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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-17 · Heft 2745 (17.10.1926) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2745 (17.10.1926)
Date
1926-10-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seit* 10 Wien, ©onntofl Wiener Modenzeitung 17. Oktober 1026 Nr. 2745 0^8 Kvc» der Zeit LITERATURBEILAGE DER .WIENER MORGENZEITDNG* u&tMMM Max Brods Schaffen. Von Hans Laktt. Fast Mi Jahrzehnte sind vergangen, seit die Symphonie phantastiqne ans „Schloß Nornepugge" die heroischen Irrfahrten eines Jrrdifserenteu Revue passieren ließ. Der Roman auswegloser Jntellektiialität, wie ihn hier Max Brod mit ironisch-skeptischer Gebärde seinem Werk -mranställte, b-e^ichnet den Anfang einer epischen Reihe, die mit beredter Inbrunst und zeugender Hingabe zur Einheit von Deskription und Bekenntnis hinzuströmen scheint. Vom satanistischen Stilvarietee des Zwerges Guachen, der in „Schloß Nornepngge" dämonische Schrecken der Originalität entfesselt, über das schwermütig-erhabene Theatrmn aüronomicum von „Tycho Braheö Weg zu Gott" bis zu dem massiven Renaissancereichtum des „Reubeni" sucht ein moralisch gesonnener Geist Ordnung und Realität. Dazwischen, in anmutiger Mannigfaltigkeit, Bucker ier erotischen Unruhe, Gedichte, Dramen des Verlangens und Erfülltfems von weiblichen Formen, Begeisterung an „Franzi" oder „Klariss", Mysterien des Blutes im „Leben mit einer Göttin",- das den berauschten Tichier mehr auf die Seite des Romantischen treibt und ihn den Einbruch der Liebe in den Alltag als „Diesftttswunder" erleben läßt. Hier, in diesen Liebesromanen, die vielleicht sein Btstes sind, so leicht und heiß sind sic geschrieben, beweist sich Max Brod wähl- und blutsverwandt jener Empfindsamkeit, die dem von innen her erschütterten Gefühl religiöse, ja mystisch)« Bedeutung beilegt. Altes ist in dieser Liebe: Rausch und Weisheit und die hundert vertrauten Augenblicke im Hintergrund der Warlesäle und Pvobiersalons. Welch eine Fülle liebreicher Eingebungen! Tiefer Idylliker der Großftadtliebe lebt und empfängt die Liebe als Bestimmung. Sie bestiirzt ihn von allen «Ebenen des Daseins, trifft und erhält sein bctvegtcs Gemüt im Mittelpunkt festlicher Situationen. „Mit der Sünde leben!" heißt es im Angesicht der angeb einen Franzi. „Das Böse, das Böse ist cs, ums lebendig macht." Das ist nicht mehtt die Sprache einer Skepsis, die in ^Schloß Nornepygge" jedes Handeln für einen Denk fehler erklären mußte. Es ist ein Jenseits der Skepsis, ein Glaube nach der Zerknirschung, der sich aus dem Orgiasmus der Antithesen in ein organisches Beisammensein von Trieb und Pflicht, Gefühl und Intellekt hinübergerettet hat. Die Erfahrungen dieser Wandlung sind in seinem profunden Bekenntniswerk „Heidentum, Christentum, Judentum" niedergelcgt. Es ist die große religionsphilosophische Kontroverse unserer Tage, groß in der synoptischen Fähigkeit ihrer Kritik. Brod versucht eine strenge Scheidung der drei Glaubenssysteme, verwirft die unvollkommenen Ant - Worten heidnischer und christlicher Observanz auf das Diesseits-Jenseits-PcMem unb stellt ihnen ein Drittes entgegen, die Ucberwindung der „Unvereinbarkeit des Zusammengehörigen" unter dem Aspekt des Wunders. Das ist die urjüdifthc Lösung. Bon hier