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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-14 · Heft 2772 (14.11.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2772 (14.11.1926)
Date
1926-11-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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ZM' § Wien, Sonntag Moese«zettvng R. November 1926 Nr. 2772 Sie Konferenz von Sdesia. ~-y Wien, 14. November 1926. In Odessa haben Verhandlungen zwischen den Außenministern Rußlands und der Türkei begonnen, deren Verlauf alle an dem Orient interessierten Mächte mit einer erregten Aufmerksamkeit folgen. Soll es ^ich doch nur nickM mehr mrd nichts inniger handeln als um die Vorbereitung einer asiatischen Union, in der das große Rußland die Vormacht bilden würde, unter deren politischer Führung die bewen Islam machte Persien und die Türkei, dann auch das an Indien grenzende Afghanistan zu einem Block zusammeugeschlossen ivürden. Der russische Plan greift!veiler hiMus nach Chiira und Tibet, ivährend man sich in Angora wohl intensiver mit den Strömungen in der arabischen Welk besaßt. Rings um Mekka sind Einignngsbcstrebungen im 'Gang, zwischen Iben Sand und Kemal Pascha gehen Boten hin und her, und obzwar vieles, sogar das meiste in diesen Unifizierungstendenzen Zukunftsmusik ist, so sirtd doch Ansätze zu einer Gruppierung vorhanden, die den europäischen Mächten nichts gutes verheißt. Ob bei der Konferenz von Odessa auch Italien im Geiste zugegen ist, wie man in Paris vermutet, ist nicht bestätigt. Es wäre aber auf der Linie des offensiven Fascismus, sich mit beit Systemen zu verbinden, die ihm nahe verivand-t sind. Sie sind der Gegenpol der Demokratie und die Konkruenz der Idee, die ehedem in Europa die heilige Allianz gebildet fjctt, kann auch heute verbirrdcnd ivirken und Herr Tschitscherin rvird von Odessa aus nach der Schweiz und vor: dort zu Mussolini reisen. Ob er ihm den Bruderbrief schon nritbringt, kann noch beKweifett werden. Die zaristischen Expanfionsvläne, die von der Smvjetregierung sine benesicio üwentarii übemommen würden, gehen nach dem stillen Ozean, nach Indien pnd nach dem'kBalkan. Sie richten sich gegen 'Japan, gegen Eng land Und stoßen im südöstlichen Europa auf den italienischen Drang nach dem Orient. Was Herr Titscherin hier zunächst anftrebt, ist wieder die alte russische Formel her Meerengenpolitik, der Inhalt des angeblich falschen Te stamentes Peters 'des Größen. 'Rußland gibt dieses P'ostu lat nicht lauf und es schlägt auch jetzt den Türken vor, die Verteidigung der.Dardanellen für einen eventuellen Kriegs ' fall in «die russischen Hände zu legeu. Die Meerengen sind zwar in Sevres und Lausanne.internationalisiert worden; ccher Verträge sind doch nur Papier und schließlich hat ja Rußland'Michts unterschrieben. Die Aufrollung der Frage löst all«! Wespen aus ihrem Nest; aber das ist me für Rußland ein.Grund zur 'Sorge gelvesen. Wenn Italien das Mittelmeerproblem von -der Marokkoseite her zu diskutieren beging, so kmm Rußland das gleiche vom Bosporus aus tun. Die kleine Entente besteht doch kaum mehr auf denr Papier und Italiens Widerspruch kann, durch Konzessionen in Abellinien »behoben werden. Das sind. Geschenke, die nichts kosten. England hat durch den großenStreik schwere Ver ufte erlitten und wird für die nächste Zeit eine sehr vorsichtige Politik betreiben müssen. Das Geld, daS den Bergarbeitern von der Sotvjot-iHnmmiität zugeschanzt wurde, ist gut angelegt. Und Frankr lch wird durch die göttliche Komödie der Garibaldi-Spionage in Atem gehalten. Uebecm Rhein ein Unsicherer Nachbar, im Südwesten die Schvarzhemoen — das zwingt zur eBdätchigkelt. Der'syrische Aufstand g'ir.rmt rmr Unter der Asche und wenngleich den römischen.Mandatsgelüsten abgewinkt irmrde, so wäre man doch froh in ■ Paris, wenn man diese Sorge mir guter Geste auf dem Wege über dm Völkerbund an Engiand abtreten könnte, das gerne Damaskus in sicherem Besitz