Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2752 (24.10.1926)
- Date
- 1926-10-24
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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BfTte’-fl Mvu, Womrkng M. GAoSer 1986 ftr. 2752. lüo th e k eingesetzt. In dem Bericht wird hiezu auch dir Ausstellung der jüdischen Bibliothek der Stadt in einem eigenen großen Bibliothekfaal, eventuell im -Gel'-inde der städtischen jüdischen Schule vorgesehen. Mne Stndienerpedition im Geburtsort Mndele Macher Sphorim. Ter Großvater der jüdischen Literatur Mendele Mo--' cher Sphorim (S. I. Abramovicz) ivurde bekanntlich in Kapulie im Minsker GouvernementL geboren. Bor kur-- zern nun fuhr auS Minsk eine Expedition jüdischer Schriftsteller und Maler nach Kapulie, nur dort für das Kulturinstitut in Weißrußland Nachforschungen, die ftir die Biographie und die literarische -Wertung Mendeles vor! Wichtigkeit sein könnten, anzustellen. Es rvurde eine förmliche Enguete unter den Juden des Städtchens ab gehalten und auch photographische Ausnahmen und Skiz zen gemacht. Zugleich wurde eine Expertise über die in dieser Gegend gebrauchten jüdischen Tialcktc, ihre Aussprache, Volkssagen usw. vorgeuommen. „Ideen der Weltgeschichte " Ein Vortrag des Rabbiners Professor Dr. Leo Baeck. Auf Einladung des Kulturbundes sprach gestern der Berliner Rabbiner und Professor an der Lehranstalt für die Wissen-- schaft des Judentums Dr. Leo B a o-ck im Festsaal der politischen Gesellschaft über die Ideen der Weltgeschichte. Vor Behandlung des eigentlichen Vortragsthemas erörterte der Vortragende die Frage, ob Weltgeschichte überhaupt möglich sei. Es gebe eigentlich nur Geschichte des Individuums und Geschichte des Volkes. Und auch diese G esch -r ch i e n, deren Summe die Weltgeschichte sein soll, sind nichts anderes als ein großes T r ü rp m e r f e l d. Menschen, Völker und Kulturen sind vergangen, und die Darstellung dieses Prozesses seitens der Sieger nennt man Geschichte. Wahre Weltgeschichte ist aber Geschichte des Problems, Geschichte jener wenigen Probleme, die die ganze. Menschheit von altersher beschäftigt haben. Das Problem selbst kommt aus dem Geheimnis oder aus der Genialität, die mit dem Geheimnis identisch ist. Wenn man aber dem Geheimnis des Ursprungs i .1, ■U-.!■ g JÜJ-J5! .. ■™gg'»g! der Problerne näherkommen will, muß umn die.einzelnen Hauptprobleme der Völker kennen lernen. Professor Baeck analysierte rum das PrMem Chinas, das er mdemKonservierrmg des Vergänglichen, das-PrMem.Indiens, das,'er in der Uebertvindung des Scheins'-des Werdens durch'das Sein der' Nirtvana, das PrMem Griechenlands, das 'er in der Aufhebung der Vergänglichkeit durch die Kunst, und das Aegyptens, das-er in dorn Symbol der-Mumie und der Pyramide, als Unsterblichmachung des Lebens sicht. Geschichtsbildend ivar aber nur das Problem der Bibel, das das 'Gebot ausstellte, die Forderung der Ganzheit cnrf dem un-" endlichen Wege der meirschlichen Benrühung. Erst dieses Problem hat die Weltgeschichte geschaffen, indem es seinen größten Ausdruck in der Trennuug der Menschheit in zwei große Teile fand: in die orientalische Welt Indiens.und Chinas, die-in sich selbst unverändert bliick», und in die okzidentale, die das Gebot,- den unendlichen Weg der merrschlichen Bewegung mit dem ganzen Wesen auszunchmen, bejahte.