aus eröffnet sich den; überweltlich gerichteten Geist eine neue Weltlichkeit, das Glück der Form. Jeder Schritt, jede Gebärde treibt ihn ins Wunder, das einst Werfel lächelnd, atmend, schreitend besang und wie es Brod in feinem Hymnus an „Franzi oder eine Liebe zweiten Ranges" epischer, im Figuralgesang, ertönen läßt. Wie stolz und verschwiegen, wie klug, keusch und berauschend wächst hier aus zärtlichen Anfängen eine Liebe in den ersten Rang! Es gibt eine Form der Liebe, die aus innerer Bereitschaft quillt, Bereitschaft zum Erlebnis, zum Wunder. Das ist die Lieeb der begnadet Liebenden, eines Dante, eines Kierkegaard. Bereitschaft ist alles, Jugend, Welt, Gott, Liebe. So vollendet sich der religiöse Mensch im Liebenden. Und der Liebende im „Leben mit einer Göttin". Der eineinsame Monologist, der aus dem Halbdunkel seiner 'Zelle zu uns spricht, "hat einen'Menschen geMet, Veit Mann neben der Geliebten. Er tat es aus Eifersucht — aber was ist Eifersucht? Mißtrauen ohne Beweis, erkranktes Vertrauen, sagt Max Brod. Cs ist mehr. An religiöser Vorgang, ein Kultus:.Lob und Anbetung der von Gott ästige - pflanzten Fremdheit zivischen Mann und Weib. Wie Tycho Brahe sich vor Keplers fremdem Leben erniedrigt und verzehrt, so vergeht der im Leben mit einer 'Göttin über sich selbst hinausgeschlenderte an der Unkenntnis ihres göttlichgeheimen Kerns. Im „Reubeni" aber ist der Problemkreis „Leben mit einer Göttin": die ins Tragische gerückte Ohnmacht der Liebenden, nie sich ganz zu besitzen, in ein großes historisches Geschehen getaucht. Der „Reubeni" ist die episch geklärte Synthese der beiden Elementarkräfte im Brodsrhen Lebensgefühl: Eros und Judentum, dargestellt in der schweren «nichtigen Fraktur der Renaissance. Der Stoff, in den der Dichter sein Reubeni-Erlebnis smkte, lag ln einem verschollenen Mythus, und so, in lebendiger Durchdringung von Gestalt und Idee, erhob er ein historisches Vermächtnis zu epischer Realität. Es ist, als habe sich die Idee des Judentums, wie Brod sie verstanden wissen will, gleichsam nie menschlichen Form verdichtet und lebe nun, m deutlicher Entfernung, sehr nah und sehr fremd zugleich, ihr geschichtliches Schick »«X BRODS Wtt Mer Made in Karton AM. 22 — Inh alt: Rkubeui, Fürst der Zudeu Sin ReuaWme-RoMa« Bttflage 18*000 . .. Reubeni sind wir alle. Dieses Buch ist ein ewiges Vuch. Es ist unser Roman — soweit wir nicht zu den Flauen und Seichten gehören. So schmerzliche Sehnsucht klagt heimlich in uns allen. Die Menschen sind im Wesen und in allen kleinen Äußerungen von innen, von „hinter der Maske" her „mit liebevoller Gerechtigkeit" gesehen, und was uns an diesem gewaltigen Werk immer in Erinnerung bleiben wird, das ist dieses große „Dahinter"! Berliner Tageblatt M. Tycho Brahes Weg m Sott Historischer Roman. Auflage 82 088 Die sich mit Schaudern von der „schönen Literatur" abwandten, werden dies Buch lieben. — Es ist tief und schwer und reich. Eine unter- 9ene Welt erschließt sich und wird unsre Gegmwart. Cs ist das Ideal des „historischen Romans". Max Brod tritt mit diesem Buch in der Land in den hohey Bezirk der Meister. Literarisches Echo IliJ. Max Brods großes Bekermtnisvrrch Heidentum / WMeuturn Judentum % Bände. Auflage 8000 Das reiche, schwere, vielseitige Buch ist eine aufwühlende Tat, glänzende Verteidigung und schwere Anklage, Mahnung und Anstoß, den Prozeß wieder aufzunehmen und den ersten Ring am Ende doch noch herauszufinden und zur Geltung zu bringen. Vossische Zeitung, Berlin Max Brods jüdische Bücher Mer Bünde kn Karton m 22. - sogleich lieferbar gehöre« m jedes jüdische Haus BESTELLSCHEIN. An dis Buchhandlung R.L0WIT, (Vers-Abtlg.), Willi I. Fteischmarkt 1 Unterzeichnete^) bestellt hiemlt Max Brod, Jüdische Bücher,? Bde. in Horton RM 22.