Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2747 (19.10.1926)
- Date
- 1926-10-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Men, Dienstag Me»« MsrgenMmis 19. LGvVer 1SS8 Nr. 3747 Ohr, die Herzogin von Parma der Frau Erika Weg-, »er, eine schauspielerische Leistung ganz großen For-W O A mai*. »taOf ater Schritt." Kammerfpicle. Ein echtes Bernenil-Lustspiel. scheinbar pikant 'und lasziv, in Wirklichkeit keusch und schuldlos bis ins schuldenbeladene Studentenbett, wo treueste Liebe wohnt. Schleppelid im ersten, heiter-ausgelassen im zweiten, rührend-sentimental (an der Grenze der. Tragödie) i« dritten und unwirklich-heldenhaft im vierten Akt. Die Pose der Gloire vergessen die Franzosen auch in der LiÄbe nicht. Uttb das macht die Pariser Liebesverhältnisse so appetitlich, so anziehend; es reinigt die Atmosphäre. Das Alter ist in Paris lediglich eine erotische Grenzbezeichnüng; die Philosophie dieses Uebergangszustandes ist ein Lieblingsthema französischer Lustspieldichter. Bei Berneuil siegt das Alter väterlich: es überläßt die Liebe dem Sohne. Die Gefühle stellen sich jetzt auch innerlich in moralische Positur. Cs ift die einzige Möglichkeit eines lustspielärtigen Schlusses, und es ist gut so, denn das Leben soll als Lustspiel enden. Tos sollte der einzige Sinn der Moral fein. Zwischendurch ein sauberes Mädchen, das Gegenteil der Garconne, heißen Herzens und reiner Sinne. Diese Machen bilden fclip überwiegende iMehrheit aller Sündenbabels; denn was weiß die Nomenklatur vorn Her" zen: ^/Svnbc'' ist ein leerer Name. Sie ist da, um die echteste Tugend zn desavouieren. Fräulein H ärl in ist der Star des Abends. Ein neuer Star. Eine reizende Gestalt, ein goldener Lcxkentetf, sprühendes Temperament und — Begabung. Viel, sehr viel Begabung. Charlotte Ander in weicherer, weiblicherer Ausgabe. Mer mit derselben Behendigkeit und Bcherrschung des Körpers und natürlicher Jugendfrische. Und einer rührenden Hingabe au die Atolle. Die meisten Mlgen Menschen möchten es, bringen es aber nicht zusammen: Ueberzeugende Hingabe ist ein großes Talent, vielleicht eine der wichtigsten Voraussetzungen des schauspielerischen Talents. Herr Peppler, der dos vornchgne Alter spielte, verdarb nichts. Wittmann und Ztzsch-Ballvt sind gute Charakterspieler. Berhoorsn ist für einen Liebhaber zu unsicher und nwtt. Die SpiÄleitmrg von Robert Blum, der auch das Lustspiel ins Deutsche übertrug, ließ, insbesondere was Tempo anbetrifft, manches zu wünschen übrig. Der erste Akt zum Beispiel hätte durch ein lebendigeres Tempo und plastischeres Zusammenspiel 'nel gewonnen. Der stürmische Beifall galt in erster Linie Fräulein Härl in. Leopold Thal^r. «a« dm Aeattm. Operntheater. Morgen, Uhr, „Tarandst". Bnrgtheater. Morgen, *48Uhr,«»Fenster". (Theatsrgeweinde, Serie A, weiß.) Lkademietheater. Morgen, %8 Uhr, „Die Fährt ins Blaue". Deutsches VolksLheater. Dtorgen spielt AWert Dass ermann zum erstenmal den Hjarmar Ekdal in Ibsens »Die Wildente". Samstag, 3 Uhr rrachmittags, wird als erste Schülervorstellung Shakespeares Lustspiel »Was Ihr wollt" aufgsführt. Kammerspiele. Rosa Werginz wurde für die Titelrolle der Revue „Die fleißige Leserin", deren Premiere morgen stattfindet, verpflichtet. Sie wird als neues Bild für Wien eine L'Aiglon-Parodie von Robert Blum kreieren. Ab morgen ist der Beginn der Abendvorstellungen von „Kopf oder Schrift" auf 368 Uhr festgesetzt. Theater iu der Josef st ad t. Morgen zum erstenmal „D e r M a n n o h n e M o r a l", Komödie von Robert de F l e r s und G. A. Cailsavet, deutsch