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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-21 · Heft 2749 (21.10.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2749 (21.10.1926)
Date
1926-10-21
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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sSerte 8 Wi«n, Wiener Morgenzeitung Serichtssaal. Tsllswirt. Ae Angestellte« einer Rechtrmwaltsranrlel sind zur Verschwiegenheit verpachtet- Beim B.'U'rkSlM'ickl I brachte -die Private Marie i n t s ch a! e k gegen ihren Wo'hnwnigsnachbarn, ton akademischen Maler Professor »Hans Chytwa, sine El;r.en'bel-ei'diGm<rÄl<dge ein, weil er in ein«em an ihren R/chteariwalt D r. F r e u r e i ch gerichteten Schreiben und in einism an die Klägerin selbst «gerichteten, in ihren Briefkasten gt-neckten Briefe sich mehrfacher Beleidigungen nitb Verdächtig'lmge-n gegen sie schuldig gemacht halbe, 'eins dem Briefe an den Amvalt wurde «unter anderem inkrimimevt: ./Diese Person hat uns vor Jahren die insain'stcn Briefe geschieben. sie 'hat nns bei allen Parteien schlecht geinacht und berfemttM.. .Es sind die uns tätigsten anonhinen Karten gekommen, die alle aus derselben trüben Quelle stammen". Aus dom in den Briefkasten geworfenen Brief: „Wenn Sie Misere Kleine noch einmal belästigen oder teMmipfen. danng-che ich zur Poligei. Oder brauchen Sie wieder einen Offizier, der Sie durchprügel't?" Der Verteidiger Dr. Hroibatschek «bestritt 5H der vor dom Obevlandesgerichtsrat Dr. Sieber ftattgefrnid'enen VerlmnAung, daß eine in dem Briefe an einen Rechtsanwalt, somit an eine Person gerichteten Briefe enthaltene Beleidigimg als ,>vor mehreren Personen" begangoii «angesehen werden könne; es fehle formt das Moment der -Oessen-tlichkeit. Dies sei auch bezüglich des in den Briefkasten ter Klägerin gesteckten Briefes der Fall, da dieser nur in die Hände der -Klägerin gelangim könnte. Im übrigen wurde für alle Beschulldi.gu.ngen der Wahrh-ritsteweis angeboten. Der Richter v e r u rteilte den ÄngMagten wegen« den angeführten, an den Rechtsanwalt gerichteten Briefstellen zu einer Gelöst r a f e v o n 50 S ch i I l i n g, werl ein air einen Rechtsanwalt gerichtetes SchreiHirn verschiedenen Personen (Angestellten) zur Kenntnis komme; .dagegen wurde der Angeklagide von der Ehreirbeleidigung tmrch den in den Briefkasten g e st e ck t e n Brief f r e i g e s P r o ch e n, wei«l, wenn auch ein kleines Eck des Papieres aus dem Briefkasten heraussah, der Brief doch nur drrrch Verletzung des Briefgieheimn'isses in den Besitz einer fremden Person 'hätte kommen können. Gegen den Schuikdspvuch «mÄdste der Geklagte, gegen den Freispruch ibiie Klägerin die Be r «u f u n g an. «Der Berufungssenat bestätigte den freisprechenden Teil des Urteils, gab aber der Berufung des Geklagten gegen seine Veruriiie'rlung Folge, hob den Schuldspvuch aus nnd verwies die Sache .zur n o ch^- m a il i g e n V e r h a n d I u n g an die erste .Instanz, weil, wenn auch der Brief an den Rechtsanwa«!t möglicher. Werse auch dem Personal der Rechtsanwaliskanzlei „zur Kenntnis kam «rmd dies auch möglicherweise von dem Geklagten voraiusgesehen werden konnte, doch das K a n zleipersonal eines Rechtsanwaltes zur D e r s ch «w r e g e n «h e i t verpflichtet sei. Aus diessm Grunde könne von einer öffentlichen Bekanntmachung 'nicht die Rede sein nnd dürfe daher «item Geklagten Straffreiheit zugesichert «werden, wen»r er den Beweis der Wahrheit oder auch nur des guten Glaubens erbringt. In der vor «dem Oberland esgerichtsrat D r. S i eb e r (Strafdezirksg-ericht I) infolge dieser Urteilsverschietbu-ug wieder aufgenomnronen Verhandlung kam es zu dem von «>em AngMagten angebotonen Wahrhe'itsdeweis nicht, -da auf Anregung des