— (S 40.—, Kc 200.—) inkl. Porto u. Verpackung leb verpflichte mich, den Betrag m vier gleichen Raten h RM 5,50 (S 10.—, Kc 50.—), von denen die erste der Sendung nachgenommen werden kann, zu erlegen. Bis zur völligen Bezahlung bleibt die Sendung Ihr Eigentum. Name, Beruf, kdrtssc Ort und Datum: 1 sal tu der Gestalt Sar Dawid Reubenis. Welch eine Gestalt! Ein jüdischer Geist von eurckpäischer Geltung, ein heißes Herz uÄ» ein rifljigcr "politischer ''Kopf. Go ist im „Reubeni". ein geistiger Typus gestaltet, dessen jeweils sichtbare Bildungsstationen Wälder Nornepygge, Tycho Brahe und Dr. Askonas heißet!, Ausstrahlungen ein Und desselben Ich au? dem Wege der Gelbstbezeugung. Es ist ein Eier'Weg bis -um Meubeni", uiD erführt auÄ der intellektuell betonten Groteske zur gestalteten Mitte von Poesie und Tat. Max Brod über seine neue» Arbeiten. AnlWich ferner jüngsten Anwesercheit in Prag hatte unser Mitarbeiter Gelegenheit, mit Max Brod über seinen Roman „Reubeni" und über seine nächsten schriftstellerischen Pläne zu sprechen. Bezüglich seines so erfolgreichen WerckeS „Reubem. Fürst der Juden" betonte der Dichter, daß er eine geschichtliche Gestalt rehabilitieren wollte. Reubeni lebe in unserer Geschichte als Schwindörr. Graetz findet für ihn keine andere Bezeichnung als! die eines Lügners und Schwindlers. Max Brod habe nun, gestützt auf geschichtliche Quellen und geleitet von dichterischen Einfühkern, Reubeni sozusagen nur als „Zalblügncr" erkannt und gezeichnet. In diesem Zu sammenhang sprachen wir über die jüngst aufgetauchten Mitteilungen des WahaöitensekretärS Nissim Tager, über einen tveychaften selbständigen jüdischen Stamru Haiöori oder Chatbart. Brod meint, daß diese Nachrichten in der jüdischen Welt nicht die Beachtnng gefunden hätten, die ihnen znkämen. Besagen sie doch, daß da- Cyabor nicht ins Bereich der Legende gehöre. Vermutlich habe David Reubeni von diesem souveränen jüdischen Stamm Kenntnis gehabt und die Wahrheit gesprochen. W kann kaum bezweifelt werden, daß das aüe Chabor mit dem jetzt bekannt gewordenen Chaiöart verwandt sei. Als traurige Tatsache empfindet Max Brod den Umstand, daß Reubeni bei uns als ein „Rani fchekor" betrachtet werde. Zit besonderer. Genugtuung gereicht es Brod, daß dieses jüdische Epos den Weg zum Herzen des ostjüdischen Lesers gefunden hat. Neben der polnischen Ueberseyung loird jetzt auch eine jiddische vorbereitet. lieber seine literarischen Pläne befragt, teilte Max Brod mit, daß er an eine größere Arbeit a u s d e m L e 6 c n der Fr ankisten denke. Er sammle bereits das historische Material und studiere gegenwärtig das Werk Kraushaars: „Frank und die Franksten": auch beschäftigen ihn die zahlreichen, bisher unveröfsentkichten Dokumente über die Fränkinen, die sich im Mischen Rathaus in Prag befinden. Biele