-In der Geschichte dieses Problems der Bibel hat sich erst Weltgeschichte dokumentiert. * Prof. Dr..B neck, her Mitglied des Präsidiums des Keren Hajessod in Deutschland ist, sieht im Aufbau Palast i n a s nicht nur ein wirtschaftliches und nationales, sondern;itt erster Linie ein religiöses Problem. Prof. Baeck beruft sich auf die Entwicklung Amerikas, Hollands und Englands, die seiner Auffassung nach nur dank religiöser Impulse entstanden seien und die ihren Aus-schivung religiösen Kräften verdanken. Im Judentum könne das nationale Moment nie vom religiösen getrennt werden. Palästina müsse nicht nur für die Juden und durch die Juden, sondern für und durch das Judentum aufgcbaut werden. Der Krieg, der aus allen Gebieten des jüdischen Lebens Zionistische BeziiteMton Eeppnldstadt, ZirhHSBasse 33. Unentgeltlicher hebräischer Unterricht für Kinder und Erwachsene, Anfänger lind Fortgeschrittene. Unterricht täglich in den großen Sälen des eigenen Heimes. Anmeldungen bis zum 1. November 1. J. von 5Vj Uhr abends. gvis aoftefrseaeeeeaeeeeoeaeoaipeooeeefteaeeeeo & ZYKLON (BUttMure-DuchgMasffefi) // I mmmm UWWenMfor/ttftliftlft ohne Schaden für Einflcntonccgei Mcdcmto ngcgegeniUndo ltoattoke Gesellschaft f&* 8okÄdliflg«bek&mpfung OcMhlftMtelie: Wien, II!., IrdbcrgitraSe SS 6706 Tetcghan 91.0*97 seine zerstörenden Spuren yinterlasfen hat,-hat cnkch die Institutionen der Wissenschaft des Judentums in Deutschland nicht verschont. Die drei Lehranstalten (zwei in Berlin und eine in Breslau) haben sowohl während des Krieges als auch in den ersten Jahren nach dem Kriege mit großen materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt/die erst in den letzten Jahren, seit 1924, zunr^Teil behoben wurden. Jetzt hat sich der neugcgri'mdcte Reichsvevbnnd der jüdischen Gemeinden in Deutschland verpflichtet, jeder der drei Anstalten jährlich eine Subventionvon 48.000 fflaü zu geben. Durch den Krieg und die Nachkriegsfolgen ivurde auch die Frage des wissenschaftlichen Nachwuchses aktuell. In der letzten Zeit ist aber auch diese Frage gelöst worden; es gibt solvohl in den theologischen Lehranstalten zahlreiche begabte Schüler, als auch an der Berliner Akademie für die Wissenschaft des Judentums, die jetzt fünf jüdischen Forschern ein vollkommen sorgenfreies..und unabhängiges Leben ermöglicht, damit sie sich ganz ihren jüdisch-wissenschaftlichen Studien-wid- ■ men können. ' * Rabbiner Prof. Dr. B a e ck empfing gestern einen unserer Mitarbeiter zu einer Unterredung über aktuelle jüdische ' Probleme. Profi Dr. Baeck betonte zunächst die große Wichtigkeitdes Zusammenschlusses der jüdischen Gemeinden tu Deutschland in einen R c i ch s v e r b a n d. Jeder engere Zusammen-;■ schluß von Juden ist begrüßenswert. Die neue Vereinigung der Landesverbände, der alle politischen Gruppen innerhalb des deutschen Judentums, mit Aiksnahme der Trennungsorthodoxic angehören, hat aber auch eine große politische und wirtschaftliche Bedeutung: die preußische Negierung hatschon, einigemal eine materielle Unterstützung der jüdischen Gemeinden mit der Begründung abgelohnt, daß es keine Organisation gebe, die für die zweckentsprechende Verteilung der zugesprochenen Gelder mich verantwortlich wäre. Vor kurzem aber hat der preußische Landtag 'zur Unterstützung leistungsschwacher jüdischer Gemeinden die ansehnliche Summe von 450.000 Mark .bewilligt.!! 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