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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-09 · Heft 2767 (9.11.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2767 (9.11.1926)
Date
1926-11-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Polen r SS groggy 1 \V i o n: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3 oder in oinorVerschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Fr ankroich. Belgien: Mon. Frcs. 3b Morgenseitung N*eh*ahlungon bei kreiserböbantfo« forbobfttten Rk. Wien, Dienstag, S. November ISS« (3. Nislew 5887). II—III— m—— II— ■ ————■—— ■■■■in.——— m 1 Preis gQ g | England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bulgarien:Mon.lOOLewa. S c hw o i z und das übrige Aasland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr : Tel. 31-209 VH., Lerehenfelderstraße 1 (Druckerei „Imra“) Oesterroichischea Postsparkassenkonto Nr. 160.693 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangefotztcS E gekennzeichnet. mmmmm Bl illtli Roch immer kein Friede in England. Arrangierte Verschwörungen. Die Lockspitzolruethodeo des Faschismus. — Protest Frankreichs und Englands. Gäbe cs in Italien freie Wahlen, sie könnten dem MussoliuiZmus keinen so schweren Schlag versetzen, als es die Entlarvung des faschistischen Provokateurs Ricciott: Garibaldi tat. Garibaldi mutzte eingestehen, daß er die in Frankreich lebenden Republikaner der faschistischen Geivalt in Italien ausliefern wollte, datz er gegen gute Bezahlung von der italienischen Polizeibehörde ausländische Verschwörungen gegen Mussolini inszeniert hat, endlich, datz er beauftragt war, die katalanische Bewegung für faschistische Zwecke auszunützen. Es ist Mo erwiesen, datz der Faschisrnus mussolinischer Prägung die jeweiliger: Konrplotte gegen seinen Chef selbst zurechtgemacht hat (und es ist mehr als wahrscheinlich, datz das letzte Attentat, bei dem ein jmrger Mensch sein Leben durch die grausame Lhnchmethode einbützte, eine „gemachte" Sache war); es ist ferner erwiesen, datz der Faschismus mit allerhand.Praktiken in mrderen Ländern unlautere, auf Schaffung von Unruhe gerichtete Propaganda betreibt; es ist endlich erwiesen, daß sämtliche Querelen der italienischen Regierung über die, angeblichen „U ob ergriffe" der ausländischen Staaten, die, in der Duldung der italienischen Emigranten bestehen sollen,, unbegründet sind, daß diese Klagen nur zu dem Zwecke erhoben werden, um durch die Schaffung von diplomatischen Verstimmungen jene Atmosphäre zu schassen. die diese expansive Bewegung der Gewalt für ihre dunklen politischen Ziele braucht, Was jetzt klargestellt wurde, lenkt die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf den Faschismus, der bisher als innere Angelegenheit Italiens angesehen werden konnte und macht es notwendig, das politische Erdbebenzentrum aus der Apcnninenhalbinsel, von wo eine neue Katastrophe über die Welt kommen kann, sehr genau im Auge zu behalten. Daraus ist auch das energische Verhalten Englands und Frankreichs gegen die „Maßnahmen zur Fremdenkontrolle" zu erklären, für die das letzte „Attentat" auf Mussolini den Vorwand bot. Ueber diese Mahnahmer: und die damit in Zusammenhang stehenden Proteste Frankreichs und Englands, die unmittelbar bevorstehen, liegen folgende Meldungen vor: Paris, 8. November. Nach den letzten Meldungen aus Rom hat die vom römischen Ministerrat beschlossene allgemeine Fremdenkontrolle in den Hotels der italienischen Orte bereits begonnen. Alle, die der Gegnerschaft des Faschismus verdächtig sind, werden ohne Rücksicht ans ihre Staatszugc Hörigkeit verhaftet. Zahlreiche Franzosen werden Wege:: ihrer politischen Gesinnung zurückgehalten. Frankreich und England werden infolgedessen eiire geineinfame energische Protestaktion in Ron: gegen die Bestimmungen der, letzte:: italienische:: Ausnah in egesetze, die auch Ausländer bedrohen, ut** ternehmen. Italienische Entschuldigungen