hätte, um aus der Straße nach Bagdad vor Überraschungen gedeckt zu sein. In Palästina ist ja der Frieden durch die zionistische Arbeit gesichert, aber die englische Politik macht hier einen Fehler nach dem andern. Sie beleidigt, die Inden,'hält sich nicht an das Mandat und macht den von Rom, von den bei-, den Rom instruierten arabischen Nationalisten Konzessionen, die schon zu einer arabischen Etap.penpolitik geführt haben und schasst sogar arabische Mi'itärformationen in Transioibcmlcn. Das' sind letzten Endes unverständliche Vorgänge, die man freilich in Moskau mit Freuden begrüßt. Die asiatische Union, wie sie eben in Odessa in . ihren groben Umrissen besprochen wird, nmß zunächst den konsessionellm Gegensatz zwischen der sunnitischen Türkei und dem schiitischm Persien überwinden. Die panislanritische Konfermz, die nach Teheran einberufen ist, soll dieses Problem lösen. Dann entsteht die Frage Chinas, in dessen Generalskriegen sich deutlich der russisch-japanische Gegensatz projiziert. Rußland, das sowjetistische Rußland, tritt hier zugleich als Anwatt der amerikanischen Interessen aus. Der Abscheu vor dem Bolschewismus ist in Amerika nur eine Frage der innerm Politik. Durch die Ioint-Magnaten ist die unterirdische Verbindung mit Moskau hergestellt (die Liebe für die Krim-Kolonisation gehört in dieses Kapitel) und die Kooperation in Oftasien eingelettet. China wird zersprengt und auf fehlen Trümmern wird sich wohl ein Abkommen mit Japan erzielen lassen. Dann ist Rußland dev Herr über Asien. Das mag noch in weiter Sicht stehen. Im Entwurf W vorhanden und man versteht die Nervosität, mit der die Mächte diese LKessaer Konferenz betrachten. HÜBEL JAHRISKMOIT "lÄrSS" _ WEINÖER6ER & HOFFMANN 1!., Praterstraße 50. Besuch lohneud. Kostenlose Einlagerung. Sar Sasel« Programm. Die Lielluna der ziontfttschen Exekutive zur Juden'Ltaatsfrage. London, 18. November. (J/T. A.) Bei einem Diner, das zu Ehren des Präsidenten VkS Jewifh Board of Deputies, O. E. d'Migdor Golds St Id, gegeben wurde, hielt daS Mitglied der zionistischen Meltexekutive, Dr. M. D. Eder, eine Ansprache, in der er ausführte, es bestünden sonderbare Definitionen des Zionismus, mit denen die zionistische Organisation nichts zu tun haben wolle. Die Exekutive ist dazu da, den Willen des Kongresses durchzuführen; der Zionismus basiere auf dem Baseler Programm mit den Interpretationen, die vom IS. und 19. Kongreß gegeben worden sind. Herr Greenberg, der Herausgeber des „Jewish Croniele", fordere auf Grund des mißverständlich wiedergegebenen Berichtes (?) einer Rede des Herrn Dr. Felix Rosenb l ü t h das Ausscheiden Dr. Rosenblüths aus der Exekutive. Die Exekutive istnichtwille n s, die Autorität des Herrn Greenberg in diesem Belange anzuerkennen. Herr Dr. RoseMüth hat sich zu keinerlei Politik, die vom Kongreß empfohlen wurde, in Widerspruch gesetzt; er hätte also nichts zurückgunehmen. Dr. Eder führte weiter aus, er freue sich, feststellen zu können, daß sich Herr I a b o t i n s k y zu der Polittk Dr. W c i zmanns bekehrt zu haben scheint. In Jerusalem sagte Jabotinsky, er gebe zu, daß England nicht gezwungen, aber überzeugt werden könne. * Zum besseren Verständnis dieser Erklärung wollen wir die bezüglichen Ausführungen Dr. Rosenblüths auf dem Wiener zionistischen. Delegiertentag folgen lassen. Ec führte aus, Die Frage des zionistischen Endzieles habe in den letzten Jahren in unserer Bewegung nicht die entscheidende Rolle gespielt und, wie Redner meint, mit Recht. Stricker habe mit erfrischender Einfachheit vom „Verrat am Judenstaat" gesprochen. Das nackte Wort „Judenstaat" wurde seinerzeit aus der Terminologie ausgeschiedeu, weil es irresühren kann. Rosenblüth gibt seiner subjektiven Meinurrg dahin Ausdruck, daß dies so gut war. Er erinnert an Wolfsohns Ausführungen am 10. Zionistenkonareß, in welchen er betonte, daß tzerzl den Zionismus nicht kannte, als er den Judcnstaat schrieb und als er mit den