Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2762 (4.11.1926)
- Date
- 1926-11-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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<&t. gm ä-ite« mm, Qmmtatw Stellet Storgenjetaiitg ‘ 4. dpc*>em6er 1926 1 JÜDISCHE WEIT ßutdeckuiig eia« historischen WMen Dokumentes. Die Londoner ,Mme8" veröffenttichten vor einigen TÄyetl em interessantes Dokument, welches vor kurzem in esrem MW» entdeckt wurde und sich auf Berhandlungsu bezieht, welche zwischen dm Amsterdamer Jude« und dem Führer der englischen Revolution Cromwek'l geführt wurden. Das Schreiben ist vom 4. Jänner 1666 datiert, würde in London geschrieben und enthält folgendes: „In den letzten Tagen verhandelte seine Durchlaucht sehr viel mit dem Bvlksrat über ein Abkommen vE den Amsterdamer Juden, welche hieher kamen und die Bitte vortrugen, ihnen das Wohnrecht und das Recht, hier (in England. Die Red.) ihren Handel zu entwickeln, zu gewahren. Die Juden legen der Re- , gierung große Handelsplane vor und stellen hohe Steuern ' in Aussicht. Sie erlegen gleichzeitig für die Kathedrale \ St. Paul den Betrag von 200.000 Pfund. Sie machen sich erbötig, die Londoner. Kathedrale, wekhe stricken Schaden erlitten hat, auf ihre Kosten umzubauen, um dort wohnen und auch eine-Synagoge errichten zu können. (Die Kathedrale verfügte über eine ungeheuer große Brü»enfläche. Die Red.) Diese Vorschläge begegneten nicht nur ans Seite einiger Ratsmitglieder, sondern auch bei dm Vertretern des Klerus, welche Cromwell zu einer besorweren Beratung über die Vorschläge der Amsterdamer Juden eingeladen hatte, heftigen Widerstand. Die Meinungen, waren sehr verschieden. Einige sprachen die Befürchtung aus, daß die Juden auf die guten Christen einen schlechten Einfluß üben könnten. Andere wieder vertraten.den entgegengesetzten Standpunkt und befürchteten, daß die Christen die Juden wegtaufen wLrt>an. Die Ansicht Cromwells ist bisher nicht bekannt und die Verhandlungen wurden für einige Tage unterbrochen, doch herrscht die Meinung vor, daß die Joden eine günstige Antwort erhaltm werden." Tatsächlich haben diese Verhandlungen, wie ja aus dtzr Geschirre bekannt ist, später zu einem günstigen Ergebnis gWhrt. SÄevkseier kn der Berliner Lehranstalt skr die Wissenschaft des Judentum». Aas Berlin meldet die I. T/A.: Die Lehranstalt für die Wiffeusthaft des Judentums hielt am Sonntag, den A- ORbber eine feierliche Gedenkfeier für den verstorbenen Dozenten Dr. Marttn Schreiner und die verstorbenen Kuratoriumsmitglieder Gehermrat Meyer, Geheimrat M o s s e und Weiß ab. Gehermvat M e h e r war lauge Jcchre im preußischen Eisenbahndienst und ein warmer Förderer der Bestrebungen der Hochschule. Geheimrat: Masse, ein Prüder des Verlegers des „Berliner Tageblatt", O'berlandesgerichtsrat in Königsberg und zuletzt Stadtrat in Berlin, hat Jahre hindurch für die Lehranstalt gewirkt. Kurator Weiß, der Vater des Chefs der.Berliner Kriminalpolizei, Regierungsdirektors Tr. W e iß, der auch seinem Vater im Amte als Kurator gefolgt ist, hat in besonders' aufopfernder Weise viele Jahre die Finanzgeschäfte der Anstalt geführt. Dozent Schreiner, ein hervorragender Gelehrter, der aus Budapest nach Berlin berufen war, hat nach wenigen Jahren überaus segensreicher Tättgkeit wegen einer schweren Nervenerkrankung, der er jetzt erlegen ist, sein Amt niederlegen müssen. