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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-15 · Heft 2743 (15.10.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2743 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Jette « ßMcrr LcbenSlänftttcher Kerker für eine« bestialischen Gatten« Mörder. Ein scheußlicher Fall van Roheit und Tücke beschnstiqte vorgestern das Schwurgericht in Ried in L.verösterreich. Der Kleiugutsbesitzer Karl Kittet hatte net wegen Mordean seiner Gattin zu verantworten. ES war bekannt, daß Kittel die hinkende, um fünf Jahre altere Stirn, eine KriegerSwitwe, geheiratet hatte, um in den Besitz ihres schuldenfreien Anwesens zu gelangen. Tu> Ehe war unglücklich. Kittel mißhandelte nnd verhöhnte die Frau. Mr 10. Mai, um 5 Uhr morgens alarmierte er die Nachbarn mit der Mitteilnna. seine Frau habe sich erhängt. Man fand sie in derWohnftube an einem von der Zirmnerdecke herabbaumelnden Strick düngend tot ans. Die äußeren Umstände wiesen unverkennbar darauf hin, daß Kittel in bestialischer Weise Hand an seiner Uran angelegt hat. ^er Gerichtshof legte den Geschworenen eine Schilldfrage, lautend auf heimtückischen G a t t e n m v r d, vor, die von diesen einstimmig bejaht wurde. In spater "Nachtstunde wurde der Prozeß beendet. Kitte! wurde zn lcvenölänglichcm schweren Kerker verurteilt. Emil Marek im Ausgleichsverfahren. Die in der Oeffentlichkeit vielsach erörterte Affäre des Technikers EmÄ Marek in Mödling, von dem immer noch nicht feststeht, ob ec ein Bein durch einen einzig dastehenden Unfall eknbüßte oder ob er einen auf 200.000 Dollar berechneten Versicherungsbetrug gegen den Danubian Lloyd inszeniert hat, ist zivilrechtlich in ein neues Stadium getreten. Emil Marek hat beim Zivillandesgerichte um die Verhängung des Ausgleichsverfahrens angesucht. Er bezeichnet sich als hochaktiv, bewertet die nicht näher spezialisierten Aktiyen mit 1,656.357 S., denen Passiven in der Höhe von 186.181 S. gegenüberstehen, so daß sich das reine Akt! vum auf 1,471.175 S. beläuft. Marek behauptet, auf Grund dieses Status hoch aktiv und nur vorübergehend immobil 1 s i e r t zu sein und bietet feinen Gläubigern eine 100-p r ozentige Quote ,die am 31. Dezember 1937 bezahlt werden soll. Zum Ausgleichsverwalter wurde der Ingenieur Rudolf Kittel, 18. Bez., Schumanngasse 32, bestellt. Der Religionsunterricht konfessionsloser Kinder. Der Verfassungsgerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten Doktor Vrttoröll i verkündete gestern seine Entscheidung über die Beschwerde, die der Hilfsarbeiter Johann Emhofer aus Perg wegen Verletzung der Glaubens- und Gewissensfreiheit erhoben Hatte. Emhofer war aus der katholischen Religion ausgetreten und hatte auch den Austritt seiner Kinder angemeldet. Die Bezirkshauptmannschaft hatte nun den Austritt der Eltern zur Kenntnis genommen, dagegen nicht den Austritt der Kinder; die das siebente Lebensjahr noch nicht erreicht hatten, und bestimmt, daß diese der katholischen Religion angehören. Diese Entscheidung war in Rechtskraft erwachsen. Da nun Emhofer seine Kinder nicht zum katholischen Religionsun terricht schickte, wurde er zu einer Geldstrafe von einem Schilling, beziehungsweise zwölf Stunden Arrest verurteilt, welche Strafverfügung vom oberösterreichischen Landesschulrate bestätigt wurde. In der Beschwerde wurde diese Strafverfügung, da..die Glaubensuud Gewissensfreiheit verletzt worden sei, angefochten und äusgeMrt, daß. hiedurch ein Zwang auf den Vater, seine Kinder am Religionsunterricht teilnehmen zu lassen, ausge- Äbt werde; das stehe im Widerspruch zu den Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes nnd des StaatsvertrageS. Verfaffuugsgerichtshof hat die Beschwerde wegen Ver-, Hängung ver Schulstrafe geäeir den Baker, ab g e w i e s e n und Mksgedrückt, daß auch eine Verletzung nach dem Friederrsvertmg von St.