Richters die Sache durch eine Erklärung des Geklagten, daß er nicht die Absicht hatte, «die Klägerin zu beleidigen, b e i g e il e g t wurde. Ein sensationeller Mordprozeß in Warschau. Bor dem Warschauer Bezirksgericht begann gestern, wie uns von dort berichtet wird, ein aufsehenerregender Prozeß gegen den Beamten der Militärverwaltung Krolikiewicz wegen E r m o r d u n n g seiner Geliebten. Der Fall hatte seinerzeit sehr großes Aufsehen gemacht. Krolikiewicz hat das Mädchen ermordet und die Leiche in zerstückeltem Instand in einem Koffer einer Bahnhofgarderobe zur Aufbewahrung übergeben. Im Gerichtssaal ist ein Metallsarg ausgestellt in dem sich die einbalsamierten Neste der Leiche befinden. Gesellschaftsanteile müssen valarisiert werden. Frau Henriette P. beteiligte sich im Juki 1919 mit einem! Betrag von 56.667 Kronen an dem Kinounternehmen ihres Bruders Leopold F. Der Gesellschaftsvertrag sollte nach ü Jahren zu Ende gehen. Nach Tlblauf dieser Vertragsdauer verweigerte die Witwe des inzwischen verstorbenen F. die Auszahlung des val'ortsierten Anteiles mit dem Hinweis, daß nur ein Darleheusvertrag und keine Beteiligung vorkiege rmd daß sogar im Falle einer Beteiligung der gesellschaftliche Anteil nicht anszuwerten sei, weshalb sie an die Schwägerin nur S. 5.66 zu bezahlen habe. Der Valorisierungsktage der Frau Henriette P. wurde in allen drei Instanzen dem Grunde nach ftattgegeben. Der Oberste Gerichtshof begründete sein Urteil folgendermaßen: Der Vertrag vom Juli 1919 ist eine Untervoteiligung und kein Darlehen gewesen, Aus diese UnterbeteMgung finden die Grundsätze des Gutachtens des Obersten Gerichtshofes vom Jahre 1922 Anwendung, worin die Zulässigkeit der Aufwertung von Gesellschafttsanteilen bei aandelsgesellschaften ausgesprochen wuroe.Dieses rinzip müsse auch bei Erwerösgeselffchaften bürgerlichen Rechtes Anwendung finden. Es gebühre also der Klägerin ein Auseinandersetzungsbetrag entsprechend dem für den Stichtag berechneten verhältnismäßigen Anteile anr Geselffchaftsvermogen. Polnischer Kktschastsbkief. Kleine Bcrschlochterung der Handtlsvisanz und der Bilanz der Bank PosM. — BckeLung am Emailwarenmarkt. — Anknüpfung neuer Handelsbeziehungen mit Persien. — Der Rohö'preis. — Kurssteigerurrge« an der Effektenbörse. (Von unserem Warschauer Korrespondenten.) Warschau, 17. Oktober. 'Die Handelsbilanz zeigt nach dem Bericht der Bank Polski für die erste Oktober-Dekade eine uubedcut-.'nde Verschlechterung i .r wirtschastlicheil Situation. Der katastrophale Mangel an Eiscnbahüwaggons Haie einen ungünstigen Einfluß auf den polnischen Export im allgemeinen nnd insbesondere auf den Export von Kkthle. Der Export von Kohle betrug im Monat August 199,363.000 Zloty, d. f). er verringerte sich um 26,380.000 Zloty. Kleiner wurde auch der Export von Brennholz aus Polen, der 9 Millionen Zloty beträgt, also die katastrophale Verringerung um 17.5 Millionen Zloty aufweist. Der Export von Getreide zeigt keine Aenderüngen, während der Holzexport um 1 Million Zlcty zu-- rückgegangen ist. Auch die Bilanz der Bank Polski hat eine kleine Verschlechterung erfahren, und zwar im Zusammenhang mit der Deckung der größeren Verpflichtungen der Bank Polski. Der Goldvorrat weist keine Aerrderung auf; er betrug am 10. Oktober 135,700.000 Zloty. Dagegen hat sich der Valutenvorrat um 4,100.000 Zloty verkleinert. Es muß aber bemerkt werden, daß sich gleichzeitig der Banknotenumlaus aus 573. Millionen Zloty verringert hat. Die Bankdcckung der Zloty beträgt 41.8 Prozent. Bemerkenswert ist diel Ansicht des jüdischen Senators und bedeutenden. Finanzfachmanr.es Michael. S ch c r e s ch e w s k i, der sich über die jetzige Valutasituation in Polen optimistisch äußerte. Die letzte