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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-03 · Heft 2761 (3.11.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2761 (3.11.1926)
Date
1926-11-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 SE&fett, Mittwoch Wiener Morgenzettrmg 3. Novomiber 1626 Nr. 2761 Sühne und Kunst. ßoppelia. (Neueinstudierung im Operutheater.) Mit der Stillegung des Opernbetr-ei'^-.: im '.'c^rttert-'- jaal mußte das Ballett i,: ,'e.n '.ccett-cu Privö^um? «er oper rückübersiedelu, :ncht gerade zum RiechW «nd Frommen des Tanzdramas von herttc, welche irach der Kammermerbühne :n:d derer: intimen Mrkungen »erlangt. Doch auch das gute alte Mozart'sche Tmrzsprel ^8 es petits riens" büßt im Operntheater an Wirkm^ ein und in Ätrawrnskys „Pulcinella" vewufft gar manches von den launigen Klangrmmrcerr. Besser ftttbct sich Delibes' „Coppelia", das Mädchen mit den Glasaugen, das ja geradetvegs von der großen Oper berkommt, im Riesenraunc zurecht. Me so viele Ro- «narren, wie Andrm: in seiner „Puppe", wie Debussy m seiner „Spielzeugschachtel", wie der Wahlsrauzose Offen- Vach in „Hoftnanns Erzählungen" hat sich auch Delibes ir: seiner „Coppelia" von dem Kindsheitstraum von der lebendig und Mensch lverdender: Puppe inspirieren lassen. A>.-> Franzose hat er hier die Wiener Walzer ebenso fetv rimentalisiert wie die slawischen Tänze und doch hat er auch wieder die Drollerien und Romantizismen — ir: der kleinen Nachtwächtcrszene — der frischen Musik mit'klanglichen Pikanterien gewürzt, die in den hübschen Märchen-> lulbctu der Bühne und in den von Ballettmeister Kr ö l-* lers cinstudierten Tänzen den geeignete:: Hinter- und Untergrund erhielten. Die Kinder, die sahen und hörten es gerne, und den alten Ballettonkeln mußte das Herz im Leibe lachen, daj die Gusti Pichler artig ihre Pas tanzte und zierlich hüpfte und schwebte, nickte und lvippte. Man schwelgte in allen Seeligkeiten einer rosenroten und himmelblauen Zeit und applmidievte der: Ballettschöner: und dem Kapellmeister Klein. Ob nicht aber das Wiener Opernballett in unserer Zeit einer neuen Hochblüte des Tanzdramas und Dranwletts. dringendere mW zeitgemäßere Ausgaben zu erfülle:: hätte rls alte höftschc Ballette nei: auf den Glanz herzurichten?; flb. Am de» Ämter«. Bm-rgthearer. Morgen, havb 8 Uhr: „Evd-e" bAbontiemeni' 4. Gruppe). AkadeMretheaLer. Morgen, halib 8 Uhr, zum eristen Mate: ,Madelon"» Schauspiel von Jean Sarment, deutsch von Berta Z-uckerLrrM. Operntheater. Morgen, halb 8 Whr: „Der Dajxrzso". BoLLZoper. Morgen .Loheng-eÄn" mit Kammersänger Hubert Lener in der Titelrolle. Deutsches Volksthrater. Freitag EostaumÄhrung von Caril Steinheims Fkomodie ..Bürger Schippel".. — Das englische Lustspiel „Trixie" von Co-mo Hamilton wurde zur Ausführung in dieser Spielg-eit angenommen. Bohann-Strautz-Theater. Freitag Erstaufführung der dreiaktigen Operette Alexandra" von Wert S z i r m a i. Der Textdichter Franz Marios und die deutschen Bearbeiter Paul Frank und Peter Herg nehmen an den letzten Vorbereitungen teil. Der Komponist, der seit einem Jahre in Newyork lebt, wird zur Premiere erwartet. Heute und morgen „Adieu Minri!" als Abendvorstellung. Sonntag als Nachmittags-Vorlftellnng. Kammerspiele. Frau Eva Ftebig von der deutschen Volksbühne in Berlin tritt ihr Engagement in der nächsten Novität als ^Herzogin in „McMorough zieht in den Krieg" cm.