-Germain' nicht vorliege, da durch ihn die- Bestimmungen des Reichsvolksschulgesetzes nicht abgeändert wurden. i Der Prozeß Dr. Tauber gegen Ernst und Karl Colbert. Gestern ftlnd Vor dem Einzelrichter des Handelsgerichtes, OLGR. Ä. Wein mann, die fortgesetzte Verhandlung über eine Schadenersatzklage des ehemaligen Redakteurs des „Abend" Dr. Fritz Tauber gegen, die Herausgeber dieses Blai- Moegenierkrmr, loe Ernst und Karl Colbert statt. Die Klage stutzt sich daran!, die beiden Beklagten hätten ihren Kolporteuren verboten, neben dem „Abend" auch eine Zeitschrift des Klägers „Ich klage an" zn führen, da sie sonst den „Abend" nicht zum Erkauf erhalten würden. Die Zeitschrift „Ich klage an" erschien im Avril und Mai vorigen Jahres »nd enthielt verschiedene Angriffe gegen den Herausgeber des „Abend". Dr. Tauber begehrt einen Schadenersatz von WM Schilling. Nach Einvernahme verschiedener Zeugen beschloß der Richter über Antrag des Klagrvertreteks Dr. E i b u s ch ü tz, den Akt rvegen Verdachtes d e r E r p r e s s u n g an die Staatsanwaltschaft nbzutreten nnd daS zivilrechtliche Verfahren bis zur dortigen Erledigung zu unterbrechen.' Einmal verspätete Zinszahlung als Kündigungsgrund. Der Bericht über die am 7. Oktober statkgehabte Gerichtsverhandlung war der „Korrespondenz Gerichtlicher Pressedienst" (nicht „Gerichtshallc") entnommen. Las RaplMakartell bedroht die Existenz des kleine« Hönvlers. Alls Tarn o.w wird uns «eschrlsben: Sonntag, -den 10. b. M., fand hier eilte Versammlung der Nalphthahändler stat't, die sich mit den SMsichten deS Naphthakartells befaßte. Dem kleinen Kaufmann mild Produzenten droht der vollständige R u i n. Das Kartell beabsichtigt näiEch (wie bereits gemÄdet. Die Red.), den VerLauf'in jeder Stabt in der Hand e in e s V ea mt e n zu konzentrieren und so Ken Kaufmann auszuschalten. - Es wurde beschlossen, eine selbständige Organisation zur gründen reich P r o t e st t e l e g r a m m e an den FinanzminDer.Czechowicz, an den Handelsminister K w i a t k o w s f <i mch an den Minster- ' Präsidenten Marfchall Pilsndski albzuisendeu. Ein erschöpfendes Memorandum soll ferner 'dam jüdischen Sejricklub überreicht werden. In den nächsten Tagen wird eine Konferenz aller interessierten Kaufleute einberufen werden. Stahl- und Schienenkartrll. Aus Ber lin wird uns berichtet: Der Präsident des kontinentalen westeuropäischen CtäPkavtells, N a y t i c t, der in Berlin weilte, ist am 13. abends nach London abgereist, wo das internationale Sch i ene nka-y te l l zur Urrter- . zeichnung kommt. In London tritt auch Samstag das Exekutivkomitee des StahVkartells zusammen; Gegenstand der Beratung dürfte u. a. der Beitritt -er ffchechoslowäkischen, österreichischen, ungarischen uitd jugoslawischen Werke zum Stahlkartell bilden. Die Gerüchte, daß auch über den Veitritt -der englischen Stahlindustrie verhandelt werden soll, scheinen -nicht zutreffend zu sein, werden.von gutinformiertex «Seite zu- ' mindest als verfrüht öeseichnet. Heute ist, wenn.auch gewisse englische.Jndustrietteise.(irsta.7Sir Alfred Mond) einem!Bei-' . tritt Englands zu dem kontinentalen Stahlkartell^nicht ableh- -nervd gegenüberstehen,.