von Julius Elias. Richard Roman owsky spielt die Titelrolle. Modernes Theater. Heute, 6 Uhr abends, Erstaufführung von „DerTankum Mittlern ach t", Schauspiel von Charles Mere, deutsch von Bruno Anton Erl. Professor Baudoum in Wien. Universitätsprofessor Charles Baudouin, Professor am Institut Jean Jacques Rousseau in Genf, benützt dre Gelegenheit seiner Teilnahme an dem dritten Kongreß des Verbandes für kulturelle Zusammenarbett zu einem Vortrag „Lacrisedel'ordre (decavence ou renaiffance)", welchen er über Einladung des Kulturbundes am Donnerstag, den 21. d. M., um 168 lchr abends, Wien, 1. Bez., Annagasse Nr. 5, hält. Gäste willkommen. Die NathusiiuS gestorben. Sonntag abends ist, wie aus Berlin gemeldet wird, die Dichterin Annemarie von Nathusius, die besonders als Jugendschriftstellerin in Schule und Haus geschätzt war, im Mer von 62 Jahren einem Herzschlag erlegen. ' «erichtsbarkeit auf der Böhne. Aus dem18. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert lebten die Theaterbesucher in noch viel innigerem Verhältnis mit dem Theater als die Menschen von heute. Es war dem Publikum unmöglich, MÄanzusehen, wenn auf der Bühne die Unschuld dem tragischen Schicksal erlag und der Intrigant oder der Bösewrcht unbestraft davon kam. Die Theaterbesucher übten ihre Juptz aus. In einer Aufführung, die eine Schauspielertruppe in Berlin im 18. Jahrhundert vom „Hamlet" veranstaltete, erzwang das Publikum, daß der schr beliebte Prinz Hamlet ni ch t starb. Der Direktor wollte dieser Geschmacksrichtung entgegenkommen und ließ in der nächsten Aufführung den Prinzen, von den Leichen des Königs und der Königin umgeben, eine schöne Rede hackten,, in der er versprach, überaus weise und gnädig zu regieren und zur Beruhigung seines Herzens auch für das Grab Ophelias zu sorgen, worauf ein ungeheurer Beifall des Publikums einsetzte. Ein ähnliches Schicksal erlitt Goethes „Faust", natürlich auch bei der Vorstellung einer herumreisenden Schmiere. In der Vorstellung des ersten Teiles des „Zstmfi" war das Publikum mit dem Tode Gretchens durchaus nicht einverstanden, sondern es brüllte unausgesetzt: 1 „Heiraten!", bis der Theaterdirektor auf die Bühne trat > und erklärte, daß auf den Wunsch des Publikums Faust sich berett erllärt habe, Gretchen zu heiraten. In allen fglgendßn Aufführungen des „Faust", die sehr gut besucht waren, endete das Stück mtt der Heirat von Gretchen und Faust. Auch - eine Ausführung von Schillers „Jungfrau von Orleans", die allerdings schon in den Anfang des 1v. Jahrhunderts fiel, hatte die Ansicht des Berliner Publikums zu spürenwie aus einem alten Theaterkalender hervorgeht. Das Schicksal der heldenhaften Jungfrau hatte das Publikum so erregt und gerührt, daß der Th-eaterdirektor sich genötigt sah, dem Stück insofern einen glücklichen Ausgang zu geben, als die Jungfrau zum Schluß zur glücklichen Braut wurde und das Publikum eine Heirat und eine freudenerWte Zukunft des tapferen Mädchens erwarten durfte. Diese Fälle Theaterjustiz find auch in der Neu« zeit nicht ganz unbekannt, wenn auch h» unseren Tagen derartige Umwandlungen von Theaterstücken höchst selten sirch; aber es ist ja bekannt, daß Ibsen selbst auf Wunsch mehrerer Theaterdivektoren den Ausgang seines Stückes „Nora" abgeändert hat, da man damals nicht verstehen konnte, warum Nom den Gatten verläßt. tzerichtssaal. Sie Strafe der Bankiers Kalmar auf ein 8ahr schweren Kerker» erhöht. Wie erinnerlich, war per Inhaber des Bankgeschäftes K a I m a t u. Co., Friedrich Kalmar,, vor dem Schöffengericht