teuere» Mckkaufpreise der Boselaktten erZaV? Wer hat Boftl die Generalvollmacht ausgestellt, an - der Dorfe für Rechnung der Postsparkasia Francge- ' schäfte zu tätigen? Haben Klimesch und Schuster allein diese Vollmacht an.s^ gestellt, ohne Mt einem Menschen darüber gesprochen zu haben? Oder haben sie mit der Regierung vorher gesprochen? Wenn aber nicht, wie kommt cs, daß sie so ganz kontrollos gewirtschastet haben.? Nach den Mitteilungen des Präsidenten Reisch sind von den staatlichen Geldern in den Jahren 1922 bis 1924 bei verschiedenen Banken 34,4 Millionen^ Schilling, davon 2,700.000 Schilling beim Bankhause. Bosel gegen Effektensicherstellung eloziert worden. Die Gelder.stammten aus den .staatlichen Reserven, die als Steuern eingeflössen waren. Hat Finanzurinister Dr. Kienböck von diesem Lombärdgeschäft, das imrt den Esftktenbelehnuugsgeschästen unter Assistenz von Schuster-Klimefch nicht verwechselt werden darf, auch nichts gewußt? Und zum Schluß noch einige Fragen an den Präsidenten Dr. Reisch: Hat Dr. Reisch .1924, als er bei dem Verkauf von Bösels. Bodenkreditaktien an die Bodeflkreditanstalt mitwirkte, nichts von der Verbindung Bösels mit der Postsparkassa gewußt? Und wenn er davon gewußt hat, waruni hak er die Regierung davon nicht unterrichtet? Warum hat sich Präsident Reisch nicht auch, um den. Verkauf anderer Bosel-Aktien bemüht? Hängt dieses Desinteressement Mt der Unabhängig' feit zusammen, die er als Präsident der Ratio iralbank bewahren muß? Wie ist denn sein Interesse an dem Verkauf der Bodenkreditaktien mit dieser Unabhängigkeit zu vereinbaren? Oder ging vielleicht seine Mitwirkung beim Verkauf, der Bodenkreditaktien aus bas Konto seiner Abhängigkeit als ehemaliger Direktor der Bodenkreditanstalt? Polnischer Wirtschastsbrief. Dre Brelitzer Dexttl- und Jute-Industrie. — Der polnisch, russische Handel. (Vonmrftreur. Warschauer Korrespondenten.) Warschau,?. November. Die Regierung bemüht sich jetzt in ständigen Wirtschaftsko ns eranzen Mt den berufenen Vertretern der Industrie, des Handels und der Landwirtschaft. das wirtschaftliche Programm festzusetzen und auf diese Weise die Wittschastspolitik den tatsächlichen Bedürfnissen . der Bevöllerung anzupassen. Das Hauptthema der Debatte in 'der letzten Wiittschastskonserenz bildete die Frage der T e u e r un g. Man, bemühte sich, verschredene Argumente für die Teuerung anzuführen, die Regierungsvertchter betonten aber die dringende Nöttvendigkett von Preisverringerungen uta so kann man jetzt schon von einem Preisrückgang für Kehle sprechen, der dem! Druck dev Regierung auf. die Produzenten zu verdanlkn ist, die ihnen andererseits bedeutende Entschädigungen versprach. Die schwöerrge Frage der Kontrolle der. Produktionskosten wurde auf diese Weise gelöst, daß man den Fabrikanten weitgeheMe Diskretion zusicherte, um sie vor unlauterer Konkurrenz zu schützen. Es wird allgemein sehr blvgrüßt, daß die Regierung eine dirette Beziehung zu dpr dritten OeffeutlMett säht, gleichzeitig aber wird auf den noch' entscheidenden Einfluß der Großindustrie hingewiesen, die nicht immer das Interesse der Allgemeinhett versblgt. Die Wintersaison in der Nielitzev Textilindustrie hat mit nicht ungünstigem Erfolg geendet, wemr auch die Resultate üricht immer ganz befriedigend sind. Es wurden die aufgestapelten Vorräte aus den vergangenen Jahren der Stagnation verkauft, neuer Vorrat konnte aber nttht produziert werden, angesichts des sehr fühlbaren Mangels an Barkapital und an Kredit. Die Absatzgebiete wurden zwar ei« wenig erweitert, dir TextilinduWe muß aber gegen die gerade jetzt nach einer längere» Krise erwachende tschechische Konkurrenz ankämpfen. Angesichts dieser Konkurrenz hat sich di« Bttlitzer Textilindustrie im Export auf einen SechSmonatskredtt und rm Innenhandel auf eine« Dreimopatskredit einstellen müssew Seit emigeu Wochen sind mm die Arbeiten für hie nächste SvMmersaison voll ii« Gange. Es liegen zahlreiche BesteOmge» «O den Notdstaathn, ferner aus Oesterreich und Ungarn, ans - M»> BLS°ÄrM-!Wd, sxe§«.!

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