Zionisten zusammenkam, nicht mehr den „Judenstaat", sondern die öffentlich-rechtliche gesicherte Heimstätte forderte. Aber Herzls Gedanke ist gleichwohl noch io lebendig wie damals, denn sein Kern ist erstens die Idee der territorialen Konzentration und zweitens die Konstituierung des Volkes in Palästina als freie Staatsnation. Rosenblülh erinnerte auch daran, daß Ach ad Haa m sagte, wir werden in Palästina und nur in Palästina frei sWi,well wir nur dort d ie Major i t ü t bilden würden. Niemals hat die verantwortliche zionistische Leilung eine Erklärung abgegeben, die mit blcftr Erklärung Achad Haams im Widerspruch stünde. Nur wurde daran festgehalten, daß sich auch die Minorität frei ent-» wickeln können müsse. Der Ausbau Erez Israels sei Ausgabe dieser unserer Generation. Erst nach dem Kriege habe dieses Moment der Zeit im Zionismus eine Nolle zu spielen begonnen, die insbesondere von Ruppin betonte Tatsache, daß die Zeit in Palä stina gegen uns. arbeite, habe vor zionistischen W-ttorgani sativn die palästinozentrische Richtung gegeben. Wir haben anerkannt. daß in einer bestimmten, abgegrenzten Zeit eine unzerstörbare jüdische Massenstedlung in Palästina, als erstes Etavpenzie-l zu schassen ist. Diesem Ziele dienen die.vier Grundpfeiler unserer Arbeit: Kolonisation, Finanzpropaganda, Organisation. Sie Mandatsfragr«. Genf, 18. November. (I. T. A.) Am 6. Dezember lvird der Völkeckbundsrat zusninmentrelen, um eine Reihe schwebender Fragen zu erledigen. Unter anderem wird der Völkcrbundsrat den B e r i ch t der M a n d a t s k o m* Mission über ihre 'letzte Tagung cmhören und zu ihm Stellung nehmen. aOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQ Am besten sind doch die Ceschka-hüte tm« ■Ufrttqt IM WIBH UL, «hwrtnH Br, , cooooopooooboootxxwooooooooooodooQoood Fabotinsiy aus Palöftina abgcreist. Berlin, 12. November. (I, T. A.) Ein Telegramm aus Jerusalem besagt, daß Wladimir I abotinsky nach mehrwöchigem Aufenthalt in Palästina die Rückreise nach Europa angetreten hat. Am 7. November wurde ihm zu » Ehren in Tel-Awrw ein Bankett gegeben, zu dem etwa 230 führende Juden aus ganz Palästina eingetroffen waren. Auf die Ansprachen erwiderte Jabotinsky, er sei b e g e istertüberdas Gesehene und glaube fest und stark an die gute Entwicklung Palästinas. Aus Saloniki lvird telegraphiert, daß Jabotinsky auf seiner Rückreise von Palästina dort eingetroffen ist, und daß ihm die jüdische Bevölkerung Salonikis einen begeisterten Empfang bereitete. In Berlin wird Jabotinsky am 28. November eintreffen. Kn palMnensisches Gesetzbuch. Jerusalem, 18. November. Der Oberstaatsanwalt Norman B e n t w i ch läßt demnächst sämtliche Gesetze und Vorschriften, die in Palästina feit der britischen Okkupation verkündet worden sind, in einem Buche erscheinen. vberst Keuworthtz geht nach Paliiftlua. London, 13. November. (I. T. A.) Oberst K e nworthh, Mitglied deS englischen Unterhauses, der die Initiative zur Bildung des überparteilichen parlamentarischen Palästina-Komitees gegeben hat, wird sich im Verlauf des Monats Dezember nach Palästina begeben, um die Entwicklung des jüdischen Siedlungswerkes zu studieren. Er wird sodann nach den Bereinigten Staaten reisen, um dort di« Kampagne zugunsten des Keren Hajssiod zu unter- Äit. Sei WftiknSkge Setufalenter Bekwaltuusrbezirk. Jernfalem, 13. November. (I. T. A.) Wie schmr mitgeteilt, ist Major Edward K c i t h - R o a ch, der bisherige Vizegouverneur des Norddistrikts, zum Administrator des Distriktes Jerusalern, der glt cinein separateir VcrlvaltungSbezirk anZgestaltet lvird, ernannt tvordcn. Major Keith- Roach, dessen offizieller Titel jetzt Dcputy District Commissioner ist, wird direkt dem Hauptsekretär der Palästina- Regierung verantwortlich sein. Er lvar bekanntlich eine zeitlang mit der Leittmg des Palästina-Departements des Londoner Kolonialamies betraut und hat zusammen mit Charles Luke das „Handbuch Uüii Palästina" yerausgcgeben. Major