wegen Verbrechens der Veruntreuung und wegen fahrlässiger Krida angeklagt, weil er fast sämtliche Kommittenteneffekten, die in Verwahrung des Bankhauses waren, verpfändet hatte. Nach dreitägiger Verhandlung wurde Kalmar vom Verbrechen der Beruntreuungfrei gesprochen und nur wegen fahrlässiger Krida zu vier Monaten Arrests verurteilt. Heber die von der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch eingebvachte Nichtigkeitsbeschwerde fand gestern die Verhandlung statt. Der Oberste Gerichtshof hob den freifprechenden Teil des Urteils auf und verurteilte den Angeklagten wegen Verbrechens der Veruntre.u- .ungzueinemJahreschwerenund ve.r schär ft e n K e r k e rs. In der Begründung wurde hervorgehoben, daß der Angeklagte durch eigenes Verschulden sich in die Lage versetzt habe, seinen Verpflichtungen gegen die Kommittenten nicht Nachkommen zu können. „Gekürzte" Banknote«. Bor einem Schwurgericht unter dem Vorsitz des Hofrates Dr. Cerny hatten sich gestern der 18jährige Robert B r o d, der 21jährige Uhrmachergehilfe Heinrich Huber und der Schlossergehilfe Josef Weiß wegen Nachahmung öffentlicher Kreditpapiere, wegen Veruntreuung und Falschmeldung zu verantworten. Brod ist trotz feiner Jugend bereits fünfmal,. einmal auch wegen Verfälschung öffentlicher Kreditpapiere vorbestraft. Er hat nämlich Fünf-, Zehn- und Zwanzigschillingnoten „gekürzt", indem er ungefähr ein Zehntel von einer Note äbschnitt, von einer zweiten zwei Zehntel und sie durch beit ersten Abschnitt ersetzte. Bei der zehnten Note hatte er so einen Geivinn von einer Note der betreffenden Kategorie. Nach Entlassung aus der Strafanstalt hat Brod mit Hilfe seiner Freunde HundertschMngnoten in derselben Weise behandelt. Die gefälschten Noten Der elektrische Stuhl Die Zauberin von Kastilien Mottke, der Dieb Ein Glaubensmartyrium Onkel Moses t fünf fneuen Romane i v°n sSchalom Asch! III sind soeben erschienen I" . Preis pro Band brosch. 8 5*-~ geb. 8 8* - Verlag R. Löwit, Wien, l. Bezirk Rotenturmstraße 22 haben die drei im Durgenland auögegeben. Die Angeklagten leugneten, ließen sich aber über eindringliches Befragen de§ Vorsitzenden zu einem teilweisen Geständnis herbei. Die Verhandlung wurde erst nach Mitternacht zu Ende geführt. Den Geschworenen waren 16 Fragen vorgelegt worden, von denen die Hauptfrage auf Banftrotenfälschung einstimmig verneint wurde. Schließlich wurde Robert Brod und Heinrich Huber wegen Verbrechen des Betruges zu einemJahre schweren Kerker, Josef W a i ß wegen Uebertretung des Betruges zu einem Monat Arrest verurteilt. Bei letzterem ist die Strafe durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wosden. Unschuldig zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Jahre 1921 wurde in der Gemeinde Lesencenemetfalu (Komitat Zala) die Landmannsgattin Frau Witwe Michael O r b a n erschossen aufgesunden. Auf Grund der Aussage einer FrauV a l l a wurde der Landmann Johann T oth unter der. Anklage des Mordes zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt. Toth, der bereits vier Jahre in der Steinabrückler Strafanstalt abgebüßt hat, verlangte nun die Wiederaufnahme des Prozesses. Die Verhandlung fand dieser Tage in Raab statt. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß Frau Valla seinerzeit falsch ausgesagt hat. Johann Toth wurde freigesprochen und sofort auf freien Fuß gesetzt. Gegen Frau Valla wurde wegen Meineides das Verfahren eingeleitet. Bereine, Bortrüge und Versammlungen Wiener Bet-Hamidrasch, 2. Bez., Tempelgaffe 2. 