in Paris. Paris >.8. November. Außenminister B ria nd empfing heute nachmittag den italienischen Botschafter Fvezzano, der sich. int Rainen der italienischen Regierung für die Zwischenfälle von Tripolis, Beug hast und Benti-, m i g l i a entschuldigte. Die,Unterredung dauerte m:r 25 Minuten und war äußerst kühl. Auch die Affäre Gart balde kam zur Sprache und Briand soll, wie verlautet, die Erklärungen des italienischen Botschafters in dieser Angelegenheit als gänzlich unzulänglich bezeichnet und deutlich zu verstehen gegeben haben, daß die sranzösifche Regierung nicht daran glaube, daß die italienische Regierung von der Tätigkeit Riceiotti Garibaldis nichts gewußt hätte. Der Wiener italienische Gesandte berichtet. Der italienische Gesandte, A u r i t i, erschien Sonntag vormittags im Auswärtigen Amt und hatte ■ mit dem; Generalsekretär Peter eine Aussprache über die Bori Sic Differenzen zwischen den Grubenbesitzern Die geschwächte Antoritstt London, 8. Novernber. Der Vollzugsausschuß des Bergarbeiterverbandes ist heute vornnttags zusammengetreten und hat die von der Regierung auf Grund der früheren Beratungen ausgearbeiteten Kompromißvorschläge geprüft. Nachmittags hat dann die Regierung den Exekutivausschuß der Bergarbeiter emfangem Auch der Generalsekretär der Trade Unions wurde eingeladen. Die zahlreichen Unterredungen des heutigen Tages haben das noch Samstag in umnittelbare Nähe gerückte Resultat, nämlich die Beendigung des Streiks in den Kohlengruben, noch glicht gezeitigt. Die Differenz zwischen den beiden Stwttteilen ist noch immer nicht völlig überbrückt, da die Bergarbetter Wohl heute regionale Verträge nicht mehr grundsätzlich ablehnen, chber auf der Einsetzung eines nationalen Gerichtshofes beharren, der die Regionalverträge je- Iveils zu prüfen und in möglichste Uebereinstimmung miteinander zu bringen hätte. Die Kohleuindustriellen sträuben sich gegen die Schaffung einer solchen PrnftrngsstcNc. Das<hat»auch die Regierung den Vertretern der Bergarbeiter mitgeteilt; diese haben sich Lernt erklärt, die Sachlage nochmals zu prüfen, doch Würden sie in keinem. Falle eine endgültige Beschlußfassung vornehmen, sondern überlassen diese eine" ' . neuerlichen Abstimmung unter den Bergarbeitern. Die Regierung Baldwin, welche durch den ungünstigen Ausfall der Gemeinderatswahlen gezwungen wurde, chre bisherige passive Halttrug, die einer stillschweigenden Unterstützung der Gruberlbesitzer gleichkam, zu ändern, ist gerade durch die bisherige Tattik eines Großteils ihrer Autorität gegenüber den Grubenbesitzern beraubt; es ist ihr bisher nicht möglich gewesen, die Bergwerksunternehmer zur An¬ und den Arbeit«« «och nicht iiberbriiNt. - der Regierung Baldwin. ttahme der Kompromißforuwl, die sie eigeMltch befürwortet, zu bewegen. Es hat dru Anschein, daß, ob nun der Streik beendet wird oder noch weiter geht, die Regierung Baldwin in jedem Falle der am meisten geschädigte Teil sein wird. Bezeichnend für bns Unbehagen, rmt den: man imch den Gemeindewahlen in den Reihen der Koirfervativen den nächsten Parlament swah len entgegensi cht, ist die Tatsache, daß Baldwin für den Posten des Vor stütze n b e " des konservativen Parteivorstandes, der zugleich Wahl Manager der Partei ist, f^chsiAüfagam erhaltemhat. ZruwSchluß Mußte der Notheffer des Kabinetts, der Unterftaatssekretär der Admiralität, Dav id so n, der bisher alle Gelegenheitsarbeiten zu verrichten hatte — darunter auch dr«^. die Pressebezprechmrgen der Reichskonferenz zu leiten — für dieses Amt ernannt werden. Davüsson ist M Fahre alt und war Privatsekretär von Bonar Law. Er Ä ein liebenswürdiger, sporttreibender Durchschmttseugländer und macht keineswegs den Eindruck eines „Organisators fre* Sieges". <£tts «eues HittderttiS. London, 8. November. Bei den heute abends ge« führwn Verhändltmgen zur Beilegung des KohlewkonMtes stellte sich ein ernstes Hinderuis eiu, da die Grubenarbeiter die Annahme des Achtstund-emtag-Gesetzes ablehnten und erklärten, daß sie mrür siebeneinhalb 'Stunden vorübergehend in gÄvissen Ausfnhrbezirken arbeiten würden In später Nachtstunde sind die Vertreter der Bergarbeiter noch in Dolvmrtg Street aMvesend. Infolge der Kmtstrenz mit den Bergarbeitern hat die Regierung neuerdings die Grube nbesntze.