Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2753 (25.10.1926)
- Date
- 1926-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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| Polen: 25 groszyl Wion: Zorn Abholen In der Expedition, ll.,Tabor»tr 1-3 oder in einerVerschleiflatelle (Trafik) monatl.ö Schilling Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. I.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien Und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheche-Slowakei: Mon. K 22 Jugoslawien: Mon. Din. 60 Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Om. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frca. 35 Nach * ab l o b peo bei Pr?tsarhflhanpen »orbehalteo Nr. 9758 arhflhanpen »orbehalteo tetiec 1 Preis gO g| E n g I a n d: Mon. 4 Schilling. Italien: Monat!. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bulgarien.-Mon.IOOLewa. S c hw e i * and das übrige Aasland monatlich Free. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Tnborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 48-3-19 Ab 6 Uhr: Tel. 81209 V1L, Lerchenfe'deratraße 1 (Druckerei # Inva") Wien, Montan, 25. flftober 1926 (17; Ltzefchwa« 5887). Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr 150 693 8. nofitflflnfl PalWna tut! die brUche Keichrlonserrttz. Keine BeHrndlnag der MaudMrage. Fm redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Im 72. Lebensjahre. Die jüdische Welt und die Welt der Wissenschaft sind von einem schweren Schicksalsschlag betroffen worden: am Sonntag nachmittags ist Hofrat Prozessor Dr. Salomon Ehemann plohlich an Herzschwäche g e st o r b e n. Er stand im 72. Lebensjahre. Die Forschung beklagt den Verlust eines führenden Klinikers und Dermatologen, das Judentum betrauert einen seinen treuesten Verfechter. » Gelegentlich feines 70. Geburtstages hat die „Wiener Molg.nzeitung" die Verdienste Professor Ehr» «manns um «die med-^-inische Wissenschaft eingehend gewürdet und seine Bedsudunig für die jüdische Sache heivorge'hoben. Obzwar er nicht int strengsten Volltischen Sinn dem V kenn-erkreis der nat'ionaljlidischen Bewegung angehörte, dar er es doch nicht bei der bloßen Zugehörig- Fett zum Judentum dewenden lassen. Er war ein stolzer Sohn des Volkes und bat jüdisickus Empfinden und jüdischen Geme-insinn stets durch die Tat bewiesen. Die Palastinaidee hat er in ihrer vollen 'Große erkannt und in heißen Worten bat er im April 1084 die Eröffnung der Mwusalemex hebräischen Universität begrüßt, die er als Konzsntrationspunkt , jüdischen ... geistigeni; ...StrebWD. feierte. * E h r nt a tt tt wurde am 19. De'embrr 1854 in L st r c- Ivetz, einem ll'incn böhmisthen Dorfe, geboren, besuche d«S Gymnasium in Pi sek und widmete sich zurrst dem Studium der Kunstgeschichte. AuS äusprm Gründen lonn'e er seiner Neigung nicht felgen, und er brzog alä Medigi'.'.er im Jahre 1874 die Wiener Universität. Durch sein Mchrnlatent erregte er das Interesse des berühm'.en PH' siologen Brücke, der ihn zum Demonstrator ernannte. Aus di ser feit stammen Ehemanns grundlegende Forschungen ülrr die Pigmente, über die Entstehung deS Haut färbst osfes und über die terschi> Lene Färbung der Menschenrassen^ Als Selundararzt bei Kaposi und Neumann tätig, wurde Ehrmann 1874 As istent drr Klii'il Steumann, 1887 Privatdogent. Schon damals beschäftigte sich Ehrnrann mit Studien über die W e g c d e s syphilitisch cit Lirn Nach seinem Austritt aus der Klinik Icltefe Eh r m ann das Ambulatorium der Arbeiter!cankenkasse, Ivo er eine große Schar von Schülern aus aUnt Ländern der Welt mn sich dersammeUe/ Im Jahre 1600 erhielt er den Titel eines Professors, 190-1 wurde er PrtmaciuS am Wi.'dner Krankenhaus. 