6 Uhr: Lektor Dr. S. Gelbhaus: „Historische Psalmen". — Zionistische Sektion 6 8, 8. B'ennop'latz 1a: Heute, 8 Uhr abends: Vortrag Dr. Karl Schwager: Beth Alpha (Erez Israel): „Krisis und Zusammenbruch in Palästina?". — Leopoldstädter Bolksheim, 2, Bez., Zirckuögasse 48. Heute beginnen. 7 Uhr: Vorschule der Mathematik, Einheitskurzschrift für Vorgeschritten«, Radiotechnik, Erste Hilfe und Krankenpflege. 8 Uhr: Psychologie des Kindes, Gesundheitslehre. — Brlgvttenauer Bolksheim, 20. Bez., Strornstraße 78. H e u t e beginnen: 7 Uhr: Soziale Bewegung und Sozialpolitik. Mit Hebungen. Allgemeine Geologie. Deutsch für Nichtdeutsche. — Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, 2- Bez., Zirkusgasse 38. Der hebräische Sprachkurs,. sowohl für Kinder als auch für Erwachsene beginnt am 21. Oktober l. I. um 4 Uhr nachmittag. Anmeldungen' werden noch vor Beginn der Kurse täglich von 6—9 Uhr abends angenommen. — Der Jugendveroin „Erez Israel", 2. Sea, ZirkuSgasse 33, nimmt einige Neuanmeldungen für hebräische Kurse an. — Frauengruppe der zionistischen Sektion Prater: Heule, 8 Uhr abends, Generalversammlung. Pünktliches Erscheinen Pflicht. — Zionistische Bezirkssektion 4 u. 3. Mittwoch, den 20. Oktober, 8 Uhr abends, Terraffenrestaurcdnt.' 6. Bez., Margaretenplatz, Diskus s i o n s a b e n d. Thema: Unser Verhältnis zu den übrigen jüdischen und nichtjüdischen Parteien Oesterreichs. Referenten: Dr. Georg Weiner, Bruno Rabinowicz. Sin südofteuroMfcher Menfartell? Wie WolMche Biüiro aus K a t t o w i tz meb bet, finden auf VemnLassung tschechisch e r induftrieller Kreise in nächster Zeit die ersten vertraulichen Verhandlungen zwecks Gründung eines südosteurop äi schen E i s e.nka rt e«l l s statt. Die Frage wurde zum evstenlnal bei den tschechischpolnischen Eisenivechand'ltrngen in Prag berührt, und zwar von der tschechischen Industrie, die befürchtet, daß sie bei einem eventtuellen Eintritt in den westeuropäischen StaPivust ein zu kleines Kontingent erhält. Das Ziel de-r neuen Grimdung ist die Aufteilung des^ füdeuropäkschen Eisewmarktes (Ungarn, O e st e rr e i ch, Juigoflawien, Bulgarien, Rrrmänien, Griechenland und die Türkei). Sie soll folgende Gebiete umfassen: Die Dschechoflowak-oi, Ungarn, Polen. Oesterreich «und De-utsch-Oberschlesien. * Diese Meldung würde erklären, worum die Erw ladung des westeuroipäischen Kartells an die Tschechoslowakei zum Anschluß an den Elsenpakt von der tschechoslowakischen EiseN'Jndlrstrie, wie berichtet, dilatorische beantwortet wurde. Man will erst das Ergebnis der oben angeführten Berhandl'trngen abwarten. 8nr ertekck'ernnn der knternatkonalr« zahlungrverfehrer. Vorschlag auf Einführung eines intoruatioualen Handelgelde§>. Das Organ der Wiener Karchnannschaft „Der .Handel", schlägt als HilfsmMel gegen das europäische Währungschaos und das daraus entspringende Valutarisiko ein internationales Clearing vor, und' stellt diesen Vorschlag zur Dlskuss-ion. Mrechnungsein» heit soll (ähnlich dem Mark Baneo früherer Zeit) das Or — 1 Gramm Feingold werden, aus dom <mch^ Münzen geprägt werden Wnnen. Das internaitionaTe Or-Clearing bevM auf folgenden Grundgedanken: Ein- und ausfliessende ZaUungen jedes Landes sollen k o in p e n s i e r t werden, Zahlungen über die Grenzen sind in der Regel umvöttg. Die Importeure jedes Landes haben die Exporteurezu bezahl e n. So ersetzen rein innerstaaNche Zirkulationen den internationalen Zahlungsvevkchr. ■ Der Vorgang würde sich folgendermaßen darstellenr In jedem Staate übernimmt eine Clearing- Stelle, z. B. die Notenbank, Anmickdungen -u Ms-