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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-14 · Heft 2742 (14.10.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2742 (14.10.1926)
Date
1926-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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« 1 Polen 135 gföäzy | Wien: Zum Abholen in de« Expedition, IL,Taborstr. 1.3 oder in einerVerschleißsteHe (Trafik) monatl.B Schilling Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I., Wollzeile 11 Mit kostversaud für Wien und Oesterreich monatKch 5 Schilling Tscheche - Slowakei: Mön.K82. Jugoslawien: Morn Din. 60. Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gim. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 85 N äch z all 1 tut g«a dsl *r h £h u n?e a fotbahaltan Kt 2742 I Preis 90 q | Engl and: Mon. ^Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire. Rumänien: Mon. 170Lei B ul g a r i e n: Mon.IOOLewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43*3-19 Ab 6 Ohr: TeL 31-209 VII., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva") Wie«. Lonnerstag, 14. Lttober 1926. Oesterreich: sches Postsparkassenkonto Nr. 150.693 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Sfuhlversfopfung Verdauungsstörungen Darmkatarrh 117 Darm-Bad IX. Borschkegdsse 8 . Tel. 23-4-16 Prospekte auf Wunsch. Ungarn kommt vor Gericht. Lpposttionsabgeordnete «ach Bern vorgeladen. Berichärfung der KonMts mit de« Beamten. Eine neue Frist bis Freitag mittag-. Gestern nachmittags. erschienen die Vertreter des Exekutivkomitees des 25er-Ausschiusses und der Technischen Union im Bundeskanzleramt, um das neue Angebot der Bundesregierung entgegenzunehmen. Tr. N a m e k teilte mit, daß der Ministerrat einer Erhöhung der Bez ü g e uni 11 Prozent im Fahre 1927 gegenüber 10.33 Prozent im ersten Anbot zitgestimmt habe. Auch versprach er, einige Beschwerden der Beamten wegen der fakultati-H -v en-Zuwendungen an die Altpensionisten abzustellen. Das Gehaltsschema könne aber nicht geändert werden, namentlich müsse das Spannungsverhältnis der mittleren Dienstklassen ausrecht bleiben. Auch von dieser Antwort waren dü, Angestelltenve'rtreter .namentlich deshalb nicht befriedigt, weil die Organisationen eine Gehaltserhöhung nm 23 Prozent verlangt hatten. Es fand hierauf eine Vollsitzung des 25er-Ausschusses statt, in der sich die Beamtenvertreter neue Direktiven für weitere Verhandlungen -mit der Regierung einholtest^ . . Um 10 Uhrabends erschienen' die Bertrauensmänner der Bundesangestellten wiederim Bundeskanzleramt, um dem Kanzler die Antwort auf -sein neues Anbotzu überbringen. Sie bezeichneten das Angebot der Regierung als UNg eeignet für meritori sche V erh andlu.nge n. Ohnü eine ausreichende Erhöhung der Zugeständnisse in der Gehaltsfrage seien w e i t e r e V e r h a n d l u n g e n z w e cb l o s. Sollte die Regierung neuerdings eine ablehnende Antwort geben, dann stünden der 25er-Ausschuß und die Technische Union vor ernsten Entschlüssen. .In der Antwort der Angestellten werben fünf Ford e r n n g e n ausgestellt, deren, wichtigste die Er h ö h u n g des M on ats geh altes'um 20 Prozent und des M i n d e st b e z N g e s a u f. 170 Schill i n g s i n d. Die Beamtenvertreter erklärten, daß sie die Antwort des' Bundeskanzlers b'i s l an g stens Freitag mit - tags' erwarten. { ■ . Bundeskanzler Dr. Ramek nahm die Forderungen zur Berichterstattung an den Minksterrat entgegen. in Meder ein politischer Mord in Warschau. Ein Kommunist erschient einen Sozialdemokraten. Warschau, 13. Oktober. Gestern, abend wuche Warschau Meder ein'poXitischer Mord verübt. In esnem-Gasthause kam es zu einem Streit zwischen anwesenden Sozialdemokraten und, Kommunisten, in dessen'Verlauf der sozialdemokratische Parteigänger .Gostinski. von einem Kommunisten ,nieberge sch o-s-sen wurde. Man glaubt, daß es sich um einen Racheakt der Kommunisten handelt, weil, wie gestern berichtet, der Vorsitzende des jüdischen Gepäckträgerverbandes Lubelski, der angeblich komnrunistisch gesinnt gelvesen sein soll, von einem ^Sozialdemokraten erschossen worden war. . Ae „lebende JHtdjeMn PalWna- Jerusalem, 13. Oktober. (I. T.