1908 übernahm er als Nachfolger LangS dis dermatologische Abteilung im A11 q e m c i tt c tt Krankenhaus, die er bis zu ihrem SanierungSabbu-u leit.'te. Hier entfaltete er eine bedeutende Lehr- und Forschun-gStä isteit, seine Kurse und Vorlesungen waren uug m.ln l-e'iebt. Seine tvissenschastNchen Publikationen, mit denen er fein Spezialfach bereichert und ' erfolgreich ausgebaut hat, gehen weit in die Hunderte EhrinannS „Vergleichend diagnostischer AtlaS der Haut- : r a n k h e i t c n", den er, ein Meister deS Pinsels, selbst i U u fl 11 c c t hat, ist in seiner s ltenen Vereinigung von Wissenschaft und Kunst ein weltberühmtes Standardwerk geworben. Bei Ällen Kongressen und Sitzungen galt Ehrmann als allbelieLter und angesehener, trotz seiner angegrauten Hefugendttch eisriger Debatter, mit seiner souve änen Beherrschung der Gesanitmedizkn ein Pogyhistor, wir ihn die heutige Zeit W°i» mehr kennt. Zahlreiche berühmte Dermatologen deS In- und Auslandes sind auS der ,/Schule Ehrmanu" hervorgegangen. Professor Ehrmann war Präsident der Wiener Großloge de- Ordens „Bnei Vrith" f.r.nd seit langen Jahren Ehrenmitglied der zionistisch-akademischen Verbindung „Unitas". Er war mich Präsident des „Vereines der Freunde des Keren Haiessod" uttd hat amh für diesen Fonds mit aller Energie gewirkt. Borttag Br. Nahim Goldman« in Wir«. Morgen (Dienstag) spricht Herr Dr. Nahum Goldmann über „Aktuelle Fragen des Zionismus. Ter Vortrag findet in den Olympia-Sälen (1. Bez., Rothgasfe 5) statt und beginnt um 8 Uhr abends. London, 24. Oktober (I. T. A.) Wie die „Indische Telcgraphen-Agcnlnr" erfährt, wird" auf d.r g-gerrwäriig in London ab gehaltenen britischen Reich fott* rnrz H: Lage der MandatZterritoricn im allgnnei.t.n und Palästina im besonderen, ebenso die Haltung dcr Mani atskommission des Völkerbundes gegcnüber dm Mandat Mächten, nur unformell, und zwar auf Jni-ti üive von Ver're'ern der britischen Dominions, in Behandlung gezogen werd.n P..l'istina ist als Mandatsland auf der Ncich3ko.:ferenz nicht vertreten und die Frage Palästinas wurde auch nicht auf die formale Tagesordnung gestellt. Der diplomatische Mitwbei'er des „Dasty Telegraph" schreibt hierzu: Es möge daran erinnert w.rden, daß der Außenminister die Liste der 118 Fragen, die laut Vorschlag der McmdMlonimission an die Mandatsniäch'e Hütten gerichtet werden sollen, scharf kritisiert hat. Die Staatlntannec der Dominions zeigten si.h in diesem Punkte nicht wenige em'findllch als Sir Austen Chamberlain; es wurde im Ver'auf der V rhandlungeii sogar betont, daß es ratsam wäre, das Ma-rdatssysiem zu liquidieren, wenn die Mandatarmächte auch ivri'.erhtn einem chikanr'' ' Dazwischenreden der Mandatskommission über-' ein, daß die Umstände 'vorläufignicht so sind, daß sie einen so drastischen Schütt rech-er"gn w>'1 den. Die jüdische Wochenschrift „Jewish World' beschäftig! sich mit der Positron Palästinas innerhalb des britischen Imperiums und schreibt: Ein direktes Interesse d:r Juden an der britischen Neichskonferenz ist nur in sehr geringem Maße vorhanden. Es basiert säst nur .auf Zukunftsnröglichkeiten. A-ber es besteht. Das Jüdische Nationalhelm muß um so mehr als etwas Gefestigtes bestehen, als Palästina mit der Entwicklung des Judentums einerseits und der Entfaltung des britischen Reichs andererseits identifiziert werden wird. In fünfzig oder in hundert Jahren wird der Indo auf diese Zusammenkünfte als auf eine der Etappen auf dem Wege zu seiner nationalen Existenz und zur Sicherung seines Platzes in der brit-ischsn Reichskonstellation zurückblicken. „ Palästina e«ne vnftfastrftntlon zwischen England und Jndrer». Zerusall'm, 24. Oktober. (I. T. A.) Bei Gaza wird eine Landungsstelle für den britisch.'« Wrltflugverkchr errichtet. Es wird dies die erste L u sj f ah rtstation der Tcillinie, die von Kairo noch 5larc.chi geht, auf der Hauptlinie zwischen England und Indien sein. stur Befchasfuna der noiw-erchigen Fläche für die Luftsahrtstation wird die Regierung, wie jetzt offiziell bekanntgegeben wird, auf Grund des Expropriation sgesetzes im öffentlichen Interesse dm nötigen Boden für die Imperial Airways Eompany, die in London u,S Körperschaft eingetragen und in Paläste a registriert ist, expropriieren. Die Reichsluftlinie wird im nächsten Jahre eröffnet werden. Arabisch jüdische Zusammenarbeit. Nisalem. 