jiidische FamMen in Prag stammen, ohne es zu wissen, von den Franklsten ab. Im Zusammenhang mit diesem Werk plant Brod eine Studienreise nach Polen. Gegenwärtig hat der Dichter eilten neuen Roman unter der Feder, der die Fortsetzung der Reihe seiner Liebesromane bildet. Dieser beinahe abgeschlossene neue Roman wird aliler Wahrscheinlichkeit 'den Titel „Die Frau, nach der man sich sehnt" iraKen. T. N. Dr. Arthur Lenhoff: Auflösung der Ehe »nd Wieder« vere-hrlichung. Verlag Hölver-Pichler-Tempolz A. G., Wien 1926. Beiträge zuin österreichischen Eherecht nennt vor Autor seine gründliche, wissenschastAche Arbeit über den ganzen, das Cherecht in Oesterreich betreffenden Fragenkomplex. Lenhoff weiß sehr gut, daß das geltende österreichische Recht dringend einer Reform bedarf und daß diese nicht allzu lange wird auf sich warten lassen können: ivenn er aber trotzdem das veraltete Gesetz einer sich auf 209 Seiten tzrstreckenden Behandlung Ivürdigt, so geschieht dies vor arlem destveaen, weil er den Benuch unternimmt, die Gültigkeit der Dispenschen auch au» den gegenwärtigen Gcsetzesparaaraphen nachzuweisen. Er mutz daher zu der etwas gewagten Hypothese greisen, daß zwischen Ehescheidung und Ehetrennung kein wesentlrcher Unterschied besteht. Man wird mit vielen Teilen seiner Ausführungen nicht einverstanden sein und doch in der Praxis immer nach diesem Werke greisen, weil es durch Heine bezwingende Darstellung dem Juristen oft die Handhabe bieten ioird, vielen äu ihrem Rechte zu verhelfen. L. G. Dr. Eberhard Neug^Äauer: Funkrecht, Sttlkes Rechtsbibliothel Nr. 33, Georg Stilke Verlag, Berlin, 1926. Die in vöMg umgearbeiteter und in ettveiterter Auflage vorliegende Arbeit Neugebauevs über das „Funkrecht" gibt uns einen Ueberblick darüber, toMfen staunenswerten Untfang dieses Rechtsgebiet genommen hat und wie weit Deutschland bereits in seiner Kodifizierung ist. Das bei uns noch nicht ganzt geklärte Recht auf eine Antenne ,ferner Vas Recht des Unterhaltnngsradios, der verschiedenen Furtkendienste, der Presse, schlieWch die Fragen des Funkurheberrechtes und der Bildtelearaphce toerden eingehend daraesteltt und dabei die gesamte deutsche Judikatur berücksichtigt. L. G. Bklcherscha«. Simon Bernselb: Sefer hadmoat (Das Tväneuvrlch). Verlag Eschkol, Berlin. Bo Äin Na: Auferstehung. Betlag Richard Hummel, Leipzig. Arthur Haa»: Die Welt der Atvme. (Zehn gemeinverständliche Vorträge.) Verklag Walter de Gruyter n. Co., Berlin und Leipzig. Alfred Orol: Bruckner. Ein Meister der Tonkunst. Verlag „Bücher der Heimat", Mötting. Alfred OE Franz Schubert. Mn Künstler seiner Heimat. Verlag „Bücher der Heimat", Mötting. Dr. Joses Resch: Die Arbeitslosenvorsicherung in Oesterreich. Verlag Typographische Anstabt, Men 1. Bez. Hermann Stephani: Grundfragen des Musik« Hörens. Verlag Breitkopf u. Härtel, Leipzig. Tr. Paul Stiaßnyr Zum Problem e i n e r R e n t e naufwertnnginOesterretch. Verlag WiMekm Brau« Müller, Wien. Tr. Erwin Stranttr Koko Jrregang (Roman). „Ava", Allgemeine BerlUöanstalt m. v. H., Hamburg, {. Staatöbttrgerbibliotyek: Das Recht der nationalen Minderheiten und der Völkerbund. VoMdereinsverlag G. m.b. H. „D«r Ouerschnitt". 8. Jahrgang, Heft 10. Oktober 1926. Prophläenvervag, Berlin.

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