^die Frage des Beitrittes Englands, die - für die englisthe Wirtschaftspolitik geraden umwälzend wäre, noch lange nicht entschie-den. , . . Heber. die Ziele des eben geschaffenen Kontinentalen Kartells äußerte sich Präsident Mayriet u. a. dahin, es werde - darauf ankommen müssen, eine K o n t r o l l e der Eisenerzenfr. «b&cr im Nr. 2743 gung zu schassen, welche jede Treiberei unter den Beteiligten Verbindern würde. In der Schweiz würde eventuell eine neutrale B e r m i t t l u n g 8 st e l l e errichten sein, die finanzielle Verwaltung würde eine Fi nanggescl.lschaft voraussichtlich in Holland, besorgen. Fusion in der Petroleumindustrie. Die Schob nica A.» G. für Pctrolcumiudustvie wird sich mit der „Nova" Oel« und Brennstoff A.-G. in Wien und der PetrolenmvertriebS« gesellschaft ,stit a r p a th i a" fusionieren und zu diesem Behnfe eine Kapitalserhöhung vornehmen. Insolvenzen. Der Konkurs wurde eröffnet über die Firma Burgverlag Adolf Schm i ege r, Wien, 1. Boz., JohanncSgaffe 4. — Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet icher Jakob H i r s ch, Kaufmann, Wien», 2. Bezirk, Rembrandtstraße 34. Schwankende Devisenmärlto. Die gestrigen Devisenmärkte waren durch bedeutende Umsätze charakterisiert, di« in einer Anzahl von Zahlungsmitteln recht ansehnliche Kursschwankungen hervorriestn. Die lateinischen Devisen lagen im allgemeinen fest, wenn sich auch im Endeffekt keine größeren Kursveränderungen ergaben. Der französische Franc schloß in Zürich 14.80, der belgische 14.41)4. Die Lira hatte im Kampfe zwischen Abgaben- und Stützungsaktionen die stärksten Schwankungen zu verzeichnen; der Kurs hat sich nach dem Rückschlag von Mittwoch besiern können, da er sich von 20.57 auf 20.62)4 Parität Zürich hob. Der Leu war mit 2.7b Parität Zürich unverändert, ebenso der Dollar (617.60). während der Schilling von 73.01)4 auf 73.02)4 stieg. Die Devise Oslo (norwegische Krone), die in den letzten Tagen auffällig stark gestiegen war, setzte ihre Aufwärtsbewegung auch gestern fort; sie schloß in Zürich 121.60 (gegen 110.50 am Vortage). Gebesserter Stand der Bank von Frankreich. Nach dem . letzten Ausweis der Bank von Frankreich haben die Goldankäufe in der vergangenen Woche 3 Mill. Franken betragen. Der neue Posten angekauftes Gold, Silber und Devisen" beläuft sich auf 498 Mill. Franken. Die Vorschüsse an den Staat haben eine Verminderung um 660 Mill. Franken auf 96 Mill. Franken erfahren. Der Banknoienümlauf ist um 562 Mill. Franken auf 86.4 Milliarden gefallen. Die Effektenbörse in Italien« Die italienischen Blätter melden, daß sich mit Hilfe des Banco di Napoli, des Vaueo di Sicilia und der Banca Commerciale ein Finanzikonsoriimn mit einem Kapital von 600 Millionvn Lre gebildet hat, um die mit der, Deflation zusammenhängende Baisse der Wertpapiere an der Börse, die besonders in Turin und Mailand arge Zusammenbrüche hervorgerufen hat» zu bekämpfen. Die neue Palästina-Währung. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: In einem Gespräch mit den Vertretern der palästinensischen Presse teilte der Schatzmeister der Palästmaregie-' run-g Mr. Davis mit. daß die neue palästinensische Währung, die auf dem englischen Pfund Sterling basiert, mit Beginn des Finanzjahres 1927 in Umlauf gebracht werden wird. Die Gutzformen für die neuen Münzen sowie Papier und Farben für die neuen Noten werden demnächst gebrauchsfertig fein. Die Aufschriften auf Münzen und Noten werden in den drei offiziellen Landessprachen, englisch, arabisch und hebräisch gehalten sein. Wiedereröffnung der Börse in Wilna. Aus Wilna wird chns gemeldet: In einer gemeinsamen Sitzung von Vertretern der Banken, der Industrie, des Handels und der Wirtschafts«, wrganisationsn, an der auch der Vorsitzende der Finanzkammer temrahm, wurde im Hinblick auf die gebesserte Konjunktur beschlossen, die Wilnaer Effektenbörse, die anfangs 1084. geschlossen worden war, wieder zu eröffnen. Der neue BLrsenrat wurde bereits gewählt. Schwache Weinernte in Frankreich. Französische Fachblät- . ter melden, daß im