-r zu einer Besprechung geladen. fälle anläßlich des Vortrages des inzwischen zum Unterrichtsminister ernannten Professors B o d r e r o. Gesandter Auritt erklärte, datz er von diesen Zwischenfällen seiner Regierung berichten müsse. §i« ohrseigenber faschistischer Abgeordneter. Rom, 8. November. Die Blätter berichten von einem Zwischenfalle in den Wandelgängc> der Kanuuer. Der faschistische Abgeordnete Staraest forderte den sozialistischen Abgeordneten Boceoni auf, das Parlament zu verlassen; als dieser Einwendungen erhob, ohrfeigte er ihn und beförderte ihn mit Gewalt aus dem Gebäude. eine parlamentarische Niederlage der deutsche» Regierung. Bei der Beratung der Arbeitslosenuuterftützuug — Bemisfionsgeritchte. Berlitz 8. November. (Tell-Eomp.) Die Beratung über die Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung in: Reichstag nahm heute eine überraschende Wendung, die schon zu Gerüchten über eine bevorstehende Demission der Reichsregierung Anlaß gab. Man hatte allgemein mit der Annahme der neuen Kompromitzanträge der Regierungsparteien gerechnet, als plötzlich infolge der Unterstützung der D e u t s ch n a t i o n a l e it und der deutschen Volkspartei ein sozialdemokratischer Antrag aus E r h ö h u n g d e r Sätze angenommen wurde, der weit über den von der Negierung bereits bewilligten Kompromihvorschlag hinausging. Nachdem' der Neichsarbeitsminister unter allgemeiner Bewegung erklärt hatte, daß die Regierung den jetzt angeuornmenen Beschluß kaum würde durchführen können, machten die Regierungsparteien durch Verlassen des Saales das Haus beschlußunfähig, so daß der Präsident die Sitzung schließen muhte. Die in den Wändelgängen des Reichstages vechreiteten Gerüchte von einer beabsichtigten Demission der Regierung erwiesen sich schließlich' als unb egrün d-eü. Die Regierung wird die Angelegenheit nunmehr dem R e.i ch s r cc t unterbreiten. Keine passive Resistenz i« de« Bnuderbetrleben. Fy:Finauzministerrmn verhandelten gestern nacümit» tags FinanLminister Dr. Kienböck uuo Generalpostdivektor Hoheif-l imit den Vertreter:: der Technischen Union. Bezüglich der Hauptforderung nach Gewährung einer Notstandsunterstützung an die Staatsarbeiter konnte eine Einigung erzielt tverden. Allerdings Verden die Staatsarbeiter statt den geforderten zwei mrreinenWochenlolM alsRot standsaus hilf e erhallen. Dagegen wurde die Erfiillung einiger anderer Forderungen, welche sich auf Anrechmu^ von Berdienstzeiten fiir die Pension beztv. die Vorrückung beziehen, nicht erreicht. Wends fand eine Ve r t ra.u e n ä n ne r we rsammlnng der Technischen Union statt, in der über das Berhandlungsergebnis berichtet wurde. Es wurde beschlojssen, daß die Telegraphen- und TelephoumechanNe-r, um der Regierung zu neuen Verhandlungen Zeit zu lassen, nrit der m^edrohten pasfiveu Resistenz nicht schon heute um 8 Uhr morgens, solcher:: allenfalls erst rmr 12 Uhr mittags beginnen sollen. In den übrige:: Staatsbetrieben (Mürrzarnt, Staatsdruckerei usw.) wird, nachdem sich -die Regierung zur Bezahlung eines Wochenlohnes als Notstandsunterstützung bereit erklärt hat, jedenfalls no r m-a l griearbeitet werden. FinanMtnister Dr. K i e N'böck, der vor: diesem Beschlüsse Kenntnis erhielt, lud die Vertreter der Technischen Union für heute vormittags zu n e u e r l i che n Vewh-wavdlungen ein. H Ssnssttonallv Mbst-Knssdow «. Äwswatlal? Welflb. Leineiwareit, Herüst-Stolfe. Wäsche. StrlEü- Bnd MMmlc, I iljtrtliil Telephon 47*179,43-408 Eq Bros . kn detail SSW mi "!!?P"!?""!?>V "

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