^ Kamm e rsp iele. Mortzen findet als Nachtvorstellung die Premiere von »Das Mädchen auf dem Diwan", Schwan? von Andre Birabeau und Lucien Monseigneur, deutsche Bühnenbearbeitung von Robert Blmn, statt. Begi »u 10 Ühr 10 Min. Die Abendvorstellungen der Kamine rspiele beKnnen nunmehr u-m hallb 7 Uhr. Eine Hauptwann-Uraufführung in Men. Me uns aus Berlin berichtet wird, hat sich Gerhart Hauptmann mir Max Reinhardt dahin geeinigt, daß die Uraufführung von „Dorothea A n g e r m a n n" nicht in Berlin, sondern in Wien im Theater in der Jösefsiadt statffinden soll. Das Moskauer jiddische Kammertheater Absolvierte mit außerordentlichem Erfolg ein Gastspiel in Leningrad. Zur Aufführung gelangten: ,200.000" („Der große Gewinn") von Schalom Alejchem, „Das zehnte Gebot" von Goldfaden und „Bei Nacht auf dem alten Markt" von I. L. Percz. Die gesamte Presse zollt dem Theater und den einzelnen Künstlern uneingeschränktes Lob. Gedächtnisausstellung Lovis Corinth. Die Eröffnung des ersten Teiles der Gedächtnisausstellung Lovis Corinth, die eine große Är^ahl von Aquarellen mä Handgeichnungen sowie nahezu das gesamte graphische Werk des MÄsters umfaßt, findet Sonntag, Len 7. Noveinber, in den Räumen des Hagenbmndes statt. Der allgemeine Einlaß beginnt um t Uhr. Beredte, BortrSge «ad Bersammlangea. OrganisaS'wn zionistischer Frauen Oesterreichs. Donnerstag, den 4. November, halb 6 Uhr, im Klubloikal der Hakoah, 1. Beg., Wipplingerstratze, Sitzung der Vertreterinnen der Bezirksgr Uppen. — Zionistische Jugendgruppe Leopoldstadt, 2. Bez., Zirbusgasse 33. Heute, präzise 8 Uhr, Plenarversammlung mit Referat. — Donnerstag, 8 Uhr, Geschichtsseminar. — Freitag, 8 Uhr, Lichaih. —Wiener Bety-Harnidrasch, 2. $8e$., Tempeitgasse 3. Heute, 6 Uhr, Lektor Dr. GölbhauS: „Liturgie"; 7 Uhr, Lektor Dr. S. Ruh in: „Die Philosophie des Maimonildes, <Änn und Bedeutung der bi'Mschen Gebote." — Leopoldstädter Bolksheim, 2. Bez., Zirkusgasse 48. 7 Uhr: Humor in dex deutschen Dichtung. 8 Uhr: Maischinerckau. — Maimontdes-Jnstitut, 3. Be«.. Hetzgasse 40. Heute, 6—7 Uhr: Dr. A. Kaminka: More NÄuchim. 7—8 Uhx: Dr. N. Goldstern: Dalmudijsches Eherecht. — Jüd. Berein „Nord-Ost", 2. Bez., Dabovstraße 21a. Heute, um.8 Uhr abends, hält Herr Prof. Dr. BAtor Kellner, Direktor deS jüdischen Realgyrn-nasiurns, einen Vortrag Mer ..Das jüdische Kind." Eintritt frei! Gäste ivUkommcn! — Zionistische SeMon „Landstraße". Heute, Mittwoch, %8 Uhr, Ausschuhsitzung; hallb 6 Uhr: Bericht über den Delegiertenrag von Bruno Ralbinowksi. Hierauf Aussprache über zionistische Gegenwartsarbeii 5onlier3ngvbol 6« viiedersc««emme d LÖWIT, WIEN, I. RotenturmstraSe 22 Herrlich ausgeRt-\tteie Gaazleinenbändc mH Goldaufdrttek aas der ftammlnn«': „Das neue Svtcüb».M _ O gßT rar Schimn« Dostojewski i Erniedrigte and Beleidigte, 427 Seiten. — Verbrechen and Strafe, 708 Seiten — Memoiren atu* einem Totenhaus, 403 Seiten. — To/Stoi; Kreuzersonate, 110 Seiten. — Turgenjew: Aufzeichnungen eines Jägers, 230 Seiten, -r- Flaubert: Bouvard und Pecuchet, 320 -S. Gogol: Mirgorod, 305 Seiten — Die toten Seelen, 416 Seiten — Abende, 280 Seiten. Huysntan Tief unten, 300 Seiten — Gegen den Strich, 200 Seiten. Nützen Sie diese nie wiederkebrende Gelegenheit! Gericht»;aal. Ser Wiche Autooukall des Rechtsanwaltes Sr. Sieber. Statt 110.006 Schilling 10.090 Schilling Schmerzensgeld. Bor einem Senat des Wiener Zivillandesgerichtes unter Vorsitz des Hofrates Kresta fand gekiern eine Schadenersatzklage statt, welche die Angehörigen des durch einen Antvmobilnnfall ums Leben gekommenen Rechtsanwaltes Dr. Hermann Sieber gegen die Firma Belcaar angestrengt hatten. Dr. Sieber wurde am 2. Juni ’ gegen 1 Uhr mittags in der Landesgerichtsstraße beim Uebersetzen der Straße von einem d'er beklagten Finna gehörigen Auto, welches der Chauffeur