Gebiet von Bordeaux die Weinernte gegenüber 1926 nur rund 40 Pwzont beträgt. Im übrigen Wein- 'baugebiete Frankreichs wird das Defizit auf 30 Prozent geschätzt. Die Weinvorräte im Lande sind äußerst gering. Bubapester Gotreidetcrminmarkt. Trotz schwächerer amerikanischer Berichte eröffnet« der Budapester Verkehr zu un- CopytrigM 1026 by R. Löwit Verlag, Wien. Jajin Kiddusch. . Eine Erzählung aus dem alten Prag. :; . .. . (6. Fortse-tzung.) r)ie Witwe Ludmilla Rogan saß an einem Nachliiuag der Karwoche in ihrer Stube und plauderte mit ihrer. Nachbarin Dorka; dabei entspann sich folgendes Gespräch:' 7sWv'habt Ihr -Eueren kleinen Heinrich, Frau Ludmilla?" — „Er ist in die Judengasse gegangen, den' Juden Salom, unseren Wohltäter, aufzusuchen." —„Das hättet Ihr nicht zugeben sollen, Frau Ludmilla, jetzt nicht; denn die -Ostern sind nahe, und es ist ganz sicher, daß die Juden ihre Osterkuchen mit Christeublut bestreichen." — „Das ist ein Unsinn, Dorka, eine Verleumdung! Die Juden halfen die Gebote strenger als wir, auch das Gebot: ,Du sollst nicht töten.' Kenntet Ihr gar den Salom, Ihr würdet nicht so sprechen!" — „Ich traue mm einmal Uinm Suben, Ludmilla; Jude bleibt Jude; er mag sich noch so gut zu uns stellen, im Herzen haßt er uns." Mit diesen Worten erhob sich die schwatzhafte Dorka, um w?gzugehen, denn es war Abend geworden. Frau Ludmilla sah unruhig nach ihrem Heinrich aus. langes. Msbleiben machte sie ängstlich. In der Stube wurde! es immer dunkler, der Knabe kam noch rinmer nicht;' dir Äugst der Mutter stieg auss äußerste. Sie tvollte die anderen Kinder allein lassen mtb dem Knaben entgegen* * eilen, da öffnete sich leise die Tür und ein Mann, in einen Mantel gehüllt, trat. ein. Der Mantel Und die Dunkelheit ließen sein Gesicht picht erkennen. Frau Ludmilla fragte nach seinem Begehr. „Ich will bloß sehen, ob' Euer Heinrich daheim ist" — autivortete der Unbekannte mit kvekschender Stimme. „Um Himmels willen, was kümmert Euch ukein Kind? Mas ist geschehen?" „Geschehen? Noch nM^.. - Aber bald wird's geschehen!" — antwortete der Fremde höhnisch. „Was wird geschehen? Was ist mit meinem Kind? Ich bitte Euch, sagt es mir!" — rief die Frau. „Frag' nur deinen Wohltäter, den Salom — der hat deinen Jungen im Keller eingesperrt; dort, soll er heut' geschlachtet werden!" Mit einem Schrei t>es Entsetzens stürzte die Frau an denl"?vr tckden vorüber und eilt* < überdie Brücke nach der Judenstaet. ' Verzweifelt stürzte die Rogan in Saloms Hans und -verlangte schreiend ihr'Kind. -Salom sprach in besänftigendem Don: „Beruhigt Euch, Frau, Euer Heinrich muß! schon längst.zu Hause sein."' — .„Nein, er ist hier bei Euch : im Keller eingespervt, Ihr wollt ihn schlachten, — ein. : Fremder hat's mir gesagt." — „Frau, womit habe ich das! verdient, daß -Ihr nach einer solchen Tat für fähig hal- - tet!" — rief Salom entsetzt aus. „Ich weiß ja, was Ihr : mir Gutes getmr habt; aber mein Kind ist noch nicht zü-- rück ... und der Fremde hat mir-gesagt. .. führt 'mich in den Keller!" — bat Ludmilla — „Laßt mich alle Zimmer nnd, Kammern durchsuchen!" — „.Fuhrt sie, wohin sie verlangt" — befahl S-alonr. Die Frau durchsuchte das ganze Haus; da nirgends eine Spur von ihrem Knaben zu finden war, wurde sie ruhiger; sie bat um Entschuldigung für ihr Ungestiun und eilte von dannen. Aber im. Hause Säloms herrschte jetzt Furcht und Schrecken. Eingedenk der Beschuldigungen früherer Zeit zitterten alld -vor dem, ivas noch kommen würde. Die Schrekkenskunde verbreitete sich rasch imt'er den Nachbarn; Jamnrer und Wehklagen erfüllte alle Judenhäuser; die Türen wurden doppelt verricg?li, die Fensterläden geschlossen und alle waren aufs äußerste vorbereitet. Diese