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Baeck. Die sinteMgen» der Mische» Nawanderer k« Amerika. Die chauvinistischen Gegner der freien Einwanderung m Amerika haben, als sie das neue Einwanderungsgesetz durchpeitschten, als wichtigstes Argument für die Bevorzugung der „nordischen" Einwandrer die Theorie ins Treffen geführt, daß die „lwrdische Rasse", die Nordics, an Intelligenz alle anderen Einwanderungselenrente übertreffen. Di« Presse der durch diese sozusagen gesetzlich sanktionierten Behauptung tief verletzten Einwandererschichten loies die völlig unbegründete Zurücksetzung zurück und begann selbst Untersuchungen über die intellektuelle Qualiiitat der Einwanderer und ihrer Kinder anzustellen. So veröffentlichte vor kurzenr der Newyorker „World" die Ergebnisse einer Untersuchung, die das frühere Mitglied des „National Resiarch-Comittee", Dr. Nathaniel M. Hirsch, an 5500 Schulkindern in New England vvrgenonrmen hat. In die Untersuchung wurden nur Kinder im Auslande geborener Eltern einbezogen. Dr. Hirsch kommt nun zu dem Schluß, daß die Kinder der Jude n aus Polen den höchsten Grad von Intelligenz aufweisen. Ihnen folgen die Schweden, dann die Engländer, JM« nMhen Juden, die Deutschen, die Amerikaner, Littau-er, Iren, britischen Kanadier, Russen, Polen, Griechen, Italiener, fvcmzöfffche Kanadier, Neger und ^rtugiesen.( 9to «Obern« jüdisches Stzmuafiu« in Pinsk. Aus Pinsk wird uns geschrieben: Unsere Stadt, aus welcher eine ganze Zahl hervorragender Juden hervorgegangen ist, konnte vor kurzem ein schönes jüdisches Kulturfest begehen. Das Gymtzastum der „Tarbuch", das bisher in verschiedenen unzulänglichen Gebäuden untergebracht ivar, konnte sein eigenes großes Anstaltsgeväude beziehen. Das neue Gymnasium entspricht allen Anforderungen moderner Pädagogik und Hygiene und bietet Raum für 800, Schüler. Die hiesigen Juden sind nicht wenigstolz darauß daß die Kosten dieser Musteranstalt im Betrage von 50.000 Dollar in der Stadt selbst durch Gymnasialdirektor Mazur im Verein mit dem Elternkomitee ohne jede Subvention der Darvuth-Zentrale oder des Auslandes aufgebracht werden können. Brvh-Hauvar. Zur Feier des Jahrestages der Balfour-Deklaration versammäten sich am Dienstag, den 2. November, fast 200 Jugendliche im großen Saale der Sozialen Hllfsgemeinschaft. In einer kurzen hebräischen Ansprache betonte Zlvi Huber die Bedeutung der Balfour-Deklaration für das jüdische Volk. Nach Absingung des „Techezaknah-Liedes" hielt Dr. Stephan Krauß ein Referat über die Lebensformen der jüdischen Jugendbewegung. Er analysierte die verschiedenen Jugendbewegungen, so den deutschen Wandervogel, den englischen Boy-Scout und die Arbeiter-Jugendbewegung, und zeigte in ihnen die Elemente auf, die in der jüdischen Jugendbewegung verwertet werden können. Dr. Krauß sicht im Wandervogel das ästhetische Element als das charakteristischeste an, im Boy-Scout das prattisch-rationalisierende und in der Arbeiter-Jugendbewegung das politisierende Element. Die jüdische Jugendbewegung müsse noch demgegenüber einen Ueberbau schaffen, in dem die Ganzheit