Leopold Philipp gelenkt hatte, erfaßt und in einem fürchterlichen Zustande zunächst auf die Unfallstation und dann in ein Sanatoriun: überführt. Dr. Sieber hatte einen schweren Spiralbruch des rechten Schenkels bis zür Hüfte, einen Bruch des linken Armes, Hautwunden schwerster Art am Unterkörper, eine Abreißung der linken Ohrmuschel sowie eine Zertrümmerung des Kiefers erlitten. Der Verunglückte ist nach Amputierung des Schenkels unter entsetzlichen Qualen infolge Blutvergiftung und Lungenbrand am 2. Septenibcr gestorben. Trotz aller angewe:ck>eten schmerzstillenden Mittel war es nicht möglich, die Qualen linder.: und Dr. Sieber geriet vor Schmerz in förml:u)e WaLnsinnsparo xismen, in welchen er die Bettwäsche zerriß. Seine Schwägerin gab sich zu einer Bluttransfusion her, doch konnte auch dies keine Hilfe mehr bringen. Der Unfall ist, wie der Klagevertreter ausführtc, auf das übermäßig rasche Fahren des Chauffeurs zurückzuführe::, gegen den die Strafunterftichung noch läuft. Hie Klage begehrt Schmerzensgeld in der Höhe von 50.000 Schilling für die erste Woche, 59.000 Schilling für die zweite Woche und 10.000 Schilling für die Zeit bis zum Tode des Verunglückten. Außerdem sind rroch Klagen wegen Heilungskosten und wegen Versorgnngsansprüche der Hinterbliebenen anhängig. ' Der Vertreter der beklagten Firma, Dr. Lewitus, führte Ms, daß der Chauffeur Philipp am Tage vor dem Unfälle erst aufgenomnren worden sei, sich nicht rechtzeitig, wie es die Betriebsordnung vorschreibt, gemeldet habe und deshalb zur Zeit des Unfalles nicht mehr in Diensten der Firnm gestanden sei. Im übrigen sei auch SelbstveschuldcndesVerunglückten Vorgelege»:. Die behandelnden Aerzte erklärten übereinstimmend, daß ihnen in ihrer langjährigen Praxis noch kein derartiger Fall vorgekommen sei, daß ein Patient solche unsägliche Schmerzen zu dulden hatte, ivie Dr. Sieber. Der als Partei vernomn:ene, wegen Schnellfahrens wiederholt vorbestrafte Chauffeur Philipp gab zu, in eine:n Tempo von 20 bis 25 Kilometer ohne Hupensignale zu geben, gefahrei: zu sein. Auch war er geständig, nach dem Unfall nicht stehen geblieben, sondern ohne Unterbrechung bis nach Linz gefahren zu sein. Der Charrfseur erklärte jedoch, daß auch den Verletzten ein Verschulden treffen müsse, weil er die Straße statt senkrecht, quer überschritten habe. Der Klagevertreter schränkte hierauf den Schmerzensgeldanspruch ftir die erste Woche ans 20.000 Schilling ein. Der Senat verurteilte die beklagte Firnia zur Zahlung eilten Schmerzensgeldes in der Höhe von 10.000 Schilling. In der Begrirnduntz führte der Vorsitzende aus, daß der Gerichtshof geteiltesVerschulden angenommc»: habe. Der Gerichtshof hat ein Schmerzensgeld von 200 Schilling pro Tug für angemessen erachtet, so das; ein Schmerzensgeld von 20.000 Schilling zuzusprechen war und hat mit Rücksicht auf das angenommene Mitversch::lden des Verunglückten jedoch nur die Hälfte zugesprochen. K»e UrteUsbegrÜnduag eines preußisch e« Gerichtes. Breslau, 2. Novsmlber. (I. T. A.) Das Amtsgericht Oels verurteilte einen Bauern aus dom Kreise Namslau zu lsechs Monaten Gefängnis, weil er zwei Qstjuden, die ohne Patz die deutsche Grenze üLer'schntion haben, mn Avbsit und Brot zu suchen, mit Nahrung bewirtet und ihnen den Weg gezeigt hat. Ir: der schriftlichen UrirÄLibegrün-bung wird angeführt, daß das Vergehen des Angeklagten u<m so verwerflicher sei. a>l8 es sich um Ostjudon handle, die erfahrungsgemäß zu prodicktiver Aitbeit in der Regel außerstand" seien. Ein bedvrrklichM Haarfärbemittel. Vor einiger Zeit wurde bei dem Friseur AidÄf N efzger, der die