Vorsicht war keineswegs, unnötig; denn ehe zwei Stunden vergingen, wurde Salöms Haus von Söldnern umringt und das Iwi nere durchstöbert;- obwohl im ganzen Hause nicht-das geringste gefunden'wurde, was deu Verdacht bestätigen konnte, würden Salom/und sein. Hausgesinde als des Mordes verdächtig in Kcsteii .geschlossen' und fortgeschleppt. Mit Mühe konnten die Söldner Mord und. Brand in der Judenftadt perhüten. - ' ä- - - ( Um diese Zeit, saß iw W'berüchtigten Schenke, dev^ ffimi Sabina auf. dem Porst (der damals, weil er von lauter deutschen Einwanderern bewohnt war, „die Stadt der Deutschen" genannt iourde und da er mit besonderen Privilegien und Fveiherteri ansgestattet ivar, das Häuptqilartier aller Gauner, Taschendiebe und anderen, Gesindels bildete, tms gerade damals Prag in reichem Maße heimsüchte) einl einsamer Gast; es war Waelaw Rybar, das uns bereits bekanrtte Mitglied der Kirchenräuüerbande. Frau Sabina, die streng darauf sah, daß in strer Schenke zür Nachb- -eit Muhe herrsch:, und daher nach zehn Uhr abends keine Gäste dariir duldete, blickte mißmutig von ihrem Schanktisch. <den sie in Ordnung brachte, zu. dem spätm Gast hinüber: „Nun, Rybar, wie lange willst du noch da hokken? Dein 'Kumpan scheint dich vergessen Kr %öen." — l „Daß ihn daS Donnerwetter!" — fluchte Rybar und tat einen kräftigen Schluck aus dem Merkrug — „Mer das merke dir, Sabma: dem Buben darf kein Haar gekrümmt werden, sonst kräht auf deiner Bude der rote Hahrt!" „Bist fou aber auf einmal fromm geworden!" — lachte Sabina — „Machst dir sogar was ans einem Menschenlechm! Na,, meinetwegen! Mer erkläre mir bloß — warum soll der Bankert hier versteckt bleibend — „Laß' dir sagen : der Bub ist verschwunden und wird gesucht werden; natürlich kommen' die 'Juden m Berdacht. Versteh'st du,'jetzt?" —• „Kein Wort! Was haben die^fuden M dem Bich'err Ki tun?" — Bist schwer von Begriff, Sabina! Muß dir schon 'die ganze Geschichte erzählen. Mso — heute abend kommt der schuftige Jude Jtzig in meine Wohnung, den Knaben an der Hand, ruft mich beiseite und sagt: ,Rybar, -willst du zwei Schock Groschen verdienen?' Ich bin natürlich dabei. Darauf der Judenhund: ,So schneide dem Bankert da die Gurgel durch und gib mir eine Flasche von seinem Blut. Ich Hab' eingewilligt, aber nur zum Schein, -denn mich dauert das Bürschel. Den Jtzig Hab' ich hieherbestellt, daß er sich die Flasche Blut abhole." „So ist es also wahr, daß' die Jrkden für ihre Ostern Blut von Christenkindem brauchen?" — fragte erstaunt die Wirtin. „Mst ja närrisch, Weib, wenn du solchen Unsinn glaubst. Das ganze soll aus Rache sein. Dem Jtzig haben sie seine Kalle weggeschachert und ihn davongejagt, da will er den Juden in der Altschul' einen Streich spielen, an den sie denken sollen. Der Bub war heute bei Salom, dessen Tochter der Jtzig haben wollte, zu Besuch mrd ist jetzt verschwunden; der Mutter hat man gesagt, er sei im HauS der Juden geschlachtet worden und..." — „Jetzt verstehe ich," — fiel Sabina ein — „die Judenhäuser werden überfallen, es gibt Raub und Plünderung, dabei verdienst du auch. Bist eine ehrliche Haut, Rybar, foppst den Jtzig Und nimmst noch Geld dafür!" — ,-Jch werde den Kerl schon zapfen, es wird auch nicht dein Schaden sem^ — erwiderte Rybar — „Wie gesagt, der Junge bleibt hier versteckt, bis der Spektakel mit den Jälden losgeht; dann lassen wir den Buben laufen. Dem Jtzig gebe ich eine Flasche mit Gansblut; was er damit will, weiß ich nicht; aber ich denke, es wird ihm denselben Dienst leisten können wie Kinderblut... Süll, es klopft! Er ist'sk Füll' rasch eine Flasche mit GanSblut und stell' sie mir mrf den Tisch!"

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