Dollarkursstcigerung führt Senator Schercschewfii auf den Unterschied zwischen den: Kurs des Bardollars (3.97) uick> der Dollardevise (9) zurück, was zu einem bedeutenden Abfluß von Bardollars im Betrag von zirka 10 bis 12 Millionen Dollar geführt hat. Die jetzige wirtschaftliche Silllation sei günstig und gebe keinen Anlaß zu Befürchtungen um die ZlotystaLilisierung. Es sei nicht richtig, daß die Regierung die Einführung neuer Deviseneinschränkungen plane, die maßgebenden NegierungZkreise sbeabsichtigen im Gegenteil in der kürzesten .Zeit den freien Devisenverkehr eirrzuführen. Am polnischen ^nailwarenmürkt hat seit der Besserung der Wirtschastsverhältnisse d^ Staates eine;: bedeutende Belebung Platz gegriffen. Sämtliche größeren Fabrikerr arbeiten die ganze Woche hindurch, zeitweise sogar in zwei Schichten. Die Fabriklagex sind ausverkauft und die Nachfrage seitens der Grossisten ist lebhaft. Zur Belebung haben. verschiedene Momente beigetragen, vor allem die Preisermäßigung, die durch die Einschränkrlng der Tätigkeit des Syndikats ermöglicht wurde und zu einer starken Konkirrerrz^ unter den einzelnen Fabriken führte;, ferner die allgemeine Belebung in Industrie: mid Handel und in der Landwirtschaft sowie die zahlreichen Auslandsbestellungen. Der Import von Email- Sammlung preisgehrSnter Mien und Sagen Hrsg. v. der Jugendschriftenkommlsßioü des U. O, Bnei Brith m. 6 Tonbildcrq u. 12 Textillustrationeti v* H. Grobct in Ganzleinen geb. S 6.— fDlesdiOnslen Kinderüesdienhe! Die Kinder finden hier den Weg zu Uouaona Mul UioU Irma Singer Das vcrsciiiosscne Doch m. Nachwort v. Max Brod und 8 färb. Lithogr; v. Kosel-Gibson in Ganzleinen geb. S 7.20 neuer» künstlerischer Ausstattung . reich illustriert Rotenturmstraße 22. 2T, ÖRoBtt TS2B Nr. 2749 geschrrren aus dem Ausland« hat vollständig aufgehört. Tie für die Herstellung von Emailgeschirr notwendigerr Rohstoffe werden größtenteils im Lande gedeckt, während für Rohstoffe, die aus dem Auslände eingesührt werden, bei der Ausfuhr der fertigen Ware der Zoll zurückerstattct wird. Zirka 60 Prozent der ganzen Pro-- buktion gehen nach dem Auslande, und zwar sowohl «ach Amerika als auch nach Europa, Asien und Mftralien. Neue Handelsbeziehungen wurden mit Persien angeknüpft. Die Reise einiger Vertreter der Lodz-r Iwdustrie nach Teheran wurde mit einigen größeren Geschäftsabschlüssen gekcönt. Jetzt weilen in Persien nüeder drei Vertreter der polnischen Industrie, die die persische Kaufmannschaft mit polnischen Textilerzeugnissen, landwirtschastlichen Maschinen, chemischen Erzeugnissen, nnd Galanteriewaren bekanntmachen. Es liefen auch aus Persien auf diese Waren schon größere Bestellungen ein. Gegenwärtig weilen auch in Polen einige persische Großkaufleute, um größere Einkäufe zu machen,' Der Rückschlag nach den ständigen Preissteigerunsen auf dem Rohölmarkt ist bereits eingetreten. T«er Preis des Rohöls Marke „Boryslaw", der bis zur Rekordhöhe von 240 Dollar für eine 10.OM-Kilogramm-Zisterne gestiegen war, ist bereits auf 220 Dollar gesunken, bei fehlender Nachfrage, da nur 200 bis 205 Dollar geboten werden. .An der Effektenbörse trat nach der plötzlichen Baisse in der vorigen Woche eine leichte Kurs jleigernng! ein. Die Spekulanten, die eine weüere Baisse ettvarteten, verkauften große Mengen Aktien und mußten sich jetzt ciudecken, um die verkauften Papleve liefern zu können. Ta aber größere Mengen von Effekten an der Börse fehlen, hat die Nachfrage eine Erhöhung der Kurse hjervorgentfen. . Sie lnternaUom!e Zonankommissto« Am 29. Oktober beginnt irr Bvatvflava die für 14 Tage an« beraumte 16. Plenoositzung der Jnterrurtion-alen Donaukommission, an welcher Vertreter Württemibergs, Bayerns, O e st e r r c i ch s, Ungarns, Jugost-aiwtens, der