Campbell, der neue DistrikSzouverneur für iicit Süddistrikt, wird den Süddistrikt mit Ausschluß von Jerusalem weiter verwalten. Sir Ronald S t o r r s, der bisherige Gouverneur des Süddistrikts, ist hier eingettoffen, ccm gewisse Arbeiten zu beendigen, bevor er sich zur Ueber nähme seines Gouverneuramtes nach Cypern begibt. Sie Tagung des amerikaulschen MIsrachl. Washington, 13. November. (I. T. A.) Wie schon mitgeteilt, übte der Misrachi-FU)rer Rabbi M e i r B e rl i n, der eigens aus Palästina zur Tagung des amerikanischen Misrachi gekommen war, Kritik an der Exekutiv e, der er einen Teil der Schuld an dem Versagen der vierten Alijah zuschob. Noch schärfer kritisierte er die P a l ä st i n a - R e g il: r u n g, die, wie er sagte, hinsichtlich der jüdischen Einioanderung und der Fürsorge ficr die Einwanderer eine vollkommen passive Haltung einnehme. Herr Louis L i p s k y, der Präsident der Zionisttschen Organisation Amerikas und Mitglied der Zionistischen Weltexekutive, ergriff sodacm das Wort zur Begrüßung der Konferenz und führte aus, es bestehe jetzt ein intimerer ideologischer Zusammenschluß zwischen Misrachi und den allgemeinen Zionisten, indem das Programm des Misrachi in der Hauptsache in das allgemeine zionistische Programm nunmehr eingcschlossen ist. Zur Kmcferenz sind 320 Delegierte aus allen Teile' Amerikas eingetroffen. Feierliche ASffnung des Seim. Warschau, 18. November. Die feierliche Eröffnung deS Sejm und des Senats ist heute im alten Königsschloh durch den Senatspräsidenten borgenommen worden. Es ereignete sich kein Z w i s ch c n f all Minister Moraezewski legt fein Abgeordneten- Mandat nieder Warschau, 13. November. Der sozialdemokratische Arbeitsminister in der Negierung Pilsudsky, M o r a c z e w sk i, hat an den sozialdemokratischen Parteivorstand einen Brief gerichtet, ivorin er mitteilt, daß er trotz des Beschlusses der sozialdemokratischen Partei, . in die Opposition zu gehen, i n. d e r R e g i e r u n g verbleibt. Er sehe sich deshalb genöttgt, alle von der Partei ihm übertragenen Mandate, u. a. auch das Abgeordnetenmandat, niederzulcgen. ’ Dieser Entschluß Moraczewskis hat in sozialdemokratischen Kreisen B e stürzun g hervorgerufen, da Moraczewski über einen großen Anhang verfügt. Trotzdem hofft man aber, daß eine Spaltung der Partei werde vermieden lverden können. Äue neue Partei l« Polen. Warschau, 11. November. Gestern abends fand im Palais des Fürsten Janusz Radziwill in Warschau ein Encpsang statt, zu dem die Spitzen des polnischen Adels . geladdn waren. Der Empfang war eigentlich die Gründungsversammlung einer Konservativen P a r t e i i n P o l e n, die Fürst Janusz Radziwill schaffen will. Die neue Partei wird nach dem Vorbild der gewesenen Krakauer Konservativen Partei konstituiert. Jas neue Prehgefetz in Polen. Warschau, 13. November. Das erste Opfer der neueü Presseverordnung, die den Verwalükngsbehörden ein sehr weitgehendes Strafmandat über die Presse übertrug, war die gestrige Nummer der „Rzeczpospolita", die für eine Kritik der Aeuherungen des Vizepremiers Bartel über die Presseverordnung konfisziert wurde. Im Kampf gegen die neue Presseverordnung sind durchwegs alle Parteien (auch die Anhänger Pilsudskis, so der „Glos Prawdy"), bis aus die extremen Monarchisten einig. Begnadigung der MS'der von der Trebltschet Mühle. Prag, 13. Noventber. Der Präsident der Republik hat die zmn Tode verurteilten Mörder Karl und Auna Dvorak sowie Johann Fejt, die seinerzeit in der KohnmÜhle bei Trebitsch mehrfache Mo rde an polnischen Flüchtlingen begingen, begnadigt. Die Todesstrafe wurde in lebenslänglichen Kerker umgewandelt. wirken vorbeugend und lindernd die ärztlich erpiobten und empfohlenen SaaSlweaBap <* Knoblauchtropfen. Vorzüglich bei Frauen in den Wechseljahren. Preis 8 3.50, Erhältlich In allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, I. Stephansplatz.

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