-A.) Die russisch e n ö r t h o d o x e u K r e i s e in Palästina sind beunruhigt über die Nachricht, daß das griechische orthodoxe Patriarchat die „Lebende Kirche" in Sowjetrußland, die von der jüngeren balschewistenfreundlichen■ Geistlichkeit geschaffen worden ist, anerkannt hat. Die russischen' Orthodoxen befürchten, bic§; werde der russischen Regierung das Recht verleihen, die Rückgabe desrussischen religiösen Eigentums in Palästina zu verlangen und.durchzusetzen. : Budapest, 13. Oktober. Die Strafkammer des eidgenössischen Bundesgerichtshofes in Bern hat an mehrere oppositionelle Abgeordnete der ungarischen Nationalversammlung Einladungen ergehen lassen, bei der am 18. Oktober in Genf beginnenden Verhandlung gegen den Emigranten Ivan v. Jnsth als Zeugen zu erscheinen. In politischen Kreisen vermutet man, daß der Angeklagte versuchen wird, den Beweis zu erbringen, . daß er den Grafen Bethlen. auspolitischen. , . Motiven, wegen der U n t e r d r ü ck u n g des ungarischen Volkes, insultiert habe. Jnsth will ° die ungarischen oppositionellen Abgeordneten als Z e u g e n für die Richtigkeit seiner Behauptung führen. Der Abgeordnete der Kossnthpartei, Vinzenz Nagy, wird der Einladung wahrscheinlich Folge leisten. - # Justh hat, wie bekannt, den ungarischen Ministerpräsidenten Bethle n, der umnittelbar nach -der Frane-fälscheräffäre bei der VöKerbundtagung in Genf erschienen war, wo er von fast allen Delegierten ostentativ geschnitten wurde, ge ohrfeigt. Die Einladung an die oppositionellen Politiker Wird nun da Au führen, daß der Skandal des „Kurses", der nun schon sieben Jahve andauert, außerhalb des Machtbereiches der Horthy-Gerichte aufgerollt wird. Die Person des „Attentäters" Justh ist hiebei ziemlich nebensächlich. Das unabhängige Gericht der Schweiz wird seine Tat, die er doch selbst als einen politischen Akt bezeichnet hat, auf den politischen Hintergrund zu prüfen haben. Es ist deshalb sehr wohl verständlich, daß die magyarische Prefsepropaganda sich bemüht, Justh als einen exaltierten Kommunisten, der er vielleicht ist, hinzustellen und zu bagatellisieren. Ob di« ungarische Opposition sich nicht im letzten Augenblick auf ihren „Patriotismus" -besinnen wird, ist freilich eine Frage. Der verhinderte Landeshauptmann. Fortdauer der Obstruktion in Graz. . Praz, 13. Oktober., (Privattelegramm.) Die Obstrutri p n der, Sozialdemokraten -iim Landtag g e h t sw e.jte r. Während "ÄWPuVeckel-^-' konzert viel Kraft vergeudet wurde, sind die Sozialdemokraten heute .zu.'einer -mehr -kraftsparenden, -aber dafür um so langweiligeren -Art - der Verhinderung der Wahl Dr. Rintele ns -zum Landeshauptmann übergegangen. Sie halten endlose Reden, zeitweise in einem ganz geniütlichen Ton, nur unr die Zeit totzuschlagen. : Wenn! das so weiter geht — und die Geschäftsordnung bietet hiezu die Möglichkeit — werden eben die 24 Sozialdemokraten ein jeder in der Debatte über den Wahlvorschlag zweimal zum Worte kommen. 'Es wird also, 48 Rede n, geben. Man kann sich demnach leicht ausrechnen, daß hie Obstruktion bis Jahresende rdauern ' kann. Solange. Mrv eben Dr. Rintelen auf seine Wahl zum Landeshauptmann warten müssen, es sei denn, daß. er überhaupt auf sie verzichtet und daß man'den Landtag auslöst. Letzteres dürste das wahrscheinlichere sein. Bor Eröffnung der Landtagssitzung gab es im Hof des Landhauses wieder einige Auftritte. Ein Teil der. Galeriebesucher wollte-sich mit Karten, die tags zuvor von den Kommunisten einem Beamten der Landesregierung bei, der Austeilung gewaltsam entrissen worden waren, den «Eintritt verschaffen. Der Hof des Landhauses wurde nun von Polizei abgesperrt. Als der christlichsoziale Landeshauptmannstellvertreter Riegler ins