Generalvertretung de-c von der Pariser Firma LWroa l erzeugten kosmetischen Mirtel inne hat, ein Haarfärbemittol als obdo»Mch beanständet un-d einer genauen Analyse durch die Untcrsuchungsu n.staii für Lebensmittel zugeiführt. Es ergab sich, daß diiüses unter ^em Namen „Virage" in den Handel gebrachte Haarfärbemittel eine Zusammensetzung hatte, die geeignet lvar, gesundheitsschädlich zu wirken. Gegen Nefzger tettfoe eine Anklage wegen fahrlässigen Verkaufes gesunLheitsfchÄ>Ncher kosmetischer Mittel nach dem LeibenAmitieLgesetz erboHen. In der gestern vor dem Bezirksrichter Dr. Derg-.-^ vurchgesWrten Verhandlung stellte der AngfAagte jedes strafrechtliche Verschulden in Abrede. Er gab an, daß die Firma L'Oreal <ruf dem Gebiete der Erzetligung von Haarsärbe-miLteln eine erste Firn:a aus dem Kontinent sei ::nd wies auch mehrere Atteste über das Haarfärbemittel vor. Nach Einvernahme eines Sachverständigen verurteilte der Richter de:: DeschuDigter: zu einer Geldstrafe von 50 Schilling, eventuell got 24 Stunden Arrest. Die anläßlich der Revision beschllagnahunen 26 Schachteln mit dem betreffenden Haarfärbemittel wrrrden für verfallen erkiärt. Bollswirt. SeMonschef BaernKa« — Vizegouvernem der Postsparkasse. Der Vurckespräsident hat den Sektionschef des Bundesministeriums für Finanzen Ludwig Baernklau znm Vizegouverneur des Postsparkassentz m t e § ernanr' Im Zuge der von: Präsidenten der Nationalbank Dr. Reis ch übernommenen Reorganisation der Postsparkasse ist vor einigen Wochen der bisherige Vizegouverneur dieses Amtes Dr. Klimesch, den man mit der Verantivortung und der Schuld für diverse Verlustgeschäfte dieses Instituts belasten will, auf Urlaub gegangen, von dem er nicht mchr auf feine Stelle zurückkehrt. Dein Personemvechsei im Postsparkassenamt soll nun bald auchcinc völlige Umstellung Nachfolgen, die sich im Wesen als eine Rückkehr zu der nach dem alten Statut d-- Postsparkasse gebotenen Gestion darstcllt Bor dem Ende der Steirer Laak. 0 Die unter Patronanz der Lodenkreditarsitait stehende Agrarbank in Graz äichert, ime berichtet, ihren Nänicn in Bank für Steiermark. Es sind nun Bestrebungen im Zuge, die Steirer bank, deren Schsmerigkeiten aus dein Zentratba::kuntersuchungsausschnß bekannt sirttk, in den Jnteressenkreis der BodenkreditanstaÜ hinüberzuretten. Zu diesen: Zwecke beruft die SLeirerbank für den 15. d. M. eine Generalversammlung ein, in der der Verwaltungsrat ermächtigt tverden soll, eine Jnteressel:geme:nschaft mit anderen. Instituten vorzubereiten. Uitter diesen andere:: Instituten ist wohl die neubenannte Bank für Steiermark bz:o. die Bodenkreditanstalt gemeint. Der britische Wemiekomern: Sir! iMsved Mond Präsident^ Lord Reading Direktor. Die Bildung des Konzerns der vier größten chemischen Jndustrieunternehminlgen Englands, über der: wir jungst berichtet haben, ist nunmehr, wie aus London berichtet tvird> in der dortigen Presse offiziell kundgemacht ivorden. Aus dieser Mitteilung geht hervor, daß unter der Firmabezeichnung „Imperial Chemical Jndustry Ltd." die Firmen Brunner, Mond and Comp., Nobel-Industrie Ltd., Universal Alkali Company und British Dyestuff Corporation vereinigt werden. Die Aktionäre der vier genannten Gesellschaften tverden zum Eintausch ihrer Aktten aufgefordert; sobald dieser stattgefunden hat, svird sich das Kapttal der Imperial Chemical Jndustry Ltd. aus 56,802.996 Pfund Sterling belaufen, die in mehr als 16 Millionen siebenprozentige Zusatzvorzugsaktien und mehr als 31 Millionen gervöhn-' liche Aktien zu je einen: Pfund Sterling sowie ungefähr

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