Tschechoslowakei, Numäniens, Bulgariens, Englands, Frankreichs und Italiens teilnehmen. Die Tagung wird sich neiden vielen anderen auf der Ta» ges-ordnung stehenilien Programnrpunkten, insbesondere mit einer tetlweisen Neurcdigierung oer die Schiffahrt ziwifchen Ulm und Braila einheitlich regelnden Dynau-schiffahrt- Polizeiordnung sowie mit mehrfachen, daö Eiserne Tor, beziehungsweise die Kommunikation durch dieses betreffenLv Fragen beschäftigen. Unter letzteren spielt eine besondere Nolle die Absicht der jugoslawischen Negierung, die von den Mittelmächten während des Krieges auf dem rechten Donauufer er-' richtete T r a i'd c lb'a h n wieder in Betrieb züfetzenr : Auch die Frage der eventuellen SitzverlcgaNg «des Generalsektretariats der Internationalen Donaukominisfion von Bratislava in eine andere Donauftadt wird auf der Tagung zur Distitssion stehen. Ae Ueberproduktion an Baumwalle. In den Bereinigten Staaten soll «der Anhalt verringert werden. Washington, 20. 'Oktober (Newter). Den BauiMvoll- Proöusenten der Vereinigten Staaten ist, wie Reuter a,us N e w - I) o r § meldet, vom Baumwoll«komitee der Regierung d-er Rat erteilt worden, von der weiteren U-Äber-schlwem-mun-g des Marktes nl.it Ban-mwolle unter den jetzigen Verhältnissen abzufehen und im kommenden Ia>hr den U n b a n z n v « r r i n «g e r n. Die ägyptische Regievung hat zur Bchebung der BauniwollkrHse «inen anderen W.'g Ungeschlagen. Sie hat, wie aus Kairo gismobdet wird, den Bamnwollprodugenten eine Anleihe in der .Höhe von vier M r ill o ne nPf u nd unter äußerst günstigen BedingungÄr gewä'hrt, mm sie in die Lage zu versetzen, ihre Vorräte a n z uhä ufen, bis der Markt «sichwieder günstigeir ge. stalle. Der MebioauSwers der österreichischen Rationalbank weist eine Erhöhung des Barschatzes um 886.808 Schilling aufi dagegen ist das Wechselportefeuille u.m 6,5 Millionen Schilling kleiner geworden. Die sonstigen Miven haben sich um 7 Millionen Shilling verringert. Der Ban-lnotenum-lauf bat um 32.7 Millionen Schilling abgenommen, di« laufenden Girover»' bindlichkeiten find dagegen um 28.7 Millionen Schilling höher als in der.Vorwoche. Die Schillingnotierung. In der gestrigem Plenarsitzung, der Wiener Bövsekammer wuvr'e auf Antrag des Notiemngs» komidoeö bei nachfolgenden Gesellschaften die Durchführung der Schilling-Notierung rhver umMste'llten Aktien beschlossen: ,,-S o l o".Z«ündwaren« und Wichsesabrisen-Akt.- Ge's. in Wien, Mtiengosellfchaft der G&maitticaroetfe und SRcr talüvarenfal'ritou „A ü str i a" in Wien, Oesterreichisch-A l. pino Montangesellfchaft in Wien, Haudels-Aktien- Geseltschaft in Wierr, H o f h e r r-Schrantz-Clahton- Shuttleworth, Ungarische M a schi n e n fa b r lk s-Werte Alliengesellschaft in Kispest, Mtiengesellschaft der hydra-ull'- scheu Kalk- UM PorÄand-Cementsabrit in Perlmoos, Internationale T.ransport-Ge«selischaft^l.°G. In einzelnen Fällen kann die Umstellung erst nach Tarchführung der Ne» wstrierung und nach Fertigstellung des Druckes der neuen Aktion in; Kursblatts ersichtlich gemacht werden. Insolvenzen. Der Konkurs wutde eröffnet über Gregor Foh-n, Kaufmann, Men, 14. Beg., Hütteldorf-evstpaß« 51; das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über T. Lander, Pelzwarenhandel, Wien, 2. Beg., Kleine Spsrl» gaste 9, Hans Summ er er, Kunstblumen- und Schmuckfedernhand-luing, Wien, 7. Bez., Neadcrugasse 4. vesterreichischoS urch tschechoslowakisches Kapital in Rumänien. Unter starker Beteilicmng ö st e r r e i ch i s ch c r und tschechoslowakischer Interessenten soll, wie verlautet, in Rumänien eine große Fabvi'k zur Erzeugung von I u t esacke« und sonstigen Hutewaren gegrüuoet joertzön. 51 P,o»

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