25. Oktober. (I. T. Ä.) »Das ojfizmlle Organ der Palästinensisch-arabischen Exekutive „Felestin" befürwortet in seiner letzten Nummer einen radikalen Wechsel in der .Haltung der Exekutive gegenüber der Balfour-Teklaration und eine Ebnung des Weges zu einer Versöhnung und Zusammenarbeit mit den Juden. Seine Ausführungen sind um so bemerkenswerter, als bisher die arabische Exekutive und ihr Organ „Felestin" dieextremmatioualistische Arabergruppe in Palästina repräsentierten. „Felestin" laßt sich zu dem ^«merkenswerten Geständnis herbes daß die palästinmsischen Araber durch die Weigerung, die Balfour-Teklaration anzuerkennon, ihren eigenen Interessen zuwiderhandsln. Ten größten Fehler haben die Araber Palästinas dadurch begangen, daß sie das Angebot der Regierung, eine gesetzgebende Körperschaft, eine berateäde, Körperschaft und eine Arab Agency zu schaffen, zurückgewiesen haben. Tie Tatsache,, daß in Palüitina nicht einmal jene parlamentarischen Einrichtungen bestehen, Ivie sie sogar unter dcr türkischen Herrschaft Platz hatten, ist auf das Schuldkonto der Araber zu schreiben. Tie wenig vorausseheilüe Politik der arabischen Nationalisten hat auch Großbritannien davon überzcugt, daß die palästü« nensischen Araber nicht die Fähigkeiten zu einer Sclbstregi rung haben. In der arabrschcn Presse wird gegenwärtig eine Diskussion darüber geführt, wer für die unter den arabischen Parteien herrschende Z w i r t r a ch t verantwortlich ist. „Felestin" bringt einen Artikel Jamal Al-Hussein i S, in welchem erklärt wird, die arabische Exekutive sei bereit, um des inneren Friedens willan alle Opfer zu bringen; M u s a Ka z i n Pascha A!- H u ss e i n i werde n a ch Z u s a m m e n t r i 11 des Palästinensisch- Arabischen Kongresses ans die Führerschaft verzichten, wenn die Wahlen gegen ihn aussallcn. Auch Jamal Äl-Husscini wäre fereit, das Sekretariat der Exekutive der Opposition zu überlassen. Er sei vollkommen damit einoerstanden, daß N e g i b N a s s a r, der Herausgeber von ,M Carmel" (des gemäßigteren arabischen Organs) das Sekretariat übernimmt. Der Weg der Exekutive, schließt Jamal Al-Husseini, ist nicht mit Rosen festreut. Ein Kondu.'eur getötet. Auf dem Bahnkörper der VerblndunHslbahn hat sich heute nachts ein s ch w e r e r Unfall ereignet. Als sich gegen -344 früh ein GütevKug der Fahrt über ■ die Derbin'dlrngIba.hnstrecke in der Nähe der Hohkwetzg a s s e befand, und sich nach kurzer Pause wieder in Belvegung setzte, wurden die mit-kleren Waggons gegeneinander - gepreßt. und Leilwsrse demoliert. Der Zug hicÄ. rmd 'Las BaHnPersonail eilte g,u der Stelle, an der die zertrmnmerten Waggons ans dem Bahnkörper lcrgen. Mitten in den Trümmern sah man einen Zngsschaffner leblos lig.'n. Man befreite ihn ans dem Tviimmern und berief die R e i t u n g Z g e s e l l s ch a s t. Allein der Arzt konnte nur den Eintritt des Todes feststellen. Nach den Echebimgen hat sich der Unfall in folgender Wriso ereignot: Ein Güterzug l>rtte sich vom Bahnhöfe Hani.ptzollo.mt über den Rennwcg und. den sagenannten Kteiststeg in Bewegung gesetzt. Die Strecke weist eine ziemliche Sbclgnng auf, weshalb, wie gewöhnlich, außer der Vorspann noch am Ende des Zuges eine Nachschnbloko Motive verwendet Wunde. Bei der Steigung hat n>vn die Nachschublokomotive mehr Kraft entfaltet, als die Vorspannlokomvt?vi?., wodurch die Waggons -unter de? Einwirkung verschieden starker Kräfte gegeneinander gepreßt wuden. Die^ zwei mittleren wurden in einander geschoben. Drr Schaffner sta nd in seiner Brems Hütte und wurde stehend zerquetscht. Ms man ihn auffand, brannte seine Handlaterne noch. Sie war ibm iy dieBru st eingedrückt. Bis zum Morgen arbeiteten dann Monteure damn, die Waggons auseinander zu-bringen. Erst nach dreistündiger Arbeit gelang dies. Der Zug wurde m den Bahnhof Hauptzollamt geleitct, wo sich eine polizeilich» Kommission einfand. Die Deiche wurde als die des 28jährigen Schaffner- Engelbert OLL evtann*. Sie wird gerichtlich geöffnet werden. MW MMNm