Landhaus wollte, wurde er von der Menge beschimpft und erhielt auch, wie es heißt, einige Püffe. Schließlich ließ man alle mit Karten.Beteilten ans die Galerie. Die Vormittagssitzung füllte der Sozialdemokrat Leichin mit einer Erwiderung, auf die Rede Dr. Rintelens aus. Er bezeichnete die Anklagen Rintelens gegen die sozialdemokratischen Führer Muchitsch, Resel rnrd Dr, S ch a ch e r l als eine P e r f i d i e. Die Argumente Rintelens seien ' . i' , schmutzige und offtnsichMche Uitwahrheiten. Seine Partei erwarte, daß die Großdeutschen so viel Rein-- . lichkeitsgefühl besitzen werden, diesmal nicht für Rintelen zu stimiiten. So viel stehe auch berests fest, daß vvu sämt-- lichen Landtagsabgeordneten 36 (Sozialdemokraten, Großdeutsche und Bauernbündler) inicht fü.r Rin^elemstimmen werden. Während der Mrttügspauft versetzte -Leichin einem Galeriebesucher, der sich über Frau Tausk, eine sozialdemokratische Abgeordnete, abfällig geäußert haben soll, . , eine Ohrfeig., In der Nachmittagssitzung ersuchte der Vorsitzende' zunächst die Abgeordneten, sich''mit den Galeriebesuchern in kerne Kontroversen einznlassen. -Abgeordneter Leichin, der zur Fortsetzmlg seiner Rede das Wort ergriff, wurde sofort von den Ghristlichsozialetr mit dem Zuruf „Wats ch e u m a n n" begrüßt, worauf es Leichin bedauerte, daß er sich in.seiner Erregung zu einer Ohrfeige habe hinroißen lassen.^ Er ,ho.ffe/)daß der junge -Manw' es. ihm verziehen > habe. Dararif riefen, die.Ehristlichsc>zjalen: „WahrscheMich ibar es ein Parteigenosse!" T»ann warf er dem christlichsozialen Nationalrat Dr. Gimpl .SchieVergeschäfte vor. Gimpl habe einem Wiener Musikverlag gegen- Zinsen 80 Milliorren geliehen. Unter dem Gelächter seiner Parteigenossen verlas der Redner, einige in diesem Berlage erschienene Lieder nnt erotischem Text. Der Rest, der Sitzung wurde mit der Verhandlung von dringlichen Anfragem der Sozialdemokraten ausgefüllt, in denen sie gegen - die monarchistischs Propaganda in Steiernmrk auftraten und namentlich den, Ausschlrtß des Gendarmerie inspektors Wurzinger aus dem Gendanneriekorp's, wegen schwarz-gelber Gesiunung verlangten. , Nächste Sitzung morgen. 10 Uhr vormittags. Regierungskrise in Fngoflawieu. Die Radie-Koalition gesprengt. — Demission des Kabinetts. Belgrad, 13. Oktober. Bei dem Besuch der tschechoslo'wakischen Abgeordneten in Belgrad ereignete sich, wie bereits gemeldet, ein durch den Führer der kroatischen Bauernpartei Stepan Rädic hervorgerufener unliebsamer Zwischenfall zwischen diesem und dem Präfekten von Agram, wobei noch Aeußerungen, die Radic während des Empfanges der Gäste über die serbische Regierungsform nrachte, die peinliche Situation verschärften. Dies hat zur Sprengung der Koalition Mschen den Radikalen und der Kroatischen Bauernpartei geführt,, die sich hinter Radic stellte. Infolgedessen hat das Kabinett U z u n o v i c Jeine Demission gelben; sie wurde vom Miuisterrat daimt begründet, daß aus politischen und wirtschaftlicheu Gründen eine Erweiterung der Regierungskoalition notwendig sei. - In der neuen Koalition dürfte die Radic-Partei nicht vertreten sein. - Höchstwahrscheinlich wird der König den gegenwärtigen, Außenminister Dr. Nincic mit der Bil- 'dung eines Kabinetts^ux Durchführung der Wahlen betrauen. Ein Kabinett Niucic würde sich auf die radikale Partei und die demokratische Bereinigung stützen. Nach einer andern Kombination soll Nikola Pasic eine Koalitionsregierung der Radikalen, der Slowenischen Klerikalen und der Dissidenten der Radic-Partei bilden, deren Führer Dr. Koröschee nick der gegenwärtige Forst- und Bergbaaminister N ikic Portefeuilles erhalten wurden. Jedenfalls ist mit .einer l äm ge-r^n Dauer der Re gier u u g s kr i se zu rechnen. SQnsatlonelle ea«a«&liäiftä q. ^.«aswealal k IBPllSt ■ AllSGbQf 6 iiiwB'rT,IW8il’i Telephon 47t *79,43-408 Eo ps ED Ml IgAhACAAIQA/AFAAIgAhAD8AIgAiACEAPwA+ABwAIAA3AA==

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