des Seelischen, die Krauß als das Spezifisch-Jüdische betrachtet, den jugendlichen Menschen erfüllt und ihm zum Erlebnis wird. Nach dem Referat eröffnete Jehoschua Vierer eine Diskussion über verschiedene Probleme der Jugendbewegung. Anschließend an die Jugendversammlung fand eine Delegiertensitzung statt, an der die Vertreter der Brith Hanoar-Bünde: Tcheleth Lawan, Haschomer-Hazair und Brith Hamischmar, ferner die Vertreter des Hechaluz, des Verbandes der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend, der Hitachduth-Jugend und der Schulgemeinde des Jüdischen Realgymnasiums teilnahmen. Nach den Berichten der einzelnen Gruppen kam die Frage zur Erörterung, ob im Rahmen des Brith Hanoar auch Erziehung zur zionistischen Galuth -Arbeit möglich sei oder ob der Brith Hanoar sich nur auf die Vorbereitung seiner Mitglieder für Palästina konzentrieren soll. Es wurde beschlossen, einen konkreten, für die Wiener Gruppen verbindlichen Erziehungsplan auszuarbeiten, dessen Grundtendenz die Vorbereitung für Palästina bilden soll: Für Zwei' In neuer, künstlerischer Ausstattung reich illustriert 1. Irma Singer Das verschlossene Buch m. Nachwort v. Max Brod und 8 färb. Lithogr. v. Koacl-Gibaon in Ganzleinen geb. S 7.20 2. Sammlung preisgekrönter Märchen und Sagen Hrsg. v. der Jugendschriftenkommission des U. O. Bnei Brith rn. 6 Tonbildern u. 12 Textillastrationen v. H. Grobet in Ganzleinen geb. S b.— I Die sdiönslen Hlndergesdienhe? Die Kinder finden hier den Weg zu noanami Mol Krad mm n. IÖH1T, RIEH i. JRotenturmstraße 22. ' Er gabreskonferenr her Stoniflett West. Kleinpolenr und Schlesiens. Ans K r-a-k Q.il wird uns berichtet: Hier fmÄ die JÄhres-konferenz der Zionisten WÄst-Kloinspolerrs «rtfo Schlesiens statt, all der 231 Delegierte <ms 60 Sttrdtm teilnaihmon. Zum Präsidenten der Organisation lnunde Aihgeorditeter Dr. Osias Thon -gewüW, zum PM. deuten der Ex-ekuttve Dr. Juda Z i m an e r m a n n, zar DlzeprÄsi'de'ltten Dr. -Osias Herschdörfer und Dr. lItwon FelMum, zu Mitgliedern der Executive: Dr. Samuel Wahrhaft ig, Maximilian L a u t e r b a ch, Magister Leon S a -l p e t e r, Dr. R. F el d s ch u h und Dr. Kalman St ein. Beschlüsse d« Partei« t« der Bnio winaer zionisten. Aus Ezcrnowltz wird uns geschrieben: Sonntag, den 24. Oktober, fand im Sitzungssaal der Kultusgerneinde eine Sitzung des Parteirates der Bukowinaer zionistischen Landesorganisation statt. Bei dieser Sitzung wurde die Debatte Mer die bei der Parteiratsitzung am 10. Oktober crstattetcu Referate Mer „Die Lage in Palästina" und „Die zionistische Arbeit im Lande" fortgösetzt. Es wurde beschlossen, die zionistische Landeskonferenz im März, spätestens April 1927 einzuberufen. Bon den sonstigen Beschlüssen sind noch hevvorzuheben: Der Parteirat spricht sich prinzipiell für die Schaffung einer einheitlichen zionistischen Organisation. Großrumäniens aus. Der Parteirat beschließt aufllärende und werbende Propagandaaribeit in alle Kreise der Bevölkerung zu tragen, um die zionistische Volksbewegung zu stärken. Zu diesem Zwecke wird das Bureau der zionistischen Landesorganisation angolviesen, einen Propagandaplan auszuarüeiten-, den auszuführen jedem Mitglied der zionistischen Organisation zur Pflicht gemacht wird. Der zionistische Parteirat fordert alle Zionisten, Cernautis auf, dazu beizu- - tragen, das; der Safah Jvriah ermöglicht wird, in kürzester Zeit das Kulturhaus in der Synagogengasse zu eröffnen.. Der am 24. Oktober l. I. in Cernauti tagende große zionisttsche Parteitag dankt denk Deputierterr Dr. Mayer Ebner für seine mühe--und aufopferungsvolle Tätigkeit, erklärt sich mit seiner Politik einverstaliden, drückt ihm das Berttauen aus und verspricht, ihn auch in Zukunft mit allen Kräften zu unterstützen. 29.096 jüdische Arbeiter in Palästina. Dieser Lage wurde, wie die I. T. A. aus Tel-Avis meldet, das Ergebnis der am 1. September 1926 vorgenammenen ZLHumg der jüdischen Arbeiterschaft derösfentlrcht. Darnach beträgt dre Gesamtzahl der jüdischen Arbeiter 29.096 Personen. Bühne md Kunst. Thaller in Schönherrs „Erde". Bnrgtheater. - Thaller spielt jetzt den alten Grutz liitb schafft eine Figur von höchstpersöülicher, unnachahmlicher Prägung. Dieser Bauer ist ein Aristokrat. Das Bauerngewand ist vornchm, weil er es trägt. Die Befchle an die Knechte sind bezwingend, weil er sie erteilt. Leichthin, ruhig, kühl — aber endgültig, unabänderlich. Sein „älter Teufel"' ist ein sympathischer Lebenskünstler, kein böser Dämon. Er hat Liebe in sich. Für den Gaul, für den Ackev, für den Wald. Nicht für den Sohn, dessen Uneignung, sein Erbe zu sein, er verachtet. Thallers Grutz ist weniger hart, als „auf sich selbst gestellt". Keiner, der. sich ans Dasein klammert, aber es voll genießt, seiner Genußfähigkeit froh ist und sich herrlich abfindtt, wenn er unter den Raserr soll. Ganz ohne Komödiantentum aus innerer Kraft gestaltet. Eine Meisterleiswng, die durch die Tauglichkeit des Ensembles voll zur Geltung kommt. Meierhofer, der seinerzeit ein respektabler alter Grutz war, ist ein wundervoller, in seiner Plumpheit und Glücklosigkeit rührender Sohn des „lebfrischen" Alten, die monumentalen Leistungen der Frauen Bleibtreu und Mayer sind längst gewüttngt, und Herr Anderson spielt sich mit seinem charakteristischen Raßknecht in die vorderste Reihe. O. A. Sitte Kollektivausstellung iuuger Stofet in Setnfolem. 8Lus Ae r-ü sa l ern wird uns geschrieben: Vor kurzenr fand 'Ijicr kirre 'Kollektivausstellung dreier "junger ^Künstler statt, die wohl einen bedeutenden künstlerischen, leider aber teilten materiellen Erfolg hatte. Ähr berncttenswertes Talent und malerische Eigenart beimesirr die Bilder Und' Graphiken von Arjeh All weil, der die Wiener Mrdemie für bildende Kunst absolviert hat. Besonders stark ausgeprägt ist das Farbengefühl Allweils, das einigen seiner palästirrensischen Bildet das charakteristische Lokalkolorit verlieh. Zu den besten seiner Bilder gehören die Oelbichev ,,Jn Haifa" und „Straße in Jemsalentt^, das zu Peffach 1926 auf Packpapier für Beth-Alpha gemalte Bild ,Hvrätanz" und die Kreidezeichnung „Baumpflege". Die Stärke von Basia Lischanski liegt zweifelsohne in der Bildhauerei. Ihre Malereien sind meist nur Hilfsmittel für ihre Bildhauerkunst. Ihre Haupteigenschaft ist die Bemühung, die Bewegung als Ausdruck innerer Gefühle darzustellen. Sehr schön die Gruppe die drei verschiedene Typen jüdischer Arbeiter in Palästina symbolifievt. Und eine kleine HolzschiytzeM „Der Kuß", in der 9797